Wie oft sollte man Impfungen auffrischen?

Durch eine Impfung können sich Menschen vor bestimmten Krankheiten schützen. Was viele nicht wissen: Der Schutz hält nicht immer das ganze Leben vor

von Christian Krumm, aktualisiert am 09.11.2016
Impfpass

Wichtig: Den Impfpass regelmäßig überprüfen


Eigentlich klingt es mehr als zufriedenstellend: Rund 95 Prozent aller Schulanfänger in Deutschland sind gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten geimpft. Neben den verschiedenen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln zählen dazu auch gefährliche Infektionen wie Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Keuchhusten.

Aber der Impfschutz gegen diese Erreger ist nicht von Dauer. Spätestens im frühen Erwachsenenalter sollte eine erste Auffrischung erfolgen. Die Zahlen der DEGS-1-Studie, die das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) zwischen 2008 und 2011 erhoben hat, zeigen jedoch, dass mit zunehmendem Alter die Impfquote deutlich sinkt.

So sind ein Drittel der Menschen zwischen 30 und 39 Jahren nicht mehr ausreichend gegen Tetanus geimpft, knapp die Hälfte hat keinen genügenden Schutz gegen Diphtherie, und nur jeder Zehnte aus dieser Altersgruppe ist noch immun gegen Keuchhusten. Bei älteren Menschen sieht es nicht sehr viel besser aus.

Tetanus- und Diphtherie-Impfung alle zehn Jahre auffrischen

"Auffrischimpfungen sind nötig, da die Menge der schützenden Antikörper mit der Zeit abnimmt", erklärt Dr. Christian Schönfeld, Impf­experte am Tropeninstitut der Berliner Charité. Auch die Ständige Impfkommission empfiehlt Erwachsenen Auffrisch­impfungen gegen Tetanus und Diphtherie im Abstand von zehn Jahren. "Dieser Zeitraum hat sich als praktikabler Mittelwert erwiesen", sagt Professor Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Wie lange die Wirkung einer einzelnen Impfung tatsächlich vorhalte, sei nämlich individuell unterschiedlich.

Eindeutig dagegen ist: Auf einen Impfschutz zu verzichten ist lebensgefährlich. So können Tetanus-Erreger bereits bei Bagatellverletzungen wie Schürfwunden bei der Garten­arbeit in den Körper eindringen und dort tödliche Giftstoffe produzieren. Auch Diphtherie ist eine Krankheit, die noch lange nicht besiegt ist. Die schwere Infektion des Atemtrakts tritt in Deutschland zwar sehr selten auf, wird aber wieder vermehrt aus dem Ausland eingeschleppt. Menschen, die in Entwicklungsländer reisen, können die Krankheit nach Europa bringen. Tückisch dabei: Manche Infizierte zeigen keine Symptome, können aber ungeimpfte Menschen in ihrer Umgebung anstecken.

Kinderkrankheiten nicht unterschätzen

Auch Keuchhusten wird häufig unterschätzt, er gilt noch immer als typi­sche Kleinkinderkrankheit. "Die Infektion tritt aber nicht nur bei Kindern auf", warnt Christian Schönfeld. Eine lang anhaltende Immunität nach einer überstandenen Erkrankung gebe es nicht. Besonders empfiehlt er Erwachsenen eine Auffrischung, wenn sie Kontakt zu kleinen Kindern haben. Der Berliner Impfmediziner rät zu einer Kombinationsimpfung, die gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten gleichzeitig wirkt. Einzelimpfungen seien kaum noch auf dem Markt und würden durch höhere Kosten das Gesundheitssystem auch unnötig belasten, sagt der Experte.

Günstiger sind moderne Vierfach-Impfstoffe, die zusätzlich Antikörper gegen Kinderlähmung (Polio) enthalten. Zwar gilt die Infektionskrankheit als weitgehend ausgerottet, doch in manchen Ländern Asiens und Afrikas tritt sie immer wieder auf. So empfiehlt die Impfkommission eine Polio-Auffrischung, wenn Reisen in betroffene Länder geplant sind und die letzte Impfung gegen Kinderlähmung mehr als zehn Jahre zurückliegt. "Solange Polio nicht ausgerottet ist, wird weiterhin geimpft werden müssen", meint Gérard Krause.

Wichtige Impfungen für Erwachsene

  • Pneumokokken: Menschen ab 60 Jahren rät die Impfkommission zu einer Impfung gegen die Erreger der Lungenentzündung. Bei bestehenden Immundefekten ist eine Auffrischung im Abstand von fünf Jahren sinnvoll.

  • Masern: Eine Impfung wird allen Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 auf die Welt kamen, bei denen der Impfstatus unklar ist oder die höchstens eine Impfung in ihrer Kindheit hatten.

  • Grippe: Die jährliche Grippeschutzimpfung sollten alle Menschen ab 60 Jahren sowie chronisch Kranke in Anspruch nehmen. Ratsam ist sie unter anderem auch für alle, die beruflich mit vielen Menschen in Kontakt kommen.

  • Sonstige: Bestimmte Personengruppen können auch von Impfungen gegen Hepatitis A und B, gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) oder diverse Kindererkrankungen profitieren. Lassen Sie sich vom Arzt beraten.


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