Toxoplasmose IgG, IgM, IgA: Antikörper gegen Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine häufige Infektionserkrankung. Ein Toxoplasmose-Test erfolgt vor allem bei begründetem Verdacht auf eine frische Infektion in der Schwangerschaft

aktualisiert am 30.03.2017
Katzen

Toxoplasmose kann unter anderem durch Kontakt mit Katzenkot übertragen werden


Kurz gesagt:

Toxoplasmose ist eine häufige Infektionserkrankung, die bei gesunden Erwachsenen meist unbemerkt verläuft. Bei einer Erstinfektion in der kann der Erreger auf das Ungeborene übertragen werden. Ein Toxoplasmose-Test erfolgt vor allem bei begründetem Verdacht auf eine frische Infektion in der Schwangerschaft. Viele Frauenärzte empfehlen den Test aber auch vorsorglich zu Beginn und im Verlauf der Schwangerschaft oder bei . Die gesetzliche Krankenkasse erstattet die Kosten einer solchen rein vorsorglichen Untersuchung üblicherweise nicht.

Was sind "Toxoplasmose IgG, IgM, IgA"?

Toxoplasmose ist eine häufige Infektionserkrankung, die durch rohes oder unzureichend durchgegartes Fleisch, Mett- oder Teewurst, Rohschinken, ungewaschenes, ungekochtes Gemüse oder Kontakt mit Katzenkot übertragen wird. Erreger sind einzellige Parasiten (Toxoplasma gondii).

Toxoplasmose verläuft bei gesunden Erwachsenen mit funktionierendem Immunsystem meist unbemerkt und hinterlässt eine lebenslange Immunität. Manchmal klagen die Betroffenen über Symptome wie bei einem grippalen Infekt, selten treten Fieber und Lymphknotenschwellungen auf. Auch nach ausgeheilter Infektion können die Erreger, eingeschlossen in Zysten, lebenslang im Körper weiter überleben (latente Infektion). Bei Menschen mit Immunschwäche kann nach Erstinfektion oder – häufiger – durch Reaktivierung einer latenten Infektion eine lebensgefährliche Erkrankung entstehen.

Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft kann der Erreger auch auf das ungeborene Kind übertragen werden (pränatale Infektion). Je früher der Infektionszeitpunkt liegt, desto seltener kommt es zu einer Übertragung auf das Ungeborene, aber desto schwerer sind die möglichen Folgen. Bei einer nicht behandelten Erstinfektion im ersten Schwangerschaftsdrittel drohen Schädigungen und womöglich sogar der Abort des ungeborenen Kindes.

Immunglobuline (Ig) sind Antikörper, die das Immunsystem zur Abwehr der Erreger bildet und die während und nach einer Infektion nachgewiesen werden können.

In der Frühphase der Infektion werden zunächst Immunglobuline M (IgM) gebildet, fast zeitgleich auch das Immunglobulin G (IgG). IgG ist nach einer Toxoplasmen-Infektion lebenslang, IgM meist über Monate bis wenige Jahre noch nachweisbar. IgA-Antikörper weisen oft auf eine akute oder vor Kurzem durchgemachte Infektion hin.

Wann werden Toxoplasmose-Antikörper bestimmt?

Ein Toxoplasmose-Test wird vor allem bei einem begründeten Verdacht auf eine frische Infektion in der Schwangerschaft durchgeführt.

Viele Frauenärzte empfehlen den Test auch zu Beginn und im Verlauf einer oder bei Kinderwunsch vor einer geplanten Schwangerschaft, um ein mögliches Toxoplasmoserisiko abschätzen zu können. Ist bereits Monate vor der Schwangerschaft eine Infektion nachgewiesen, erübrigt sich in der Regel eine weitere Untersuchung in der Schwangerschaft. Die gesetzliche Krankenkasse erstattet die Kosten einer solchen vorsorglichen Untersuchung nach den aktuellen Richtlinien in Deutschland nicht. Die Kosten müssen dann als individuelle Gesundheitsleistung (IGel-Leistung) von der Schwangeren selbst getragen werden.

Weitere Gründe für eine Bestimmung

Bei Säuglingen: Nach der können Toxoplasmose-Antikörper im Fruchtwasser, in der Nabelschnur und im Blut des Säuglings untersucht werden, wenn Verdacht auf eine Infektion in der Schwangerschaft besteht.

Auch bei einer schweren Infektion unklarer Ursache, vor allem bei Patienten mit geschwächter Immunabwehr, wenn Verdacht auf eine frische oder reaktivierte Toxoplasmen-Infektion besteht, kann der Arzt die Untersuchung von Toxoplasmose-Antikörpern veranlassen.

Wann sind Toxoplasmose-Antikörper erhöht?

Toxoplasmose-Antikörper sind nachweisbar (positiv) bei einer früheren oder einer akuten Infektion. Wie bei anderen Infektionen gibt das Verhältnis von IgG zu IgM Hinweise, ob eine frühere inaktive, eine abklingende oder eine akute Infektion vorliegt. Der Nachweis von IgA deutet oft auf eine frische oder kürzlich durchgemachte Infektion hin. Oft sind aber Kontrolluntersuchungen der Immunglobuline oder weitere Tests erforderlich.

Welche Werte sind normal?

Je nach Labor und Testmethode unterscheiden sich die angegebenen Referenzbereiche erheblich. Häufig werden die gemessenen Werte in Gruppen zusammengefasst, zum Beispiel:

- negativ
(+) grenzwertig
+ positiv
++ stark positiv

Wichtig für die Einschätzung der Aktivität der Erkrankung ist die Untersuchung des Verlaufs der Werte (Titerverlauf). So deuten steigende Immunglobuline auf eine akute Infektion hin.

Schwangerschaftstest

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. rer. nat. Udo Reischl, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universitätsklinikum Regensburg (UKR)