Wenn die Fettverdauung Probleme macht

Magendrücken nach dem Essen lässt sich oft einfach in den Griff bekommen. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sollte man aber möglichst früh erkennen. Wichtige Warnzeichen

von Maria Haas, aktualisiert am 27.08.2018
Pizza essen

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Warum schmeckt Sahneeis so gut? Warum hat der vollfette Käse so ein feines Aroma? Fett ist ein Geschmacksträger. Viele Aromen lösen sich nur darin. Kein Wunder, dass wir Torte, Braten und Buttercroissants lieben. Doch manchmal liegt die üppige Kost schwer im Magen.
Dabei muss es nicht das Fett an sich sein, das belastet. Ein Löffel Pflanzenöl verlässt den Magen schneller als eine Bratwurst. Denn im Fleisch kommt das Fett in der Verbindung mit Eiweiß vor, die das Organ stärker fordert. Ohnehin kann der Eindruck, dass der Magen drückt, auch auf Probleme im Dünndarm hinweisen. "Für die Patien­ten sind die Beschwerden oft sehr schwer zu unterscheiden", sagt Dr. Rainer Stange, Präsident des Zentral­verbandes der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. "Schlecht verdaute Fette reizen den tiefen Dünn- sowie den Dickdarm."

Die Fettverdauung findet erst im Dünndarm statt. Dort emulgiert die Galle ähnlich wie Spülmittel das Fett aus dem Nahrungsbrei in winzige Tröpfchen. Nur in dieser Form können sie weiterverarbeitet werden. Die Gallenflüssigkeit wird von der Leber gebildet und in der Gallenblase konzentriert gespeichert. Hormone aus dem Dünndarm melden den Bedarf an die Galle. Daraufhin zieht sich die Muskulatur der Gallenblase zusammen und gibt den Emulgator über die Gallengänge ab.

Saftproduktion lässt nach

Manchmal produziert die Leber mit zunehmendem Alter weniger Gallensaft. "Zahlreiche Medikamente können Störungen im Verdauungssystem hervorrufen", sagt Stange. Dazu gehören zum Beispiel Antibiotika, aber auch Proto­nen­pumpenhemmer gegen Sodbrennen. Wer weiß, dass er auf Gänsebraten und Sahnehering empfindlich reagiert, sollte schwere Speisen nur in kleinen Mengen genießen oder sie meiden. Gewürze und Kräuter regen die Produk­tion der Verdauungssäfte an und machen Speisen bekömmlicher.

Genügen diese Maßnahmen nicht, können Heilpflanzen helfen. Artischockenblätter und Löwenzahn steigern die Galleproduktion in der Leber. Pfefferminze und Gelbwurz (Kurkuma) fördern den Gallefluss und die Entleerung der Gallenblase. Zubereitungen aus den Heilpflanzen helfen bei Bedarf oder auch zur dauernden Unterstützung der Fettverdauung. Viele Bitterpflanzen wie Wermutkraut oder Gelber Enzian, welche die Magensaftbildung ­anregen, wirken auch stimulierend auf die gesamte Verdauung.

Schmerzen abklären lassen

An der Fettverdauung ist nicht nur die Galle beteiligt, sondern auch die Bauchspeicheldrüse. Sie bildet das blutzuckersenkende Hormon Insulin und den Ver­dau­ungs­saft mit den En­zymen, die Eiweiße, Fette und Koh­len­hy­drate in kleinste Bau­steine zerlegen. Das Enzym Lipase spaltet die winzigen Fetttröpfchen, damit sie über den Darm ins Blut gelangen. Produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig, kommen ungespaltene Nahrungsmolekü­le in den Dickdarm. Das kann zu Blähungen und Bauchschmerzen oder Durchfall führen.

Die Ursache der schwächelnden Produktion von Verdauungssäften ist in der Regel eine chronische, meist in Schüben verlaufende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Sie zerstört das Organ nach und nach. Verdauung und Insulinproduktion sind betroffen. Besonders während eines akuten Schubes können heftigste, oft gürtelförmige Oberbauchschmerzen auftreten. Die chronische Pankreatitis stellt eine schwere und lebens­verkürzende Erkrankung dar. Die Diagnose wird häufig viel zu spät gestellt, wenn das Organ schon weitgehend zerstört ist. Die mangelhafte Verdauung macht sich dann durch deutliche Fettspuren in ölig glänzendem Stuhl bemerkbar. Die Betroffenen verlieren an Gewicht. Deshalb sollten Menschen mit starken oder anhaltenden Oberbauchschmerzen immer zum Arzt gehen.

Chronische Pankreatitis stoppen

Bei Verdacht auf eine Pankreatitis wird der Arzt das Organ im Ultraschall sowie das Blut untersuchen. Ob die Bauchspeicheldrüse noch genügend Enzyme produziert, kann er mit einem Sekretin-Test messen. "Alkohol und Nikotin, häufig in Kombination, sind zu etwa 80 Prozent Ursache einer chroni­schen Pankreatitis", erläutert Professor Christian Trautwein, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Dann gilt es, sofort den Alkohol- und Nikotinkonsum einzustellen, um zu verhindern, dass die Entzündung fortschreitet. Die Patienten müssen sich fettarm ernähren und zusätzlich zu den Mahlzeiten Enzympräparate schlucken.

"Trotzdem bleibt die Verdauung eingeschränkt, und die Betroffenen nehmen weniger Nährstoffe zu sich", sagt Trautwein. Vor allem die Versorgung mit den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K ist gefährdet. Ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen muss ausgeglichen werden. Die Nahrung sollte ausreichend Eiweiße enthalten. Weil eine chronische Pankreatitis das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht, müssen die Patienten regelmäßig zur Kontrolle.