Goji-Beeren: "Wunderfrucht" im Check

Goji-Beeren aus China gehören zu den neuen Superfoods in den Regalen der Bio-Supermärkte. Sie sollen gesund, schön und schlank machen. Ob dieser Anspruch berechtigt ist?

von Andrea Schuhmacher, aktualisiert am 31.08.2016
Goji (Wolfsbeere)

Goji-Beeren: Exotisch und gesund


Sie ist klein, rot und verschrumpelt, und: "Sie ist die großartigste Anti-Aging–Superfrucht auf der Welt", sagt der in den USA berühmte Ernährungsberater und Biowaren-Anbieter David Wolfe. Die aus China stammende Goji-Beere soll die Produktion des menschlichen Wachstumshormons ankurbeln, das Immunsystem stärken, Schlafprobleme lindern, den Augen guttun und sogar Krebs vorbeugen. Manche Models schwören auf die Beere als Quelle ihrer Schönheit. Was sind da schon 40 Euro für das Kilo getrockneter Beeren in Bioqualität?

Getrocknet, als Marmelade oder Kapseln

Auch in Deutschland findet sich die "Königin der Superfoods" mittlerweile in vielen Supermärkten in den Regalen. Auch hier hoffen die Verbraucher auf die gesundheitlichen Wirkungen. Und wieder einmal zeigt sich, dass exotische Namen wirken. Vielleicht wäre der Hype schon kleiner, wenn der deutsche Name auf der Tüte stünde: Gemeiner Bocksdorn oder Lycium barbarum.

Dabei kann man die bis zu einem Zentimeter großen Beeren durchaus essen, wenn einem der süßliche Geschmack – irgendwo zwischen Dörrpflaume und Feige – liegt. Angeboten werden sie meist getrocknet, es gibt sie aber auch als Marmelade und konzentriert in Kapselform. Gegen eine Goji-Bulette mit Spinat und Pinienkernen spricht nichts.

Kaum aussagekräftige Studien zu den potenziellen Wirkungen

Wunder sollte man aber trotzdem nicht erwarten, auch wenn auf den Seiten der Biowaren-Online-Händler immer wieder mal auf angeblich wissenschaftliche Publikationen verlinkt wird und auf die Tatsache, dass die Frucht seit Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet wird. Die bekannten Studien "waren fast ausschließlich im Reagenzglas und an Tieren in China. Nur wenige fanden mit Menschen statt", sagt der Ernährungswissenschaftler Emilio Martínez de Victoria von der Universität Granada. Und kaum eine der existierenden Humanstudien genügt wissenschaftlichen Kriterien.

Erhoffte Wirkung: Fitness, besserer Schlaf, Hilfe beim Abnehmen

Typisch ist eine häufig zitierte, von Harunobu Amagase, und Dwight M. Nance erstellte Arbeit, die den Effekt von Goji-Saft unter anderem auf Fitness, Schlafqualität und Zufriedenheit an einer Studie mit nur 16 Teilnehmern über zwei Wochen belegen will.

Ernster zu nehmen ist eine Einschätzung der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA. "Die EFSA hat die zu den gesundheitsbezogenen Aussagen eingereichten Studien überprüft und bei sämtlichen für Goji-Beeren beantragten gesundheitsbezogenen Aussagen festgestellt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Behauptungen und der Einnahme von Goji-Beeren aufgezeigt werden konnte", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Wie viel Vitamin C steckt noch in getrockneten Früchten?

Da hilft es nichts, dass die Vertreter der Superfrucht auf die zahlreichen Inhaltsstoffe verweisen, auf Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Eiweiße sowie die sekundären Pflanzenstoffe Lutein und Zeaxanthin. Denn all diese Stoffe finden sich auch in mitteleuropäischem Obst und Gemüse. Geworben wird insbesondere mit dem hohen Vitamin-C-Gehalt von Goji-Früchten. Doch sind die Beeren in Deutschland selten frisch. "In Bezug auf den Vitamingehalt sind daher frische einheimische Himbeeren oder Erdbeeren vorzuziehen", sagt Restemeyer.

Pestizide und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Noch etwas gebe es zu bedenken, sagt die Expertin: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat im März 2013 gewarnt, dass Goji-Beeren gefährliche Wechselwirkungen mit einigen blutverdünnenden Medikamenten verursachen können. Und mehrere Analysen deuten darauf hin, dass die Früchte – so wie viele aus fernene Ländern stammende Lebensmittel – häufig stärker mit Pestiziden belastet sind. Das Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart fand 2010 bei 13 von 14 Proben aus konventionellem Anbau eine Überschreitung der Grenzwerte.

Fazit: Wer Gojibeeren ausprobieren möchte, sollte auf Bioqualität achten. Gesunde Inhaltsstoffe stecken in den exotischen Früchten zwar wirklich drin, aber auch heimische Früchte wie Heidelbeeren und Äpfel können da mithalten. Und mussten nicht um die halbe Welt transportiert werden.


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