Präventions-Programm: Gesund im Job

Gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Entspannung: Ein berufsbegleitendes ­Programm der Rentenversicherung soll greifen, ­bevor eine Reha nötig wird

von Nina Himmer, 25.09.2018
Gymnastik

Präventionsprogramme sollen Berufstätigen helfen, für sich einen gesunden Lebensstil zu entwickeln


Rückenschule, Yoga, autogenes Training: Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich schon länger an den Kosten für Gesundheitskurse. Doch auch andere Träger setzen mittlerweile auf Vorbeugung.

Die Deutsche Rentenversicherung etwa bietet ein kostenloses Programm für Versicherte an, damit diese frühzeitig gegen Probleme wie Blut­hochdruck, Erschöpfung oder Gelenkschmerzen angehen können. "Die Idee dahinter ist, schon bei den ersten Anzeichen gegenzusteuern, damit man gar nicht erst krank wird", sagt Karin Klopsch von der Deutschen Rentenversicherung.

Um welche Leistung geht es?

Das Vorsorgeprogramm umfasst drei Bausteine: Ernährung, Bewegung, Entspannung. Die Themen werden über ein halbes Jahr hinweg in Modulen vermittelt. In Theorie und Praxis ­lernen die Teilnehmer, gesünder zu leben – etwa durch besseres Zeitmanagement, Bewegung, be­wusste Pausen, gesünderes Essen.

Der lange Zeitraum ist beabsichtigt: Studien zeigen, dass es Menschen mit langfristiger Unterstützung eher gelingt, das Gelernte umzusetzen. Das Programm findet in ­Gruppen statt. Schwerpunkte und Trainingsplan werden individuell für die Teilnehmer vereinbart. "Ein Arbeitnehmer mit Gewichtsproblemen hat ­­andere Bedürfnisse als jemand, der unter chronischem Stress leidet", so Karin Klopsch.

Wer hat Anspruch darauf?

Alle berufstätigen Versicherten, die ­etwas für ihre Gesundheit tun wollen und bereits erste Beschwerden haben.

Das können Gelenk- oder Kopfschmerzen genauso sein wie Übergewicht, chronischer Stress, Stimmungstiefs oder Schlaf­störungen. Erfahrungsgemäß sind davon manche Gruppen stärker betroffen als ­andere: Schichtarbeiter, pflegende ­Angehörige, Alleinerzie­hende, Pendler oder Führungskräfte gelten als gesundheitlich besonders gefährdet. "Das Angebot ist aber bewusst sehr niedrigschwellig angelegt, damit möglichst viele Menschen es nutzen können", sagt Klopsch. Auch wichtig: Körperliche wie psychische Proble­me werden gleichermaßen berücksichtigt.

Wie läuft das Programm ab?

Das Angebot gliedert sich in vier Phasen.

Start: Die Teilnehmer treffen sich für drei bis fünf Tage in einer Reha-Klinik und werden dafür von der Arbeit freigestellt. Nach einem Gesundheits-Check erhalten sie einen Trainingsplan und legen ihre Ziele fest. ­Außerdem erhalten sie Basisinformationen zu ­allen drei ­Bereichen. Sie lernen zum Beispiel Methoden, sich zu entspannen, wie sie sich gesünder ernähren und welche Art von Bewegung ihnen guttut.

Zweite Phase: Dem schließen sich drei Monate berufs­begleitendes Training an, in dem das Gelernte ver­festigt wird. Die Teilnehmer treffen sich dafür ein- bis zweimal wöchentlich, um Probleme anzugehen und sich gegenseitig zu motivieren.

Dritte Phase: Jetzt ist Eigeninitiative gefragt. Jeder übt für sich selbst – eine Art Testlauf dafür, ob die ­neuen Strategien im Alltag Platz finden. "Die ­­Teilnehmer sollen das Gelernte zur Gewohnheit machen, damit sie dauerhaft davon profitieren", so Klopsch.

Abschluss: Alle treffen sich noch einmal zur Besprechung. Was klappt gut? Wo hapert es noch? Wurden die Ziele erreicht? Sind Anpassungen nötig?

Training mit Begleitung

So läuft das berufsbegleitende Programm der Deutschen Rentenversicherung ab. Ziel: ein gesünderer Lebensstil

Wie stellt man den Antrag?

Weil die Leistung im Gegensatz zu den Angeboten der Krankenkasse an persönliche Voraussetzungen gekoppelt ist, sind zwei Dinge nötig: Ein ärztlicher Befundbericht und ein ausgefüllter "Antrag auf Leistungen zur Prävention".

Ersteren kann jeder Haus-, Betriebs- oder Werksarzt ausstellen, was in der Regel problemlos möglich ist. Die Antrags­unterlagen finden sich zum Herunterladen auf der Webseite der Rentenversicherung. Voraussetzung für die Bewilligung: Der Antragsteller muss innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens sechs Monate Pflicht­beiträge zur Rentenversicherung gezahlt haben. Karin Klopsch ermuntert Interessierte, die Leistung zu beantragen: "Die Kurse sind eine echte Chance, dauerhaft gesünder zu leben."

Wo gibt es weitere Informationen?

Auf der Webseite  finden sich alle Informationen und Formulare sowie eine Übersicht der rund 200 Standorte, die das Programm anbieten. Weitere Infos gibt es auch unter einer kostenlosen Servicenummer: 08 00/10 00 48 00.