Soziale Medien im Gesundheitsbereich nutzen

Circa zwei Drittel der Deutschen informieren sich online zu Gesundheitsthemen. Viele davon sind auch auf Social Media unterwegs. Was Nutzer bei diesen Kanälen beachten sollten

von biochistka, 16.04.2018
Gesundheit aus dem Netz

Inzwischen kann man auch unterwegs schnell über Gesundheit recherchieren


Computer und Smartphones bieten einen schnellen Zugriff auf sogenannte Social Media wie Facebook, Instagram, YouTube, Twitter und WhatsApp. Darüber hinaus laden im Internet auch Blogs und Onlineforen dazu ein, sich mit den Interessensgebieten auseinanderzusetzen, die einem persönlich wichtig sind. Darunter fallen auch Themen aus dem Gesundheitsbereich, wenn man sich zum Beispiel zu einer bestimmten Krankheit informieren möchte oder Kontakt zu anderen Betroffenen sucht.

Aber in welchen Kanälen wird man am schnellsten fündig? Kann man diesen Informationen trauen? Und wie schützt man dabei die persönlichen Daten? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir Steckbriefe  zu den sozialen Medien verfasst und Tipps für den Schutz der Privatsphäre zusammengetragen:

Schützen Sie Ihre Privatsphäre

Ein sorgloser Umgang mit privaten Daten im Internet kann zum Risiko werden. Informationen über die eigene Gesundheit brauchen besonderen Schutz. Prüfen Sie deshalb immer die Datensicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen eines Anbieters. Mitunter lassen sie sich individuell anpassen, etwa auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Das sollten Sie beachten …

... in der Online-Selbsthilfegruppe

Wer an Diskussionen teilnehmen, Erfahrungen austauschen oder Fragen stellen möchte, muss sich vorher gut überlegen, welche Informationen privat bleiben sollten – etwa weil sie Rückschlüsse auf das persönliche Umfeld erlauben oder vom Arbeitgeber eingesehen werden könnten. Sind Informationen einmal veröffentlicht, ist es schwierig, sie wieder zu löschen.

... in der Facebook-Gruppe

Es hängt von der Art der Gruppe ab, für wen diese sichtbar ist: öffentlich, geschlossen oder geheim. In den ersten beiden Fällen kann jeder Facebook-Nutzer sehen, wer Mitglied ist. Man übermittelt also allein durch den Beitritt Informationen an Dritte. Wer private Dinge postet, muss wissen, dass auch in geschlossenen Gruppen Postings gelikt oder geteilt werden können und so einem breiteren Publikum zugänglich sind. Nur geheime Gruppen sind ausschließlich für Mitglieder sichtbar.

... bei der Medikamentenbestellung

Wer bei der Apotheke über WhatsApp Medikamente reserviert, verschickt neben der Textnachricht immer auch sogenannte Metadaten, etwa die Telefonnummer des Absenders sowie Datum und Uhrzeit der Nachricht. Diese könnten für personalisierte Werbung ­genutzt werden. Was ein Anbieter mit den Daten seiner Kunden macht, steht in den Datenschutzbestimmungen oder den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Sicherer reserviert man Arzneien zum Beispiel über die App "Apotheke vor Ort". Sie nutzt deutsche Server und ist an das deutsche Datenschutzgesetz gebunden.

Weitere Sicherheits-Tipps: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat viele Auskünfte zum Umgang mit sozialen Netzwerken zusammengestellt:

Facebook (soziales Netzwerk)

Nutzer in Deutschland: circa 33 Millionen

Was ist das? Bei Facebook legen Privatpersonen, Gruppen und Institutionen Profile (meist öffentlich) an und tauschen sich aus.

Wofür kann ich es nutzen? Abonnieren Sie Gesundheitskanäle. In Gruppen zu Gesundheitsthemen (etwa zur Selbsthilfe) kann man über persönliche Belange diskutieren, Fotos und Videos austauschen. Zu Depressionen etwa existieren über 20 deutsche Gruppen.

Worauf muss ich achten? Profil-Einstellungen zum Datenschutz im Blick haben. Bei Gruppen beachten, ob sie offen oder geschlossen sind.

Die biochistka auf Facebook:

Instagram (App, um Fotos zu teilen)

Nutzer in Deutschland: circa 15 Millionen

Was ist das? Über den kostenlosen Online-Dienst kann man mit anderen Teilnehmern Bilder und Videos teilen.

Wofür kann ich es nutzen? Lassen Sie sich inspirieren und motivieren. Ausgetauscht werden zum Beispiel Rezepte für kalorienarme Gerichte, Sportübungen oder auch Sinnsprüche. Für die Krankheit Diabetes gibt es mittlerweile über zwei Millionen Einträge.

Worauf muss ich achten? Wird gern für versteckte Werbung genutzt. Viele Bilder sind mit Filtern bearbeitet und schöner als die Realität.

YouTube (Videoclip-Plattform)

Nutzer in Deutschland: rund 6 Millionen aktive User

Was ist das? Jeder angemeldete Nutzer kann hier kostenlos eigene Videos veröffentlichen.

Wofür kann ich es nutzen? Es gibt auch viele Videos zur Gesundheit, etwa zu Erster Hilfe und Vorsorgeuntersuchungen. Turnübungen kann man ebenfalls ansehen.

Worauf muss ich achten? Den Absender hinterfragen.

Twitter (Kommunikationsplattform)

Nutzer in Deutschland: circa 3 Millionen, nicht alle sind aktiv

Was ist das? Plattform für Kurznachrichten, die bis zu 280 Zeichen lang sind. Schlagwörter (#Hashtags) helfen bei der Suche nach Beiträgen zu einem speziellen Thema.

Wofür kann ich es nutzen? Nachrichten aus der Medizin. Wer alle Nachrichten eines Absenders lesen will, muss ihm folgen.

Worauf muss ich achten? Durch die geringe Zeichenzahl werden Informationen oft stark vereinfacht dargestellt.

Die biochistka auf Twitter:

WhatsApp (Nachrichten-Dienst)

Nutzer in Deutschland: circa 37 Millionen

Was ist das? Eine App, die das Versenden von Kurznachrichten, Bildern und Videos ermöglicht, ähnlich wie SMS/MMS.

Wofür kann ich es nutzen? Nachrichten können auch an große Mailgruppen verschickt werden. Das nutzen etwa Gesundheitsmagazine für kurze Newsletter, auch die biochistka: biochistka.info/messenger

Worauf muss ich achten? Auf Datenschutz. Im Gegensatz zu normalen SMS zeigt WhatsApp Lesebestätigungen an und verrät, wann man zuletzt online war. Beides lässt sich aber ­individuell deaktivieren.

Blog (Online-Tagebuch)

Was ist das? Blog-Betreiber führen öffentlich Tage­buch über bestimmte Bereiche ihres Lebens, zum Teil mit Angeboten zum Herunterladen (Podcasts).

Wofür kann ich es nutzen? Viele Blogger berichten über ihr Leben mit einer chronischen Krankheit, etwa Multiple Sklerose. Das ermöglicht Einblicke aus einer sehr persönlichen Perspektive.

Worauf muss ich achten? Seien Sie sich bewusst, dass der Blog eine individuelle Meinung wiedergibt.

Online-Foren (Austausch-Plattformen)

Was ist das? In einem Forum kann man Fragen stellen und mit anderen Nutzern diskutieren. Manchmal antworten auch Experten.

Wofür kann ich es benutzen? Wer eine konkrete Frage zum Leben mit einer Erkrankung hat, erhält meist viele Ratschläge. Allerdings sind das in der Regel Einzelfall-Erfahrungen und persönliche Meinungen, die nicht unbedingt übertragbar sind.

Worauf muss ich achten? Suchen Sie im Forum, ob Ihre Frage bereits gestellt wurde. Gedulden Sie sich, bis eine brauchbare Antwort erscheint. Lassen Sie sich von bösen Antworten nicht ärgern. Verwenden Sie als Fragesteller eventuell ein Pseudonym.

Apps (Software-Anwendungen)

Was ist das? Apps sind Programme für Smartphones und Tablets, die man üblicherweise aus einem App-Store herunterlädt.

Wofür kann ich sie nutzen? Ob Schritte zählende Fitness-App, virtuelles Kopfschmerztagebuch oder die Kontakt-App zur nächsten Apotheke. Das ­­Angebot von Apps, die ein gesundes Leben unterstützen sollen, ist mittlerweile riesig.

Worauf muss ich achten? Prüfen Sie, von welcher Institution die App kommt. Vorsicht, Apps können persönliche Daten sammeln.