Morbus Basedow: Ursachen, Symptome, Therapie

Bei der Basedow-Krankheit kommt es zur Schilddrüsenüberfunktion. Die Beschwerden sind vielfältig und es gibt verschiedene Therapie-Möglichkeiten

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 16.05.2018
Schilddrüse

Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfes. Bei Morbus Basedow erkrankt sie


Morbus Basedow – kurz zusammengefasst

  • Morbus Basedow ist eine Autoimmunkrankheit, welche die Schilddrüse betrifft
  • Das körpereigene Immunsystem greift hierbei das Schilddrüsengewebe an. Es kommt zu einer Überfunktion des Organs
  • Die Symptome sind vielfältig, da die Schilddrüse, genauer gesagt die Schilddrüsenhormone, zahlreiche Körperfunktionen beeinflussen
  • Spezielle Antikörper im Blut weisen auf Morbus Basedow hin
  • Gegen die Beschwerden helfen Schilddrüsenblocker. Manchmal wird auch eine Operation nötig

Was ist Morbus Basedow?

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das Abwehrsystem des Körpers greift "irrtümlich" eigenes Gewebe an, in diesem Fall hauptsächlich das der Schilddrüse.

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) liegt an der Vorderseite des Halses unterhalb des Kehlkopfes. Die kleine Drüse produziert die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Hormone beeinflussen viele Körperfunktionen, darunter Stoffwechsel, Kreislauf und Psyche. Zur Herstellung der Hormone benötigt die Schilddrüse Jod, das mit der Nahrung aufgenommen wird.

Bei Morbus Basedow bilden die Körper-Abwehrzellen fälschlicherweise Abwehrstoffe (Antikörper), die an Schilddrüsenzellen binden – genauer gesagt an den sogenannten TSH-Rezeptor. Das treibt die Drüse an, verstärkt Schilddrüsenhormone zu produzieren. Es kommt zur Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Die Schilddrüse arbeitet mehr, als sie eigentlich sollte.

Morbus Basedow ist weltweit die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion. Es trifft vor allem Menschen im mittleren Lebensalter, Frauen deutlich häufiger als Männer. Benannt ist die Krankheit nach Carl Adolph von Basedow, der sie als erster in deutscher Sprache beschrieben hat. "Morbus" ist das lateinische Wort für Krankheit. Die ebenfalls gebräuchliche englische Bezeichnung Graves’ Disease geht auf den irischen Erstbeschreiber zurück.

Ursachen: Wie entsteht Morbus Basedow?

Gewöhnlich bekämpft das Immunsystem Krankheitserreger wie Bakterien und Viren. Schon früh lernen die Abwehrzellen, zwischen "selbst" und "fremd" zu unterscheiden. So wird gesundes eigenes Gewebe von der Immunabwehr toleriert und verschont, und Unbekanntes angegriffen. Bei Morbus Basedow gelingt diese Unterscheidung nicht mehr richtig.

Bestimmte Immunzellen bilden bei Morbus Basedow Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, die sich vor allem gegen die Schilddrüsenzellen richten. Da sich diese Antikörper gegen den eigenen Organismus wenden, werden sie auch Autoantikörper genannt.

TRAK – Antikörper gegen die Schilddrüse

Nach ihrem Zielort heißen die Antikörper TSH-Rezeptor-Autoantikörper, abgekürzt TRAK. Denn sie binden an die TSH-Rezeptoren auf den Schilddrüsenzellen – mit weitreichenden Folgen:

TSH ist ein Hormon aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und Teil eines fein ausgeklügelten natürlichen Regelkreises. TSH hat die Aufgabe, die Schilddrüse bei Bedarf zur Hormonproduktion anzuregen. Mehr TSH bedeutet also: mehr Schilddrüsenhormone. Ist der Hormonspiegel ausreichend hoch, drosselt der Körper die TSH-Ausschüttung wieder. Weniger TSH bedeutet also: wieder weniger Hormone.

Docken jedoch bei einem Morbus Basedow Autoantikörper an die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse an, bringen sie diesen Regelkreis aus dem Gleichgewicht. Denn ähnlich wie TSH stimulieren auch die Antikörper die Schilddrüsenzellen. Diese reagieren wie nach einer Anregung durch TSH und bilden verstärkt die Schilddrüsenhormone T3 und T4, die ins Blut abgegeben werden. Zwar wird in der Hirnanhangsdrüse als Reaktion nun weniger TSH gebildet, um dem Anstieg der Schilddrüsenhormone entgegenzusteuern. Doch dieser Regelmechanismus wirkt auf die Autoantikörper nicht. So entstehen unkontrolliert viel mehr Schilddrüsenhormone als nötig wären.

Schilddrüsenhormone im Überfluss

Die erhöhten Werte an T3 und T4 beeinflussen sämtliche Zellen im Körper, die für Schilddrüsenhormone empfänglich sind. Der Stoffwechsel wird insgesamt "angeheizt", was zahlreiche Beschwerden auslöst.

Die Schilddrüse kann durch die Antikörper auch zu einem verstärkten Wachstum stimuliert werden und sich vergrößern, sodass ein Kropf (eine Struma) entsteht.

TSH-Rezeptor-Autoantikörper wirken meistens funktionsstimulierend, seltener aber auch -blockierend auf die Schilddrüse. Deshalb kann die Ausprägung der Symptome im Krankheitsverlauf auch schwanken – je nachdem, wie viele funktionsstimulierende oder blockierende Autoantikörper gerade vorhanden sind.

Was begünstigt einen Morbus Basedow?

Hat ein enger Verwandter Morbus Basedow, ist das Risiko, die Krankheit auch selbst zu bekommen, erhöht. Die Gene spielen in der Krankheitsentstehung also eine gewisse Rolle. Zudem ist das Risiko, gleichzeitig eine andere Autoimmunkrankheit wie etwa Typ-1-Diabetes, rheumatoide Arthritis oder eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) zu bekommen, ebenfalls erhöht – und umgekehrt.

Rauchen steigert das Erkrankungsrisiko ebenfalls und beeinflusst den Verlauf eines Morbus Basedow ungünstig. Auch besondere Lebensumstände wie Stress haben wohl einen Einfluss, denn oft fällt der Krankheitsbeginn in eine solche Phase.

Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger

Beratende Expertin

Frau Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger ist Internistin und Endokrinologin. 1989 habilitierte sie sich im Fach "Innere Medizin". 1995 bekam sie die Bezeichnung "außerplanmäßiger Professor" durch den Minister für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen verliehen. Von 2002 bis 2016 war sie als Chefärztin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie des Klinikums Bogenhausen (Städtisches Klinikum München GmbH) tätig. Seit 01.07.2016 leitet sie als ärztliche Direktorin das Zentrum / Innere Medizin / Fünf Höfe in München.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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