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Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS, auch Carpaltunnelsyndrom, CTS) ist ein bestimmter Nerv im Handgelenksbereich, der sogenannte Medianus-Nerv, eingeengt

aktualisiert am 01.02.2019

Karpaltunnelsyndrom  - kurz zusammengefasst

Beim Karpalkanalsyndrom wird es einem Nerven im Bereich des Handgelenks, im sogenannten Karpaltunnel, zu eng. Die Folge sind typischerweise Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle im Bereich des Daumens bis Mittelfingers. Steht der Nerv länger unter Druck, verliert die Muskulatur des Daumenballens an Kraft und kann sich zurückbilden. Zur Diagnose des Karapalkanalsyndroms ist eine elektrophysiologische Untersuchung notwendig. Im Frühstadium kann eine Schiene für die Nacht und eine kurzfristige Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten helfen. In fortgeschritteneren Stadien ist eine Operation notwendig, bei der das Band, das den Karpalkanal nach oben abschließt, durchtrennt und dem Nerven so mehr Raum verschafft wird.  

Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS, Medianus-Kompressions-Syndrom, andere Schreibweise: Carpaltunnelsyndrom, CTS) liegt eine Schädigung eines Nerven im Handbereich vor. Der Nerv, um den es geht heißt Nervus medianus (Mittelnerv).

Karpaltunnelsyndrom Schematische Darstellung

Der Karpaltunnel – auch Karpalkanal genannt – ist der Raum zwischen den Handwurzelknochen und dem darüberliegendem Karpalband (Ligamentum carpi transversum), durch den verschiedene Sehnen und der Medianus-Nerv verlaufen. Dieser Nerv ist für die Empfindungsfähigkeit des Daumens, Zeige- und zum Teil auch Mittelfingers zuständig. Außerdem ist er für die Steuerung bestimmter Hand- und Fingermuskeln verantwortlich.

Die Schädigung des Nervens führt folglich zu Symptomen wie nächtlichem Kribbeln und Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen bis Mittelfinger. Im späteren Stadium können auch Schmerzen beim Greifen auftreten oder sich die Muskeln des Handballens abbauen (siehe Abschnitt "Symptome"). Das Karpaltunnelsyndrom kommt vor allem bei älteren Menschen vor, wobei Frauen drei- bis viermal häufiger betroffen sind als Männer.

Karpaltunnelsyndrom (Schematische Darstellung)

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Karpaltunnelsyndrom tritt auf, wenn der Karpalkanal im Verhältnis zum Raum, den die darin enthaltenen Strukturen benötigen, zu eng ist. Da der Raum innerhalb des Karpaltunnels begrenzt ist, steigt dann der Druck im Tunnel und damit auch auf den Nerven und die kleinen Gefäße, die ihn mit Blut versorgen. Werden diese Gefäße zusammengedrückt, können sie dem Nerv nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe liefern, wodurch er in seiner Funktion beeinträchtigt ist und langfristig Schaden nehmen kann. Es entstehen entsprechende Symptome wie Taubheitsgefühl und Schmerzen in Daumen bis Mittelfinger der betroffenen Hand und im fortgeschrittenem Stadium kann es sogar dazu kommen, dass sich die Muskeln im Bereich des Daumenballens, die dieser Nerv steuert, abbauen (siehe Kapitel Symptome).

Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom können zum Beispiel sein:
    •    Anlagebedingter anatomischer Engpass, zum Beispiel bei bestimmten Varianten eines Handwurzelknochens, des sogenannten Os hamatum
    •    Schwellungen der Sehnenscheiden (unter anderem durch Überlastungen, bei rheumatischen Erkrankungen, bestimmten Stoffwechselstörungen oder in der Schwangerschaft)
    •    Brüche der Speiche oder von Handwurzelknochen, die bei ihrer Verheilung zu einer Veränderung der knöchernen Strukturen führen
    •    Arthrose des Handgelenks mit den durch sie bedingten knöchernen Veränderungen
    •    Andere raumfordernde Veränderungen im Handgelenksbereich

In seltenen Fällen tritt das meist chronisch verlaufende Karpaltunnelsyndrom auch in akuter Form auf. Es kann zum Beispiel im Anschluss an Brüche und Verrenkungen von Speiche und Handwurzelknochen entstehen oder durch Blutungen im Bereich der Handwurzel.

Die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms kann man provozieren: Beugt man das Handgelenk sehr stark (zum Beispiel beim Fahrradfahren oder nachts im Schlaf), verringert dies die Durchblutung. Besteht ohnehin schon ein Engpass, kommt es dann zu Beschwerden, wie dem typischen Kribbeln oder Taubheitsgefühlen. Durch eine starke Belastung können sich außerdem die Sehnenscheiden entzünden, was dazu führt, dass sie sich verdicken und mehr Raum benötigen. Dies kann ebenfalls ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen.

Ist ein Karpaltunnelsyndrom vererbbar?

Direkt vererbbar ist ein Karpaltunnelsyndrom nicht, aber tatsächlich ist es so, dass äußere Einflüsse beim Karpaltunnelsyndrom (KTS) insgesamt nur eine geringe Rolle spielen. Ein Karpaltunnelsyndrom ist fast immer anlagebedingt.

Risikofaktoren für ein Karpaltunnelsyndrom sind zum Beispiel:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • rheumatische Erkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Starke berufliche Handgelenksbelastungen mit anhaltend wiederkehrendem Abknicken der Hand im Handgelenk (zum Beispiel bei Montagearbeiten). Wer solche Tätigkeiten ausübt, sollte daher vorbeugend auf ausreichende Pausen achten.

Normale Alltagsaktivitäten wie Schreiben, die Bedienung eines Computers oder Sport erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Karpaltunnelsyndrom auftritt. Auch die Temperatur hat keinen Einfluss.

Schlafendes Paar

Symptome: Wie zeigt sich ein Karpaltunnelsyndrom?

Beginnendes Karpaltunnelsyndrom

Zu Beginn eines Karpaltunnelsyndroms macht sich die Erkrankung durch Beschwerden wie schmerzende oder kribbelnde Finger bemerkbar, die aber nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Teilweise strahlen diese Beschwerden bis in den Arm aus. Für die Betroffenen fühlt es sich an, als seien ihnen Daumen bis Mittelfinger "eingeschlafen". Es können auch Schmerzen in Daumen bis Mittelfinger, eventuell sogar ausstrahlend bis in den Arm auftreten. Mediziner bezeichnen dies als "Brachialgia nocturna parästhetica".

Durch Reiben oder Schütteln der Hand verschwinden die Symptome meist rasch wieder. Da viele Menschen während des Schlafs die Handgelenke angewinkelt haben, wodurch die Durchblutung eingeschränkt wird, treten die Beschwerden vermehrt nachts auf. Nach Tätigkeiten wie Fahrradfahren oder Telefonieren kommt es aus demselben Grund ebenfalls gehäuft zu den Problemen.

Fortgeschrittenes Medianus-Kompressionssyndrom

Ist ein Karpaltunnelsyndrom bereits weiter fortgeschritten, treten die Missempfindungen an den Händen nicht mehr nur zeitweise, sondern permanent auf. Zudem haben Betroffene das Gefühl, bei Greifbewegungen einen elektrischen Schlag zu bekommen, was sehr schmerzhaft sein kann.

Spätstadium

Ist der Nervus medianus bereits sehr stark von den Folgen eines Karpaltunnelsyndroms angegriffen, kann er seine Funktion kaum noch oder gar nicht mehr erfüllen. Daumen bis Teile des Mittelfingers sind in einem solchen Falle gefühllos, die Hände sind nicht mehr in der Lage, feinmotorische Tätigkeiten auszuüben. Im Spätstadium bildet sich der seitliche Daumenballen der betroffenen Hand zurück (Muskelatrophie, Daumenballen-Atrophie). Daraus resultiert eine Abspreiz- beziehungsweise Beugungsschwäche des Daumens und damit ein Kraftverlust bei Greifbewegungen.

Phalentest

Diagnose

Die Krankengeschichte der Betroffenen lenkt den Verdacht meist rasch auf ein Karpaltunnelsyndrom. Um diese Vermutung zu erhärten und um die Diagnose zu stellen, führt der Arzt weitere Untersuchungen durch.

Untersuchung der Hand

Zunächst wird er sich beide Hände genau ansehen. Mit verschiedenen Tests wird er überprüfen, ob die Beweglichkeit von Hand und Fingern intakt ist und ob Empfindungsstörungen vorliegen. Außerdem wird er versuchen, ob sich die Beschwerden durch bestimmte Bewegungen und Maßnahmen provozieren lassen. So klopft er vielleicht auf den Karpalkanal, um zu ermitteln, ob der Medianus-Nerv des Betroffenen darauf empfindlich reagiert oder lässt das Handgelenk über eine gewisse Zeit stark beugen, um zu sehen, ob sich danach ein Taubheitsgefühl oder Mißempfindungen im Daumenbereich einstellen.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Um die Diagnose zu sichern und ein Bild vom Ausmaß der Nervenschädigung zu erhalten, sind dann sogenannte elektrophysiologische Untersuchungen nötig. Vor allem wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen, also die Zeit, die der Medianus-Nerv benötigt, um einen Reiz weiterzuleiten. Anhand dieser Untersuchung lässt sich feststellen, wie stark der Nerv bereits geschädigt ist, da die Nervenleitgeschwindigkeit entsprechend sinkt.

Weitere Untersuchungen

Eventuell sind auch noch weitere Untersuchungen nötig. Eine Arthrose des Handgelenks lässt sich mit einer Röntgenuntersuchung feststellen, eine Ultraschalluntersuchung eignet sich unter anderem zur Darstellung der Sehnenscheiden und eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann sinnvoll sein, wenn zum Beispiel der Verdacht auf einen Tumor besteht. Eine Elektromyografie (EMG), also eine Messung der elektrischen Aktivität in den vom Medianus-Nerv versorgten Muskeln am Daumenballen, kommt unter Umständen ebenfalls in Frage.

Illustration

Therapie: Was hilft bei einem Karpaltunnelsyndrom?

Eine Behandlung ist immer dann nötig, wenn die Beschwerden häufig oder anhaltend auftreten.

Schienen und Kortiosonbehandlung

Bei einer leichteren Ausprägung des Karpaltunnelsyndroms, kann der Arzt eine Handgelenksschiene für die Nacht verordnen oder entzündungshemmendes Kortison in Tablettenform oder als Spritze in den Karpaltunnel verabreichen. Eine Kortisontherapie sollte nur über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt werden.

Ob bestimmte Übungen helfen können, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Operation

Dann, wenn Taubheitsgefühle und Ausfälle der Muskelfunktion länger anhalten, sich durch die obengenannten Behandlungsmaßnahmen nicht bessern oder den Betroffenen stark belasten, kommt eine Operation in Frage. Dabei spaltet der Chirurg die Bandstruktur (Ligamentum carpi transversum), welche den Karpaltunnel – ähnlich einem Dach – nach oben hin begrenzt. Damit bekommen die im Karpalkanal enthaltenen Sehnen und der Nerv mehr Platz, der Druck auf die Strukturen sinkt.

Die operative Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms kann entweder durch eine offene oder durch eine endoskopische Operation (in "Schlüssellochmethode") erfolgen. Beide Eingriffe können häufig ambulant stattfinden, so dass keine Übernachtung im Krankenhaus notwendig ist. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen gut. Viele Beschwerden, wie Schmerzen und Taubheitsgefühl in der Nacht bessern sich quasi sofort. Bei einer ausgeprägten Nervenschädigung kann es allerdings etwa ein halbes Jahr dauern, bis die Symptome weitgehend verschwunden sind. Nur sehr selten ist der Nerv so geschädigt, dass trotz Operation Beschwerden zurück bleiben. Ein Muskelabbau, der schon länger als ein Jahr vor der Operation bestand, ist allerdings auch durch den Eingriff nicht mehr rückgängig zu machen.

Dr. med. O. Kastrup

Beratender Experte

Dr. med. Oliver Kastrup ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er promovierte 1993 an der Universität Essen, an der er zuvor schon als Assistenzarzt beschäftigt war. Anschließend war er von 1993 bis 1998 wissenschaftlicher Angestellter und dann von 1998 bis 2006 Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Essen. Von 2006 bis 2016 war er dort leitender Oberarzt. 2013 habilitierte er sich an der Universität Duisburg-Essen. Seit April 2016 ist PD Oliver Kastrup leitender Arzt der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie des Philippusstifts des Katholischen Klinikums Essen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Weitere Quellen:

Assmus H, Antoniadis G, Bischoff C: Karpaltunnel-, Kubitaltunnel- und seltene Nerven­kompressions­syndrome. Online: https://www.aerzteblatt.de/archiv/166988/Karpaltunnel-Kubitaltunnel-und-seltene-Nervenkompressionssyndrome (Abgerufen am 01.02.2019)


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