Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Symptome, Therapie

Beim kreisrundem Haarausfall kommt es zum Immunangriff auf die Haarwurzel. Die Folge: Meist runde, kahle Stellen auf dem Kopf, an den Augenbrauen oder im Bart. Häufig passiert das schon im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter

aktualisiert am 17.04.2018

Kreisrunder Haarausfall: Mit über einer Million Betroffenen in Deutschland keineswegs selten


Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Immunangriff auf die Haarwurzel

Die genauen Ursachen dieser Krankheit sind unbekannt. Mediziner gehen davon aus, dass es sich um eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems handelt. Statt gefährliche Viren und Bakterien zu bekämpfen, richten sich die Abwehrzellen plötzlich gegen die körpereigenen Haare. Dort, genauer: an den Haarwurzeln, lösen sie eine Entzündung aus. Der Vorgang entspricht einer Autoimmunkrankheit (auto-, gr. = selbst). In der Folge wachsen die Haare nicht mehr richtig und fallen aus.

Der kreisrunde Haarausfall tritt überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit anderen Autoimmunkrankheiten auf, zum Beispiel Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) oder Schilddrüsenerkrankungen wie Basedow-Krankheit und Hashimoto-Thyreoiditis.

Alopecia areata betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. Mädchen könnten gemäß einer Erhebung in den USA noch häufiger betroffen sein als Jungen. In manchen Familien kommt die Alopecia areata gehäuft vor, was eine erbliche Veranlagung wahrscheinlich macht. Diese wird derzeit intensiv untersucht.

Symptome bei Alopecia areata: Meist runde, kahle Stellen

Beim kreisrunden Haarausfall bilden sich meist relativ rasch oder auch schubweise einzelne, runde, haarlose Flecken: im Kopfhaar, seltener im Bart, im Gesicht oder in der Körperbehaarung. Am Rand der haarlosen Flecken stehen meist kurze, abgebrochene Haare, sogenannte "Ausrufezeichen"-, "Komma"- oder "Kolben"-Haare. Zur Pore auf der Haut hin sind sie dünner.

In vielen Fällen wachsen die Haare innerhalb von etwa sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder nach. Ein Wiederauftreten der Erkrankung ist allerdings möglich. Manchmal fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus, schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei der Betroffene innerhalb kürzester Zeit ergraut.

Die haarlosen Stellen können auch zusammenfließen und den ganzen Kopf (Alopecia areata totalis) oder sogar den ganzen Körper (Alopecia areata universalis) betreffen. Das ist eher ungünstig, da der Haarverlust oft anhält.

Als Ophiasis-Typ wird eine Alopecia areata bezeichnet, bei der die Haare im Nacken und weiter bandförmig entlang des Haaransatzes an den Seiten und nach vorne hin ausfallen. Auch dies kann mit einem chronischen Verlauf verbunden sein.

Und obwohl es widersprüchlich klingt: Eine diffuse Form der Alopecia areata ohne einzelne kahle Stellen (Alopecia areata diffusa oder incognita) ist ebenfalls, wenn auch selten, möglich.

Kreisrunder Haarausfall: Diagnose

Das Haarlichtungsmuster und die Angaben der Betroffenen zu den Symptomen sind meist schon aufschlussreich. Der Arzt untersucht aber das Körperhaar insgesamt, die Haut und die Nägel. Denn bei Alopecia areata kommen häufiger auch Nagelveränderungen wie sogenannte Tüpfel- oder Rillennägel vor.

Bei der Betrachtung der Kopfhaut, zum Beispiel mit einem Dermatoskop, lassen sich auf den kahlen Stellen die winzigen Poren der Haarbälge erkennen. Dass sie noch sichtbar sind, ist ein Zeichen dafür, dass die Haare prinzipiell wieder nachwachsen können. Zu den kurzen, abgebrochenen Haaren am Rand der kahlen Hauststellen siehe weiter oben im Abschnitt "Symptome".

An den Rändern neben den Kahlstellen sind die Haare oft leicht auszupfbar. Mitunter stellt der Arzt zudem geschwollene Lymphknoten hinter den Ohren fest. Mögliche Begleiterkrankungen schließt der Dermatologe in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, bei Bedarf auch mit anderen Fachärzten, aus.

Therapie des kreisrunden Haarausfalls

Oft bessert sich die Krankheit nach einigen Monaten von alleine wieder, so dass keine Therapie erforderlich ist. Ist das nicht der Fall, kann bei ausgeprägtem Befund eine Therapie mit Kortison zum Auftragen auf die kahlen Stellen, die danach abgedeckt werden, begonnen werden. Kortison unterdrückt Immunreaktionen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Kortison unter die Haut der haarlosen Stellen zu spritzen, wenn es nur wenige sind.

Bei starker Aktivität des Haarausfalls kann Kortison im Einzelfall zum Beispiel als Stoßtherapie (in Tablettenform zum Einnehmen) in abnehmender Dosierung über einen kurzen Zeitraum eingesetzt werden. Obwohl Kortison die Entzündungsreaktion bremst, kann diese nach Absetzen wieder auftreten. Nachgewachsenes Haar fällt dann häufig wieder aus. Außerdem sind die Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Insofern wird der Arzt eine solche Therapie sehr sorgfältig abwägen.

Falls auf den haarlosen Stellen bei ausgeprägten und hartnäckigen Verläufen, etwa auch nach Therapieversuchen mit Kortison, kein Neuwachstum der Haare zu erkennen ist, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit dem sogenannten Kontaktallergen Diphenylcyclopropenon (DCP). Es bewirkt auf der Kopfhaut eine Allergie. Das Immunsystem soll dadurch angeregt und quasi "abgelenkt" werden, was im Idealfall den Haarausfall stoppt.

Es handelt sich bei dieser äußeren Immuntherapie nicht um eine zugelassene Therapie beziehungsweise DCP ist kein zugelassenes Medikament. Die Behandlung wird nur in einzelnen spezialisierten Zentren und an Universitätskliniken angeboten. Patienten sollten sich unbedingt an ein solches Zentrum wenden, wo man sich mit dem Mittel genau auskennt. Für schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch ist eine Therapie mit DCP nicht geeignet.

Weitere Therapieansätze, zum Beispiel mit Dithranol, Psoralen-UVA-Turban (dabei wird der behaarte Kopf, vor allem die haarlosen Stellen, minutenlang mit einem Tuch umwickelt, das in einer speziellen Lösung getränkt wurde, um die Haut bei Kontakt lichtempfindlicher zu machen; danach wird der Kopf ohne Turban mit langwelligen ultravioletten Strahlen bestrahlt), sodann mit herkömmlichen immununterdrückenden Medikamenten oder Laser sind nicht ausreichend belegt.

Behandlung von Kindern

Bei Kindern wird die Therapieentscheidung besonders sorgfältig zu treffen sein. Zuallererst müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. In bis zu 40 Prozent der Fälle ist eine spontane Rückbildung zu erwarten. Bei Erwachsenen liegt dieser Prozentsatz noch höher; das macht die Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie auch so schwer!

Besonders bei gering ausgeprägtem Haarausfall und weiteren günstigen Anzeichen, zum Beispiel unauffälligen Nägeln oder fehlenden typischen Begleiterkrankungen, gilt ein abwartendes Verhalten als gerechtfertigt. Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher sollten sich ausführlich in der Spezialsprechstunde einer Hautklinik beraten lassen. Dort erfahren sie auch Näheres über die Möglichkeiten psychosozialer Hilfen.

Auch die Einnahme von Zinktabletten in höherer Dosierung kann bei Alopecia areata unterstützend wirken. Dies ist besonders für Kinder zu erwägen.

Die Eltern sollten das Für und Wider einer jeglichen Therapie zusammen mit dem Arzt ausloten.

Aus der Forschung

Auf sogenannten Januskinase-Hemmstoffen (JAK-Inhibitoren) ruhen jetzt die Hoffnungen vieler Patienten und Ärzte. Januskinasen vermitteln bestimmte Entzündungssignale. An den Haarwurzeln können die Signale den Eintritt in die Wachstumsphase (Anagen) blockieren.

JAK-Hemmstoffe, die bereits bei einigen schweren Rheuma-Krankheiten und bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks eingesetzt werden, können die Signalkette unterbrechen, sodass die Haarwurzeln nach örtlicher Behandlung wieder zu wachsen beginnen. Nach Absetzen stellten sie das Wachstum allerdings wieder ein. Es gibt noch viel Klärungsbedarf, zum Beispiel zur Dosierung und Sicherheit bei der Anwendung.


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