Akute Mittelohrentzündung: Symptome, Ursachen, Therapien

An einer akuten Mittelohrentzündung erkranken besonders häufig kleine Kinder. Heftige Ohrenschmerzen, Druckgefühl im Ohr und Fieber sind typische Symptome. Was dann hilft

aktualisiert am 30.01.2018

Ohrenschmerzen und Druck im Ohr – mögliche Zeichen einer Mittelohrentzündung


Was ist eine akute Mittelohrentzündung?

Eine akute Entzündung im Mittelohr (Otitis media) verursacht üblicherweise plötzliche, starke Ohrenschmerzen. Auslöser ist oft eine Erkältung. Kleinkinder sind besonders häufig betroffen, weil bei ihnen die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasen-Rachenraum, die sogenannte Ohrtrompete oder Eustachische Röhre, noch kurz ist. Krankheitserreger können daher leichter aus dem Rachen ins Ohr gelangen. Denn die Erreger dringen bei der akuten Mittelohrentzündung nicht von außen über den Gehörgang in das Mittelohr ein, sondern über die Ohrtrompete. Zudem muss das kindliche Immunsystem noch reifen.

In der Regel heilt eine akute Mittelohrentzündung innerhalb weniger Tage von selbst aus. In manchen Fällen sind jedoch Antibiotika oder weitere Therapiemaßnahmen nötig. Zu Komplikationen kommt es eher selten.

Symptome einer akuten Mittelohrentzündung

Folgende Beschwerden deuten auf eine akute Mittelohrentzündung hin:

  • plötzliche, heftige Ohrenschmerzen (stechend, pulsierend)
  • Hörminderung
  • Druckgefühl im Ohr
  • Krankheitsgefühl
  • Fieber

Vor allem Kinder zeigen auch uncharakteristische Begleitsymptome wie Bauchschmerzen und Übelkeit.

Eventuell staut sich Sekret hinter dem Trommelfell und es reißt ein. Die Ohrenschmerzen lassen dann oft nach, das Sekret fließt in den Gehörgang ab.

In manchen Fällen gelangen Bakteriengifte vom Mittelohr aus in das Innenohr. Mögliche Folgen sind (weitere) Hörminderung, Ohrgeräusche (Tinnitus) und Schwindel.

Akute Mittelohrentzündung: Ursachen

Unmittelbare Ursache einer akuten Mittelohrentzündung ist meistens ein Infekt. Bakterien und Viren können beteiligt sein.

Mittelohr und Nasen-Rachenraum stehen über die Ohrtrompete in Verbindung. Schwillt sie zum Beispiel durch eine Erkältung zu, wird das Mittelohr nicht mehr richtig belüftet. Belüftungsstörungen begünstigen Mittelohrentzündungen.

Krankheitserreger vom Gehörgang können nur durch einen Defekt im Trommelfell ins Mittelohr gelangen.

Sonderformen: Eine akute Mittelohrentzündung entsteht manchmal auch im Rahmen einer -, -, oder echten Grippe-Erkrankung.

So stellt der Arzt die Diagnose

Der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden und untersucht den Patienten, insbesondere Ohren, Nase und Rachen. Er inspiziert das Trommelfell mit einem Ohr-Mikroskop. Typischerweise besteht eine Vorwölbung und eine Rötung des Trommelfells. Eventuell ist ein Erguss hinter dem Trommelfell sichtbar. Oder es fließt bereits Sekret durch einen kleinen Riss im Trommelfell in den Gehörgang ab.

Ein Hörtest zeigt, ob eine Hörminderung besteht.

Mit speziellen Messungen kann der Arzt bei Bedarf die Beweglichkeit des Trommelfells prüfen (Tympanometrie). Diese Untersuchung ist bei einer akuten Mittelohrentzündung aber nicht unbedingt erforderlich.

Bildgebende Verfahren sind in der Regel nicht nötig. Besteht aber beispielsweise der Verdacht auf eine Begleitentzündung im Fortsatz des Schläfenbeins (Mastoiditis, siehe weiter unten), kann eine Computertomografie sinnvoll sein.

Therapie: Wie wird eine Mittelohrentzündung behandelt?

Nicht jeder Patient mit einer akuten Mittelohrentzündung braucht Antibiotika. Der Arzt berücksichtigt die Vor- und Begleit-Erkrankungen sowie den Verlauf der Erkrankung und entscheidet über die Medikamentengabe von Fall zu Fall.

Oft entsteht eine Mittelohrentzündung im Rahmen einer Erkältung. Dann sind meist Viren der Auslöser. Ein Antibiotikum hilft in solchen Fällen nicht. Der Arzt wird dann oft raten, erst noch ein bis zwei Tage abzuwarten und den Verlauf engmaschig zu beobachten. Die Betroffenen sollten sich schonen, ausreichend trinken und erforderlichenfalls Schmerzmittel einnehmen (siehe weiter unten).

In bestimmten Situationen kommen Antibiotika rascher zum Einsatz – beispielsweise dann, wenn das Trommelfell bereits gerissen ist und/oder eine beidseitige Mittelohrentzündung vorliegt und/oder ein Kleinkind unter sechs Monaten betroffen ist. Vor- und Nachteile der Therapie sollten vorab sorgfältig abgewogen werden.

Was lindert die Beschwerden?

Eine akute Mittelohrentzündung heilt meistens innerhalb weniger Tage von selbst aus. Schmerzstillende, entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen lindern die Beschwerden. Wichtig ist eine altersgerechte Dosierung. Arzt und Apotheker beraten dazu.

Kinder unter 12 Jahren sollen keine Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure erhalten. Vor allem im Zusammenhang mit einem Infekt drohen sonst Leber- und Gehirnschäden (Reye-Syndrom).

Helfen Ohrentropfen?

Es ist nicht belegt, dass Ohrentropfen bei einer Mittelohrentzündung die Entzündung bessern. Von Ohrentropfen, die ein Mittel zur örtlichen Betäubung enthalten, kann eine gewisse Schmerzlinderung ausgehen. Letztere sollten aber nur angewendet werden, wenn das Trommelfell intakt ist.

Helfen Nasensprays und Nasentropfen?

Sind Betroffene erkältet und leiden zusätzlich unter einer verstopften Nase, bringen abschwellende Nasensprays oder -tropfen oft Erleichterung. Bei Kindern müssen Nasensprays oder -tropfen unbedingt altersgerecht dosiert werden. Arzt und Apotheke beraten dazu. Die Mittel sollten außerdem nur eine begrenzte Zeit zum Einsatz kommen.

Helfen Hausmittel?

Das Auflegen von sogenannten Zwiebel-Säckchen gilt als beliebtes Hausmittel bei Ohrenschmerzen. Dass es tatsächlich Beschwerden lindert, ist nicht sicher belegt.

Von Rotlicht ist abzuraten, es kann sogar schaden. Sofern es überhaupt in das Mittelohr vordringt, werden die Bakterien erwärmt und teilen sich womöglich schneller.

Paukenröhrchen

Wenn das Trommelfell nicht bereits von selbst reißt, kann der HNO-Arzt eventuell einen winzigen Schnitt im Trommelfell setzen. Das Sekret fließt dann besser ab oder kann abgesaugt werden. Diese Parazentese erfolgt bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung, bei Kindern unter Vollnarkose. Solange das Trommelfell einen Riss oder Einschnitt hat, sollte kein Wasser in den Gehörgang gelangen, etwa beim Duschen oder Baden.

Der Schnitt im Trommelfell würde sich innerhalb weniger Tage von selbst wieder verschließen. Deshalb setzt der Arzt eventuell ein kleines Kunststoff- oder Metallröhrchen (Paukenröhrchen) in den Schnitt ein, damit das Sekret weiter ablaufen kann und das Mittelohr belüftet wird. Dieses Paukenröhrchen fällt nach etwa einem halben Jahr von selbst ab, das Trommelfell heilt zu.

Paukenröhrchen und Parazentese sind allerdings eher in Sonderfällen nötig. Bei einer normal verlaufenden akuten Mittelohrentzündung sind sie nicht erforderlich.

Mittelohrentzündung: Kann man vorbeugen?

Einer akuten Mittelohrentzündung kann man nur sehr bedingt vorbeugen. Ratsam ist, Zigarettenrauch beziehungsweise Passivrauch zu meiden. Werden Kinder gestillt, erkranken sie statistisch betrachtet etwas seltener an einer Mittelohrentzündung.

Auch Propolis scheint protektiv zu wirken. Die bisher vorliegenden Studien stützen diese Annahme. Bezüglich Vitamin D sind die Daten noch nicht eindeutig. Für beides gilt jedoch: Für konkrete Anwendungsempfehlungen ist es zu früh, außerdem sind unerwünschte Wirkungen möglich. Deshalb: Vorab unbedingt vom Arzt beraten lassen!

In manchen Fällen werden Mittelohrentzündungen durch vergrößerte Rachenmandeln begünstigt (Adenoide, Kinder-"Polypen"). Dann rät der Arzt eventuell dazu, die Rachenmandeln zu entfernen.

Für Kinder empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae. Vor allem die Pneumokokken-Impfung senkt unter anderem auch das Risiko für Mittelohrentzündungen durch diese Krankheitserreger.

Was ist eine Mastoiditis?

In seltenen Fällen breitet sich die Infektion vom Mittelohr in Hohlräume des benachbarten Schläfenbeins aus. Der betroffene Knochenabschnitt heißt Warzenfortsatz (Processus mastoideus), die Entzündung Mastoiditis.

Mögliche Anzeichen einer Mastoiditis:

  • die Ohrenschmerzen verstärken sich plötzlich wieder
  • die Körpertemperatur steigt weiter an
  • die Haut hinter dem Ohr rötet sich, schwillt an, wird druckempfindlich
  • das Ohrläppchen steht ab

Eine Mastoiditis muss sofort behandelt werden, sie könnte sich auf das Gehirn ausbreiten. Meistens sind Antibiotika und eine Operation erforderlich.

Chronische Mittelohrentzündung

Normalerweise heilt eine akute Mittelohrentzündung folgenlos aus, geht also nicht in eine chronische Form über.

Eine chronische Mittelohrentzündung entsteht demnach aus anderen Gründen, Erreger sind hieran nicht beteiligt. Ärzte unterscheiden verschiedene Formen:

- Chronische Schleimhauteiterung

Hier scheint der Ausgangspunkt oft eine chronische Belüftungsstörung im Mittelohr zu sein, die wiederum häufige oder anhaltende Mittelohrentzündungen begünstigt. In der Folge entsteht ein bleibender Defekt im Trommelfell.

Hinweise auf eine chronische Schleimhauteiterung sind anhaltende Hörstörungen und ständiges Ohrenlaufen. Phasenweise fließt immer wieder Schleim aus dem Gehörgang. Zu Ohrenschmerzen kommt es seltener.

Der Arzt kann das Ohr reinigen, eventuell sind Antibiotika erforderlich. Sie helfen, die Entzündung einzudämmen. Ist sie abgeklungen, wird der Defekt im Trommelfell üblicherweise in einer Operation verschlossen. Falls nötig, rekonstruieren die Ärzte dabei auch beschädigte Gehörknöchelchen, um das Hörvermögen wieder zu bessern.

- Chronische Knocheneiterung

Hier zieht die Entzündung auch den umliegenden Knochen in Mitleidenschaft.

Wachsen bestimmte Hautzellen, die eigentlich den Gehörgang auskleiden, in das Mittelohr hinein, handelt es sich um ein sogenanntes Cholesteatom (Perlgeschwulst). Ausgangspunkt kann ein dauerhafter Defekt im Trommelfell sein. Oder das Trommelfell ist intakt, wird aber nach innen in die Paukenhöhle gezogen, weil dort durch eine Belüftungsstörung ein ständiger Unterdruck herrscht. So bildet sich eine Art Tasche am Trommelfell, in der sich die Hautzellen ausbreiten.

Bakterien können sich vermehren, es entsteht eine chronische Entzündung, Sekret staut sich im Mittelohr. Die Entzündung kann den Knochen befallen und ihn zerstören. Auch die Gehörknöchelchen im Mittelohr nehmen oft Schaden.

Ein mögliches Symptom bei chronischer Knocheneiterung ist ein wiederkehrender  Sekretfluss aus dem Ohr. Die Flüssigkeit riecht oft schlecht. Auch Hörstörungen, Druckgefühl, Ohrenschmerzen und Fieber kommen vor. Ist das Innenohr oder der nahe liegende Gesichtsnerv betroffen, kann es zu Schwindel oder einer Gesichtslähmung kommen. Schlimmstenfalls entwickelt sich eine Blutvergiftung, eine Venenentzündung im Gehirn oder eine Hirnhautentzündung.

Eine chronische Knocheneiterung muss in aller Regel zeitnah operiert werden.

Beratender Experte

Dr. med. Frank Waldfahrer, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, arbeitet seit 2002 als Oberarzt an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Professor Dr. Dr. H. Iro)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Buy Testosterone propionate

https://www.medicaments-24.com/

http://www.steroid-pharm.com