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Kohlenmonoxid: Vorsicht, Erstickungsgefahr!

Wird das Atemgift in Räumen freigesetzt, besteht Lebensgefahr. Lassen Sie es nicht so weit kommen!

von Dr. Stefanie Reinberger, 07.01.2019
Kohlenmonoxid

Schornsteine, die durch nistende Vögel verstopft sind, zählen zu den Risikoquellen


Der "leise Mörder" ist ein Gas – unsichtbar, ohne Geruch oder Geschmack. Kohlenmonoxid tötet daher oft, bevor es bemerkt wird. Es überrascht Familien im Schlaf und lässt Grillpartys auf der Intensiv­sta­tion enden. Jedes Jahr verzeichnen Kliniken in Deutschland rund 3700 Einweisungen wegen Kohlenmonoxid-Vergiftungen.

Mögliche Quellen für Kohlenmonoxid im Zimmer

Die Gefahr lauert überall, wo in ­geschlossenen Räumen kohlenstoff­haltige Substanzen verbrannt werden. Das kann ein Heizpilz in der Garage sein oder ein Grill, der vor einem Regenschauer ins Wohnzimmer "gerettet" wurde. Potenziell gefährlich sind auch schlecht gewartete Gasthermen, Holzöfen, die nicht richtig ziehen, oder Schornsteine, auf denen ein Vogel nistet.

"Eine weitere Risikoquelle, mit der wir es in den letzten Jahren immer häufiger zu tun haben, sind Shi­sha-Bars", sagt Dr. Sven Dreyer, ärzt­licher Leiter der hyper­baren Sauerstofftherapie am Universitätskli­nikum Düsseldorf. "Von den 130 Not­fällen, die wir hier im letzten Jahr behandelt haben, waren 53 durch die Wasserpfeifen verursacht."

Kohlenmonoxid

Ersticken ohne Atemnot

Wird Kohlenmonoxid eingeatmet, heftet es sich an den roten Blufarb­stoff, das Hämoglobin – und zwar bis zu 300-mal fester als der Sauerstoff, der hier normalerweise andockt. "Die roten Blutkörperchen mit dem Hämo­globin sind die Taxis für den Sauerstofftransport", erklärt Dr. Michael Barczok, niedergelassener Pneumologe in Ulm. "Bei einer Kohlenmonoxidvergiftung sind plötzlich fast alle Taxis besetzt, und der Sauerstoff findet keines mehr." Die Körperzellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Der Körper erstickt quasi von innen – ohne dass es zwingend zu Atemnot kommt.

Die Symptome sind oft schwer zu deuten: Müdigkeit, Herzrasen, Übelkeit, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Benommenheit, bei fortschrei­ten­der Vergiftung auch Halluzinationen oder Krampfanfälle. "Weil sich das Blut kirschrot verfärbt, haben die Betrof­fenen sogar eine gesunde Gesichtsfarbe", sagt Barczok. "Wer denkt da an Ersticken?"

Schnelle Rettung wichtig

Doch im Fall einer Vergiftung muss es schnell gehen. Denn von den ersten Symptomen bis zum Verlust des Bewusstseins vergeht nur wenig Zeit. Häufig können Betroffene aber den Raum nicht mehr verlassen, weil die für das Aufstehen nötigen Körperfunktionen versagen. Beim Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung kann ein Notruf über 112 Leben retten. Behandelt wird mit hoch dosiertem Sauerstoff, der die Kohlenmonoxid-­Passagiere wieder aus den Taxis kickt.

Ideal ist eine Behandlung in einer Überdruckkammer, wo das Blut eine bis zu 20-fache Menge an Sauerstoff aufnimmt und das Hämoglobin besonders effektiv vom Kohlenmonoxid befreit wird. Studien belegen, dass sich damit neurologische Spätschäden wie Gedächtnisstörungen vermeiden lassen.

Kohlenmonoxid

Vorbeugende Maßnahmen

Am besten lässt man es gar nicht so weit kommen. Grills und Heizpilze dürfen nicht in die Wohnung, Heiz­geräte müssen gewartet werden. "Außerdem sollte überall, wo offene Feuer sind, also Kamine, Wasserpfeifen oder eine größere Anzahl von Kerzen, grundsätzlich gut gelüftet werden", rät Lungenfacharzt Barczok. Wem es trotzdem schummerig wird, der verlässt am besten sofort den Raum.

Rauchmelder erkennen Kohlenmonoxid übrigens nicht, dafür braucht es spezielle Kohlenmonoxid-Melder, die etwa im Baumarkt erhältlich sind. "So etwas sollte jeder installieren, der in der Wohnung eine Gastherme, ­einen Kachelofen oder eine andere offene Verbrennungsquelle betreibt", sagt Dreyer. "Ich habe zu Hause in meinem Heizungskeller auch einen eingebaut."

Sonderfall Pelletlager

Die gepressten Holzstäbchen für Pelletheizungen können zur Kohlenmonoxidfalle werden – ohne zu brennen. Die Herstellung der Pellets setzt chemische Prozesse in Gang, die während der Lagerung konti­nuierlich das giftige Gas entweichen lassen. Experten empfehlen, Pelletlager ständig zu lüften und ­Kohlen­monoxidmelder zu installieren.