Neu: Screening der Bauchaorta

Ab Januar 2018 gibt es für Männer ab 65 eine neue Vorsorgeuntersuchung: Ein Ultraschall soll helfen, gefährliche Ausstülpungen der Hauptschlagader früh zu erkennen

von Dr. Katharina Kremser; biochistka.info, 03.01.2018

Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung lassen sich Organe und Gefäße beurteilen


Platzt ein Bauchaortenaneurysma, hängt das Leben an einem seidenen Faden. Oft sterben die Patienten bereits, bevor sie die Klinik erreichen, in der vielleicht ein lebensrettender Eingriff möglich wäre. Selbst wenn es noch zur Operation kommt, gibt es in vielen Fällen keine Rettung mehr: Die Patienten schaffen es trotzdem nicht.

Denn die Bauchaorta, auch Hauptschlagader genannt, ist das zentrale blutführende Gefäß unseres Körpers. Dort können Ausstülpungen, sogenannte Aneurysmen entstehen. Tückischerweise machen sie meist keine Symptome. Erst wenn die Größe der Ausstülpung zunimmt, treten manchmal diskrete Anzeichen auf: Beispielsweise Bauch- und Rückenschmerzen oder das Gefühl, etwas pulsiere im Bauch.

Reißt ein solches Aneurysma, kommt es häufig blitzschnell zu einer großen inneren Blutung, die innerhalb von Sekunden bis Minuten den kompletten Kreislauf und damit das Leben gefährdet. Nur wenn das Gefäß nach hinten zur Wirbelsäule hin einreißt, besteht die Chance, dass umliegendes Gewebe den Riss abdeckt und die Blutung aufgrund des Platzmangels langsamer erfolgt.

Wird ein Bauchaortenaneurysma allerdings rechtzeitig erkannt, kann es auf Veränderungen beobachtet und operiert werden, wenn das Risiko einer Ruptur, also eines Einrisses, zu hoch wird. Für Männer, die insgesamt häufiger als Frauen an Bauchaortenaneurysmen leiden, gibt es deswegen ab Anfang 2018 eine neue Vorsorgeuntersuchung: Eine Ultraschalluntersuchung soll helfen, Aneurysmen frühzeitig zu erkennen und Todesfälle zu verhindern.

Wer hat Anspruch auf die neue Vorsorgeuntersuchung?

Gesetzlich versicherte Männer ab dem Alter von 65 Jahren haben einmalig Anspruch auf die Untersuchung. Denn diese Gruppe hat ein besonderes hohes Risiko für entsprechende Veränderungen der Hauptschlagader. Während nur 0,5 bis 1,5 Prozent der Frauen in diesem Alter ein Bauchaortenaneurysma haben, sind es immerhin vier bis acht Prozent der Männer. Besonders gefährdet sind Personen, die viele Risikofaktoren für Arteriosklerose aufweisen. Also zum Beispiel rauchen und einen erhöhten Blutdruck oder Diabetes haben.

Was gehört zur Untersuchung dazu?

Eine Beratung im Vorfeld und ein entsprechendes Informationsblatt soll den Männern eine fundierte Entscheidung für oder gegen das Screening ermöglichen. Bei denen, die sich dafür entscheiden, vermisst der Arzt die Bauchschlagader an der Stelle mit dem größten Durchmesser unterhalb des Abgangs der Nierengefäße mit Ultraschall. Wenn möglich sollte diese nur einmal stattfindende Vorsorgeuntersuchung zusammen mit der ab dem Alter von 35 alle zwei Jahre angebotenen Gesundheitsuntersuchung "Check up-35" erfolgen, sie kann aber auch unabhängig davon gemacht werden.

Wohin gehe ich?

Die Untersuchung kann jeder Arzt vornehmen, der auch befähigt ist, eine Ultraschalluntersuchung des Bauches durchzuführen. Wenn Ihr Hausarzt also ein Ultraschallgerät besitzt, sind Sie bei ihm vermutlich an der richtigen Adresse.

Wie sind die Ergebnisse einzustufen?

Bauchschlagadern mit einem Durchmesser unterhalb von 2,5 Zentimeter sind unauffällig. Ist der Durchmeser der Aorta an der oben genannten Stelle größer als 2,5 Zentimeter, gilt das Ergebnis als auffällig. Dies muss nicht bedeuten, dass tatsächlich schon ein Aneurysma vorliegt, denn erst wenn der Aortendurchmesser größer als drei Zentimeter ist, handelt es sich definitionsgemäß um ein Aneurysma. Trotzdem kann es sinnvoll sein, in regelmäßigen Abständen mit Ultraschall zu kontrollieren, wie sich der Aortendurchmesser entwickelt. Ihr Arzt berät Sie zum weiteren Vorgehen.

Was nutzt das Screening?

Die Vorsorgeuntersuchung kann dazu beitragen, Erweiterungen und Ausstülpungen der Hauptschlagader frühzeitig zu erkennen. Diese lassen sich dann operativ behandeln oder weiter beobachten. Studien konnten zeigen, dass wenn 1000 Männer am Screening teilnehmen, circa drei vorzeitige Todesfälle durch Riss eines Aneurysmas verhindert werden können. Zudem können etwa drei der 1000 Männer vor einem Riss der Bauchschlagader bewahrt werden, weil Ausstülpungen rechtzeitig operiert werden.

Welche Nachteile hat die Untersuchung?

Etwa 20 Männer von 1000 Untersuchten erfahren durch das Screening von ihrem Aneurysma. Bei 10 davon hätte die Ausstülpung jedoch niemals Probleme bereitet. Gerade bei kleinen Aneurysmen kann das möglich sein. Manche Männer sind trotzdem froh, um das Aneurysma und das dadurch bestehende Risiko zu wissen. Es beruhigt sie, dass es nun die Möglichkeit gibt, diesen Prozess im Auge zu behalten. Für andere ist dieses Wissen jedoch eine Belastung oder führt sogar zu Ängsten. Manche Männer schränken gar aus Sorge, das Aneurysma könnte reißen, ihre Alltagsaktivitäten stark ein.

Was lässt sich tun, wenn ein Aneurysma erkannt wurde?

Das hängt unter anderem von der Größe des Aneurysmas ab. Von den 20 der 1000 Männer, bei denen das Screening eine Ausstülpung der Hauptschlagader erkennt, werden zwei wahrscheinlich bald operiert, weil das Aneurysma so groß ist, dass das Risiko eines Risses stark erhöht ist. Die übrigen 18 werden engmaschig beobachtet, damit Veränderungen am Aneurysma, die eine Operation notwendig machen würden, frühzeitig erkannt werden. Ist eine Operation nötig, kann das Bauchaortenaneurysma in einem offenen Eingriff entfernt werden. Stattdessen wird ein künstlicher Gefäßabschnitt, eine sogenannte Gefäßprothese eingefügt. Oder über einen Schnitt in der Leiste wird ein Katheter eingeführt, über den ein Röhrchen in das Aneurysma eingebracht wird, so dass es nicht mehr reißen kann. Beide Eingriffe sind nicht ungefährlich, sie können Komplikationen wie zum Beispiel einen Schlaganfall nach sich ziehen. Ob und wie behandelt wird, muss daher im Einzefall gut abgewogen werden.