Wie Sport bei Herzschwäche hilft

Bewegung kann die Leistungsfähigkeit von geschwächten Herzen verbessern. Weshalb der Herzspezialist Dr. Marcus Sandri ein entsprechendes Training für ähnlich wichtig hält wie Medikamente
von Larissa Gaub, 02.01.2018

Neben der Ausdauer sollten Betroffene auch Kraft und Koordination trainieren

Thinkstock/BananaStock

Herr Dr. Sandri, früher hieß es, ein schwaches Herz müsse man schonen. Heute gilt das Gegenteil. Wieso?

Erst in den frühen 90er-Jahren belegten Studien, dass Bewegung einem schwachen Herz sehr gut hilft. Inzwischen ist das körperliche Training ein Grundpfeiler der Therapie. Davor hieß es in der Tat lange Zeit, Insuffi­zienz-Patienten sollten sich schonen und selbst Routinearbeit unterlassen.

Dr. Marcus Sandri, Kardiologe am Herzzentrum Leipzig

W&B/Sven Döring

Stresst Sport das Herz denn nicht?

Doch, aber dieser Stress ist nicht negativ, sondern tut dem Herz gut. Die Symptome der Insuffizienz verringern sich, Patienten müssen seltener ins Krankenhaus. Das steigert die Lebensqualität enorm.

Also sollen alle Herzpatienten möglichst sofort losradeln?

Nein, das wäre falsch. Bevor der Patient loslegt, müssen die Medikamente richtig eingestellt werden, und die Erkrankung sollte unter Kontrolle, sprich stabil sein. Auch muss das Training speziell auf den Patienten zugeschnitten sein. Das heißt, die tägliche Bewegung muss richtig dosiert werden. Denn unterhalb der verschriebenen Dosis bringt Sport wenig. Auf der anderen Seite kann eine Überlastung den Zustand des Patienten stark verschlechtern.

Wie sieht das ideale Training aus?

Es besteht aus drei Komponenten: Ausdauer- und Krafttraining plus Koordinationsübungen. Wichtig ist, dass der Patient zunächst mit seinem Herzarzt spricht und dieser einen Leistungstest macht. Das ist ein normales EKG, bei dem der Patient auf dem Ergometer sitzt und sich belastet. So wird geprüft, wie gut die körperliche Belastbarkeit ist und wie stark die Herzerkrankung den Kreislauf beeinflusst. Auf Basis der Daten erstellt der Arzt den individuellen Trainingsplan.

Wie oft sollen Patienten sporteln?

Die Belastung sollte langsam starten und mindestens 15 bis 20 Minuten dauern, sodass höchstens 60 bis 70 Prozent der maximalen Belastung erreicht werden. Anfangs muss ein Sporttherapeut oder ein Arzt dabei sein. Ich empfehle, an mehreren Tagen pro Woche zu trainieren. Oft steht da – wie bei uns allen – jedoch der innere Schweinehund im Weg.

Was hilft gegen den Schweinehund?

Motivation ist immer ein Problem beim Sport. Aber die Patienten müssen sich bewusst machen, dass Bewe­gung ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist – genauso wichtig wie die Medikamente. Wer aktiver wird, spürt schnell eine Verbesserung und bleibt dann freiwillig dran.

Wie verändert Bewegung das Herz?

Die Pumpleistung verbessert sich, das Organ kann sich wieder besser entspannen. Aber Effekte des Trainings betreffen ja nicht nur das Herz, sondern den ganzen Organismus. Durch Sport sinkt der Ruhepuls, die Blut­­gefäße werden elastischer.

Welche Sportart ist tabu?

Schwimmen, zumindest für Einsteiger. Der Druck des Wassers auf den Körper kann die Symptome wieder verschlechtern. Das Beste wäre, einer Herzsportgruppe beizutreten.


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