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Tee optimal zubereiten und genießen

Die Deutschen trinken so viel davon wie nie zuvor. Mitunter wird schon die Zubereitung zu einem entspannenden Ritual

von Ute Essig, 11.12.2018
Teeplantage

Handarbeir Pflücker bei der Ernte in einem Teegarten bei Hangzhou (China)


Kaffee oder Tee? "Diese Frage hat sich für mich nie gestellt", sagt Otto Ratka. Zwar trinkt der Bamberger ab und zu auch einmal eine Tasse Kaffee. Seine Leidenschaft aber gilt dem Tee. Zum Frühstück genießt der Teehändler einen weißen Paimutan, am Vormittag schlürft er dann grünen Tee, "weil der schön anregt", und nachmittags einen schwarzen. Sein Wissen über die geschmackliche Vielfalt der Sorten und deren Zubereitungsart ­vermittelt Otto Ratka an der Industrie- und Handelskammer Oberfranken – als Ausbilder zum Tee-Sommelier.

Kandiszucker und Sahnewolke

Tee ist gleich nach Wasser das zweit­beliebteste Getränk weltweit. Anhänger hat er nicht nur im fernen Asien, sondern auch in Europa. Die Briten zelebrieren ihre legendäre Teatime um fünf Uhr nachmittags. In Deutschland sind die Ostfriesen die größten Teetrinker – was vielleicht auch mit dem rauen ­Klima an der Nordsee zu tun hat.

27,5 Liter Tee im Jahr

Sie genießen das Heißgetränk traditionell schwarz und kräftig oder mit großem Kandiszuckerstück (Kluntje) und "Sahnewölkchen". Ostfriesen trinken mehr als zehnmal so viel Tee wie der Landesdurchschnitt – nach Angaben des Deutschen Teeverbands 27,5 Liter Schwarz- und Grüntee pro Jahr – mehr als je zuvor.

Kräuter-, Früchte- und Arzneitees sind dabei noch gar nicht eingerechnet. Experten wie Otto Ratka nennen diese "teeähnliche Erzeugnisse". Als Tee im eigentlichen Sinn gilt nur ein Aufguss aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis, die zum Beispiel im Hochland von Japan, China, Sri Lanka und Taiwan wächst.

Tee richtig aufgießen

Nach der Ernte werden die Blätter fermentiert und zu weißem, grünem, schwarzem oder zu Oolong-Tee – einer traditionellen chinesischen Sorte – verarbeitet. Für einen Liter gießt man etwa zehn Gramm Tee mit heißem Wasser auf. "Das entspricht je nach Volumen der Tees ungefähr zwei bis drei Esslöffeln", sagt Ratka. Für ein Glas mit 200 Millilitern nimmt man dementsprechend zwei Gramm Teeblätter.

Wer eine neue Sorte probieren will oder das Heißgetränk erst für sich ­­entdeckt hat, sollte laut Ratka etwas niedriger dosieren und kürzer ziehen lassen als angegeben.

Teepflücker

Billig schmeckt schneller bitter

Je höher die Dosierung und je länger die Ziehzeit, umso mehr lösen sich Gerb- und Bitterstoffe aus den Blättern. Ratka: "Wenn Sie einen Tee beim ersten Mal zu stark machen und er schmeckt dann bitter, trinken Sie ihn nie mehr." Je kostbarer die Sorte, desto ge­ringer das Risiko, dass sich der Geschmack verändert.

Dafür werden nur die Triebspitzen der Pflanze verwendet, die besonders feine Aromen haben. "Je hochwertiger ein Tee ist, umso länger können Sie ihn ziehen lassen, ohne dass er bitter wird", erklärt Ratka. Chinesen und Taiwanesen lassen die Blätter oft einfach in der Tasse und gießen mehrfach auf. Bis zu fünfmal Teegenuss ist auf diese Art möglich. Da rechnet sich der ­höhere Preis.

Pyramiden statt Beutel

In Deutschland greifen die meisten Menschen indes zum Teebeutel. "Das ist einfach, praktisch und geht schnell", meint Tee-Sommelier Ratka. In der Regel enthalten die Beutel fein vermahlene Stängel und Blattreste. Wer auf die Papiersäckchen am Schnürchen nicht verzichten möchten, sollte einmal die etwas voluminöseren Pyramidenbeutel ausprobieren. "Darin kann man auch qualitativ hochwer­tigere Grobschnitte abfüllen", erklärt der Experte.

Damit die Aromen sich optimal entfalten können, empfiehlt Ratka, das Getränk mit kalkarmem Mineralwasser aus der Flasche zuzubereiten.  Für teeähnliche Erzeugnisse und Schwarztee darf das Wasser sprudelnd kochend verwendet werden. Für weißen, grünen und Oolong-Tee lässt man es vor dem Aufguss etwa fünf bis zehn Minuten abkühlen.
Für viele Menschen ist Teetrinken ein Ritual, das entspannt und den Alltag kurz anhält. Bei manchen gehört besonders schönes Porzellan dazu – bei anderen Kandiszucker, der so schön knistert in der Tasse.