Ernährung: Was Experten aktuell empfehlen

Ernährungswissenschaftler geben heute andere Ratschläge als früher. Zunehmend rücken zum Beispiel Kohlenhydrate in den Fokus. Was Sie wissen sollten

von Dr. Reinhard Door, 12.06.2018
Ernährungstipps

Fisch auf den Tisch! Ernährungsexperten empfehlen nach wie vor, häufig fetten Seefisch zu verzehren


Fett macht fett, so lässt sich zusammenfassen, was Lebensmittelexperten jahrzehntelang predigten. Um satt zu werden, solle man vielmehr reichlich Kohlenhydrate verzehren. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Sie findet sich zum Teil auch in den "10 Regeln" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Im Folgenden geben wir die wichtigsten Inhalte dieser kürzlich geänderten Empfehlungen wieder. 

Gestrichen wurde etwa der Rat, reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln zu verzehren. Auch der Ratschlag "wenig Fett und fettreiche Lebensmittel" entfällt. Es gehe bei den neuen Regeln weniger um die Mengen von Nährstoffen als um deren Qualität, sagt eine Sprecherin. Im Wesentlichen hält die DGE bisher jedoch daran fest, dass Kohlenhydrate den Hauptanteil der Nahrung bilden sollen. Unter bestimmten Bedingungen könne man aber davon abweichen. 

Zucker und andere Kohlenhydrate als Ursache von Übergewicht?

In den USA hingegen hat ein Wissenschaftlerkomitee der zuständigen Behörde empfohlen, künftig keine Obergrenze mehr für die tägliche Aufnahme von Nahrungsfetten auszuweisen. Stattdessen stehen mehr und mehr Zucker und andere Kohlenhydrate im Fokus. Kohlenhydratreiche Weißmehlprodukte wie Nudeln oder Weißbrot werden im Darm schnell zu Zucker aufgespalten.

Daraufhin passiert dasselbe wie bei der direkten Aufnahme von Zucker: Die Bauchspeicheldrüse schüttet das Hormon Insulin aus. Es hilft nicht nur den Zellen, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Es hemmt auch den Fettabbau. Und es führt dazu, dass der Hunger bald wieder zurückkehrt. Deshalb halten viele Experten Zucker und Kohlenhydrate für eine wesentliche Ursache der grassierenden Leiden Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

Gesunde Fette senken das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Der bisherige Fettbann ist womöglich sogar ungünstig: Er könnte dazu führen, dass die Menschen weniger der gesunden Fette konsumieren. Den Meinungswandel befeuert eine Studie aus Spanien mit über 7000 Teilnehmern. Die Forscher empfahlen entweder eine tägliche Extraportion Olivenöl oder eine Ration Nüsse, eine dritte Gruppe hielt sich an die traditionelle kohlenhydratreiche Kost.

Ergebnis: Die Teilnehmer der Olivenöl- und Nussgruppe erlitten innerhalb von fünf Jahren 30 Prozent weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle. Zudem fördern Zucker und schnell abbaubare Kohlenhydrate stärker die Entstehung einer Fettleber, sagt Professor Norbert Stefan, Diabetologe aus Tübingen. Eine Fettleber ist häufig Vorbote von Diabetes und Herzkrankheiten.

"Ein Schritt in die richtige Richtung", meint Dr. Johannes Scholl, Präsident der Deutschen Akademie für Präventivmedizin, zu den neuen Regeln. Er hätte sich aber gewünscht, dass die DGE eine noch deutlichere Wende vollzieht und bei Menschen mit Diabetes oder Vorstufen davon die Beschränkung der Kohlenhydrate stärker betont.