Diffuser Haarausfall: Ursachen, Therapie

Bei diffusem Haarausfall werden die Haare auf dem ganzen Kopf gleichmäßig "dünner". Lesen Sie hier, was dahinterstecken kann

aktualisiert am 17.04.2018

Warum fallen die Haare verstärkt aus? Verschiedene Untersuchungen können helfen, diese Frage zu beantworten


Diffuser Haarausfall: Dünner Schopf

Wenn die Haare auf dem ganzen Kopf gleichmäßig "dünner" werden, also nicht mehr so dicht wie vorher stehen, liegt ein diffuser Haarausfall vor. Die Kopfhaut schimmert stärker durch, als dies früher der Fall war. Einzelne kahle Stellen sind aber nicht erkennbar.

Zwei Hauptformen des diffusen Haarverlusts

Bei der einen Form setzt der Haarausfall meist zwei bis drei Monate nach dem schädigenden Ereignis oder nach Beginn der Erkrankung ein – durch den verstärkten Eintritt der Haare in die Ruhe- beziehungsweise Ausfallphase (auch sogenannte Telogenphase, dann als telogenes Effluvium bezeichnet). Nach Ausschalten des Auslösers kommt der Haarverlust zum Stillstand. Bis die Haare wieder füllig nachgewachsen sind, dauert es dann meist sechs bis zwölf Monate. Das betrifft die meisten Ursachen.

Seltener hält der telogene Haarausfall mehr als vier bis sechs Monate an und kann auch wiederkehren. Die Ursachen sind hier unklar.

! Info: Leidtragende sind im Prinzip alle Altersgruppen, Frauen häufiger als Männer.

Bei der anderen, recht akuten Form fallen die Haare schon in der Wachstumsphase aus (Anagenphase, anagenes Effluvium). Dann kann bereits nach ein bis zwei Wochen ab dem Schädigungszeitpunkt ein rasanter Haarverlust entstehen, wie es bei manchen Chemotherapien, Bestrahlungsbehandlungen oder auch starken Vergiftungen mit Schwermetallen der Fall ist.

Meist beginnen die Haare nach dem Ende der Behandlung wieder zu wachsen. Erstaunlicherweise kann das Haar danach dichter sein, vorher glattes Haar lockig werden und umgekehrt.

Was Anagen- und Telogenphase genau sind, erklärt die nachfolgende Bildergalerie.

 

So wächst das Kopfhaar

Diffuser Haarausfall: Zahlreiche Ursachen

Pflegefehler: Manche Menschen muten ihrem Haar zu viel an "Haarpflege" zu. Dabei kann es zu Schäden am Haar selbst kommen, zum Beispiel durch intensives heißes Fönen, Lockenstäbe, häufiges Bleichen oder Dauerwellen. Das kann dazu führen, dass das Haar spröde aussieht oder verstärkt abbricht. Haarausfall an sich wird durch diese Belastungen des Haares in der Regel aber nicht provoziert.

Stress: Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Stress zu Haarausfall führen kann. 

Schwangerschaft, Hormoneinnahme: Während einer Schwangerschaft verändert sich das weibliche Hormongleichgewicht. Eine Folge ist, dass sich viele werdende Mütter über besonders dichtes und gesund aussehendes Haar freuen können, da die Wachstumsphase der Haare verlängert ist. Die hormonelle Umstellung nach der Geburt führt dann allerdings oft dazu, dass die Haare über den gesamten Kopf verteilt stärker ausfallen als gewohnt.

Diese Schwankungen sind für die Betroffenen oftmals erschreckend, pendeln sich aber üblicherweise nach kurzer Zeit wieder auf das gewohnte Maß ein. Frauen, die mit der "Anti-Baby-Pille" beginnen, auf ein anderes Präparat wechseln oder die Einnahme beenden, beobachten manchmal ebenfalls Effekte auf ihre Haarpracht.

Schilddrüsenüberfunktion / Schilddrüsenunterfunktion: Eine Störung der Schilddrüse als wichtiges Stoffwechselorgan kann sich bei einigen Betroffenen auch auf das Haar stärker auswirken.

Symptome (Auswahl): Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann es neben Antriebsarmut, einer gesteigerten Kälteempfindlichkeit und kühler, trockener Haut zu stumpfem, brüchigem Haar und Haarausfall kommen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann sich mit weichem, dünnen Haar und diffusem Haarverlust zeigen sowie mit gesteigerter Gereiztheit, Wärmeintoleranz und warm-feuchter Haut.

Infektionen, Hauterkrankungen: Ursache für einen diffusen oder einen umschriebenen Haarausfall können auch verschiedene (Haut-)Krankheiten sein: Pilzerkrankungen, eine Infektion mit Bakterien oder Viren wie bei Herpes Zoster, Tumore an der Haut, Schuppenflechte oder Ekzeme der Kopfhaut.

Eisenmangel: Ein Eisenmangel, hier vor allem ein Mangel des Speichereisens (Ferritin), wird bei Patienten mit diffusem Haarausfall häufiger nachgewiesen. Ob dieser wirklich die Ursache des vermehrten Haarverlustes ist, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Ein Eisenmangel kann durch eine unzureichende Eisenversorgung über die Nahrung, eine ungenügende Eisenaufnahme über den Darm oder einen gesteigerten Blutverlust entstehen. Mögliche Ursachen sind dann beispielsweise starke Monatsblutungen oder Magen-Darmgeschwüre.

Nährstoffmangel, Krankheiten: Bei einer ausgewogenen Ernährung kommt es in unseren Breiten in den seltensten Fällen zu einem Nährstoffmangel und dadurch zu einem diffusen Haarausfall. Allerdings kann durch (auch kurzzeitige) Crash-Diäten, Essstörungen (Anorexie, Bulimie), aber auch unzureichende Aufnahme von Nährstoffen durch den Darm bei chronischen Darmerkrankungen oder nach Operationen ein Nährstoffmangel auftreten. Im Zuge von schweren chronischen Erkrankungen, Infektionskrankheiten wie Grippe oder Scharlach, aber auch nach Operationen mit Vollnarkose kann sich das Haar ebenfalls diffus lichten.

Chemotherapie, Strahlentherapie: Eine Chemotherapie oder Behandlung mit sogenannten zielgerichteten Substanzen gegen verschiedene Krebserkrankungen kann (muss aber nicht) mit einem diffusen Haarausfall verbunden sein. Es können nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare betroffen sein. Die Haare fallen meistens einige Tage bis Wochen nach Therapiebeginn aus und / oder brechen verstärkt über der Kopfhaut ab. In der Regel wachsen sie wieder nach, wenn die Therapie abgeschlossen ist. Mehr dazu im Extra-Abschnitt weiter unten.

Muss sich ein Patient im Rahmen einer Krebsbehandlung einer Strahlentherapie unterziehen und liegt dabei die Kopfhaut im Bestrahlungsfeld, so kann es hierbei ebenfalls zu einem verstärkten diffusen Haarausfall kommen. In den meisten Fällen beginnen die Haare einige Zeit nach der Strahlentherapie wieder zu wachsen. Bei sehr hohen Strahlendosen werden Haarwurzeln eventuell auch nachhaltiger geschädigt, so dass das Haar spärlicher nachwächst.

Medikamente, Vergiftungen: Diffuser Haarausfall kann sich als Nebenwirkung von Medikamenten zeigen, beispielsweise bei Cholesterinsenkern, Mitteln zur Blutverdünnung, Retinoiden gegen Akne, Betablockern gegen Bluthochdruck oder schnellen Puls. Sehr seltene Ursachen können Vergiftungen, beispielsweise mit Schwermetallen wie Thallium sein. Diese gehen in den seltensten Fällen ausschließlich mit Haarausfall einher, sondern mit weiteren körperlichen Symptomen.

Diffuse Alopecia areata / Diffuser anlagebedingter Haarausfall: Diese sehr seltenen Sonderformen der beiden Erkrankungen lassen sich nur schwer von anderen Ursachen eines diffusen Haarausfalls unterscheiden. Näheres in den entsprechenden Kapiteln in diesem Beitrag (Kapitel "Anlagebedingter Haarausfall" und "Kreisrunder Haarausfall").

Diffuser Haarausfall: Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus der umfassend erhobenen Kranken- und Familiengeschichte des Patienten (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung von Haut, Haaren und Nägeln sowie einem Zupftest. Natürlich betrachtet der Hautarzt die Kopfhaut eingehend, wobei er manchmal auch eine Lupe (Dermatoskop) einsetzt. Je nach Verdachtsdiagnose schließen sich weitere Untersuchungen an (siehe Kapitel "Haarausfall: Überblick...was Männer und Frauen wissen sollten", Abschnitt: "Haarausfall: Diagnose").

Diffuser Haarausfall: Therapie

Die Therapie richtet sich, wenn möglich, immer nach der jeweiligen Ursache. Sind Medikamente der Auslöser, kann in Absprache mit dem behandelnden Arzt eventuell ein anderes Präparat verschrieben werden (Achtung, Arzneien nicht eigenmächtig absetzen!).

Bei einem Eisenmangel zum Beispiel ist es natürlich unerlässlich, die Ursachen abzuklären und diese gezielt zu behandeln. Gegen Blutarmut bei Eisenmangel können Eisenpräparate helfen. Besteht keine Blutarmut, ist die Behandlung mit Eisen keine erwiesene Maßnahme. Liegt eine Schilddrüsenerkrankung vor, muss diese selbstverständlich behandelt werden.

Wenn der Haarausfall aufgrund einer Diät entstanden ist, sollte diese beendet werden und stattdessen eine geeignete, ausgewogene Ernährung beginnen. Ein anders entstandener Nährstoffmangel ist dann hierzulande in den seltensten Fällen Ursache des diffusen Haarausfalls.

Allgemein kann man sagen, dass der diffuse Haarausfall auch nach Beseitigung der Ursache noch zwei bis drei Monate anhalten kann. Das kommt dadurch, dass ein Teil der Haare schon in die Ruhe- beziehungsweise Ausfallphase (Telogenphase, siehe oben) eingetreten ist und nach zwei bis drei Monaten "stur" ausfällt.

Haarausfall bei Chemotherapie

Eine Chemotherapie, wie sie bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, kann (muss aber nicht) mit einem Haarausfall verbunden sein. Auch neuere Medikamente in der Krebstherapie wie die sogenannten zielgerichteten Substanzen können das Haar verändern. Es kann schütterer werden, teils ausfallen, und das länger anhaltend (wenn auch vorübergehend), da die Therapien meist länger dauern (siehe auch Abschnitt weiter oben).

Es gibt kein einheitliches Muster. Neben dem Kopfhaar kann auch das Gesichts- oder Schamhaar ausfallen. Für viele Patienten, vor allem Frauen, bedeutet besonders diese Medikamenten-Nebenwirkung zusätzlich zu der Erkrankung eine große emotionale Belastung.

Eine Kopfhautkühlung mit sogenannten Kühlhauben während der Medikamentengabe kann den Haarausfall vermindern helfen. Dabei lässt eine Pumpe kontinuierlich eine Kühlflüssigkeit mit einer Temperatur von 3 bis 4 Grad Celsius im Bereich der Kopfhaut kreisen. Diese kühlt sich so auf etwa 21 Grad Celsius ab. Das Verfahren wird derzeit genauer untersucht, aber in einigen Tumorzentren bereits angeboten.

Psychologische Hilfen

Wer psychologische Unterstützung sucht, kann sich zum Beispiel an Psychologen wenden, die sich auf Krebserkrankungen spezialisiert haben (Psycho-Onkologen).

Praktische Hilfen

Wenn Frauen den Haarausfall mit einer Perücke kaschieren möchten, übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, sofern der Arzt sie verordnet. Bei Männern werden die Kosten für Perücken in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.

Es gibt Perücken aus Echthaar und solche aus Kunsthaar. Führen die individuell verordneten Chemotherapeutika bekanntermaßen zu einem Haarverlust, dann ist es günstig, eine Perücke – falls gewünscht – bereits im Vorfeld der Therapie zu planen. Spezialgeschäfte können dann individuell beraten und den Ersatz genau auf das eigene Haar abstimmen.

Nach der Therapie, etwa sechs Monate später, ist das Kopfhaar im Normalfall wieder voll da. Struktur und Farbe können verändert sein. Eine Perücke ist selbstverständlich kein "Muss". Viele Betroffene verzichten auch darauf, den Haarverlust zu verstecken, oder sie verwenden Kopfbedeckungen wie Hüte, Hauben oder Tücher.

Auch Nachzeichnen der Augenbrauen und Wimpern als Permanent-Make-up kann für manche Frauen ein wenn auch teurer Weg sein. Es gibt maßgeschneiderte Schminkkurse (zum Beispiel von Selbsthilfegruppen organisiert), in denen Betroffene lernen können, fehlende Wimpern und Augenbrauen nachzuzeichnen.


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