Augenlasern: Endlich Durchblick?

Scharf sehen ohne Brille oder Kontaktlinsen – das ist für viele Fehlsichtige eine Traumvorstellung. Eine Laser-Operation könnte diesen Wunsch erfüllen

von Larissa Gaub, aktualisiert am 17.09.2018
Augen

Scharf sehen: Ein paar Hundertstel Millimeter Hornhaut-Abweichung entscheiden


An kalten Wintertagen beschlägt sie. Im Sommer, wenn man schwitzt, rutscht sie von der Nase – beim Sport sowieso: Auch wenn eine Brille die Sicht schärft, kann sie ganz schön nerven. Wer auf Kontaktlinsen umsteigt, kämpft mit anderen Pro­blemen, wie trockenen Augen oder Entzündungen. Über ­20 ­Millionen Menschen in Deutschland sind wegen ­ihrer Kurz- oder Weitsichtigkeit auf eine Sehhilfe angewiesen. Aber zunehmend mehr von ihnen wollen darauf verzichten und sind bereit, sich dafür auf den Operationstisch zu legen. "In Deutschland lassen sich jährlich ungefähr 150.000 Menschen die Augen lasern", sagt Professor Michael Knorz, Augenarzt und Leiter des FreeVis Lasik-Zentrums an der Universitätsklinik Mannheim. Er führte 1993 die ­Lasik-Methode in Deutschland ein. Bei dem Eingriff kamen damals noch feine Messer zum Einsatz. Heute erledigen allein Laserstrahlen die feinen Schnitte am Auge. "Dadurch sind die Verfahren präziser und risikoärmer geworden", so Knorz.

Inzwischen gibt es bei uns etliche Augenlaserzentren. Das Geschäft mit der Augenkorrektur boomt. Im Radio, auf Bussen oder in Zeitungen werben Anbieter mit Sprüchen wie "Nie wieder Brille" für die neu gewonnene ­Lebensqualität nach der Operation. Der Eingriff dauert nicht länger als eine halbe Stunde. Schon kurze Zeit ­danach sollen die Patienten scharf sehen.

Aber hält die Methode, was sie verspricht? Viele Ärzte streiten sich auch nach mehr als zwanzig Jahren über ihren Nutzen. In der amerikanischen PROWL­-Studie aus dem Jahr 2016 wurden Frischoperierte zu den Nebenwirkungen des Eingriffs befragt. Um sicherzustellen, dass sie nicht beeinflusst wurden, hatten die behandelnden Ärzte weder Einsicht in noch Zugriff auf die Frage­bögen. Die ­Untersuchung ergab: Ein Großteil der Patienten war mit dem ­Ergebnis nach der Operation sehr zufrieden. Allerdings klagte ein Drittel der ­Befragten über trockene Augen, ein Fremdkörper­gefühl im Auge oder schlechte Sicht in der Nacht.

Schlechte Sicht nach dem Lasern

Auch viele deutsche Experten stehen dem Eingriff kritisch gegenüber. "Es wird ein Produkt verkauft, für das es keine medizinische Notwendigkeit gibt", so Dr. Andreas Berke von der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. "Im Vergleich mit dem Sehen durch eine Brille ist das Sehen nach einer OP zweitklassig." Oftmals sei die Fehlsichtigkeit auch nach einem Eingriff nicht völlig ­behoben. Viele Patienten kommen selbst mit gelaserten Augen nicht ohne Brille aus. Und spätestens mit Einsetzen der Alterssichtigkeit zwischen 40 und 50 Jahren wird das Sehvermögen wieder schlechter. Trockene Augen sind nach der Operation sehr verbreitet. Und die Nebenwirkung, dass man bei Dunkelheit oder in der Dämmerung schlecht sieht, kann massiv sein: "Manchmal ist es sogar so stark, dass die Patienten nachts nicht mehr Auto fahren können", so Berke.

Auch Knorz sind diese Nebeneffekte ­bekannt: "In den ersten Wochen nach dem Eingriff ist das nicht unüblich, aber diese Beschwerden verschwinden meist nach ­einem halben Jahr von selbst." Wichtig sei es, sich nach dem Eingriff genau an die ­Angaben des Arztes zu halten, die Tropfen ins Auge zu geben und die Nachkontrollen wahrzunehmen. "In den Wochen nach der OP kann es auch sein, dass die Sehschärfe stunden- oder tageweise vorübergehend schwankt", so Knorz. "Das Auge braucht meist etwas Zeit, bis es sich an die neuen Umstände gewöhnt."

Zwei Verfahren für scharfe Sicht

Am weitesten verbreitet in Deutschland ist die sogenannte Lasik-Methode. Die Abkürzung Lasik steht für Laser-in-situ-Keratomileusis. Ein Femtosekundenlaser schneidet einen Halbkreis in die Hornhaut. Danach klappt der ­Operateur den Hornhautdeckel auf: Ein zweiter Laser schleift die darunter liegende Hornhaut etwas ab. Ein paar Tausendstel abgetragene Millimeter reichen aus, dass sich die Brechkraft ändert und die Fehlsichtigkeit behoben ist. Zum Schluss wird der Deckel wieder auf das Auge geklappt.

Seit 2011 kommt noch ein weiterentwickeltes, schonenderes Verfahren zum Einsatz: Bei der Operationstechnik namens ReLEx Smile (Refrak­tive Lentikel-Extraktion) lösen die Laserstrahlen unter der Deckhaut Gewebe von der obersten Hornhautschicht ab, das dann durch einen winzigen Schnitt entfernt wird.

Welche Methode sich besser eignet, kann nur der ­behandelnde Arzt feststellen. Aufschluss darüber geben verschiedene Voruntersuchungen. Knorz betont, wie wichtig diese Untersuchungen seien: "Denn nicht jede Fehlsichtigkeit lässt sich durch eine Laseroperation beheben." Probleme nach einer OP könnten besonders dann entstehen, wenn Patienten unter den Laser ­kommen, deren Augen eigentlich nicht für den Eingriff geeignet sind. Durch gründliche Voruntersuchungen, bei denen neben der Hornhautdicke auch die Hornhautbeschaffenheit und der Pupillendurchmesser ­ermittelt werden, ­können Ärzte feststellen, ob das Auge für eine Operation infrage kommt. Auch die Dioptrienzahl spielt eine Rolle: "Mit den gängigen Verfahren kann die Fehlsichtigkeit bei einer Kurzsichtigkeit bis etwa minus acht, bei einer Weitsichtigkeit bis ungefähr plus drei korrigiert werden", so Knorz.

Den richtigen Arzt finden

Um Patienten bei der Wahl des Arztes zu unterstützen, hat die Kommission Refraktive Chirurgie beim Verband der Augenärzte Qualitätskriterien definiert. Auf der Internetseite des Berufsverbands Augenärzte Deutschlands e.V. (augeninfo.de) finden Patienten alle Informationen über den Eingriff sowie eine Liste mit zertifizierten Ärzten. Diese haben sich dazu verpflichtet Operationen nach den aktuellen Empfehlungen des Berufsverbands für Augenärzte und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft vorzunehmen und sich regelmäßig fortzubilden.

Die Garantie, ein Leben lang keine Brille mehr tragen zu müssen, ­können zwar auch eine gründliche Voruntersuchung, ein erfahrener Arzt und sogar die ­modernste Technik nicht geben. Aber sie sind die Voraussetzung, damit die Behandlung sicher und erfolgreich verlaufen kann.


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