Nierenbeckenentzündung: Symptome und Behandlung

Eine Infektion der Niere und des Nierenbeckens heißt Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Typische Symptome sind Fieber und Flankenschmerzen

aktualisiert am 15.05.2018

Hier liegen die Nieren in etwa (auf dem Rücken schwarz markiert). Schmerzen in diesem Bereich können das Symptom einer Nierenbeckenentzündung sein


Kurz zusammengefasst: Was ist eine Nierenbeckenentzündung?

Eine akute Nierenbeckenentzündung (akute Pyelonephritis) entsteht meistens durch eine Blasen- oder Harnröhrenentzündung. Keime wandern von der Blase über einen oder beide Harnleiter in die Niere und lösen dort eine Entzündung aus. In den allermeisten Fällen ist nicht nur das Nierenbecken, sondern auch die Niere selbst beteiligt. Die Infektion müsste also besser "bakterielle Nierenentzündung" heißen. Behandelt wird die Nierenbeckenentzündung in der Regel mit Antibiotika.

Welche Symptome sind typisch?

Oft bleibt eine Nierenbeckenentzündung anfangs unbemerkt. Dann zeigen sich – vermeintlich aus heiterem Himmel – plötzlich deutliche Symptome, zum Beispiel:

  • Fieber, Schüttelfrost
  • Schmerzen in der Flanke, die bei Erschütterung zunehmen
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen
  • manchmal Blut im Urin
  • Übelkeit
  • allgemeines Unwohlsein
  • Kopf- und Bauchschmerzen

Beim Verdacht auf eine akute Nierenbeckenentzündung sollte auf jeden Fall schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Diese Erkrankung ist ein Notfall!

Die chronische Nierenbeckenentzündung verursacht häufig uncharakteristische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Brechreiz, Gewichtsabnahme und dumpfe Rückenschmerzen.

Schleichend kann dabei die Nieren Schaden nehmen bis hin zur Nierenschwäche. Im akuten Schub der chronischen Nierenbeckenentzündung können dieselben Symptome wie bei einer akuten Nierenbeckenentzündung auftreten.

Wo liegt das Nierenbecken? 

An der Einbuchtung der Niere befindet sich das Nierenbecken. Ähnlich wie ein Trichter sammelt es den Harn, der in der Niere kontinuierlich gebildet wird. Der Harnleiter leitet den Urin weiter zur Harnblase.

 

Welche Ursachen gibt es?

Eine akute Nierenbeckenentzündung wird am häufigsten durch Bakterien ausgelöst. Viren und andere Erreger spielen kaum eine Rolle.

Die Keime gelangen in fast allen Fällen über die Harnwege (selten über den Blutweg) in die Nieren und führen zu einer Entzündung der Niere und des Nierenbeckens.

Bei einer akuten Nierenbeckenentzündung sind in 80 Prozent der Fälle Escherichia coli-Bakterien die auslösenden Erreger. Diese Keime leben normalerweise im Darm, können aber in die unteren Harnwege verschleppt werden und dort unter Umständen Entzündungen hervorrufen.

Gerade Frauen sind besonders gefährdet, weil ihr Harnröhreneingang sehr nahe am After liegt. Bakterien können so leichter in die Harnröhre gelangen. Zudem ist die Harnröhre der Frau kürzer, so dass die Keime rascher hinauf in die Blase und von dort eventuell über die Harnleiter in die Nieren kommen.

Bei Männern kommt eine Nierenbeckenentzündung erst mit höherem Alter häufiger vor. Der Grund ist dann meist eine Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse), welche den Harnabfluss stört. Die Blase entleert sich beim Wasserlassen nicht mehr vollständig, es bildet Restharn. In schweren Fällen entsteht ein Harnstau zurück in die Nieren – ein Nährboden für Keime.

Risikofaktoren für Nierenbeckenentzündungen sind zum Beispiel:

  • Schwangerschaft
  • hohes Alter
  • Abnahme der Hormonproduktion in und nach den Wechseljahren
  • Nieren- und Blasensteine
  • Harnstau oder Harnabflussbehinderungen (zum Beispiel angeboren oder durch eine vergrößerte Prostata oder durch einen Harnstein im Harnleiter)
  • Stoffwechselstörungen (wie Diabetes mellitus und Gicht)
  • Entzündung der Prostata (Prostatitits) beim Geschlechtspartner
  • ein Dauerkatheter
  • eine generell geschwächte Immunabwehr.

Bei manchen Menschen funktioniert der Verschluss der Harnleiter nicht richtig. Dadurch kann Urin aus der Blase in Richtung Niere zurückfließen (vesikourethraler Reflux).

Übergang in chronische Nierenbeckenentzündung möglich

Liegen begünstigende Faktoren vor, kann eine akute Nierenbeckenentzündung in eine chronische Nierenbeckenentzündung übergehen: Nierenbeckenentzündungen heilen über längere Zeit nicht mehr aus oder kehren immer wieder. Im ungünstigsten Fall greift die Entzündung auf das Nierengewebe über, es entsteht eine Glomerulonephritis. Die Niere kann so stark geschädigt werden, dass sie im Laufe der Zeit versagt (Niereninsuffizienz).

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt fragt nach Symptomen und Vorerkrankungen. Bei der körperlichen Untersuchung prüft er unter anderem, ob das Beklopfen der Flankengegend schmerzhaft ist. Falls ja, deutet das auf eine Nierenbeckenentzündung hin.

Eine Blutuntersuchung kann Entzündungszeichen zeigen.

Am wichtigsten für die Diagnose ist jedoch der Urinbefund: Mit einer Teststreifenuntersuchung lässt sich feststellen, ob die Anzahl der Bakterien im Urin erhöht ist und zu viele weiße Blutkörperchen vorkommen, was auf eine Entzündung der Harnwege hinweist. Eine Untersuchung des Harns im Labor gibt schließlich Auskunft über den auslösenden Erreger.

Bei einer Ultraschalluntersuchung der Nieren lassen sich gegebenenfalls Anzeichen einer Harnstauung und vielleicht schon deren Ursache finden. Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung ist die Niere durch die wiederkehrenden Entzündungen meist verformt. Sie weist eine unregelmäßige Oberfläche auf und das Gewebe hat Narben. Eine gesunde Niere ist außen glatt. Auch der Harnleiter, der zur geschädigten Niere führt, kann verändert sein.

Je nach Fall sind weitere Untersuchungen notwendig, zum Beispiel Röntgenuntersuchungen der Harnwege.

Wie wird eine Nierenbeckenentzündung behandelt?

Bei einer akuten Nierenbeckenentzündung verschreibt der Arzt in der Regel ein Antibiotikum. Bis die Ergebnisse der Blut- und Urin-Untersuchungen vorliegen, wählt er meist ein Breitband-Antibiotikum, das gegen eine ganze Reihe von Bakterien wirkt. Ist der Erreger bekannt, wird gegebenenfalls auf ein Antibiotikum gewechselt, das sich gezielter gegen den Keim richtet. In schweren Fällen muss der Patient ins Krankenhaus und erhält Antibiotika als Infusion über die Vene.

Patienten mit einer Nierenbeckenentzündung gönnen sich am besten Ruhe und achten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, etwa zwei Liter pro Tag. Wer an Herzkrankheiten oder unter einer eingeschränkten Nierenfunktion leidet, sollte die Trinkmenge mit dem behandelnden Arzt absprechen. Lokale Wärme kann eventuell gut tun.

Bei chronischen Nierenbeckenentzündungen sollte, falls vertretbar, das Ergebnis der bakteriellen Untersuchung abgewartet und dann sofort gezielt das am besten passende Antibiotikum verordnet werden.

Außerdem gilt es, die zugrundeliegende Ursache zu finden und nach Möglichkeit zu beseitigen. Manchmal bestehen zum Beispiel Fehlbildungen des harnableitenden Systems, etwa Engstellen. Aber auch eine Prostatavergrößerung oder andere Behinderungen des Urinabflusses, beispielsweise durch Harnsteine, kommen als Auslöser in Betracht.

Dauer und Prognose

Wird eine akute Nierenbeckenentzündung rechtzeitig erkannt und die Therapie rasch begonnen, sind die Aussichten gut. Die Nierenbeckenentzündung heilt nach Gabe eines Antibiotikums über zehn Tage meist folgenlos aus. Fieber verschwindet oft bereits drei bis vier Tage nach Begin der Antibiotikabehandlung.

Doch auch wenn bereits eine Besserung eingetreten ist, sollten die Medikamente solange wie vom Arzt verordnet eingenommen werden.

Chronische Nierenbeckenentzündungen heilen selten komplett aus, wenn die Ursache nicht behoben wird. Zusätzlich besteht die Gefahr von schweren chronischen Nierenschäden.

Tipps: Harnwegsinfektionen vorbeugen

  • Trinken Sie ausreichend, um Bakterien und andere unliebsame Stoffe aus Nieren und Blase zu spülen.
  • Regelmäßiges Wasserlassen hilft, eine starke Vermehrung von Bakterien zu vermeiden. Lassen Sie sich auf der Toilette Zeit, um die Blase komplett zu entleeren und pressen Sie nicht.
  • Immer von vorne nach hinten reinigen: Wischen Sie nach dem Stuhlgang immer von der Scheide in Richtung After. So beugen Sie einer Verschleppung von Darmkeimen in die Harnröhre vor.
  • Achten Sie darauf, während der Menstruation regelmäßig Tampons und Binden zu wechseln.
  • Verzichten Sie auf Sprays und parfümierte Seifen im Intimbereich. Eine Reinigung mit lauwarmem Wasser genügt völlig.
  • Schützen Sie sich vor Kälte und Nässe. Wechseln Sie nasse Bikinis und Badehosen nach dem Schwimmen möglichst rasch und vermeiden Sie kalte Füße. Wechseln Sie auch verschwitze Kleidung nach dem Sport.
  • Ausfluss aus der Scheide kann eine Harnwegsinfektion begünstigen. Frauen, die darunter leiden, sollten sich von Ihrem Arzt beraten lassen.
  • Entleeren Sie Ihre Blase innerhalb von 15 Minuten nach dem Geschlechtsverkehr. Sie beugen damit Blasenentzündungen vor, indem Sie Bakterien, die zu einer Infektion führen könnten, einfach ausspülen.

Beratende Expertin

Professor Dr. med. Ricarda M. Bauer ist Fachärztin für Urologie. Sie ist als Oberärztin in der Urologischen Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität in München tätig. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Diagnostik und Therapie von chronischen Harnwegsinfektionen und der Harninkontinenz bei Mann und Frau.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Buy Androver online

steroid-pharm.com/