Hodentorsion

Eine Hodentorsion ist schmerzhaft. Dabei dreht sich der Hoden mit dem Nebenhoden um den Samenstrang (Hodenstieldrehung). Die Blutversorgung wird dadurch abgeschnürt

aktualisiert am 08.08.2018
Hodentorsion (Schematische Darstellung)

Bei einer Hodenverdrehung können die Gefäße im Hodenstiel abgeschnürt werden


Hodentorsion - kurz zusammengefasst

Bei einer Hodentorsion dreht sich der Hoden um die eigene Achse. Dies ist sehr schmerzhaft. Nur beim Neugeborenen treten Hodenstieldrehungen ohne Schmerzen auf. Das gefährliche an der Hodentorsion ist, dass dabei die Blutgefäße im Hodenstiel abgeschnürt werden. Der Hoden wird nicht mehr ausreichend versorgt, was innerhalb weniger Stunden zu einer bleibenden Schädigung, im schlimmsten Fall sogar zu einem Verlust des Hodens und zur Zeugungsunfähigkeit führen kann. Eine rechtzeitige Operation, bei der der Hoden wieder in seine normale Lage zurückgedreht wird, kann dies verhindern.

Was ist eine Hodentorsion?

Hodentorsion ist der Fachbegriff für eine Hodenstieldrehung, die in jedem Alter auftreten kann. Besonders häufig ist sie im ersten Lebensjahr und in der Pubertät. Bei der Hodentorsion dreht sich der Hoden mitsamt dem Samenstrang – teilweise mehrfach – um seine eigene Achse. Dies führt dazu, dass die im Samenstrang zum Hoden und Nebenhoden verlaufenden Gefäße und der Samenleiter abgeschnürt werden. Zuerst ist der Blutabstrom über die Venen gestört, im späteren Stadium auch der Blutzufluß über die Arterien. Dadurch wird der verdrehte Hoden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Dauert dieser Zustand länger an, kann dies das Hodengewebe dauerhaft schädigen. Der Hoden kann sogar ganz absterben. Die Folge kann dann ein Untergang des Hodengewebes (Atrophie) oder ein Funktionsverlust des Hodens mit Unfruchtbarkeit sein.

Männliche Geschlechtsorgane (Schematische Darstellung)

Eine solche "Hodenverdrehung" bereitet starke Schmerzen und ist immer ein Notfall. Eine rasche Diagnose und Therapie ist entscheidend, um die Zeugungsfähigkeit zu retten. Ultraschall-Untersuchungen, durch die sich der Hoden und seine Blutgefäße  darstellen lassen (farbkodierte Doppler-Sonografie), können bei der Diagnosestellung helfen. In einer Operation dreht der Arzt den betroffenen Hoden in seine ursprüngliche Lage zurück, sodass die Durchblutung wieder möglich ist. Ist der Hoden schon unwiederbringlich geschädigt, muss er entfernt werden.

Hoden (Schematische Darstellung)

Ursachen: Wie kann man sich den Hoden verdrehen?

Es scheint eine gewisse Veranlagung für eine Hodenstieldrehung zu geben. Dabei spielen anatomische Besonderheiten eine Rolle, die dazu führen, dass die Hoden im Hodensack schlechter fixiert und dadurch beweglicher als gewöhnlich sind. Manchmal kommen Hodentorsionen bereits im Mutterleib vor der Geburt vor.

Sind die Hoden nicht straff genug im Hodensack aufgehängt, können bereits geringe Einflüsse von außen zu einer Drehung führen. Besonders anfällig sind Hoden, die nicht vollständig oder rechtzeitig in den Hodensack abgestiegen sind, zum Beispiel bei einem . Auch eine andere Besonderheit der Hodenanatomie, bei der die Hodenhüllen relativ weit sind, kann eine Hodentorsion begünstigen. Bei dieser "Bell-clapper-Anomalie" genannten Veränderung liegt der Hoden häufig eher quer als senkrecht im Hodensack.

Bei einer entsprechenden Veranlagung kommen Hodentorsionen manchmal bereits bei ganz gewöhnlichen Bewegungen oder beim Sport vor. Selbst im Schlaf sind sie möglich. Bei Sportunfällen kann sich der Hoden ebenfalls verdrehen. Geschieht dies nahe am Hoden und noch in der ihn umschließenden Bindegewebshülle (Tunica vaginalis - siehe Grafik) spricht man von einer intravaginalen Hodentorsion. Die Drehung kann aber auch höher und außerhalb der Tunica vaginalis gelegen sein (extravaginal). Intravaginale Hodentorsionen machen etwa 90 Prozent aller Hodentorsionen aus, extravaginale Hodentorsionen kommen vor allem bei Säuglingen vor.

Claudio Pizarro liegt verletzt am Boden

Symptome

Die Ausprägung der Symptome einer Hodentorsion ist altersabhängig unterschiedlich. Hat sich der Hoden bereits vor der Geburt verdreht, so treten durch die Hodentorsion meist keine Schmerzen auf. Der Hoden ist aber hart und verfärbt. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommen dagegen diffuse Bauchschmerzen vor. Die Kinder sind unruhig und verweigern oft die Nahrung. Manchmal kommt es zum Erbrechen. Der Hoden ist meist geschwollen und das Blut staut sich in den Venen, wodurch er sich bläulich verfärbt. In wenigen Fällen ist der Hodensack leer und eine Schwellung in der Leiste sichtbar.

Bei Heranwachsenden sind Hodentorsionen meist die Folge von Unfällen oder Drehbewegungen beim Sport. Dabei treten sofort starke Hodenschmerzen auf. Weiterhin können Leisten-, Unterbauch- und Nierengegend schmerzen. Die Symptome können mit  Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Aus Scham informieren viele Jugendliche die Eltern nicht sofort, so dass die schnelle Untersuchung und Diagnostik verzögert wird. Die Jungen fallen dann erst durch Blässe und einen schockähnlichen Zustand auf, der sich durch Herzrasen und Schweißausbrüche äußert. Der Hodensack kann gerötet oder bläulich verfärbt sein. Die Fältelung der Haut ist aufgehoben. Der betroffene Hoden steht meist höher als gewöhnlich, da der Samenstrang in sich verdreht und dadurch verkürzt ist.

Folgen einer Hodentorsion

Durch die Hodentorsion kann die Hoden-Vene abgeklemmt werden. Ist die Arterie noch frei, so staut sich das Blut im Hoden. Eine schmerzhafte Schwellung ist die Folge. Ist die Arterie abgeklemmt, so kommt es zu einer Minderdurchblutung. Bleibt die Durchblutung über längere Zeit hinweg gestört (mehr als sechs bis acht Stunden), ist es relativ wahrscheinlich, dass das Hodengewebe dadurch nachhaltig geschädigt wird. Als Folge kann die Spermienbildung (Spermatogenese) gestört sein. Manchmal kann der Hoden auch kein männliches Geschlechtshormon mehr bilden. Sofern der zweite Hoden intakt ist, bleibt die Fruchtbarkeit jedoch erhalten.

Diagnose

Um den Verdacht auf eine Hodentorsion zu erhärten, wird sich der Arzt zunächst nach den Symptomen und den Umständen unter denen sie aufgetreten sind (zum Beispiel beim Sport) erkundigen. Anschließend wird er sich die Hoden ansehen und sie vorsichtig abtasten. Auf diese Weise kann er oft schon eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung, welche ähnliche Symptome machen, ausschließen.

Wenn der Arzt die Hoden anhebt, wird dies bei einer Hodentorsion als sehr schmerzhaft empfunden. An dem betroffenen Hoden fehlt außerdem der Hodenheber-Reflex. Das heißt, dass wenn über die Innenseite der Oberschenkel gestrichen wird, sich der Hoden nicht weiter nach oben bewegt, wie das normalerweise der Fall ist. Der gedrehte Hoden steht meist sowieso bereits höher und ist nicht mehr beweglich.


Da all diese Zeichen relativ unspezifisch sind, muß eine spezielle Ultraschalluntersuchung gemacht werden. Dabei werden die Hoden und ihre Durchblutung farblich dargestellt (farbcodierte Doppler-Sonografie). Dadurch lässt sich erkennen, wie stark die Blutgefäße durch die Hodentorsion abgeschnürt sind.


Lässt sich eine Hodenstieldrehung nicht sicher ausschießen, ist im Zweifel immer eine Operation erforderlich, bei der sich der Arzt den Zustand des Hodens und des Samenstrangs direkt ansehen und die Keimdrüse gegebenenfalls retten kann.
In seltenen Einzelfällen kann eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) oder eine Hoden-Perfusionsszintigrafie sinnvoll sein.

Operation - Arzt zieht sich Handschuhe an

Therapie

Bei einer Hodentorsion wird innerhalb möglichst kurzer Zeit operiert. Bleibt die Hodentorsion mehr als sechs bis acht Stunden unbehandelt, muss damit gerechnet werden, dass die empfindlichen Keimzellen und Stammzellen (Spermatogonien) im Hoden absterben. Die sogenannten Leydig-Zellen können länger ohne Blutzufuhr auskommen und überdauern etwa zwölf Stunden. Sie produzieren das männliche Sexualhormon Testosteron.
Bei der Operation einer Hodentorsion wird der betroffene Hoden wieder in eine normale Lage gedreht (Entzwirbelung, Detorquierung). Ist die Blutversorgung wieder hergestellt, erholt sich der Hoden oft innerhalb von etwa zwanzig bis dreißig Minuten. Ist der Hoden nach der Hodentorsion nur teilweise geschädigt, wird er im Hodensack belassen. Auch wenn er keine Samenzellen mehr produzieren kann, stellt er doch noch Testosteron her. Nur bei völliger Schädigung (Nekrose) muss er entfernt werden. Im Erwachsenenalter kann dann später eine Hodenprothese eingesetzt werden.
Um einer weiteren Hodentorsion vorzubeugen, wird der Hoden zusätzlich mit dem Hodensack vernäht (Orchidopexie). Dies schränkt seine Beweglichkeit ein. Weil oft angeborene anatomische Risikofaktoren eine Rolle für die Entstehung der Torsion spielen, wird empfohlen in der gleichen oder einer späteren Operation die Fixierung des anderen Hodens vornehmen zu lassen.

Im Notfall können erfahrene Ärzte, falls eine Operation im notwendigen Zeitfenster nicht mehr möglich ist, den Hoden eventuell auch ohne Operation wieder in die normale Lage drehen.

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Vorbeugen

Nach einer Hodentorsion wird der Hoden normalerweise vom operierenden Arzt am Hodensack so festgenäht, dass das Ereignis nicht erneut auftreten kann (Orchidopexie). Auch der zweite Hoden sollte fixiert werden, um einer Hodenstieldrehung vorzubeugen.
Männer sollten bei risikoreichen Sportarten einen Hodenschutz (Suspensorium) anlegen. Bei einigen Kampfsportarten ist dies sogar Pflicht.

Frau Professor Dr. med. Karin Rothe

Beratende Expertin

Frau Professor Dr. med. Karin Rothe ist Fachärztin für Kinderchirurgie. Sie ist Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Zuvor leitete sie den Funktionsbereich Kinderchirurgie der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Professor Rothe habilitierte sich 1994 an der Universität Leipzig. Im Jahr 2000 erhielt sie eine außerplanmäßige Professur für Kinderchirurgie. Von 2004 bis 2009 war sie Leiterin der Akademie für Kinderchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Im Herbst 2009 nahm sie den Ruf auf die W3 Professur für Kinderchirurgie an der Charite an.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (AG Kinderurologie) und der Deutschen Gesellschaft für Urologie (Arbeitskreis Kinder- und Jungendurologie): Akutes Skrotum im Kindes- und Jungendater, Leitlinie 08/2015. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-023l_S2k_Akutes_Skrotum_Kinder_Jugendliche_2015-08 (Abgerufen am 08.08.2018)


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