Troponinwert: Schnelltest fürs Herz

Die Bestimmung von Troponin im Blut hat die Herzinfarkt-Diagnostik verbessert. Doch die Laboruntersuchung eignet sich auch für weitere Krankheiten
von Dr. Achim G. Schneider, 30.01.2018

Jetzt piekst es: Für einen Troponin-Test wird dem Patienten Blut abgenommen

F1online/Imagebroker/Jochen Tack

Beim Gesundheits-Check-up für gesetzlich Versicherte ab 35 werden Blutdruck und Cholesterinwert gemessen. Künftig könnte auch die Analyse bestimmter Herzeiweiße, Troponine, in diese Untersuchung aufgenommen werden. Darauf hoffen zumindest einige führende Kardiologen.

Derzeit erfolgen Troponintests vor allem in Notfalleinrichtungen für Menschen mit plötzlich auftretenden Brustschmerzen. Denn bei einem Infarkt setzt das Herz diese Eiweiße ins Blut frei. Die Tests tragen so zur Diagnose bei – auch von Infarkten, bei denen die Herzstromkurve nicht krankhaft verändert ist. Lässt sich hingegen kein erhöhter Troponinspiegel im Blut nachweisen, spricht das für eine Schmerzursache, die nichts mit dem Herzen zu tun hat.

Mit Sturheit zum Erfolg

Professor Hugo Katus entwickelte bereits im Jahr 1987 den ersten Troponintest und verfeinerte die Nachweis­methoden dann über lange Zeit hinweg, um auch geringste Eiweißmengen im Blut verlässlich aufzuspüren. Seit 2002 ist Katus Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie an der Uniklinik Heidelberg und seit April dieses Jahres zudem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

"Man braucht eine gewisse Sturheit, wenn man etwas Neues erforscht und damit Erfolg haben will", bilanziert der Kardiologe. Denn es gab Zeiten, in denen sein Ziel, "mit Troponin als Biomarker die Infarkt-Diagnostik zu verbessern", zu scheitern drohte. Als die Firma, die sein Vorhaben finanzierte, sich aus dem Projekt verabschiedete, machte er weiter, bis bessere Daten den Geldgeber überzeugten, wieder mitzumachen. Katus ist an dem Patent beteiligt, mit dem die Firma die Eigentumsrechte des Tests schützt.

Gezielte Infarkt-Behandlung durch schnellen Test

Inzwischen sind mehrere hochempfindliche Troponintests auf dem Markt, die bereits wenige Milliardstel Gramm Troponin pro Liter Blut aufspüren. Seit 2011 empfiehlt eine medizinische Leitlinie diese Untersuchungsmethode. Schon längst zählt sie zur Routine bei Infarkt-Diagnosen. "Viele Patienten können jetzt schneller gezielt behandelt werden", freut sich Dr. Christoph Liebetrau, leitender Oberarzt des Herzkatheterlabors in der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim.

Sie helfen den Ärzten zu entscheiden, ob man einen Patienten entwarnen und heimschicken kann – oder ob man ihn mit einem Katheter untersuchen und verengte Herzkranzgefäße aufdehnen muss, damit wieder Blut durch das Gefäß fließt und das betroffene Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Doch die hochempfindlichen Tests eignen sich eventuell für weitere Anwendungen. "Immer, wenn das Herz Stress erleidet, erhöht sich der Troponinspiegel", erklärt Liebetrau. Während er bei Infarkten jedoch schnell steigt und einige Stunden bis Tage später wieder fällt, liegt er bei einigen anderen Krankheiten typischerweise ständig über der Norm.

Bei Lungenembolien empfohlen

Nachgewiesen ist das zum Beispiel für Herzschwäche, chronisches Vorhof­­flimmern, Herzklappenerkrankungen, Lungenhochdruck und für Lungen­­embolien, bei denen ein Blutgerinnsel ein Gefäß in dem Atemorgan verstopft. Liebetrau: "Hier misst man den Troponinspiegel, um herauszufinden, ob die Embolie auch zu einer Überlastung des Herzens geführt hat."

Das hilft dem Arzt, beispielsweise zusammen mit einer Ultraschall-­­Untersuchung des Pumporgans, die Schwere der Krankheit besser abzuschätzen und zu entscheiden, welche Therapie notwendig ist – etwa eine medikamentöse Lyse, um das Gerinnsel aufzulösen. Während medi­­zinische Fachgesellschaften bei Lungen­embolien hochsensible Troponintests empfehlen, wird noch erforscht, ob diese Analysen bei Herzschwäche und weiteren Leiden ebenfalls nützen.

Probleme des Herzens früh erkennen

Andere Studien haben gezeigt, dass die Troponinbestimmung sich womöglich auch zur Früherkennung von Herzproblemen eignet – weil sich das Gewebe schon verändert und kleine Mengen des Eiweißes freisetzt, lange bevor es zu Beschwerden und großen Schäden kommt. Troponintests könnten Ärzten also womöglich künftig dabei helfen, sich einen ersten Eindruck von der Herzgesundheit eines Patienten zu verschaffen.


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