Posttraumatische Belastungsstörung: Therapie

Die Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung erfolgt meist in drei Schritten: Erste Maßnahmen, Stabilisierung und Trauma-Bewältigung

aktualisiert am 27.05.2014
Psychologie: Frau bei der Gesprächstherapie

Eine Traumatherapie verlangt viel Fingerspitzengefühl


Die Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung sollte nach Möglichkeit von einem speziell ausgebildeten und erfahrenen Psychiater oder Psychotherapeuten vorgenommen werden – einem Psychotraumatologen. Denn kommen die falschen Therapieverfahren zum Einsatz, könnten sie das Trauma womöglich noch verfestigen statt dem Betroffenen bei der Bewältigung zu helfen. Bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten können neben dem Hausarzt zum Beispiel auch Opferschutzorganisationen oder die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie behilflich sein (siehe Links weiter unten auf der Seite).

Je nach Schwere der Erkrankung findet die Behandlung ambulant oder stationär statt. Eine Therapie in der Klinik kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn der Betroffene an ausgeprägten depressiven Verstimmungen leidet.

1. Therapie-Phase: Erste Maßnahmen

Das erste Ziel der Therapie besteht darin, eine sichere Umgebung herzustellen, in welcher der Betroffene vor weiterer Traumatisierung geschützt ist. Er erhält ausführliche Informationen zu PTBS und den Therapiemöglichkeiten. Im Idealfall werden auch Angehörige einbezogen, so dass sie den Betroffenen bestmöglich unterstützen können.

2. Therapie-Phase: Stabilisierung

Die Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung setzt ein großes Vertrauen zwischen Therapeut und Patient voraus. Das geplante Vorgehen wird üblicherweise gemeinsam besprochen.

Zunächst geht es darum, im Alltag besser mit den belastenden Symptomen umgehen zu können. Entspannungstechniken können hier helfen, ebenso Techniken, die es dem Patienten erlauben, belastende Gedanken und Gefühle ein Stück weit unter Kontrolle zu bringen.

In manchen Fällen ist zusätzlich eine Therapie mit Medikamenten sinnvoll, zum Beispiel bei gleichzeitig bestehender Depression. Generell werden Therapeuten beim Verordnen von Arzneien jedoch zurückhaltend sein. Denn nicht selten besteht bei einer PTBS ein erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen – und damit auch für eine Medikamentenabhängigkeit.

3. Therapie-Phase: Das Trauma überwinden

Die dritte Phase der Therapie erfolgt erst dann, wenn der Patient emotional "stabil" genug ist. Das bedeutet: Er hat mittlerweile wirksame Strategien an die Hand bekommen, die ihm helfen, seine Gefühle zu lenken. Er kann sich unter Anleitung und in einem geschützten Bereich vorsichtig seinem inneren Trauma nähern, ohne sich dabei ausgeliefert oder von schlimmen Eindrücken überwältigt zu fühlen.

Der Psychotherapeut konfrontiert den Erkrankten nun Schritt für Schritt mit den Bildern und Gefühlen des traumatischen Erlebnisses. Sie werden analysiert und eventuell neu bewertet.

Zum Beispiel empfinden manche Betroffene massive Schuldgefühle oder Scham, obwohl es keinen objektiven Grund dafür gibt. So gelingt es nach und nach, das Geschehen in die eigene Biografie einzuordnen und damit abzuschließen. Nicht selten braucht es für die Bearbeitung nur wenige Therapiesitzungen.

Es gibt verschiedene Therapieverfahren, die sich zur Bearbeitung der Posttraumatischen Belastungsstörung eignen: Kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Verfahren oder das sogenannte EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Wie diese Technik im Detail funktioniert, wird noch erforscht. Das Prinzip: Bei EMDR wird das Gehirn durch äußere Reize stimuliert, während die traumatischen Erinnerungen aufgearbeitet werden. Zum Beispiel bewegt der Therapeut den Zeigefinger vor den Augen des Patienten rasch von einer Seite zur anderen und lässt den Betroffenen mit den Augen folgen, während er sich mit dem traumatischen Erlebnis beschäftigt. Eine solche rhythmische Stimulierung scheint im Gehirn bestimmte Prozesse auszulösen. Diese wiederum helfen, die Erinnerungsbruchstücke sinnvoll zu ordnen.

Wieder zurück ins Leben

Schließlich gilt es, den Betroffenen dabei zu unterstützen, wieder ins Leben zurück zu finden. Dabei müssen oft ganz praktische Fragen geklärt werden. So kann es manchmal nötig sein, neue berufliche Perspektiven auszuloten. Eventuell kommt eine Antragstellung nach dem Opferentschädigungsgesetz infrage, um finanzielle Hilfen zu erhalten. Oft müssen PTBS-Betroffene aber auch Beziehungsprobleme in den Griff kriegen. Sie brauchen zudem das "psychische Rüstzeug" für eventuelle Rückfälle.

Es gibt keine Möglichkeit, einer Posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen. Doch es hat sich gezeigt, dass – neben frühzeitiger psychologischer Betreuung – eine intensive soziale Unterstützung nach einem traumatischen Ereignis sehr wichtig ist. Hat jemand aus der Familie oder in dem Freundeskreis ein Trauma erlebt, können möglicherweise folgende Tipps hilfreich sein:

  • Seien Sie als Angehöriger oder Freund sehr vorsichtig mit gut gemeinten Ratschlägen oder gar Schuldzuweisungen.
  • Hören Sie aufmerksam und genau zu. Respektieren Sie die Gefühle des Betroffenen, zum Beispiel Angstgefühle, als etwas, das er real erlebt.
  • Unterstützen Sie die betroffene Person dabei, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Informieren Sie sich selbst über PTBS, zum Beispiel bei Opferschutzorganisationen.
  • Nehmen Sie Andeutungen zum Thema Suizid unbedingt ernst und suchen Sie umgehend professionelle Hilfe.

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