Lichtempfindliche Augen und Lichtscheu (Photophobie)

Licht kann für Menschen mit überempfindlichen Augen so unangenehm sein, dass sie es meiden. Was steckt dahinter? Was hilft?

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 27.10.2017
Frau mit Sonnenbrille

Lichtscheu – vielschichtig und unangenehm


Lichtscheu – Kurz zusammengefasst

  • Photophobie bedeutet wörtlich Angst vor Licht (photo-, gr. Licht, Helle, Sonnenlicht; phob, gr. gegen etwas abgeneigt sein). Tatsächlich meiden Menschen mit Lichtscheu helles Licht nach Möglichkeit, ob im Freien oder in Innenräumen.
  • Hauptursachen von Lichtscheu sind Augenkrankheiten und neurologische Erkrankungen. Das erklärt häufige Begleitsymptome wie tränende Augen oder Kopfschmerzen. Eine psychische Störung, zum Beispiel eine Angsterkrankung, ist eher selten der Grund. Manchmal bleibt unklar, warum die Augen Licht nicht gut tolerieren.
  • Welcher Arzt bei Lichtscheu als Ansprechpartner zuerst infrage kommt, hängt von den Beschwerden insgesamt ab: Es kann ein Augenarzt oder Neurologe sein, gegebenenfalls auch der Hausarzt.

Licht mit Schattenseiten

Um zu sehen, brauchen wir Licht. Um uns wohlzufühlen, auch. Manche Menschen bringt es jedoch in Not: Die Helligkeit schmerzt, die Augen tränen. Was andere sogar als anregend empfinden – freundliches Tageslicht oder heiterer Sonnenschein –, ist für die Betroffenen schwer zu ertragen. Sie ziehen sich nach Möglichkeit lieber zurück, suchen gedämpftes Licht oder Schatten.

Manchmal lösen die Lichtreize auch bestimmte Begleitsymptome aus, etwa Augentränen, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Anhaltende Lichtscheu ist selten. Besonders unangenehm wird es, wenn das Licht auch in Innenräumen nicht gut vertragen wird. Denn bei überempfindlichen Augen können im Prinzip alle Lichtquellen – natürliche wie künstliche – stören. Ganz zu schweigen von Sonnenlicht: Es ist noch etwa zehnmal heller als Tageslicht. Manche Betroffenen wagen sich aber selbst bei bewölktem Himmel tagsüber nur mit Sonnenbrille nach draußen.

Hinweis: Falls jemand in Innenräumen eine Sonnenbrille benötigt, spricht das für eine Photophobie. Man sollte auf jeden Fall ärztlichen Rat suchen. Gewöhnung an die "Verdunkelungsmaßnahme" kann die Lichtempfindlichkeit draußen noch verstärken.

Nicht ganz dasselbe wie Lichtscheu: Vermehrte Licht- und Blendempfindlichkeit, Tagblindheit

  • Jeder weiß: Grelles Licht blendet. Wer nachts im Dunkeln aufwacht und das Licht einschaltet, kneift erst mal beide Augen zusammen. Bis die Netzhaut sich auf den plötzlichen Lichteinfall umgestellt hat, dauert es einen Augenblick.

    Bei manchen Krankheiten ist die Blendempfindlichkeit erhöht. Beispiel grauer Star (Katarakt): Er geht mit Trübungen der Augenlinse einher. Sie können blendendes Streulicht verursachen.
  • Tagblindheit: Das ist ein selten auftretender, angeborener, vollständiger Ausfall des Farbsinnes (Achromasie oder Achromatopsie) mit stark verringerter Sehschärfe und erheblicher Blendempfindlichkeit.
Prof. Schönfeld

Lichtempfindlichkeit: Spielt die Augenfarbe eine Rolle?

"Dass Menschen mit heller Augenfarbe, also weniger Augenpigment, lichtempfindlichere Augen haben, ist wissenschaftlich nicht erwiesen", sagt Professor Dr. med. Carl-Ludwig Schönfeld, Facharzt für Augenkrankheiten in München. Vermutlich finden bei helläugigen Menschen in der Netzhaut gewisse Anpassungen statt, sodass sich keine großen Unterschiede ergeben. "Menschen mit angeborenem Pigmentmangel, also Albinismus, leiden allerdings tatsächlich unter erhöhter Lichtempfindlichkeit", so der Experte.

Augen bei Tag und Dämmerung

Wie nimmt das Auge überhaupt Licht auf?

Durch die Pupille (Sehloch) tritt Licht ins Auge. Wie viel, regelt die Pupille durch Eng- und Weitstellung. Das bewirken verschiedene Reflexe. Die Verengung der Pupille bei Lichteinfall ermöglicht es somit, Licht kontrolliert ins Auge zu lassen, und sie ist auch für die Naheinstellung (Scharfeinstellung), etwa beim Lesen und Naharbeiten, wichtig.

Beim bewussten Schließen der Augen verengen sich die Pupillen wiederum reflexartig, von außen sieht man das natürlich nicht. Auch im Schlaf sind sie eng. Beim Öffnen haben sie sich schon wieder flugs auf die unterschiedlichen Licht- und Sichtverhältnisse eingestellt. Dazu hier ein Kurzvideo.

Lichtscheu: Woher kommt sie?

Photophobie ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Nach Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit bessert es sich häufig oder klingt ab. Entzündete Augen – zum Beispiel bei einer Bindehautentzündung oder Hornhautentzündung – reagieren empfindlicher auf Lichtreize. Kann das Auge den Lichteinfall nicht richtig steuern, überfordert das die Netzhaut: Sie muss die Lichtreize in erster Instanz verarbeiten. So verwundert es nicht, dass auch bei Erkrankungen der Netzhaut wie etwa Makuladegeneration die Lichtempfindlichkeit der Augen zunehmen kann.

Lichtscheu kennzeichnet auch einige neurologische Krankheiten – Paradebeispiel ist die Migräne. Auf die Frage, was Photophobie ist, heißt es tatsächlich oft: "etwas Migräneartiges...". Daneben kommt Lichtscheu mitunter bei Kopfschmerzkrankheiten wie Spannungskopfschmerz oder Clusterkopfschmerz vor.

Ob auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Panikstörungen eine Photophobie auslösen können, ist unklar.

Manchmal liegt der Auslöser gewissermaßen auf der Hand, zum Beispiel ein Pflegemittel für Gesicht, Haare oder Augen. Die nachfolgende Übersicht fasst die wichtigsten Ursachen von Lichtscheu zusammen.

Lichtscheu (Photophobie): Wichtige Ursachen auf einen Blick

Äußere Faktoren

  • UV-Strahlen (zum Beispiel Schneeblindheit)
  • Pflegemittel, Gesichts- und Augen-Kosmetik
  • Verletzungen
Menschliches Gehirn (Schematische Darstellung)

Neurologische Krankheiten

  • Migräne: Die Reizverarbeitung im Gehirn ist hier verändert. Signalstoffe, die auch bei Entzündungen eine Rolle spielen und die Durchblutung im Kopf beeinflussen, sind vermehrt aktiv. Ob zum Beispiel grünes Licht Migränekopfschmerzen abschwächen kann, wie eine Studie vermuten ließ, wird derzeit genauer untersucht.

    Symptome:
    Neben Kopfschmerzen können Lichtscheu und Augentränen auftreten, mitunter auch eine erhöhte Geräusch- und Lärmempfindlichkeit (Hyperakusis). Die Beschwerden verlaufen meist in mehreren Phasen. Besonders während der Kopfschmerzattacke kommt es häufig zu Lichtscheu. Sie kann die Kopfschmerzen verstärken, aber auch schon davor auftreten. Eine weitere, jedoch nicht obligatorische Phase, die Migräne-Aura, geht mit auffälligen neurologischen Störungen einher, etwa Verzerrtsehen und Kribbeln. Der Migränekopfschmerz beginnt häufig im Nacken, setzt sich auf einer Kopfseite fest und strahlt meist bis in die Stirn aus.
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Die ersten Symptome – hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, dazu auch Lichtscheu – ähneln eher einer Grippe. Im weiteren Verlauf können Benommenheit, Verwirrtheit und Krämpfe hinzutreten. Sie weisen auf eine mögliche Hirnhautentzündung hin. Der Ratgeber "Hirnhautentzündung" beschreibt das Krankheitsbild näher.
  • Tumoren der Hirnanhangdrüse: Die Symptome sind abhängig von der Lage und Größe des Tumors, ob dieser hormonaktiv ist und wenn ja, welches Hormon er bildet. Mögliche Hinweise sind zum Beispiel Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle, eventuell auch Kopfschmerzen und vermehrte Lichtempfindlichkeit, je nach Art der Hormonbildung außerdem Fetteinlagerung am Rumpf und zwischen den Schultern (sogenannter Stiernacken), Muskelschwäche, Veränderungen der Körperbehaarung, einsetzende Milchbildung (bei Männern auch Vergrößerung der Brustdrüsen), bei Frauen zudem Zyklusstörungen.
  • Chronisches Müdigkeits- oder Fatiguesyndrom (CFS, auch myalgische Enzephalomyelitis): Das neurologische Krankheitsbild ist selten. Die Ursachen sind unklar, die Symptome vielfältig. Es erkranken eher jüngere Menschen, Frauen dreimal so häufig wie Männer. Symptome: Im Vordergrund steht eine ausgeprägte Müdigkeit (fatigue), auch nach Ruhepausen und Schlaf. Weitere Beschwerden sind zum Beispiel Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Schlafstörungen, vermehrte Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Depressionen.
Augentropfen

Augenkrankheiten

  • Trockene Augen: Trockene Augen sind wie Lichtscheu ein Symptom und können zahlreiche Ursachen haben. Sie brennen und sind meist gerötet. Weitere Anzeichen: Lichtempfindlichkeit, vermehrtes Tränen oder ein deutliches Trockenheits- oder Fremdkörpergefühl.
  • Bindehautentzündung, Hornhautentzündung: Leitsymptome bei Bindehautentzündung sind rote, lichtempfindliche, tränende Augen mit Fremdkörpergefühl, Sehverschlechterung, eventuell Absonderung eines wässrigen, zähflüssigeren oder eitrigen Sekretes, Schwellung der Bindehaut (glasiges Aussehen). Die Lider sind morgens oft "verklebt". Schwellen Lymphknoten am Hals (zum Beispiel am Unterkieferwinkel und vor dem Ohr) an, ist das ein möglicher Hinweis auf Viren als Auslöser. Da diese sehr ansteckend sein und langwierige Beschwerden verursachen können, heißt es: Umgehend zum Augenarzt.
  • Ein begleitender Lidkrampf weist auf eine Hornhautentzündung hin. Beschwerden hier: vor allem Schmerzen und Rötung des Auges, Lichtscheu, Sehminderung. Eine sichtbare Trübung oder ein Defekt der Hornhaut (Geschwür) sind mögliche Komplikationen (Augennotfall!). Die Ursachen einer Hornhautentzündung reichen von unsachgemäßer Anwendung von Kontaktlinsen bis hin zu "Schneeblindheit" (Schädigung durch intensives UV-Licht, zum Beispiel im Hochgebirge).
  • Oberflächliche Hornhautverletzung (Erosion): Symptome sind Schmerzen, Rötung und starkes Tränen des Auges, vermehrte Lichtempfindlichkeit, ein Lidkrampf.
  • Entzündung der Iris: Regenbogenhautentzündung, Iritis, Iridozyklitis (Mitbeteiligung der mittleren Augenhaut an der Entzündung) sind weitere Bezeichnungen. Starke Lichtscheu ist das Leitsymptom, dazu bohrende Schmerzen tief im Auge, die bei Helligkeit oder Leseversuchen zunehmen, und herabgesetzte Sehschärfe.
  • Retinitis pigmentosa: Das ist eine erbliche, fortschreitende Degeneration von Sehzellen für das Dämmerungssehen in der Netzhaut. Symptome: Nachtblindheit, Einengung des Gesichtsfeldes, Störung des Farb- und Kontrastsehens, vermehrte Lichtempfindlichkeit, Erblindung.
  • Glaukom (grüner Star): Glaukome sind Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv irreparabel Schaden nimmt. Der Augeninnendruck ist häufig erhöht. Mit der Zeit kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld, die nach längerer Zeit in einen fast kompletten Sehverlust münden können. Im Alter ab 60, selten ab 40 Jahren, nehmen Glaukome zu. Daher empfehlen Augenärzte ab diesem Zeitpunkt Früherkennungs-Checks (etwa alle zwei Jahre; es sind derzeit jedoch Selbstzahlerleistungen).
    Bei einem Glaukomanfall (Notfall!) ist der Augendruck sehr hoch; der Augapfel fühlt sich auffallend hart an. Lichtscheu gehört zwar nicht zu den typischen Symptomen. Betroffene sehen jedoch häufig Farbringe um Lichtquellen (Photopsie) und "Nebel" oder "Schleier" vor dem Auge. Zudem treten starke, meist einseitige Kopfschmerzen auf der erkrankten Seite auf, häufig auch Übelkeit. Die Pupille ist weit und reagiert nicht auf Licht.


    Anders bei den seltenen, angeborenen Glaukomen: Betroffene Säuglinge fallen durch vergrößerte Augäpfel infolge des erhöhten Augeninnendrucks ("schöne, große Augen") auf; sie sind lichtscheu, unruhig, reiben sich viel die Augen und weinen oft.
  • Grauer Star (Linsentrübung, Katarakt): Viele Ursachen können zu einer Trübung der Augenlinse führen. Häufigste Form ist der Altersstar. Verschwommenes Sehen und zunehmende Blendempfindlichkeit sind typische Symptome. Bei Dunkelheit etwa wird das Scheinwerferlicht entgegenkommender Autos oft als sehr störend empfunden. Auch Sonnenlicht blendet viele Kataraktpatienten vermehrt.
Aktiver Senior
  • Nach operativen Korrekturen an der Hornhaut wegen Fehlsichtigkeit (refraktive Chirurgie): Neben Photophobie können weitere Symptome wie Trockenheit des Auges und Sehbeeinträchtigung durch Unregelmäßigkeiten an der Hornhautoberfläche auftreten.

Medikamente, Drogen, Erregergifte

Manche Medikamente – Antibiotika wie zum Beispiel Tetrazykline und Doxyzyklin oder Arzneistoffe wie Scopolamin, Atropin und Digitalis – können die Lichtempfindlichkeit der Augen erhöhen.

Drogen:

Infrage kommen zum Beispiel:

  • Amphetamin: Das ist ein Stoff, der wegen der aufputschenden Wirkung auch missbräuchlich als Droge angewandt wird. Zu den Nebenwirkungen gehören erhöhte Wachheit, Blutdruckanstieg und schneller Herzschlag, unwillkürliche Fokussierung der Augen bis hin zum sogenannten "Tunnelblick", weite Pupillen mit erhöhter Lichtempfindlichkeit und Lichtscheu.
  • Kokain: Die Symptome sind vielfältig, unter anderem kommt es zu Euphorie, Sinnestäuschungen, Aggressivität, Schweißausbrüchen, Übelkeit, Herzrasen, weiten Pupillen mit erhöhter Blendungsempfindlichkeit bis Lichtscheu.

Vergiftungen mit Erregergiften:

  • Botulismus, zum Beispiel als Lebensmittelinfektion: Quellen sind mit dem Gift des Erregers Clostridium botulinum verunreinigte Lebensmittel, zum Beispiel nicht ausreichend gekochte oder erhitzte Speisen in Konserven. Symptome: Anfangs treten Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Brechreiz auf. Im weiteren Verlauf kommt es zu den ersten, ernsten Anzeichen wie Lähmungen, zunächst in Form von Lidlähmungen, Doppelbildern und weiten Pupillen mit Lichtscheu. Atem- und Schlucklähmung zeigen eine lebensbedrohliche Entwicklung an. Mehr im Ratgeber "Botulismus".
Mann beim Augenarzt

Lichtscheu: Wann zum Arzt?

Gehen Sie bei erhöhter Blendempfindlichkeit oder Lichtscheu baldmöglich zum Augenarzt.

Lassen Sie sich unverzüglich zum Augenarzt oder in die Notaufnahme einer Augenklinik bringen, wenn Sie weitere Beschwerden haben wie starke Rötung eines oder beider Augen, Schmerzen, Augentränen, Sekretabsonderung, Lichtscheu, Sehminderung, Lidkrampf, Trübung am Auge, Verfärbung des Augenweiß oder andere Veränderungen des Augapfels, zum Beispiel Verhärtung oder Verlagerung.

Rufen Sie bei Symptomen wie zum Beispiel ungewöhnliche oder besonders starke Kopfschmerzen und Lichtscheu, hohes Fieber, ausgeprägter Schwindel, starke Übelkeit, Nackensteifigkeit, Lähmungen oder Sehstörungen den Notarzt (Notruf 112).

Diagnose und Therapie bei Photophobie

Der Arzt – meist ein Augenarzt (Ophthalmologe) oder Neurologe – wird gründlich nach möglichen Auslösern suchen. Konkrete Angaben zu Ihrer Krankengeschichte, zu Krankheiten, die bei nahen Verwandten häufiger aufgetreten sind, zu Ihren Lebensgewohnheiten und Ihrer Berufstätigkeit können ihm dabei helfen.

Ein sorgfältiger Augencheck ist bei mutmaßlicher Augenerkrankung selbstverständlich. Achtung: Häufig muss der Augenarzt dazu die Pupillen mit Augentropfen erweitern. Das führt zu erhöhter Blendung und verschwommenem Sehen, man ist vorübergehend nicht fahrtüchtig. Nach wenigen Stunden klingt die Medikamentenwirkung wieder ab. Bei Anhaltspunkten für ein trockenes Auge untersucht der Augenarzt auch die Tränenflüssigkeit. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Häufig kommen zum Beispiel Augentropfen, Augensalben oder Augengels mit bestimmten Wirkstoffen zum Einsatz.

Kopfschmerzerkrankungen behandeln im Allgemeinen Neurologen. Geeignete Medikamente können Schmerzanfälle durchbrechen, andere Arzneistoffe wirken vorbeugend. Der Neurologe kontrolliert die Behandlung sorgfältig. Einige spezielle Kopfschmerzmedikamente aus der Gruppe der Triptane sind rezeptfrei erhältlich. Man sollte sie dennoch stets in Abstimmung mit dem Arzt anwenden. Auch die Apotheken informieren genauer zu den Arzneimitteln. Mehr zur medikamentösen Therapie und Vorbeugung der Migräne siehe Lesetipp weiter oben.

Eventuell ist in manchen Situationen mit besonders lichtempfindlichen Augen eine Sehhilfe mit Kantenfiltergläsern hilfreich. Die Gläser filtern bestimmte Bereiche des Lichtspektrums wie sichtbares Blau heraus, lassen allerdings auch weniger Licht ins Auge.

Dazu Experte Professor Schönfeld: "Das sichtbare Blau ist kurzwelliger als das rote Licht, es ist energiereicher und wird in getrübten Medien des Auges, etwa der Linse bei grauem Star, stärker gestreut." Diese Streuung führe zur Blendung, das Kontrastsehen werde vermindert. Kantenfilter würden das blaue kurzwellige Licht sehr effektiv aus dem sichtbaren Licht blocken. Dadurch komme es zur Kontrastverstärkung und Steigerung der Sehschärfe, so der Augenarzt.

Vor dem Austesten beim Optiker sollte man klären, ob es einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt.

"Übrigens werden auch Golferbrillen mit einem Kantenfilter angeboten, welche über die Kontrastverstärkung die Sehschärfe erheblich verbessern können. Das, wohl gemerkt, bei exzellenter Sehschärfe", erläutert Professor Schönfeld.

Und die Prognose bei Photophobie?

Die Aussichten auf Besserung bei Lichtscheu hängen von der Ursache und den Behandlungsmöglichkeiten ab. Ist die Ursache behebbar beziehungsweise die zugrundeliegende Krankheit gut im Griff, erholen sich auch die Augen meistens bald wieder: Die Überempfindlichkeit auf Licht lässt nach.

In den eher seltenen Fällen, bei denen die erhöhte Lichtempfindlichkeit auf ein Medikament zurückzuführen ist, wird der Arzt es nach Möglichkeit absetzen. Im Falle eines Drogenproblems ist eine Entzugsbehandlung in einer Spezialklinik empfehlenswert.

Progressive Muskelrelaxation

Kann man selbst etwas gegen die Lichtempfindlichkeit tun?

Auch das hängt von der Ursache und Ausprägung des Problems ab. Ganz allgemein schwankt die Stärke des Tageslichtes je nach Wetter – Wolken, Dunst, klarer Himmel –, Jahreszeit, Tageszeit und geografischer Lage. Es ist aber normalerweise immer intensiver als künstliche Innenraumbeleuchtung. Jahreszeiten wie Herbst und Winter bieten für besonders lichtempfindliche Menschen in unseren Breiten mehr "Schonzeit" im Tagesverlauf. Man kann diese Saison also eventuell besser für Außenaktivitäten nutzen. In den helleren Frühjahrs- und Sommermonaten, insbesondere bei Sonne heißt es dagegen, sich gut wappnen. Vom Vormittag bis zum frühen Nachmittag sollte man eine geeignete Sonnenbrille und Textilschutz wie zum Beispiel einen breitkrempigen Hut tragen und die Haut mit einer geeigneten Sonnencreme schützen.

Regelmäßiger Sport kann helfen, Migräneattacken zu reduzieren. Empfehlenswert ist Ausdauertraining wie Schwimmen, Joggen oder Fahrradfahren. Auch Techniken aus der Verhaltenstherapie wie zum Beispiel Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) oder Biofeedback sind als nicht medikamentöse Maßnahmen bei Migräne oder Spannungskopfschmerz anerkannt.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN e.V.): Leitlinie "Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen". Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-036.html (Abgerufen am 27.09.2017)

Leitlinie der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG): Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne. Nervenheilkunde 7–8/2016. Online: http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/Leitlinie_ Entspannungsverfahren%20und%20verhaltenstherapeutische_Intervention

Lang GK, Lang G E: Augenheilkunde. Stuttgart, Thieme Verlag, 5. Auflage 2014

The Wills Eye Manual. Office and Emergency Room Diagnosis and Treatment of Eye Disease. Philadelphia, Wolters  Kluwer, 7. Auflage 2017

Tyler CW, Likova LT: Studying the Retinal source of Photophobia by Facial Electroretinography, Optom Vis Sci. 2017, Apr: 94(4):511-518, DOI: 10.1097/OPX.0000000000001064 (Abgerufen am 27.09.2017)

Noseda R et al.: Migraine photophoboia originating in cone-driven retinal pathways. Brain 2016; 139:1971-86 (Abgerufen am 27.09.2017)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Wie wir sehen

Das Auge sieht, das Gehirn denkt ... tatsächlich? In dieser animierten Grafik lernen Sie den Aufbau des Auges kennen und können den Sehvorgang verfolgen - einfach, Schritt für Schritt
 

Animation Auge