Kopfschmerzen

Kopfweh ist ein weites Feld: Fachleute unterscheiden über 200 verschiedene Formen. Einfach ein Schmerzmittel einzunehmen ist nicht immer eine gute Lösung. Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie von Kopfschmerzen

aktualisiert am 19.09.2018
Frau mit Kopfschmerzen

Schädelbrummen: Das kennt praktisch jeder


Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?

Kopfweh kennt fast jeder. Chronische – also regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg sehr häufig auftretende – Kopfschmerzen können die Gesundheit und das Leben der Betroffenen jedoch schwer belasten und bis zur Behinderung führen. Auf der Liste der weltweit am meisten beeinträchtigenden Erkrankungen führt die Weltgesundheitsorganisation WHO die Migräne auf Platz sieben auf. Etwa 54 Millionen Menschen in Deutschland leiden im Laufe Ihres Lebens an Kopfschmerzen. Die beiden häufigsten Formen sind Spannungskopfschmerz und Migräne, die insgesamt rund 90 Prozent aller Kopfschmerzerkrankungen ausmachen. Dabei ist der Spannungskopfschmerz mit 63 bis 86 Prozent häufiger als die Migräne, die bis zu 16 Prozent der Bevölkerung betrifft. Manchmal treten die verschiedenen Formen auch kombiniert auf: so leiden Migränepatienten teils auch an gleichzeitig auftretenden Spannungskopfschmerzen.
 
Prinzipiell werden die über 200 bekannten, unterschiedlichen Kopfschmerzarten von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS= International Headache Society) in zwei große Gruppen eingeteilt:

1. Beschwerden, die selbstständig auftreten, also keiner Ursache zuzuordnen sind (= primärer oder idiopathischer Kopfschmerz): Über 90 Prozent aller Kopfschmerzen, die Patienten zum Arzt führen, gehören zu den primären Kopfschmerzen. Beispiele für primäre Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerzen. Es gibt aber auch noch verschiedene andere Arten primären Kopfschmerzes.

2. Schmerzen, die infolge von anderen Krankheiten auftreten (= sekundärer oder symptomatischer Kopfschmerz): Bei verschiedenen Erkrankungen kann es neben anderen Symptomen auch zu Kopfschmerzen kommen, die dann im Vordergrund stehen oder einziges Symptom sein können. Beispiele hierfür sind vielfältig und reichen von Infektionen über Verletzungen des Kopfes, Nebenwirkungen von Arzneimitteln oder anderen Stoffen sowie auch deren Entzug, Gefäßkrankheiten im Bereich des Kopfes oder Halses, Schäden von Gesichtsnerven oder der Halswirbelsäule, Gehirntumoren bis zu Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen und den Zähnen.

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Worauf achten?

Kopfschmerzen sind nicht immer gleich. Ganz im Gegenteil: Gerade bei den primären Kopfschmerzen kann der Arzt oft bereits anhand bestimmter Charakteristika sowie der begleitenden Symptome Rückschlüsse darauf ziehen, um welche Kopfschmerzart es sich handelt.

Wenn Sie Kopfschmerzen haben, sollten Sie daher auf einige Punkte achten, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen:

  • Wie oft treten die Kopfschmerzen auf? Chronische Schmerzen treten typischerweise an mindestens 15 Tagen im Monat auf, während episodische seltener sind.
  • Wie lange dauern die Schmerzen üblicherweise an?
  • Wie fühlt sich der Schmerz an? Ist er stechend (wie durch ein Messer verursacht), pulsierend-pochend oder eher dumpf-drückend, als laste ein Gewicht auf dem Kopf?
  • Wo tut es weh? Sind nur bestimmte Abschnitte des Kopfes (zum Beispiel die Schläfe oder das Hinterhaupt) betroffen, tritt der Schmerz immer nur auf einer Seite - auch im Wechsel - auf (einseitiger) oder ist der gesamte Kopf beteiligt (beidseitiger Kopfschmerz)?
  • Was bessert die Symptomatik und was führt zu einer Verschlechterung (zum Beispiel Zunahme der Schmerzen beim Husten, Niesen, Pressen)? 
  • Welche Krankheitszeichen treten gemeinsam mit den Schmerzen auf? Dazu können zum Beispiel gehören: Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, Sprechstörungen oder Lähmungen, Lichtscheu, Nackensteifigkeit oder Fieber.
Sprechstunde

Wann zum Arzt?

Treten Kopfschmerzen zum ersten Mal auf, verstärkt sich ein bekannter Kopfschmerz oder verändert er sonst seinen Charakter merklich, muss unbedingt ein Arzt eine gefährliche Ursache ausschließen. Auch ein Wirkverlust bislang helfender Medikamente, das neue Auftreten von Übelkeit oder Erbrechen, eine Wesensänderung oder eine Bewusstlosigkeit erfordern eine möglichst rasche Vorstellung beim Arzt. Mit höherem Alter steigt das Risiko eines gefährlichen Kopfschmerzes an, während in jüngeren Jahren Migräne und Spannungskopfschmerz dominieren.

Eine plötzlich veränderte Kopfschmerzsymptomatik sollte immer zum Arzt führen.

Auch bei wiederkehrenden Kopfschmerzen sollte ein Arzt die Ursache klären, bevor man zu Selbsthilfemaßnahmen oder freiverkäuflichen Arzneimitteln aus der Apotheke greift.

Leiden Kinder unter Kopfschmerzen, sollten Sie mit ihnen unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen. Medikamente gegen den Schmerz sollten Kinder nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker erhalten, damit sichergestellt ist, dass es sich um ein für Kinder geeignetes Präparat und die passende Dosierung handelt. Häufig kommen Ibuprofen oder Paracetamol zum Einsatz. Kindern unter 14 Jahren sollten keine Arzneimittel mit Acetylsalicylsäure (ASS) verabreicht bekommen. Hier droht bei ihnen vor allem im Zusammenhang mit Infekten eine gefährliche Schädigung von Leber und Gehirn, das sogenannte Reye-Syndrom, dessen Ursache noch nicht endgültig geklärt ist.  

Wichtiger Hinweis für schwangere und stillende Frauen: Viele Arzneimittel sind in der und Stillzeit nicht geeignet oder können sogar Schäden des ungeborenen Kindes oder Säuglings verursachen. Vor der Einnahme von Medikamenten sollten sich schwangere und stillende Frauen daher unbedingt von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Gehirn

Diagnose – was passiert beim Arzt?

Um herauszufinden, um welche Kopfschmerzart es sich handelt, erhebt der Arzt eine genaue Krankengeschichte. Er fragt unter anderem nach Häufigkeit, Art und Dauer der Schmerzen, dem Bereich des Kopfes, in dem sie auftreten sowie nach weiteren Symptomen, die zusammen mit oder vor dem Kopfweh auftreten, wie zum Beispiel Sehstörungen, tränende oder gerötete Augen, aber auch Übelkei oder Erbrechen. Interessant ist auch, ob es in der Familie noch andere Personen gibt, die an Kopfschmerzen leiden und was die Schmerzen lindert oder verschlimmert.

Im Anschluss an die Erhebung der Krankengeschichte untersucht der Arzt den Patienten. Dabei beurteilt er die Funktionen des Nervensystems genau. Dies ist wichtig, denn Auffälligkeiten in der Untersuchung sind ein mögliches Warnzeichen für einen symptomatischen und damit potentiell gefährlichen Kopfschmerz. Andererseits kann der Arzt bei typischer Krankengeschichte und unauffälliger körperlicher Untersuchung die Diagnose stellen, ohne dass weitere Untersuchungsverfahren nötig sind.

Verstärkt sich hingegen ein bekannter Kopfschmerz, verändern sich die Beschwerden oder kann der Arzt die Symptome nicht eindeutig einer Gruppe von primären Kopfschmerzen zuordnen (insbesondere, wenn sie zum ersten Mal auftreten), gilt es sicherzustellen, dass keine andere Erkrankung dahinter steckt. Dasselbe trifft zu, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen bestimmte Symptome – wie zum Beispiel Sehstörungen, Sprechstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle oder Taubheitsgefühl – auftreten.

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wird dann in den meisten Fällen zunächst das Gehirn mit einem bildgebenden Verfahren untersucht. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Magnetresonanztomografie (MRT), die sich am besten eignet, um eine gefährliche Ursache auszuschließen. Alternativ kann bei akuten Fällen, in denen Kopfschmerzen vorliegen, die erst vor kurzer Zeit begonnen haben, zum Beispiel zum Ausschluss einer frischen Gehirnblutung auch eine Computertomografie des Schädels  (CT) sinnvoll sein.

Neben diesen bildgebenden Untersuchungen steht dem Arzt eine breite Palette an Diagnoseverfahren zur Auswahl, die ihm helfen können, seine Verdachtsdiagnose zu bestätigen und/oder schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Geht es darum, ob ein Anfallsleiden (Epilepsie) vorliegt, kann zum Beispiel eine Aufzeichnung der Hirnströme (EEG) klärend sein. Beim Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ist es hingegen notwendig, Nervenwasser (Liquor) für eine Untersuchung im Labor zu gewinnen (siehe Meningitis). Manchmal hilft es weiter, bestimmte Blutwerte zu bestimmen – zum Beispiel die Entzündungsparameter, wenn der Arzt glaubt, dass eine Entzündung der Schläfenarterie vorliegen könnte. Auch können Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung besteht oder ein Einriss der gehirnversorgenden Gefäße im Halsbereich als Ursache der Kopfschmerzen in Frage kommt.

Primäre Kopfschmerzen

Wie eingangs erwähnt gibt es primäre Kopfschmerzen, die selbständig auftreten und sekundäre Kopfschmerzen, deren Ursache eine zugrundeliegende Erkrankung ist.

Die wichtigsten primären Kopfschmerzformen sind Migräne, Spannungskopfschmerz und die trigeminoautonomen Kopfschmerzen, wie der Clusterkopfschmerz. Daneben gibt es jedoch noch verschiedene andere Arten primärer Kopfschmerzen, die zum Beispiel situationsabhängig auftreten.

Kopfschmerz vom Spannungstyp
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp (so die genaue Bezeichnung für Spannungskopfschmerz) ist die häufigste Kopfschmerzform überhaupt.

Typischerweise dauern Spannungskopfschmerzen zwischen 30 Minuten und einer Woche. Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft sollten weder Erbrechen noch Übelkeit auftreten und allenfalls eines der beiden Symptome Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Zudem müssen mindestens zwei der folgenden Merkmale zutreffen:

•    Drückende oder beengende Schmerzen, die nicht pulsieren
•    Beide Kopfseiten sind betroffen
•    Leichte bis mittlere Schmerzstärke (alltägliche Aktivitäten sind noch möglich oder nur leicht eingeschränkt)
•    Körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen nicht

Um die Diagnose Spannungskopfschmerzen stellen zu können, sollten zudem bereits wenigstens zehn solcher Kopfschmerzperioden im Laufe des Lebens aufgetreten sein.

Ein orientierender Test, entwickelt von Professor Hartmut Göbel, kann helfen herauszufinden, ob es sich bei einem Kopfschmerz um Spannungskopfschmerz handeln könnte:

Beim Spannungskopfschmerz unterscheidet man drei verschiedene Verlaufsformen:

1. selten auftretender und vorübergehender (episodischer) Schmerz: an weniger als einem Tag pro Monat (also weniger als zwölf Tage pro Jahr)

2. häufig auftretender und vorübergehender (episodischer) Schmerz: an mehr als einem aber weniger als 15 Tagen pro Monat auftretender (mindestens 12 aber weniger als 180 Tage im Jahr) Kopfschmerz über mindestens drei Monate hinweg

3. anhaltender (chronischer) Kopfschmerz vom Spannungstyp: an mindestens 15 Tagen pro Monat über mindestens drei Monate hinweg (mehr als 180 Tage im Jahr).

Während Patienten wegen eines episodischen Spannungskopfschmerzes kaum zum Arzt gehen, ist der chronische Spannungskopfschmerz ein sehr beeinträchtigendes Krankheitsbild. Weil er so unspezifisch ist, können sich zudem symptomatische Kopfschmerzen darunter verbergen, so dass meist eine apparative Diagnostik, wie ein MRT des Schädels notwendig ist.

Die Ursache des Krankheitsbildes ist noch nicht endgültig geklärt. Häufig sind verspannte Muskeln im Schädel- und Nackenbereich zu beobachten. Wissenschaftler vermuten, dass diese häufigen schmerzhaften Wahrnehmungen gerade bei der chronischen Form die an der Schmerzverarbeitung beteiligten Gehirnregionen in ihrer Funktion und Form verändern. So sinkt dann die Schwelle ab der ein Reiz als Schmerz wahrgenommen wird.

Bei akuten Spannungskopfschmerzen können die Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (Vorsicht: Nicht bei Kindern unter 14 Jahren), Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol helfen. Auch Mischpräparate, die Schmerzmittel und Koffein zur Verstärkung der Wirkung enthalten, können beim akuten Spannungskopfschmerz eingesetzt werden. Manchem Betroffenen hilft es, großflächig Pfefferminzöl auf Schläfe und Nacken aufzutragen. Doch Vorsicht: Bringen Sie das Öl nicht an oder in die Augen.

Je häufiger der Spannungskopfschmerz auftritt, desto sinnvoller ist meist eine vorbeugenden Behandlung (Prophylaxe) mit Medikamenten. Auch sollten sich Personen mit häufigen Spannungskopfschmerzen unbedingt vom Arzt beraten lassen. Wie bei anderen primären Kopfschmerzen auch kann es sonst bei zu häufiger Anwendung von Akutschmerzmitteln zu Kopfschmerzen kommen, die durch die zu häufige Schmerzmitteleinnahme verursacht sind. Daher sollten Patienten mit häufigen oder chronischen Spannungskopfschmerzen diese Arzneimittel maximal an 10 Tagen pro Monat einnehmen.

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen können auch Entspannungsübungen (zum Beispiel progressive Muskelrelaxation nach Jacobson), Ausdauertraining (wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren) sowie andere Maßnahmen zur Stressbewältigung dazu beitragen, die Anzahl der Kopfschmerzepisoden zu reduzieren. Medikamente der Wahl zur Vorbeugung von häufigen Spannungskopfschmerzen sind Antidepressiva wie Amitriptylin. Diese werden nicht eingesetzt, weil vermutet wird, dass die Betroffenen eigentlich depressiv sind, sondern weil sie chronische Schmerzerkrankungen günstig beeinflussen können.

Migräne
Bei Erwachsenen ist die Migräne die häufigste Kopfschmerzform, die Patienten zum Arzt treibt. Die meisten erkranken daran jedoch erstmals im Kindes- und Jugendalter. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit vier bis fünf Prozent. Jungen und Mädchen sind noch gleich oft betroffen. Am häufigsten sind Migräneanfälle dann zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. In diesem Alter leiden Frauen dreimal öfter darunter als Männer.

Typisch für Migräne sind attackenartige, starke und pulsierende Kopfschmerzen, die sich meist auf eine Kopfhälfte konzentrieren und sich bei körperlicher Betätigung verstärken können. Die Schmerzen treten anfallsweise für vier Stunden bis drei Tage anhaltend auf. Typischerweise treten begleitend eine Lärm-, Licht- und Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen auf. Nur ein Drittel der Patienten klagt über Schmerzen im gesamten Kopf. Wenn die Kopfschmerzen einseitig auftreten, können sie innerhalb eines Anfalls oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln. Weil die Schmerzen durch körperliche Anstrengung zunehmen, kommt es zur für Migräne typischen Rückzugstendenz: Die Betroffenen setzen oder legen sich ruhig hin und vermeiden Kopfbewegungen oder Anstrengung.

Viele Migränepatienten berichten von einem Beginn der Schmerzen im Nacken, die dann im weiteren Verlauf zur Stirn ausstrahlen. Diese sind aber nicht Ursache des Kopfwehs, sondern eher eine Folge: im Rahmen der Migräneattacke werden Schmerzen in den Nacken projiziert.

Die Diagnose Migräne stützt sich auf das typische Beschwerdebild und den Verlauf der Erkrankung. Als sogenannte Hauptmerkmale für die Migräne gelten laut der Internationalen Headache Society (IHS):

  • einseitiger Kopfschmerz
  • pulsierender Schmerz
  • mäßige bis starke Schmerzen mit einer erheblichen Einschränkung der Alltagsaktivitäten
  • Verschlimmerung der Schmerzen durch körperliche Aktivität

Als Begleitmerkmale bezeichnet die IHS:

  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit

Für die Diagnose Migräne müssen mindestens zwei Hauptmerkmale und ein Begleitmerkmal vorliegen. Die Dauer der unbehandelten Attacken muss jeweils zwischen vier und 72 Stunden betragen und der Arzt sollte ausschließen können, dass eine andere Erkrankung dem Kopfschmerz zugrunde liegt. Zusätzlich sollten der aktuellen Kopfschmerzattacke mindestens fünf weitere im Laufe des Lebens vorausgegangen sein.

Um herauszufinden, ob es sich bei einem Kopfschmerz um Migräne handeln könnte, können Sie den von Professor Hartmut Göbel entwickelten Schnelltest machen:

Bereits vor dem Beginn der Kopfschmerzen können sich diese dem Betroffenen durch bestimmte Symptome wie Sehstörungen, Lichtblitze und Taubheitsgefühle ankündigen. Dieses Phänomen dauert meistens etwa fünf bis 60 Minuten und wird Aura genannt. Eine Aura tritt bei ungefähr 20 Prozent der Migränepatienten häufig auf, noch mehr haben selten eine Aura. Eine häufige Form der Aura ist das Flimmerskotom. Dabei geht in der Regel von einem Punkt ein Flimmern aus und vergrößert sich langsam. Die Randzonen stellen sich gezackt dar, in der Mitte flimmert es meist. Ein- und dieselbe Person kann sowohl unter Attacken mit als auch ohne Aura leiden. Gerade ältere Menschen mit einer bekannten Migräne mit Aura erleben mit zunehmenden Alter nur noch eine Aura, ohne dass sich anschließend das Vollbild der Migränekopfschmerzen entwickelt. Treten diese Auren ohne eine bekannte Migräne neu auf, kann es sich auch um eine andere Erkrankung handeln und weitere Untersuchungen sind nötig.

Noch vor Beginn der Aura kann es zu sogenannten Vorboten kommen, wie einem allgemeinen Unwohlsein, zu Heißhunger oder zu Stimmungsveränderungen. Erfahrene Migränekranke und noch häufiger ihre Angehörigen können anhand dieser Anzeichen vorhersagen, dass eine Attacke bevorsteht. Aus neueren Studien ist bekannt, dass zu diesem Zeitpunkt die Migräneattacke bereits begonnen hat und somit der Begriff Vorbote eigentlich nicht ganz korrekt ist. Problematisch kann die Abgrenzung von Auslösern (Triggern) sein. Diese Auslöser sind nicht bei jedem Migränepatienten gleich. Solche Trigger können zu Beispiel Stress, Schlafmangel oder ein veränderter Tagesrhythmus sein. Daher lohnt es sich gerade zu Beginn, ein Kopfschmerztagebuch zu führen und darin mögliche Trigger-Faktoren zu verzeichnen. Am Beispiel des Heißhungers, zum Beispiel auf Schokolade wird deutlich, dass eine Abgrenzung zwischen Triggern und Vorboten schwierig sein kann, da die Schokolade Auslöser einer Attacke sein kann oder der Vorbote Heißhunger auf Schokolade die Folge einer nahenden Attacke sein kann.

Mehr Informationen über Migräne und ihre Behandlung finden Sie im Ratgeber Migräne.

Trigeminoautonome Kopfschmerzen

Unter trigeminoautonomen Kopfschmerzen fasst man eine Gruppe attackenartiger, stärkster Kopfschmerzen zusammen. Sie breiten sich nur an einer Kopfhälfte meist im Bereich der Schläfe und um das Auge herum aus. Die Schmerzen sind regelmäßig begleitet von weiteren Beschwerden auf der betroffenen Seite: Rötung des Auges, Tränenfluss, Nasenlaufen, verstopfte Nase, das sogenannte Horner-Syndrom (= Pupillenverengung, eingesunkener Augapfel, herabhängendes Oberlid) oder eine Schwellung der Gesichtshälfte. Anders als bei Migräne klagen die Patienten über eine körperliche Unruhe, die sie zum Umherlaufen oder beim Sitzen zum Wippen veranlasst.

Die verschiedenen Formen trigeminoautonomer Kopfschmerzen unterscheiden sich vor allem durch Dauer und Häufigkeit der Attacken. Je kürzer die Attacken, desto häufiger treten sie in der Regel auf. Sie können alle in einer episodischen Form und einer chronischen Form vorkommen. Bei der chronischen Form treten über ein Jahr lang praktisch täglich Kopfschmerzen auf. Eine Beschwerdefreiheit besteht für maximal einen Monat. Liegt hingegen die episodische Form vor, können die Betroffenen zwischenzeitlich auch für einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Jahren vollständig frei von Symptomen sein.

Besteht der Verdacht auf trigeminoautonome Kopfschmerzen, muss unbedingt eine bildgebende Diagnostik und eine Vorstellung beim Neurologen erfolgen, um andere Kopfschmerzformen auszuschließen. Auch gibt es Erkrankungen wie die Trigeminusneuralgie, die davon abgegrenzt werden müssen. Der Unterschied liegt bei der Trigeminusneuralgie mit ihren extrem kurz (zumeist unter einer Sekunde) andauernden Attacken auch darin, dass die typischen Begleitsymptome wie tränende Augen oder laufende Nase fehlen.

Clusterkopfschmerz:

Clusterkopfschmerzen treten typischerweise gehäuft über Wochen (daher die Bezeichnung nach dem englischen "cluster" = Haufen) bis zu achtmal täglich auf, charakteristischerweise auch in der Nacht. Die einzelnen Kopfschmerzattacken dauern zwischen 15 und 180 Minuten an und treten oft zu ähnlichen Zeiten im Tagesverlauf auf, häufig ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden. Die Betroffenen empfinden heftigste, einseitige Kopfschmerzen, meist im Bereich der Stirn oder des Auges. Sie veranlassen sie dazu, sich zu bewegen und zum Beispiel umherzugehen oder mit dem Oberkörper zu schaukeln. Diese "Bewegungsunruhe" ist typisch für das Krankheitsbild und grenzt den Clusterkopfschmerz zuverlässig von der Migräne ab. Ebenfalls typisch sind begleitende Symptome wie ein tränendes oder gerötetes Auge, eine laufende und/oder verstopfte Nase oder ein Horner-Syndrom (hängendes Oberlid, verengte Pupille und eingesunkenes Auge). Diese Symptome treten immer auf derselben Kopfseite auf wie die Schmerzen. Männer leiden drei- bis sechsmal häufiger als Frauen an Clusterkopfschmerz.

In der überwiegenden Zahl der Fälle von Clusterkopfschmerz findet sich die episodische Form, bei der über wenige Wochen bis Monate Phasen mit täglichen Attacken auftreten. Dazwischen liegen beschwerdefreie Zeitspannen, die Monate bis Jahre anhalten können. Dauert die Clusterperiode ein Jahr und mehr ohne zwischenzeitliche schmerzfreie Phasen an, oder dauern die beschwerdefreien Phasen weniger als zwei Wochen, so spricht man vom chronischen Clusterkopfschmerz.

Da es auch beim Clusterkopfschmerz symptomatische Formen, zum Beispiel durch Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder Einrisse der Halsschlagader gibt, sollte vor allem beim erstmaligen Auftreten eine bildgebende Untersuchung des Kopfes einschließlich einer Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und des Kopf-Hals-Überganges) gemacht werden. Eventuell sind darüber hinaus auch noch weitere Untersuchungen (zum Beispiel eine Gewinnung und Untersuchung von Nervenwasser) notwendig.

Verschiedene Therapieansätze können bei Clusterkopfschmerz-Attacken helfen. So zeigt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen die Inhalation von 100 Prozent Sauerstoff über eine Gesichtsmaske Wirkung. Auch manche der als Migränemittel zugelassenen Triptane können bei Clusterkopfschmerzen helfen, aber nur als Nasenspray (Zolmitriptan) oder als Spritze in das Unterhautfettgewebe (Sumatriptan). Eine weitere Möglichkeit ist die Verabreichung eines örtlichen Betäubungsmittels (Lidocain) in das Nasenloch der von der Attacke betroffenen Seite. Da nicht jede Methode bei jedem Patienten anschlägt, sollten sich Betroffene von ihrem Arzt ausführlich beraten lassen und nach Absprache mit ihm vielleicht auch verschiedene Therapieansätze ausprobieren.

Zur Vorbeugung von Clusterkopfschmerz-Attacken sind verschiedene Arzneimittel geeignet. Vorzugsweise kommt der Kalziumantagonist Verapamil zum Einsatz. Es gibt aber auch verschiedene andere Medikamente, wie zum Beispiel Kortisonpräparate, Lithium oder bestimmte Antiepileptika (z.B. Topiramat), die ebenfalls zur Prophylaxe von Clusterkopfschmerzen Verwendung finden. Ihr Arzt kennt Vorteile und Risiken der einzelnen Medikamente und wägt diese ab, bevor er ein entsprechendes Präparat verordnet. Wegen der Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe sind vor allem zu Beginn der prophylaktischen Therapie regelmäßige ärztliche Kontrollen und je nach Arzneimittel auch weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel die Bestimmung bestimmter Blutwerte oder regelmäßige Messungen der Herzströme (EKG) nötig.

Paroxysmale Hemikranie:

Bei der paroxysmalen Hemikranie handelt es sich ebenfalls um üblicherweise einseitige Kopfschmerzattacken, die sich vom Clusterkopfschmerz durch kürzere (etwa fünf bis dreißig Minuten dauernde), aber dafür häufigere Anfälle unterscheiden. Bei diesem Kopfschmerz sind Frauen häufiger betroffen.

Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, sollte das Anlass für eine weiterführende Diagnostik durch den Arzt sein.

Für die paroxysmale Hemikranie gilt die Besonderheit, dass sie immer und vollständig durch den Wirkstoff Indometacin beseitigt wird. Verabreicht der Arzt das Medikament und verschwinden die Beschwerden innerhalb von Tagen, so ist dies ein untrügliches Zeichen, dass eine paroxysmale Hemikranie vorliegt. Neben der attackenartigen Hemikranie kommt auch eine dauerhaft anhaltende Form dieses Kopfschmerzes vor, genannt Hemicrania continua, die sich ebenfalls sofort auf Indometacin bessert.

Über Dosierung, Art und Dauer der Therapie sollten sich Patienten unbedingt mit ihrem Arzt absprechen. In Schwangerschaft und Stillzeit ist Indometacin nicht geeignet. Da Indometacin wie viele Schmerzmittel den Schutz der Magenschleimhaut gegen Säure verringert, sollten Patienten mit Magenproblemen gegebenenfalls zusätzlich einen Magenschutz in Form eines Säureblockers erhalten.

Hinweis: Momentan (September 2018) gibt es teilweise Schwierigkeiten in der Versorgung mit Indometacin.

SUNCT-Syndrom:

Das SUNCT-Syndrom zeichnet sich durch sehr kurz (Sekunden bis Minuten) anhaltende einseitige Kopfschmerzattacken aus mit gleichzeitiger Rötung der Bindehäute des Auges und Tränenfluss.

Treten die Kopfschmerzen das erste Mal auf, ergibt die Untersuchung durch den Arzt auffällige Befunde oder steht die Diagnose nicht eindeutig fest, sollten sicherheitshalber zum Ausschluss anderer Ursachen ein Computertomogramm (CT) der Schädelbasis und eine Magnetresonanzuntersuchung des Kopfes und Kopf-Hals-Überganges sowie gegebenenfalls noch weiter Untersuchungen gemacht werden.

Derzeit ist eine allgemein wirksame Therapie nicht bekannt. Mittel der ersten Wahl, das aber nicht allen Betroffenen befriedigend hilft, ist Lamotrigin. Ärzte richten die Behandlung an der individuellen Situation des Patienten aus und werden Nutzen und Risiken der Therapie mit ihm besprechen.

Andere primäre Kopfschmerzen

Es gibt noch zahlreiche weitere Arten primärer Kopfschmerzen, die sich nicht in die bisher beschriebenen drei Gruppen einordnen lassen. Meist sind diese Kopfschmerzen harmlos und es stecken keine bedeutenden Ursachen dahinter. Trotzdem sollte man auch diese Schmerzen beim erstmaligen Auftreten von einem Arzt abklären lassen, um auszuschließen, dass doch eine ernste Erkrankung vorliegt. Insbesondere beim Donnerschlagkopfschmerz und Kopfschmerz bei sexueller Aktivität sollte unbedingt eine Hirnblutung ausgeschlossen werden.

Einige Beispiele für andere primäre Kopfschmerzen:

  • primärer stechender Kopfschmerz: blitzartige Schmerzen an wechselnden Stellen des Schädels ohne weitere Begleitsymptome
  • primärer Hustenkopfschmerz: Minuten lang anhaltende Kopfschmerzen beim Husten
  • primärer Anstrengungskopfschmerz: bei körperlicher Anstrengung oder Sport auftretender, für Stunden anhaltender Kopfschmerz
  • Kopfschmerz bei sexueller Aktivität: vor allem kurz vor oder während des Orgasmus auftretender beidseitiger Schmerz am Hinterkopf für Minuten bis Stunden
  • primärer Donnerschlagkopfschmerz: Kopfschmerzen, die innerhalb von einer Minute maximale Intensität erreichen und dann über Stunden bis Tage anhalten. Trotz intensiver Diagnostik lässt sich keine Ursache finden
  • primärer schlafgebundener Kopfschmerz: so genannter "hypnic headache": Kopfschmerzattacken von wenigen Stunden Dauer, die vor allem bei älteren Menschen ausschließlich nachts (häufig immer zur selben Uhrzeit) auftreten

Sekundäre, symptomatische Kopfschmerzen

Im Folgenden werden kurz einige wichtige Ursachen für sekundäre Kopfschmerzen aufgelistet. Die Liste ist jedoch keineswegs vollständig, da es so viele Gründe für sekundäre Kopfschmerzen gibt (zum Beispiel ein Sonnenstich, Gebissfehlstellungen, ...), dass eine vollständige Aufzählung hier nicht möglich wäre.

Infektionen
Die meisten Menschen machen im Laufe ihres Lebens – oft schon in der Kindheit – Bekanntschaft mit Kopfschmerzen, die im Rahmen einer Infektionskrankheit, wie zum Beispiel eines Virus-Infektes auftreten. Üblicherweise liegen zugleich noch verschiedene andere Symptome vor (zum Beispiel Hautausschlag, Husten, Schnupfen und Fieber), die mehr oder weniger typisch für die zugrundeliegende Erkrankung sind.

Klingt der Infekt ab, verschwinden auch die Kopfschmerzen. Eine besondere Behandlung ist daher meist nicht notwendig. Ruhe kann die Symptome in manchen Fällen lindern. Falls nötig, kann auch auf Schmerzmittel zurückgegriffen werden. Kinder unter 14 Jahren sollten jedoch keine Acetylsalicylsäure enthalten, da dieser Wirkstoff bei ihnen unter bestimmten Bedingungen zu gefährlichen Leber- und Gehirnschäden führen kann (sogenanntes Reye-Syndrom). Viele Medikamente sind auch nicht für schwangere oder stillende Frauen geeignet. Sie sollten sich vor der Einnahme von Arzneimitteln unbedingt von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Kopfschmerzen als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas
Gewalteinwirkung im Bereich des Kopfes beziehungsweise eine Verletzung, zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall, Sturz oder Schlag auf den Schädel, können Kopfweh zur Folge haben.

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma sollte unbedingt ein Arzt ausschließen, dass es nicht zu einer Blutung im Bereich der Hirnhäute oder des Gehirns gekommen ist. Eine solche Blutung kann lebensgefährlich sein. Warnzeichen dafür sind, dass der Betroffene bewusstlos war oder wird, sehr schläfrig oder gar apathisch ist, nicht mehr adäquat reagiert oder seine Pupillen unterschiedlich groß sind. In diesen Fällen gilt es, unverzüglich einen Arzt zu alarmieren beziehungsweise ein Krankenhaus aufzusuchen.

Fließt klare Flüssigkeit oder Blut aus Ohr oder Nase, könnte dies ein Hinweis auf einen Bruch der Schädelbasis sein. In diesem Fall muss sofort ein Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden.

Kopfschmerzen als Folge einer Hirnblutung oder einer Subarachnoidalblutung (SAB)
Kopfschmerzen können auch als Folge von Blutungen im Bereich des Gehirns oder der Hirnhäute auftreten. Plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen, denen häufig zeitlich verzögert Nackenschmerzen folgen, können beispielsweise auf eine sogenannte Subarachnoidalblutung hinweisen. Begleitet werden diese Schmerzen in etwa 50 Prozent der Fälle von Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Manche Betroffene entwickeln auch Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle. Typischerweise klagen die Patienten über Lichtscheu (Photophobie) und Nackensteifigkeit.

Bei Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung bitte sofort den Rettungsdienst rufen!

Kopfschmerz als Nebenwirkung von Medikamenten oder anderen Stoffen sowie deren Entzug
Kopfschmerzen können auch als Nebenwirkung der verschiedensten Medikamente auftreten. Die Antibaby-Pille oder entsprechende andere hormonelle Verhütungsmittel, Nitrate und Phosphodiesterasehemmer sind nur Beispiele für einige typische Arzneigruppen, bei deren Einnahme Kopfschmerzen auftreten können.

Tückischerweise kann auch der zu häufige Gebrauch von Schmerzmitteln zu Kopfschmerzen führen. Als "zu häufig" wird dabei definiert, wenn ein Patient mehr als drei Monate lang an mehr als 10 Tagen pro Monat Schmerz- oder Migränemittel (Triptane, Ergotamine) einnimmt. Diese sollten auch nicht an mehr als drei Tagen hintereinander eingenommen werden. Die Menge der Schmerzmittel an einem Tag spielt dabei eine weniger wichtige Rolle.

Aber nicht nur Arzneimittel, sondern auch andere Stoffe können dazu führen, dass sensiblen Personen der Kopf weh tut. So können Alkohol, Drogen und bestimmte Nahrungsmittelbestandteile oder –zusätze (z.B. Nitrate, Histamin) ebenfalls für die Schmerzen verantwortlich sein.

Auch der Entzug regelmäßig konsumierter Substanzen kann Kopfschmerzen hervorrufen. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Koffeinentzug, der bei Personen, die normalerweise große Mengen dieses Stoffes zu sich nehmen, zu Kopfschmerzen führt. So berichten vor allem Migränepatienten immer wieder, dass Koffeinentzug bei ihnen zu Attacken führt.

Kopfschmerzen als Folge einer Reizung der Hirnhäute / Meningitis
Eine Reizung der Hirnhäute (Meningen) kann ebenfalls Kopfschmerzen zur Folge haben. Bei der Meningitis handelt es sich um eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die meist durch Infektionen, zum Beispiel mit Bakterien (eitrig) oder Viren (nicht-eitrig) hervorgerufen wird.

Die bakterielle Meningitis macht sich vor allem durch drei typische Symptome bemerkbar: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Fieber. Zeichen einer bakteriellen Infektion der Haut oder Lunge und typische Hautveränderungen mit Einblutungen in die Haut können den Verdacht untermauern. Zusätzlich können Begleitsymptome wie Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen sowie Benommenheit und epileptische Anfälle auftreten.

Beim Verdacht auf eine Meningitis bitte sofort zum Arzt!

Entzündung der Schläfenarterie (Riesenzellarteriitis, Arteriitis temporalis)
Die Riesenzellarteriitis ist eine Erkrankung, die vornehmlich Menschen ab dem 50.Lebensjahr betrifft. Es handelt sich dabei um eine Gefäßentzündung, die zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises gehört. Sie tritt plötzlich (akut) oder weniger heftig und verzögert (subakut) auf. Neben ein- oder beidseitigen stechend-bohrenden Kopfschmerzen findet sich häufig eine schmerzhafte Verhärtung und/oder Pulsabschwächung der kleinen Schlagader an der Seite der Schläfe (Temporalarterie). Zusätzlich treten auch andere Krankheitszeichen wie eine Erhöhung der Körpertemperatur, Schmerzen beim Kauen, Appetitlosigkeit und unter Umständen auch Gewichtsabnahme auf. Typisch sind auch Sehstörungen, die bis hin zur kompletten Erblindung führen können. Werden Diagnostik und Therapie nicht rechtzeitig eingeleitet, droht der vollständige Verlust der Sehfähigkeit oder auch das Auftreten von Schlaganfällen. Die Riesenzellarteriitis tritt in über der Hälfte der Fälle gemeinsam mit einer Form von Muskelrheumatismus (Polymyalgia rheumatica) auf, die Schmerzen der Schulter- und Beckengürtelmuskulatur und der Gelenke verursacht. Als Therapie kommen Kortisonpräparate zum Einsatz.

Sinusvenenthrombose
Verstopfen die großen Sammelvenen im Gehirn zum Beispiel durch einen Blutpfropf bezeichnet man das als eine Thrombose der Sinusvenen. Sie führt zur Behinderung des Blutabflusses aus dem Gehirn und zur Druckerhöhung im Gehirn. Meist sind die Kopfschmerzen drückend und verstärken sich im Liegen. Rasch können sich bei Sinusvenenthrombose Hirnnervenausfälle, Halbseitenlähmungen und epileptische Anfälle entwickeln. Wichtig ist es daher, rasch einen Arzt aufzusuchen. Neben Gerinnungstests erfolgt die Diagnosestellung mit Hilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT), die mit einer Darstellung der Hirngefäße gekoppelt sein sollte (MR-Angiografie) oder einer Computertomografie.
Die Therapie bei der Sinusvenenthrombose richtet sich danach, welche Ursache ihr zugrunde liegt. Durch gerinnungshemmende Maßnahmen soll der Blutfluss verbessert und verhindert werden, dass sich der Thrombus vergrößert. Spielt eine Infektion, zum Beispiel eine verschleppte Mittelohrentzündung bei der Entstehung des Thrombus eine Rolle sind Antibiotika und gegebenenfalls sogar Operationen nötig.

Dissektionen der hirnversorgenden Arterien
Bei einer Dissektion reißt die innere Gefäßwand einer der gehirnversorgenden Arterien ein. Dissektionen können zum Beispiel durch Verletzungen (wie einem Sturz mit Aufprall auf den Nacken) oder infolge von Bindegewebserkrankungen, aber auch ohne nachweisbare Ursache entstehen. Dissektionen der großen hirnversorgenden Arterien führen zu plötzlichen halbseitigen Kopf- oder Nackenschmerzen. Durch den Einriss in der Gefäßwand kann zum einen ein Gerinnsel entstehen, welches sich dann loslöst, zum anderen kann sich das betroffene Gefäß vollständig verschließen. Beides kann dann zu einem Schlaganfall führen.
Zwischen dem Auftreten der Gefäßdissektion und der Durchblutungsstörung im Gehirn kann eine Zeitspanne von mehreren Tage liegen, in welcher der Gefäßschaden nur durch eine Kernspintomografie nachweisbar ist. Manchmal weist jedoch auch ein einseitiges Horner-Syndrom (= Pupillenverengung, eingesunkener Augapfel, herabhängendes Augenoberlid) auf eine Dissektion der großen inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) hin. Ebenso können, wenn eine Blutung einsetzt, Zeichen von Hirnnervenschädigungen – wie zum Beispiel Schluckstörungen, Zungenlähmung und Sprachstörungen (Dysarthrie) – den Verdacht auf eine Dissektion der Nackenschlagadern bestärken.
Beim Verdacht auf eine Dissektion der hirnversorgenden Arterien sofort zum Arzt! Eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße kann Hinweise auf eine Dissektion geben. Eine sichere Diagnose liefert aber erst die Computer- oder Magnetresonanztomografie mit gleichzeitiger Gefäßdarstellung (MR-Angiografie).

Erkrankungen von Hals, Zähnen, Augen, Nase, Nasennebenhöhlen ...
Auch verschiedene andere Erkrankungen können zu Kopfschmerzen führen. Insbesondere sind hier Erkrankungen des Hals-, Kopf- oder Gesichtsbereiches zu nennen, aber auch manche systemischen Erkrankungen, wie ein starker Bluthochdruck oder ein Sonnenstich können Kopfweh verursachen. In seltenen Fällen können auch Kurzsichtige, deren Fehlsichtigkeit noch nicht korrigiert ist, unter Schmerzen im Kopfbereich leiden. Dies wird im Allgemeinen jedoch meist überschätzt. Bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen oder einer Gebissfehlstellung kann dieses Symptom ebenfalls auftreten.

Hirntumoren
Entgegen der häufigsten Befürchtungen von Patienten mit Kopfschmerzen sind Hirntumoren als Ursache selten. An einen Tumor als Ursache sollte jedoch insbesondere dann gedacht werden, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen epileptische Anfälle auftreten, eine Wesensänderung beobachtet wird oder wenn es gleichzeitig zu morgendlichem Erbrechen kommt. Bestehen solche Symptome oder gibt es andere Gründe, die das Vorliegen eines Hirntumors wahrscheinlich erscheinen lassen, wie zum Beispiel ein Krebsleiden in der Vorgeschichte, muss unbedingt eine bildgebende Untersuchung des Gehirns Klarheit schaffen.

Druckerhöhung des Nervenwassers (Pseudotumor cerebri)
Auch eine Druckerhöhung im Nervenwasser (Liquor) kann zu Kopfschmerzen führen. Weil dann Kopfschmerzen auftreten, ohne dass irgendeine Geschwulst oder eine andere Ursache dafür nachweisbar wäre, spricht man von einem Pseudotumor des Gehirns. Auch der Liquorbefund, das heißt die Zusammensetzung des Nervenwassers, ist unauffällig.

Leitsymptom des Pseudotumor cerebri ist ein Kopfschmerz, der häufig drückenden Charakter hat. Sehstörungen (visuelle Reizerscheinungen, Gesichtsfeldausfälle, Sehminderung, Doppelbilder) und Ohrenklingeln (Tinnitus) begleiten den Kopfschmerz. Der Pseudotumor cerebri kommt vor allem bei übergewichtigen Frauen im gebärfähigen Alter vor, kann aber selten auch Männer betreffen.

Die Untersuchung des Augenhintergrundes liefert charakteristische Befunde, die darauf hinweisen, dass der Sehnerv durch den Liquorüberdruck beeinträchtigt ist. Die entscheidende diagnostische Maßnahme ist aber die Messung des Liquordrucks. Eine Raumforderung im Kopf und Sinusvenenthrombosen müssen ausgeschlossen werden.
Die Therapie besteht meist darin, Nervenwasser abzulassen und spezielle Medikamente einzunehmen die die Neubildung von Nervenwasser reduzieren, um so den Druck im Schädelinnern zu senken. Wichtig ist bei Übergewichtigen immer auch eine Normalisierung des Körpergewichts.

Experte Tim Jürgens

Beratender Experte

PD Dr. Tim Patrick Jürgens studierte Medizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Assistenzarztausbildung absolvierte er an der Neurologischen und Psychiatrischen Universitätsklinik Regensburg. Anschließend war er am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Facharzt für Neurologie mit dem klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkt (Kopf-)Schmerztherapie in der Arbeitsgruppe von Professor Arne May tätig. Nach Erlangen der Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie und Habilitation wechselte er als Oberarzt in die Klinik für Neurologie am Regio Klinikum Pinneberg, wo er eine Zusatzausbildung im Bereich Geriatrie machte. Ab November 2015 war er dann Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Rostock mit dem Schwerpunkt Schmerztherapie, Neurogeriatrie und Neuropalliativmedizin. Seit 2016 ist er Ärztlicher Leiter des Kopfschmerzzentrums Nord-Ost. PD Tim Jürgens ist Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2018. Bei dem Fachmagazin Frontiers of Neurology ist er als Associate Editor in der Sektion Headache Medicine and Facial Pain tätig und beim Journal of Headache and Pain als Visiting Editor.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Therapie des episodischen und chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen, Leitlinie 03/2015. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-077l_S1_LL_Therapie_chronischer_Kopfschmerzen_2015-06 (Abgerufen am 19.09.2018)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen, Leitlinie 05/2015. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-036l_S1_Clusterkopfschmerz_trigeminoautonome_Kopfschmerzen_2015-06 (Abgerufen am 19.09.2018)


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