Das Herz: Aufbau, Funktion und Erkrankungen

Unser wichtigster Muskel will gut gepflegt werden. Denn erkrankt das Herz, drohen schwere Leiden wie etwa Herzinfarkt, Koronare Herzkrankheit und Herzschwäche. Ein gesunder Lebensstil beugt vor
von Simone Herzner, aktualisiert am 14.02.2018

Das Herz pumpt pro Minute rund fünf Liter Blut durch den Körper

iStock/Tomm L.

Rund drei Milliarden Mal schlägt das Herz im Laufe eines Menschenlebens und pumpt dabei etwa 250 Millionen Liter Blut durch den Körper – eine unglaubliche Leistung, mit der kein anderer Motor so schnell mithalten kann.

Umso schlimmer ist es für den menschlichen Körper, wenn das Herz – unser wichtigster Muskel – krank wird und an Leistungsfähigkeit verliert. Das kommt häufig vor: Seit Jahren sind Herz-Kreislauferkrankungen die Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Im Jahr 2015 waren laut Statistischem Bundesamt 39 Prozent aller Todesfälle darauf zurückzuführen.

Aufbau des Herzens

W&B/Ulrike Möhle

Anatomie des Herzens

Die Anatomie des Herzens ist einmalig: Der etwa faustgroße und im Durchschnitt 300 Gramm schwere Muskel liegt zwischen den beiden Lungenflügeln etwas nach links versetzt, schräg hinter dem Brustbein. Der Herzbeutel, ein Sack aus Bindegewebe, hält das Herz an seinem Platz. Zusammen mit den Blutgefäßen bildet das Herz das sogenannte Herz-Kreislaufsystem und pumpt mit rhythmischen Kontraktionen pro Minute rund fünf Liter Blut durch den Körper.

Genauer betrachtet besteht das Herz aus zwei im gleichen Takt schlagenden Pumpen, die durch die Herzscheidewand voneinander getrennt sind. Die rechte Pumpe versorgt den Lungenkreislauf. Die linke Pumpe pumpt über die Hauptschlagader (Aorta) Blut in den Körperkreislauf und versorgt so sämtliche Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen und transportiert Endprodukte aus dem Zellstoffwechsel wie Kohlendioxid wieder ab.

Jede Herzhälfte besteht aus zwei Hohlräumen, einem Vorhof (Atrium) und einer Herzkammer (Ventrikel). Im rechten Vorhof sammelt sich das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf, im linken Vorhof das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge. Die linke Herzkammer ist von einer starken Muskelschicht umschlossen, da sie die Hauptlast zu tragen hat, indem sie das sauerstoffreiche Blut aus dem linken Vorhof in den gesamten Körperkreislauf pumpt. Die rechte Herzkammer pumpt das sauerstoffarme Blut aus dem rechten Vorhof in den Lungenkreislauf.

Die Herzkammern werden von Herzklappen verschlossen. Die vier Herzklappen regeln den Blutfluss im Herzen, indem sie das Blut in die richtige Richtung lenken und einen Rückfluss in die Vorhöfe verhindern. Die Herzklappen müssen sich einerseits weit genug öffnen, damit genügend Blut in die Kreisläufe gelangt. Andererseits müssen sie dicht schließen, damit es nicht zum Rückfluss kommt. Die Herzklappen können im Laufe eines Lebens jedoch undicht werden oder verkalken und dadurch eng werden und in der Folge zu einer Herzschwäche führen.

Die Ursachen für Herzerkrankungen

"Die drei wesentlichen Gründe für Herzerkrankungen sind eine Verengung der Herzkranzgefäße, Herzrhythmusstörungen und eine Herzmuskelschwäche", sagt Professor Wolfram Delius, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologe (Facharzt für Herz-Kreislauferkrankungen) aus München.

Koronare Herzkrankheit: Endet oft im Herzinfarkt

Unter einer koronaren Herzkrankheit verstehen Ärzte verengte Herzkranzgefäße. Das ist ein sehr gefährlicher Zustand, denn damit ist das Risiko für einen Herzinfarkt stark erhöht. Ein Herzinfarkt entsteht durch den kompletten Verschluss eines der Herzkranzgefäße (Koronarien). Durch den Verschluss wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und ein Teil des Herzmuskelgewebes kann absterben.

"Die größte Gefahr bei einem akuten Herzinfarkt ist jedoch der plötzliche Herztod durch infarktbedingte Herzrhythmusstörungen, dem sogenannten Kammerflimmern", sagt Kardiologe Delius. Je schneller Ärzte einen Herzinfarkt behandeln, desto größer sind die Überlebenschancen und die Langzeitprognose der Patienten. "In einer Klinik können die Herzkranzgefäße mittels Kathetertechnik oder mithilfe von Blutgerinnsel auflösenden Medikamenten wieder geöffnet werden. Wenn dies gelingt, besteht die Chance, dass der Herzmuskel möglichst wenig Schaden davon trägt", erklärt Delius.

Typische Anzeichen für einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt) sind Schmerzen im Bereich des Brustbeines und der linken Brustseite, die länger als fünf Minuten anhalten. Doch nicht jeder Infarkt verläuft typisch. Die Schmerzen können auch in anderen Teilen des Brustkorbes auftreten und bis in den Hals, den linken Arm, den Oberbauch oder den Rücken ausstrahlen. Manchmal fehlen die Schmerzen ganz. Genauere Informationen zu möglichen Symptomen bei einem Herzinfarkt sowie zu Ursachen und Therapie lesen Sie im Ratgeber Herzinfarkt.

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Erkrankungen, die zu einer Herzschwäche führen

Leidet ein Mensch an Herzschwäche (Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz), kann sein Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen. Man unterscheidet die chronische Herzinsuffizienz, die sich über Monate und Jahre entwickelt, und den Notfall einer akuten Herzinsuffizienz, der sofort behandelt werden muss.

Ursache für eine Herzschwäche gibt es mehrere, zum Beispiel Bluthochdruck (siehe unten), ein Herzklappenfehler oder die koronare Herzkrankheit (KHK).

Auch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) führt mitunter zu einer Herzschwäche. Herzmuskelentzündungen werden oft durch Viren, Bakterien oder Parasiten ausgelöst. Ist zudem der Herzbeutel (Perikard) entzündet, spricht man von einer Perimyokarditis.

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Gefährliche Herzrhythmusstörungen

Unregelmäßigkeiten des Herzschlages bezeichnet man als Herzrhythmusstörungen. "Mediziner unterscheiden zwischen einer zu langsamen Schlagfolge, die als Therapie oft einen Herzschrittmacher erforderlich macht, und zwischen einer schnellen Herzrhythmusstörung", erklärt Kardiologe Delius. Schnelle Herzrhythmusstörungen können im Vorhof oder der Herzkammer auftreten. "Letztere sind besonders gefährlich und bedürfen einer sofortigen ärztlichen Therapie", warnt der Herzspezialist. Die häufigste Vorhof-Rhythmusstörung bei älteren Menschen ist das sogenannte Vorhofflimmern, das als die Hauptursache von Schlaganfällen gilt. Bei Kammerrhythmusstörungen wird den Patienten oft vorbeugend ein Defibrillator eingesetzt.

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Risikofaktor Bluthochdruck

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen ist Bluthochdruck (Hypertonie). Ist der Blutdruck zu hoch, muss das Herz gegen einen großen Widerstand in den Adern anpumpen. Dadurch verdickt sich mit der Zeit der Herzmuskel und verliert an Elastizität. Folgen des Bluthochdrucks können eine koronare Herzkrankheit, eine Herzschwäche oder ein Schlaganfall sein. Ein zu hoher Blutdruck belastet nicht nur das Herz, er schädigt auch die Blutgefäße.

Auch Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Rauchen erhöhen das Risiko für eine Herzerkrankung. "Das Übergewicht steht im engen Zusammenhang mit allen genannten Risikofaktoren außer dem Rauchen", erklärt Kardiologe Delius. Wer sein Gewicht im Normalbereich halten kann, mindert sein Risiko für Herzerkrankungen darum enorm.

Die Diagnose von Herzerkrankungen

Die Anamnese (ärztliches Gespräch über Beschwerden und Vorerkrankungen), die körperliche Untersuchung mit dem Abhören des Herzens, ein Elektrokardiogramm (EKG) in Ruhe – unter Umständen auch unter Belastung – sowie ein Herz-Ultraschall (Echokardiografie) gehören zur wichtigsten Basis-Diagnostik bei Herzerkrankungen.

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Regelmäßige Bewegung auch für Herzpatienten

Die Zeiten, in denen Ärzte Patienten mit Herzschwäche Ruhe verordnet haben, sind schon lange vorbei. Heute wissen Mediziner, dass regelmäßige Bewegung auch und besonders herzkranken Menschen guttut. "Herzpatienten sollten zwar in Bewegung bleiben, sie dürfen sich aber nicht überfordern und sollten Sport nur in Absprache mit dem Arzt treiben", rät Delius. Inzwischen gibt es fast überall in Deutschland sogenannte Herzsportgruppen, in denen Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder unter einer anderen schweren Herzerkrankung leiden, unter ärztlicher Aufsicht trainieren. Je nach Krankheitsbild wird die Teilnahme sogar von den gesetzlichen Krankenkassen finanziell gefördert.


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