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Generika: Wichtige Fragen und Antworten

Ein Arzneimittel, viele verschiedene Hersteller. Das ist heute ganz normal. Doch manche Patienten verunsichert das

von Christian Krumm, 25.02.2019
Gleicher Wirkstoff - andere Hersteller. Generika enthalten denselben Wirkstoff wie das Original. Sie gelten daher als absolut gleichwertig. Trotzdem gibt es Skeptiker

Gleicher Wirkstoff - andere Hersteller. Generika enthalten denselben Wirkstoff wie das Original. Sie gelten daher als absolut gleichwertig. Trotzdem gibt es Skeptiker


Eine große Zahl der Arzneistoffe in Deutschland ist inzwischen nicht nur vom Originalhersteller erhältlich, sondern von mehreren Pharmafirmen. Die Wirkstoffe sind die­selben, die Verpackung eine andere. Generika, wie solche Präparate im Fachjargon heißen, werden in Deutschland jährlich rund 500 Millionen Mal abgegeben. Weil sie die Kosten im Gesundheitswesen immens senken, gelten sie als unverzichtbar. Nach eigenen Angaben decken Generikahersteller rund 78 Prozent der Arzneimittel-Versorgung von gesetzlich Versicherten ab.

Einige Patienten sind skeptisch. Viele haben sich an die Vielfalt gewöhnt, vielleicht aber nur vermeintlich. So hat ­eine Studie aus Brasilien gezeigt, dass Patienten – völlig unbewusst – von Generika aufgrund des niedrigeren Preises eine schwächere Wirkung erwartet hatten. Und die trat dann auch ein. In Wirklichkeit hatten alle Studienteilnehmer Originalpräparate erhalten.

Warum sind Generika so viel billiger?

Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels verschlingt von der Idee bis zur Markteinführung enorme Summen. Kosten in Millionen- und sogar Milliardenhöhe müssen sich im Lauf von 20 Jahren amortisieren. Dann läuft der Patentschutz aus, andere Firmen können das Medikament nachbauen – mit viel geringerem finanziellen Aufwand. "Generikahersteller können zudem auf vorhandene Studien zurückgreifen und sich einen Teil der aufwendigen Zulassungsverfahren sparen", sagt Göran Donner, Vizepräsident der Sächsischen Landesapothekerkammer.

Was unterscheidet Original und Generika?

Prinzipiell ist immer derselbe Wirkstoff enthalten. Den Pharmaunternehmen bleibt es aber überlassen, welche Herstellungsverfahren sie nutzen und welche Hilfsstoffe sie verwenden. Dementsprechend können zum Beispiel Tabletten andere Farben, Formen oder Größen haben. "Manchmal unterscheiden sich auch die Anwendungsgebiete, wenn zum Beispiel ein Hersteller sich entscheidet, sein Präparat nicht für alle Indikationen zuzulassen", erklärt Donner. Zwei eigentlich völlig identische Präparate sind dann nicht einfach austauschbar.

Wirken Generika genauso wie das Original?

Für Generika sind intensive Prüfungen vorgeschrieben. Dabei müssen ihre Hersteller nachweisen, dass das nachgebaute Präparat im Körper genauso wirkt wie das Original. In vergleichbarer Zeit muss eine vergleichbare Menge des Wirkstoffs an den Wirkort im Körper gelangen. "Die Unterschiede sollten also sehr, sehr gering sein", betont Pharmazieprofessorin Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg. Vereinzelt kann es durch andere Produktionsverfahren Unterschiede geben bei Wirkstoffen, die bereits in sehr niedriger Dosis besonders  stark wirken. Dazu zählen beispiels­weise manche Hormonpräparate. "Das kann in Ausnahmefällen tatsächlich kritisch sein, aber es bedeutet nicht, dass die Generika schlechter sind", sagt Expertin Holzgrabe. Schilddrüsenhormone sollten jedoch generell nicht ausgetauscht werden.

Warum bekomme ich in der Apotheke plötzlich ein anderes Generikum?

Das liegt in erster Linie an Rabattverträgen. Der Apotheker ist verpflichtet, dem Patienten das Medikament des Herstellers auszuhändigen, mit dem die zuständige Krankenkasse einen Vertrag geschlossen hat. Üblicherweise haben diese Verträge eine Laufzeit von zwei Jahren. Vor allem in der Übergangszeit kommt es dann häufiger zu Verunsicherungen – und manchmal auch zu Lieferproblemen. So kann es sein, dass der Patient ausnahmsweise ein anderes Generikum bekommt.

Was tun, wenn das neue Präparat schlechter wirkt?

"Vereinzelt beklagen Patienten in der Apotheke, dass das neue Medikament nicht so wirkt wie das ihnen bekannte Mittel", berichtet Donner. In 99 von 100 Fällen funktioniere es aber, ein Präparat gegen ein anderes auszutauschen, mit dem der Patient problemlos klarkomme. Ist dem nicht so, sollten Patienten mit ihrem Apotheker und gegebenenfalls auch mit ihrem  Arzt über die Schwierigkeiten sprechen. Keinesfalls darf das verordnete Medikament auf eigene Faust abgesetzt oder in einer anderen Dosierung angewendet werden.

Können Patienten Generika grundsätzlich vertrauen?

"Die deutschen Hersteller liefern außerordentlich gute Qualität", betont Vizekammerpräsident Donner. Ein Umstieg auf Originalpräparate würde erhebliche Kosten verursachen und sei daher keine Option. Finanziell ­träfe eine solche Umstellung auch viele Patienten unmittelbar. Denn für Originalpräparate gelte oft ein Festbetrag. Übersteigt der Abgabepreis diesen Festbetrag, muss der Patient die Differenz draufzahlen. "Das ist in vielen Fällen nicht gerade wenig", sagt Donner.