Parkinson Krankheit: Symptome, Ursachen, Therapie

Welche Anzeichen auf die Parkinson-Krankheit hindeuten, wie der Arzt die Diagnose stellt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 17.12.2018
Zittern bei Parkinson-Krankheit

Unwillkürliche Bewegung: Zittern ist ein häufiges Symptom bei Morbus Parkinson


Kurz zusammengefasst: Was ist Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Typische Symptome sind Bewegungsstörungen wie Bewegungsverlangsamung, steife Muskeln, Zittern sowie eine instabile Körperhaltung.

Die Erkrankung beginnt meistens jenseits des 50. Lebensjahres. Sie schreitet in der Regel langsam voran. Schätzungen zufolge leiden ein bis zwei von 1000 Menschen in Deutschland daran.

Heilbar ist die Parkinson-Krankheit bislang nicht, doch es gibt Therapiemöglichkeiten. Üblicherweise kommen Medikamente zum Einsatz.

Welche Symptome deuten auf eine Parkinson-Krankheit hin?

Die klassischen vier Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit sind: Bradykinese, Rigor, Tremor und posturale Instabilität. Diese Begriffe beschreiben Folgendes:

1) Was ist eine Bradykinese?

Bradykinese bedeutet, dass Betroffene sich langsamer und weniger bewegen. Aufstehen, Gehen, Drehen bereitet Schwierigkeiten. Bewegungen zu starten, ist manchmal kaum möglich, es entsteht eine Bewegungsblockade (Akinese).

Erstes Anzeichen der Krankheit kann sein, dass ein Arm beim Gehen weniger mitschwingt. Die Haltung ist oft gebeugt, der Gang wird kleinschrittig. Eine Drehung benötigt viele Zwischenschritte. Gestik und Mimik nehmen ab, das Gesicht wirkt wie eine Maske. Die Stimme wird leiser und monotoner, die Sprache undeutlicher. Der Betroffene hat Schwierigkeiten beim Essen, verschluckt sich häufig. Die Handschrift wird klein und unleserlich.

2) Was ist Rigor?

Rigor beschreibt eine Steifheit der Muskeln. Jede Bewegung scheint gegen einen zähen Widerstand zu erfolgen. Oft sind zunächst die Nacken- und Schultermuskeln betroffen, häufig einseitig.

Der Arzt kann eventuell das Zahnradphänomen feststellen: Versucht er zum Beispiel den angewinkelten Arm eines Parkinson-Kranken zu strecken, folgt die Extremität mit ruckartigen Bewegungen, als würde sich ein Zahnrad bewegen.

3) Was ist ein Ruhetremor?

Tremor ist die Bezeichnung für Zittern. Bei einer Parkinson-Krankheit tritt häufig ein einseitiges, langsames Zittern der Hände, später auch der Füße auf, meistens in Ruhe.

Im Schlaf oder während einer Bewegung verschwindet es oft. Bei leeren Händen reiben die Finger manchmal in einer Bewegung aneinander, die an "Münzen zählen" erinnert. Das Zittern kann bei Parkinson auch fehlen.

4) Was ist eine posturale Instabilität?

Posturale Instabilität beschreibt eine Störung der Halte- und Stellreflexe. Normalerweise ermöglichen sie dem Körper, die Balance zu halten.

Sind diese Reflexe gestört, können plötzliche Bewegungen – zum Beispiel durch einen unerwarteten Stoß – nicht mehr aufgefangen werden. Der Gang wird insgesamt unsicher, die Betroffenen neigen zu Stürzen.

Mögliche erste Krankheitszeichen und Begleitsymptome bei Parkinson:

  • Bei vielen Patienten verschlechtert sich der Geruchssinn – oft als frühes Zeichen einer Parkinson-Krankheit
  • Schlafstörungen, die mit unwillkürlichen und heftigen Bewegungen während des Traumschlafes einhergehen, da geträumte Bewegungen ausgeführt werden, sind weitere mögliche (Früh-)Symptome (REMS-Schlaf-Verhaltensstörung)
  • Diffuse Muskel- und Gelenkschmerzen, vorzugsweise im Schulter-Armbereich sind häufig, und können durch die Muskelsteife und die eingeschränkte Beweglichkeit bedingt sei
  • Die Talgdrüsen im Gesicht produzieren im Verlauf oft übermäßig Talg, und führen zum sogenannten Salbengesicht
  • Die Temperatur- und Kreislaufregulation, die Blasen- und Darmfunktion sowie die Potenz können gestört sein
  • In manchen Fällen stellen sich mit der Zeit Symptome einer Demenz ein

Alle genannten Symptome können aber auch andere Ursachen haben. Sie müssen bei einer Parkinson-Krankheit außerdem nicht alle vorhanden sein.

Komplikation: Was ist eine akinetische Krise?

Eine akinetische Krise kann zum Beispiel durch Infekte, Medikamentenfehler oder Operationen entstehen. Der Patient wird dabei völlig unbeweglich, kann nicht mehr sprechen und nicht mehr schlucken. Begleitsymptome sind Schweißausbrüche und schneller Puls. So eine Krise ist gefährlich und muss in der Klinik behandelt werden. Durch fehlendes Schlucken kann Speichel in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung auslösen.

Ursachen: Wie entsteht eine Parkinson-Krankheit?

Bei der Parkinson-Krankheit sterben in erster Linie spezielle Nervenzellen in der sogenannten schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Gehirn ab. So kommt es zu einem Mangel an Dopamin. Dieser Nervenbotenstoff ist zusammen mit anderen Botenstoffen an der Bewegungssteuerung beteiligt. Der Dopamin-Mangel bringt das empfindliche Gleichgewicht der Botenstoffe durcheinander.

Ärzte unterscheiden bei Vorliegen von Parkinson-Symptomen vier Formen der Erkrankung:

1. Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Rund 80 Prozent aller Parkinson-Patienten leiden daran. Die auslösende Ursache ist unbekannt. Diskutiert werden genetische Einflüsse und Umwelteinflüsse, beispielsweise Pestizide. Wer von der Parkinson-Krankheit spricht, meint in der Regel das idiopathische Parkinson-Syndrom.

2. Genetische Formen des Parkinson-Syndroms: In sehr seltenen Fällen wird Parkinson teilweise vererbt und kann dann schon früh im Leben auftreten. Es liegen Veränderungen in den Genen vor, die zu einer familiär gehäuften Form der Parkinson-Krankheit führen.

3. Parkinson-Syndrome im Rahmen anderer Erkrankungen, die zu einem Verlust von Nervenzellen führen, zum Beispiel zur Lewy-Körperchen-Demenz (atypische Parkinson-Syndrome)

4. Symptomatische (sekundäre) Parkinson-Syndrome: Die Symptome entstehen hier durch andere Ursachen, zum Beispiel durch Medikamente wie Neuroleptika oder Kalzium-Antagonisten, ein Schädel-Hirn-Trauma oder Vergiftungen.

Diagnose: Wie wird Parkinson festgestellt?

Im frühen Stadium der Parkinson-Krankheit ist eine Diagnose oft schwierig. Erste Hinweise können eine Verkleinerung der Handschrift, ein gestörtes Riechvermögen, starke Muskelverspannungen, Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten wie Zähneputzen, Zuknöpfen oder Computerarbeiten sein.

Manche Patienten bemerken früh Probleme beim Gehen, fallen leichter hin. Andere verletzen sich selbst oder den Bettpartner durch heftige Bewegungen während des Traumschlafes.

Der Arzt stellt die Diagnose anhand der Krankheitszeichen: Für eine Parkinson-Krankheit spricht, wenn eine Bewegungsarmut und ein weiteres typisches Symptom vorliegen – wie Muskelsteifheit, Zittern oder eine Störung der Halte- und Stellreflexe. Oft zeigen sich die Symptome anfangs einseitig.

Bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) und Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) dienen vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen. Bei der Positronen-Emissons-Tomografie (PET) kann eine Verminderung der Dopamin ausschüttenden Zellen im Gehirn indirekt sichtbar gemacht werden.

Bessern sich die Symptome unter einem Therapieversuch mit Levodopa, ist das ein starker Hinweis auf eine Parkinson-Krankheit. Levodopa ist eine Vorstufe des Dopamins, welche im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird.

Gerade in unklaren Fällen sollte die Diagnose von einem Spezialisten gestellt werden, der viel Erfahrung mit der Krankheit hat.

Therapie: Wie wird die Parkinson-Krankheit behandelt?

Die Parkinson-Krankheit ist behandelbar, jedoch nicht heilbar. Die Therapie setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Der wichtigste ist der Einsatz von Medikamenten. Damit lässt sich die Krankheit oft über Jahre gut kontrollieren.

Mit der Zeit kann die Wirkung bestimmter Anti-Parkinsonmittel allerdings abnehmen. Deshalb ist in gewissen Zeitabständen eine Anpassung der Medikamente notwendig.

Behandlung mit Medikamenten

Levodopa (L-Dopa)

Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen. Levodopa (L-Dopa) ist eine Vorstufe des Dopamins und wirkt vor allem positiv auf die Beweglichkeit, gegen die Muskelsteifigkeit, aber auch gegen das Zittern. Allerdings können nach langer Therapiedauer als Nebenwirkung unberechenbare und nicht unkontrollierbare Bewegungen (Hyperkinesien) und Wirkungsfluktuationen (on-off-Phänomene) auftreten.

Um schwankenden Wirkspiegeln bei fortgeschrittenen Stadien entgegen zu wirken, gibt es auch die Möglichkeit einer Dopamin-Pumpe, die den Dopaminbotenstoff kontinuierlich über eine Sonde in den Dünndarm oder unter die Haut abgibt.

Dopaminagonisten

Eine zweite Medikamentengruppe sind die Dopaminagonisten. Sie verstärken die Wirkung des vorhandenen Dopamins (zum Beispiel Pramipexol, Lisurid, Ropinirol). Neuere Dopaminagonisten gewährleisten gleichmäßige Wirkstoffspiegel und müssen zum Teil nur noch einmal am Tag eingenommen werden (zum Beispiel retardiertes Ropinirol, retardiertes Pramipexol). Oder sie geben ihren Wirkstoff über ein Pflaster ab, das täglich gewechselt werden muss (zum Beispiel Rotigotin-Pflaster). Nebenwirkungen von Dopaminagonisten können in Form von Tagesmüdigkeit oder –schläfrigkeit und in Form von Zwangsverhalten (zum Beispiel Kaufzwang, Spielsucht) auftreten.

Weitere Medikamenten-Gruppen

Darüber hinaus gibt es noch weitere Medikamenten-Gruppen, die Wirkungsschwankungen von Dopamin verringern (COMT-Hemmer wie Entacapon und Tolcapon) oder seinen Abbau bremsen (MAO-B-Hemmer wie Selegilin und Rasagilin). Anticholinergika (zum Beispiel Biperiden, Bornaprin) können effektiv das Zittern verringern. Der NMDA-Hemmer Amantadin soll die Dopaminausschüttung erhöhen und die Beweglichkeit verbessern.

Die verschiedenen Wirkstoffgruppen können auch untereinander kombiniert werden. Die medikamentöse Einstellung ist anspruchsvoll, weil die Symptome und Medikamentennebenwirkungen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können, ebenso wie das Ansprechen auf die Medikamente.

Operative Eingriffe am Gehirn (Tiefenhirnstimulation)

Bei der chirurgischen Therapie müssen Arzt und Patient Nutzen und Risiko abwägen. Der Eingriff sollte erst dann zum Einsatz kommen, wenn die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend ist und der Parkinson-Kranke daher an Lebensqualität verliert.

An vorher genau berechneten Stellen des Gehirns werden unter Vollnarkose kleine Elektroden dauerhaft eingesetzt. Bestimmte Hirnareale können nun elektrisch gereizt und damit gehemmt werden. Auf diese Weise sind Beschwerden gezielt zu lindern. Diese Reizung kann über einen programmierten Schrittmacher oder bei Bedarf vom Patienten selbst vorgenommen werden.

Weitere Therapie-Bausteine

  • Eine gute physiotherapeutische Betreuung ist wichtig, um möglichst lange die Beweglichkeit zu erhalten.
  • Logopädische Maßnahmen helfen, wenn das Sprech- und Schluckvermögen beeinträchtigt ist. Sie trainieren die betreffende Muskulatur. Auch die Kommunikation über Gesten und Mimik kann gefördert werden.
  • Eine Ergotherapie hilft, möglichst lange selbstständig den Alltag bewältigen oder Hobbys ausführen zu können. Bei Bedarf wird auch der Einsatz von Hilfsmitteln trainiert und das häusliche Umfeld an die Bedürfnisse des Parkinson-Kranken angepasst.
  • Psychologische Betreuung: Ein versierter Therapeut kann Betroffene und Angehörige bei der psychischen Bewältigung der Erkrankung unterstützen.
  • Entspannungsübungen können sich positiv auf das Zittern auswirken.

Ernährung bei Parkinson-Krankheit: Es gibt keine spezielle Diät, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen könnte. Wichtig ist, dass Patienten ausreichend viele Kalorien zu sich nehmen und sich ausgewogen ernähren.

Bei fortschreitender Erkrankung stehen Patienten und Angehörige vor der Frage einer Heimbetreuung oder der häuslichen Pflege. Entschließt man sich zur häuslichen Pflege, kann man die finanziellen Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen und einen Pflegedienst einschalten. Unterstützung bei der Planung findet man beim behandelnden Arzt, aber auch bei den Selbsthilfegruppen.

Es gibt Selbsthilfegruppen für Parkinson-Kranke, aber auch für Angehörige Betroffener, bei denen man sich über Erfahrungen mit der Erkrankung, der Therapie und den Ärzten austauschen kann. Selbsthilfegruppen informieren außerdem die Öffentlichkeit über die Krankheit und fördern damit die Aufklärung. Auch für die speziellen Belange der Patienten setzen sie sich ein.

Noch in der Forschung: Stammzell-Therapie

Bei der Parkinson-Krankheit sterben bestimmte Nervenzellen im Gehirn ab. Weltweit suchen Forscher deshalb nach einem Weg, diese abgestorbenen Hirnzellen durch neue, funktionstüchtige Zellen zu ersetzen. Eine Idee lautet: Stammzellen aus dem Knochenmark des Patienten entnehmen und in sein Gehirn einpflanzen (Stammzell-Injektion, Stammzell-Transplantation). Die Stammzellen sollen sich – so die Theorie – im Gehirn des Erkrankten in neue, funktionstüchtige Nervenzellen umwandeln oder zumindest Defizite ausgleichen.

Dieser Ansatz klingt viel versprechend, doch noch ist unklar, ob er funktioniert. Was die Stammzellen im Gehirn tatsächlich tun, ist nach Ansicht von Experten noch nicht ausreichend erforscht. Die Stammzellen könnten dem Patienten nutzen, sie könnten wirkungslos bleiben – oder sie könnten dem Patienten womöglich sogar schaden. Was viele Experten mit Besorgnis sehen: Entsprechende Stammzell-Injektionen werden bereits angeboten – von privaten Firmen oder Kliniken meist gegen eine beträchtliche Summe Geld. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht für die Parkinson-Behandlung mit adulten Stammzellen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie warnt Parkinson-Patienten vor dem Verfahren. Sie bezweifelt, dass Wirksamkeit und Sicherheit wissenschaftlich belegt sind und würde die Methode einem Betroffenen zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlen.

Woher kommt der Name Parkinson?

Im Jahre 1817 beschrieb der britische Arzt James Parkinson in seiner Abhandlung "Über die Schüttellähmung" erstmals die Hauptsymptome des Leidens, das später nach ihm benannt wurde. Andere Bezeichnungen für die Parkinson-Krankheit sind Morbus Parkinson, Schüttellähmung, Paralysis agitans.

Privatdozentin Dr. med. Ilonka Eisensehr, Fachärztin für Neurologie

Beratende Expertin

Privatdozentin Dr. med. Ilonka Eisensehr ist Fachärztin für Neurologie. Sie studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Tufts University Boston und habilitierte sich an der Universität München über das Dopaminsystem und Schlaf-bezogene Bewegungsstörungen. Sie ist in eigener neurologischer Praxis in München tätig, außerdem Mitglied des Lehrkörpers der Universität München. Sie verfasste zahlreiche Publikationen zum Thema Dopaminsystem, Schlafmedizin und Epilepsie und ist Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gremien. Ihre Schwerpunkte sind: Neurologische Diagnostik, Diagnostik und Behandlung von Bewegungsstörungen, Schlafstörungen sowie des Restless-Legs-Syndroms, außerdem Schlaganfall-Check inklusive Farbduplexsonographie.

Quellen:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Idiopathisches Parkinson-Syndrom (Stand Januar 2016)
Marco Mumenthaler, Heinrich Mattle: Neurologie, Thieme-Verlag, Stuttgart 2013

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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