Harnröhrenentzündung (Urethritis)

Schmerzen beim Wasserlassen, unangenehmer Ausfluss und ständiger Gang zur Toilette – solche Beschwerden kennen Viele. Häufige Ursache: eine Harnröhrenentzündung

aktualisiert am 19.06.2018

Bei einer Urethritis ist die Harnröhre entzündet. Die Grafik zeigt die Lage von Harnröhre und Blase (rot eingefärbt) bei Frau und Mann


Harnröhrenentzündung - kurz zusammengefasst

Eine Harnröhrenentzündung äußert sich typischerweise mit Brennen beim Wasserlassen, einem gesteigerten Harndrang und eventuell Ausfluss. Manchmal verläuft sie jedoch auch ganz unbemerkt. Die häufigste Ursache für eine Urethritis ist eine Infektion mit Bakterien. Der Arzt kann mittels einer Urinuntersuchung feststellen, ob es sich tatsächlich um eine solche handelt und gegebenenfalls auch andere mögliche Ursachen abklären. Anschließend legt er die passende Behandlung fest.

Die Harnröhre stellt eine offene Verbindung zwischen Umwelt und Harnwegen (Niere, Blase) dar. Normalerweise ist die Harnröhre die letzte Station beim Transport des Urins aus dem Körper heraus. In manchen Situationen ist sie aber Eintrittspforte für Erreger oder reizende Faktoren, die dann Entzündungen verursachen können. Der von Ärzten verwendete Fachbegriff für eine Entzündung der Harnröhre lautet Urethritis. Männer und Frauen sind gleichermaßen davon betroffen.

Ursachen für eine Urethritis 

Eine Infektion ist mit Abstand der häufigste Grund für eine Urethritis. Dabei stehen Bakterien an erster Stelle. Chlamydien, Gonokokken ("Tripper"), Mykoplasmen, Ureaplasmen oder aber auch Darmbakterien sind in der Lage, eine Entzündung der Harnröhre hervorzurufen. Diese werden vornehmlich bei ungeschütztem sexuellen Kontakt übertragen. Doch auch im Zuge von Schmierinfektionen, vor allem bei Frauen, können beispielsweise Bakterien durch falsches Abwischen der Analregion in die Harnröhre gelangen.

Seltener sind Viren (Herpes simplex), Geißeltierchen (Trichomonaden) oder – bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem –  Pilze Auslöser der Urethritis.

Die Harnröhre kann aber auch auf anderem Wege gereizt werden. Fremdkörper wie Harnblasenkatheter können bei dauerhafter Benutzung eine Harnröhrenentzündung verursachen. Ebenso können bestimmte Techniken der Selbstbefriedigung zu Schäden der Harnröhre führen. Unverträglichkeiten gegen chemische Substanzen wie Verhütungsmittel (Spermizide) oder Gleitmittel sind weitere mögliche Ursachen für eine Urethtritis.

In seltenen Fällen tritt mit zeitlicher Verzögerung nach Infektionen der Harnwege oder des Darmes die Urethritis gemeinsam mit Beschwerden an Gelenken und den Augen auf ("Reiter-Syndrom"). Manchmal kommt es auch im Rahmen von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus zu einer Harnröhrenentzündung.

Welche Symptome treten bei einer Harnröhrenentzündung auf?

Betroffene berichten vor allem über Brennen beim Wasserlassen. Hinzu kommt der quälende und häufige Drang auf Toilette zu gehen. Zudem ist die Austrittsöffnung der Harnröhre oftmals gerötet, sehr schmerzhaft und juckt. Unangenehm ist Vielen das Auftreten von Ausfluss aus der Harnröhre (Fluor urethralis). Dieser zeigt sich meist glasig, trüb oder eitrig.

Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, doch sind die Symptome in vielen Fällen nur sehr diskret oder fast gar nicht bemerkbar. Im Falle einer Urethtritis der Frau, beispielsweise verursacht durch Chlamydien, klagt nur eine von vieren über Beschwerden.

Mögliche Komplikationen einer Urethritis

Aufgrund der möglichen Komplikationen, die sich aus einer Harnröhrenentzündung ergeben können, ist es sehr wichtig, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Bei Frauen droht als Spätfolge einer chronischen Entzündung der Eierstöcke und Eileiter (Adnexitis) die Unfruchtbarkeit. Eine Harnröhrenentzündung hat in einigen Fällen eine Verengung der Harnröhre zur Folge (Harnröhrenstriktur). Bei Männern kann sich die Entzündung auf Hoden und Nebenhoden, in einigen Fällen auch auf die Prostata ausbreiten. Eine Infektion durch Chlamydien kann bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden und eine Bindehautentzündung zur Folge haben, die unbehandelt zur Erblindung führen kann.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Harnröhrenentzündung sind der Hausarzt oder ein Urologe der richtige Ansprechpartner. Wegweisend zu Beginn ist das ausführliche Gespräch des Arztes mit seinem Patienten. Er achtet hierbei nicht nur auf typische Beschwerden, sondern versucht bereits der Problematik auf den Grund zu gehen. Ob die Ursache der Beschwerden der ungeschützte Verkehr mit wechselnden Sexualpartnern ist oder die Benutzung von parfümierten Tampons spielt für den Therapieerfolg eine große Rolle, denn nur wenn fest steht, ob und welche Keime beteiligt sind, kann der passende Behandlungsansatz gefunden werden.

In der körperlichen Untersuchung versucht der Arzt die Auswirkungen der Harnröhrenentzündung zu erfassen. So wird zum Beispiel beim Mann der Hoden untersucht, um eine Beteiligung der Hoden im Rahmen einer sich ausbreitenden Urethritis zu prüfen. Bei Schmerzen im Dammbereich ist auch eine digitale rektale Untersuchung notwendig, da die Prostata betroffen sein könnte.

Entscheidend zur Diagnosestellung ist die Untersuchung des Urins. Die erste Portion Urin, die beim Wasserlassen die Harnröhre verlässt, ist von besonderer Bedeutung. Denn dieser Anteil spült die ursächlichen Keime heraus, die dann in weiterführenden Untersuchungen identifiziert werden können. Der sogenannte Mittelstrahlurin schließt sich dieser ersten Portion an und ist eine geeignete Probe zur Untersuchung von Erkrankungen der höher gelegenen Bereiche des Harntraktes (Niere, Blase). 

Die Identifizierung des Erregers ist für die Therapie von großer Wichtigkeit. Ein sehr effizienter Weg Erreger zu isolieren, ist die Durchführung von Abstrichen aus der Harnröhre, bei Frauen noch zusätzlich aus dem Gebärmutterhals. Sogar die mikroskopische Untersuchung des Harnröhrenausflusses kann bereits die Diagnose Urethritis sichern.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Harnröhrenentzündung. Stecken Bakterien hinter den Beschwerden, sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Für Viren, Pilze oder Einzeller sind ebenfalls wirksame Medikamente verfügbar. Eine gleichzeitige Behandlung des Partners ist meist sinnvoll, um eine erneute Übertragung der Keime beim Geschlechtsverkehr zu vermeiden (Partnertherapie, zum Beispiel bei Chlamydien).

Insgesamt dauert die medikamentöse Therapie nur kurz und wird von den Patienten sehr gut vertragen. Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto besser der Heilungserfolg.

Bei einer nicht-infektlösen Urethritis ist es wichtig, den Auslöser zu kennen, um ihn meiden zu können, zum Beispiel durch einen Wechsel zu anderen Reinigungsprodukten oder Verhütungsmitteln. Schließlich kann der Arzt bei starker Schmerzsymptomatik unterstützende Medikamente wie Schmerzmittel verschreiben, um die Beschwerden zu lindern.

Einer Harnröhrenentzündung vorbeugen

Es gibt Möglichkeiten, einer Harnröhrenentzündung vorzubeugen:

  • Keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr ausüben, sondern Kondome verwenden.
  • Nach dem Geschlechtsverkehr die Blase entleeren.
  • Beim Toilettengang die Blase vollständig entleeren.
  • Ausreichend trinken.
  • Unterkühlung vermeiden und Füße und Unterleib warmhalten.
  • Als Frau sollten Sie auf "Intimspray" und weitere Produkte zur Genitalhygiene besser verzichten. Auch Seife kann die Vaginalflora stören und eine Ansiedlung schädlicher Keime begünstigen. Zu empfehlen ist gründliches Waschen mit Wasser, keine übertriebene Genitalhygiene!
  • Unterstützend zur ärztlich verordneten Therapie kommen eventuell pflanzliche Wirkstoffe infrage. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Beratende Experten

Professor Dr. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology.

Beratender Experte Dr. G. Magistro arbeitet als Leiter der infektiologischen Abteilung in der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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