Haushaltsputz mit sanften Mitteln

Reinlichkeit gilt als Tugend – doch man sollte dabei nicht die Gesundheit belasten. Welche Putzmittel sich eignen, und welche überflüssig sind

von Julia Rudorf, 09.08.2018
Fensterputz

Nicht übertreiben: Für das Putzen im Haushalt reichen Handschuhe und eine Handvoll Putzmittel


Vielleicht macht Putzen doch vielen Menschen mehr Spaß, als sie zugeben. Der Schluss liegt nahe, wenn man sich ansieht, wie viele Reinigungsmittel zum Einsatz kommen. Laut aktuellen Zahlen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel verbrauchen die Deutschen pro Jahr 638 000 Tonnen Glas-, Scheuer-, Kraft-, Geschirr-, Backofen-, Bad-, Küchen- und sonstige Reiniger.

WC-Reiniger im Trinkwasser

Doch was die Wohnung zum Strahlen bringt, hat auch eine zweite Seite. "Fast alles, was wir beim Putzen verwenden, landet im Abwasser. Und was die Kläranlagen nicht herausfiltern können, kommt letztlich wieder in den Wasserkreislauf", sagt Marcus Gast vom Umweltbundesamt. Die meisten Tenside in Reinigungsmitteln sind heute zwar vollständig biologisch abbaubar. Andere Bestandteile wie Duft- oder Farbstoffe können jedoch in der Umwelt verbleiben und sich etwa in Pflanzen anreichern.

Wie verträglich das Großreinemachen für Gesundheit und Umwelt ist, hat der Verbraucher dabei meist selbst in der Hand. Ein erster Schritt: sich lösen vom Klischee "Viel hilft viel". Reinigungsmittel sind heute oft Konzentrate und können deshalb wesentlich sparsamer eingesetzt werden. Von Werbeversprechen vieler Spezialprodukte wie "extrakraftvolle Reinigung" oder "ultrastark gegen jeden Schmutz" sollte man sich ebenfalls nicht blenden lassen, raten Verbraucherschützer.

Die nützlichen Vier

Vier einfache Reinigungsmittel genügen: ein neutraler Allzweckreiniger, ein Handspülmittel, ein Reiniger mit Zitronensäure sowie Scheuerpulver. Desinfektionsmittel und spezielle antibakterielle Wasch- oder Reinigungsmittel sind im privaten Haushalt nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Tipps für den gesunden Haushaltsputz

Diese Produkte reichen aus:

  • Handschuhe schützen die Haut an Händen und Unterarmen
  • Neutraler Allzweckreiniger für Fußböden, Fenster und die meisten Oberflächen
  • Scheuerpulver hilft bei hartnäckigem Schmutz
  • Reiniger mit Zitronensäure gegen Kalkablagerungen in Küche, Bad oder Toilette. Das ist schonender zu Armaturen als zum Beispiel Essigsäure
  • Handspülmittel kann auch den Allzweckreiniger ersetzen

Wer beim Einkauf auf das europä­ische Ecolabel achtet, das umweltfreundliche Produkte kennzeichnet, muss übrigens in Sachen Sauberkeit keine Abstriche machen. Experte Marcus Gast: "Für das Label müssen die Hersteller einen umfangreichen Nachweis erbringen, dass ihre Reinigungsleistung mit anderen Putzmitteln vergleichbar ist."

Mit der richtigen Strategie sparen

Reinigungsmittel lassen sich zudem mit der richtigen Strategie beim Putzen einsparen, erklärt Gast: "Reinigung ist immer ein Zusammenspiel von Zeit, Temperatur, Chemie und Mechanik." Der Chemiker Herbert Sinn, lange Zeit in leitender Position bei einem Waschmittel-Hersteller tätig, hatte die vier Parameter für Putz- und Wascherfolg erstmals in einem Kreisdiagramm zusammengeführt. Der "Sinnersche Kreis" besagt vereinfacht: Für ein gutes Reinigungsergebnis müssen die vier Faktoren sich ergänzen – egal ob es ums Geschirrspülen oder um die Badreinigung geht.

Wer etwa den Anteil der Chemie reduzieren will, muss also an anderer Stelle mehr aufwenden. Etwa mehr Zeit, damit Reinigungsmittel länger einwirken. Oder mehr Mechanik. Intensives Schrubben mit Bürsten oder Mikrofasertüchern entfernt Schmutz ebenfalls.

Strapazen für die Lunge

Umdenken beim Saubermachen lohnt sich auf Dauer – auch für die eigene Gesundheit. Eine große europäische Studie konnte aktuell zeigen, dass Putzen auf die Lunge schlagen kann. So war die Lungenfunktion der Studienteilnehmerinnen, die regelmäßig oder beruflich putzten, nach 20 Jahren erkennbar geschwächt. "Dass der Effekt des jahrelangen Putzens für die Lungen ähnlich deutlich war wie nach 10 bis 20 Jahren starken Rauchens, wusste man bislang nicht", sagt der Hauptstudienautor Øistein Svanes von der Universität Bergen in Norwegen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass fein vernebelte Reinigungsmittel die Schäden verursachen. "Werden sie als Sprays in der Luft verteilt, könnten sie tatsächlich in die empfindlichen Atemwege gelangen", sagt Dr. Herbert Desel, Experte für Vergiftungen am Bundesinstitut für Risikobewertung.

Das Einatmen von Putzmitteln geschieht unabsichtlich. Bei ordnungsgemäßem Gebrauch hingegen, also im Wisch­wasser oder auf dem Lappen, geht kaum eine Gefahr von den Produkten aus. Schwerwiegende Probleme treten vor allem dann auf, wenn Putzmittel, Tabs oder Reinigungspulver nicht richtig aufbewahrt werden. Unter den Anrufen, die in den Giftnotrufzentralen in Deutschland erfasst werden, stehen etwa zehn Prozent mit Putz- oder Waschmitteln in Verbindung. Mittelschwere lebensbedrohliche Fälle sind zwar selten. "In Einzelfällen, etwa bei Kindern oder Patienten mit Demenzerkrankung, können jedoch schwere Vergiftungen auftreten", sagt Desel.

Tödlicher Hausfrauencocktail

Manche Produkte sind heute sicherer als früher. Noch bis in die 1980er-Jahre gab es immer wieder gefährliche Vorfälle. Wenn man etwa saure WC-Reiniger, die Urinstein lösen sollten, mit chlorhaltigen Reinigern mischte, wurde elementares Chlor freigesetzt. Die versehentlich gemixten "Hausfrauencocktails" in der Toilette verursachten mitunter tödliche Unfälle.

"Heute setzen die Hersteller chlorhaltigen Haushaltsreinigern so viel Pufferlösung bei, dass die Mittel nicht mehr in dem Ausmaß reagieren, wenn sie versehentlich doch gemischt werden", sagt Desel. Da chlorhaltige Reinigungsmittel jedoch Atemwege und Schleimhäute reizen können, sollte man am besten auf sie verzichten. Auch hier gilt – wie fast immer beim Putzen – die einfache Botschaft: Weniger ist mehr.