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Kokosöl: Gar nicht so super

Es gilt seit einiger Zeit als Superfood. Doch bei genauerer Betrachtung bleibt nicht so viel übrig von den Superkräften des Pflanzenfetts

von Konstanze Fassbinder, 28.01.2019
Kokosöl in Flasche

Haarige Angelegenheit: Kokosnüsse stehen nicht nur für Exotik, sondern auch für gesundes Fett - laut Experten zu Unrecht


Kokosfett scheint ein Alleskönner zu sein. Es stärkt das Immunsystem, kurbelt den Stoffwechsel an, hilft beim Abnehmen, wirkt antibakteriell und hat bei Alzheimer positive Effekte auf die grauen Zellen. Diese und weitere Informationen findet man im Internet. Wohl deshalb war der Aufschrei groß, als Professorin Karin Michels vom Institut für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg Kokosöl als "eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die Sie überhaupt zu sich nehmen können" bezeichnete. In einem Vortrag über Ernährungsirrtümer nannte sie das Fett "das reine Gift". Ein Video des Redebeitrags sahen sich online über eine Million Menschen an.

Positives schmilzt dahin

Für ihre stark kritisierte Zuspitzung entschuldigte sich die Präventionsforscherin später. Dennoch hat ihr Vortrag etwas Wichtiges betont: Bei genauerer Betrachtung zerrinnt manche vermeintlich positive Eigenschaft von Kokosöl – wie das Fett selbst bei 27 Grad.
Anfangs hauptsächlich in der vegetarischen Küche verbreitet und im Reformhaus erhältlich, hat das Fett aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnuss in den letzten Jahren eine steile Karriere hingelegt – und es in viele Discounterregale geschafft. Mancher Hersteller verlangt für das als Superfood gefeierte Produkt mittlerweile den Preis eines sehr guten Olivenöls. Wie konnte es einen solchen hervorragenden Ruf bekommen?

Dr. med. Stefan Kabisch

Maus ist nicht gleich Mensch

Die aktuelle Studienlage dazu rechtfertigt dieses Image jedenfalls nicht. "Ein Großteil der Annahmen über Kokosfett wurde aus Tier- oder zellbasierten Studien gewonnen", sagt Dr. Stefan Kabisch. Er ist Studienarzt in der Abteilung Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. "Die Ergebnisse werden ohne Nachweis von Maus auf Mensch übertragen. Das ist aber so nicht haltbar."

Nicht so gesund wie gedacht

Gewisse molekulare Aspekte machen das leicht süßlich nach Kokos schmeckende Fett besonders – aber nicht unbedingt gesund. Es besteht zu 92 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Ihr Anteil ist damit höher als der in Schweineschmalz. "Gesättigte Fettsäuren fördern nachweislich Entzündungsprozesse im Körper. So können sie zum Beispiel zu Typ-2 Diabetes oder einer Fettleber beitragen", erklärt Kabisch. Zudem erhöhen sie den Cholesterinspiegel und können sich in den Gefäßen ablagern.

Laut der US-Fachgesellschaft American Heart Association senken Menschen, die mehr ungesättigte Fettsäuren essen, ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 30 Prozent. Wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt sie deshalb statt gesättigter Fette gesunde pflanzliche Alternativen. Ein Großteil der gesättigten Fettsäuren in Kokosöl ist allerdings mittelkettig, die Molekülreihen sind also kürzer als beispielsweisejene in Fleisch. "Sie haben einen etwas niedrigeren Energiegehalt und werden etwas anders verstoffwechselt als langkettige", sagt Kabisch

Kokosnüsse

In seltenen Fällen können sie von Vorteil sein. Studien, die langfristige Effekte aufs Körpergewicht zeigen, gibt es jedoch nicht. Zudem kommen mittelkettige Fettsäuren zum Beispiel auch in Milchprodukten vor. Kabisch: "Es gibt keinen Grund, sie bei Kokosfett so stark hervorzuheben." Beim Braten mit sehr hohen Temperaturen kann das hitzebeständige Fett laut dem Experten zwar vielleicht praktisch sein. Für andere Zubereitungsarten empfiehlt er jedoch eine Mischung hochwertiger, sprich ungesättigter pflanzlicher Öle wie Oliven-, Walnuss- oder Leinöl. Sie müssen darüber hinaus nicht aus den Tropen importiert werden.

Lifestyle-Luxus ohne Wirkung

Gesundheitliche Schäden muss trotzdem niemand erwarten, der ab und an Kokosfett isst. Schließlich ist es auch wichtiger Bestandteil vieler asiatischer und afrikanischer Gerichte. Das Argument, die Menschen dort seien ja auch nicht kränker, lässt Kabisch nicht gelten: "Oft bewegt man sich dort mehr, ist häufiger an der frischen Luft, isst mehr Gemüse, Fisch
und Geflügel, dafür weniger rotes Fleisch. Diese Lebensweise kompensiert wahrscheinlich
mögliche negative Effekte."

Insgesamt hält er das Fett – wie viele andere Trendlebensmittel – für eine Modeerscheinung, der in erster Linie eher besser verdienende Menschen folgen. Sie wollen sich abheben von der breiten Masse, indem sie sehr viel Geld für vermeintlich besonders gute Lebensmittel ausgeben. Doch manchmal seien diese leider nur für einen gut: den Geldbeutel ihres Vermarkters.


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