Nierenentzündung (Interstitielle Nephritis, Glomerulonephritis)

Bei einer Nierenentzündung sind entweder die Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) oder die Harnkanälchen und der sie umgebende Raum (interstitielle Nephritis) entzündet

aktualisiert am 16.09.2014

Was ist eine Nierenentzündung?

Bei einer Nierenentzündung sind entweder die Nierenkörperchen (Glomeruli) oder die Harnkanälchen und der sie umgebende Raum (Tubulointerstitium) entzündet. Als Glomerulonephritis bezeichnen Mediziner die Entzündung der Gefäßknäuel in den Nieren (Glomeruli), in denen der sogenannte Primärharn gebildet wird. Nach der und den Folgen des Bluthochdruckes sind Glomerulonephritiden die dritthäufigste Ursache für ein chronisches Nierenversagen

Die Glomeruli bilden die Vorstufe des Urins, den Primärharn. Bei diesem handelt es sich um einen unkonzentrierten Harn, der auf seinem weiteren Weg durch die Nierenkanälchen noch verändert und schließlich über die Harnblase als Urin ausgeschieden wird. In den Glomeruli wird das Blut quasi gefiltert: Flüssigkeit, bestimmte Eiweiße, Salze und andere Stoffe wie oftmals rote Blutkörperchen verlassen die Gefäße und gelangen in den Primärharn. Sind die Glomeruli entzündet und damit geschädigt, wird die Filterfunktion der Niere beeinträchtigt.

Bei der interstitiellen Nephritis sind überwiegend die Harnkanälchen betroffen, als Folge davon treten Störungen in der Konzentrierung des Primärharnes auf.

Bei Nierenentzündungen, die entstehen, ohne dass eine weitere Erkrankung vorliegt, spricht man von primären Glomerulonephritiden. Ist die Entzündung dagegen Folge einer anderen Erkrankung außerhalb der Nieren, handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Glomerulonephritis. Je nach Verlauf kann außerdem zwischen einer akuten oder einer chronischen – also längerfristig verlaufenden – Nierenentzündung unterschieden werden.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Die häufigste Form der primären Glomerulonephritis (siehe Kapitel Übersicht) ist die IgA-Nephropathie, die durch immunologische Prozesse ausgelöst wird. Dabei lagern sich Komplexe aus vom Körper gebildeten aber gering veränderten Abwehrstoffen (Antikörpern) in der Niere ab, welche als Reaktion auf Infektionen im Körper produziert werden. In der Folge kommt es zu entzündlichen Veränderungen, welche das Nierengewebe schädigen und seine Funktion beeinträchtigen können.

Außerdem kann es nach oder während einer bakteriellen Infektion zu einer Nierenentzündung kommen. Auslöser können dabei zum Beispiel Streptokokken sein, die unter anderem Erreger einer Mandel- oder Mittelohrentzündung sind. Diese Bakterien bilden zusammen mit den vom Körper gegen die Infektion gebildeten Antikörpern Komplexe und lagern sich in den Nierenkörperchen ab (Post-infektiöse-Glomerulonephritis).

Bei manchen Erkrankungen können auch Antikörper gegen Strukturen in der Niere gebildet werden, welche dann Entzündungszellen direkt in die Niere locken. Bei einem großen Teil der Betroffenen mit primärer Glomerulonephritis ist aber der Auslöser der Nierenentzündung nicht bekannt.

Die sekundäre Glomerulonephritis (siehe Kapitel Übersicht) tritt als Folge anderer Grunderkrankungen, zum Beispiel eines systemischen Lupus erythematodes (SLE) oder anderen Immunerkrankungen, auf. Auch verschiedene Infektionskrankheiten (wie Syphilis, Hepatitis B und C, HIV) sowie Krebserkrankungen wie Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) oder bestimmte bösartige Erkrankungen des Lymphsystems können zu einer Nierenentzündung führen. Ebenso können bestimmte Medikamente, die Penicillamin, Gold oder Quecksilber enthalten, eine Glomerulonephritis auslösen. Eine weitere Ursache für eine Nierenentzündung ist Heroinkonsum.

Eine interstitielle Nephritis (siehe Kapitel Übersicht) tritt meist als Sonderform einer allergischen Reaktion auf unterschiedlichste Medikamente, nach seltenen Infektionen der Niere oder bei der Abstoßung von Nierentransplantaten auf.

Werden aufgrund einer Nierenentzündung manche Nierenkörperchen (Glomeruli) zerstört, übernehmen zunächst die gesunden Nierenkörperchen die Filterfunktion. Daher kann es lange Zeit dauern, bis sich die Erkrankung durch Beschwerden bemerkbar macht. Erst wenn mehr als 50 Prozent des Gewebes beider Nieren zerstört ist, wird der Funktionsverlust der Nieren mit den üblichen Untersuchungsmethoden erkennbar.

Ist die Filterfunktion der Niere beeinträchtigt, können Veränderungen des Urins auftreten. Die Harnmenge kann sich deutlich verringern, im chronischen Stadium kann sie aber auch ansteigen. Außerdem können Verfärbungen auftreten, wenn mit dem Harn Blut oder Eiweiß ausgeschieden wird. Ist der Urin getrübt und schäumt er, kann dies auf eine Ausscheidung von Eiweiß (Proteinurie) hinweisen, Blut färbt den Urin dagegen bräunlich (Hämaturie). Nicht immer muss Blut im Urin jedoch mit bloßem Auge sichtbar sein. Handelt es sich nur um kleine Mengen, sind diese nur mit chemischen Untersuchungsmethoden oder unter dem Mikroskop nachweisbar (Mikrohämaturie).

Neben den Veränderungen des Urins können weitere Beschwerden auftreten. Die Betroffenen fühlen sich oft müde und abgeschlagen. Gleichzeitig können auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Flankenschmerzen auftreten. Bei einigen Erkrankten kommt es zu einem Bluthochdruck (Hypertonie). Manchmal bilden sich auch Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme). Diese machen sich zum Beispiel damit bemerkbar, dass die Augenlider  oder andere Gesichtspartien anschwellen. Auch die Hände und Füße können betroffen sein.

Im Rahmen einer Glomerulonephritis kann es auch zu einem nephrotischen Syndrom kommen. Das Nierenkörperchen wird dabei vermehrt durchlässig für Eiweiße (Proteine). Die Folge ist, dass sich auch große Eiweiße im Urin befinden (Proteinurie), im Blut jedoch ein Mangel an Proteinen entsteht (Hypoproteinämie). Zugleich entstehen Wassereinlagerungen (Ödeme) zum Beispiel in den Augenlidern oder den Beinen. Eine Störung des Fettstoffwechsels mit erhöhten Blutfettwerten gehört ebenfalls zum nephrotischen Syndrom dazu. Als schlimmste Folge einer Glomerulonephritis kann ein Nierenversagen entstehen.

Da es lange Zeit dauern kann, bis bei einer Glomerulonephritis Beschwerden auftreten, wird sie meist als Zufallsbefund bei einer Urinuntersuchung festgestellt. Nur in seltenen Fällen suchen Betroffene einen Arzt auf, weil sie in ihrem Urin sichtbares Blut erkennen.

Als erster Schritt der Diagnose wird der Arzt den Betroffenen ausführlich zu Beschwerden und zur Krankengeschichte befragen (Anamnese). Wichtig ist dabei vor allem, ob andere Grunderkrankungen bestehen, der Patient vielleicht gerade eine bakterielle Infektion überstanden hat oder bestimmte Medikamente einnimmt. Bei der Untersuchung durch den Arzt kann ein Klopfschmerz im Bereich der Flanken auffallen und der Blutdruck kann erhöht sein. Der Arzt achtet außerdem auf Wasseransammlungen (Ödeme).

Die ersten Schritte zur Diagnose einer Glomerulpnephritis sind dann eine Urin- und eventuell eine Blutuntersuchung. Im Urin misst der Arzt vor allem die Menge an Eiweiß. Außerdem ermittelt er, ob Blut im Harn vorhanden ist. Der Nachweis von Blut kann allerdings nicht nur auf eine Entzündung der Nieren hindeuten sondern auch Ausdruck zum Beispiel von Tumorerkrankungen der Nieren und Harnwege sein. Um solche Ursachen für Blut im Urin auszuschließen, sollten Patienten mit diesem Symptom daher durch einen Urologen untersucht werden.

Im Blut gibt der Nierenwert Kreatinin eine grobe Auskunft über die Funktion der Filterorgane. Ein Anstieg der Kreatinin-Konzentration weist auf eine Funktionsschwäche der Nieren hin. In diesem Fall ist eine rasche Abklärung angezeigt, um den drohenden dauerhaften Funktionsverlust der Nieren möglichst zu vermeiden. Außerdem sucht der Arzt nach bestimmten Antikörpern, welche an der Entstehung der Glomerulonephritis beteiligt sein können oder auf eine verursachende bakterielle Infektion hinweisen.

Bestätigt sich bei diesen Untersuchungen der Verdacht auf eine Nierenentzündung, folgt üblicherweise eine Entnahme von Gewebeproben aus der Niere (Biopsie). Diese findet unter Ultraschall-Kontrolle statt. Nach einer anschließenden Untersuchung der Gewebeproben durch einen Spezialisten lassen sich Aussagen über die Ursache der Glomerulonephritis treffen. Die Behandlung kann dann entsprechend ausgerichtet und ihr Erfolg abgeschätzt werden.

Eine Nierenentzündung wird je nach Ursache und den auftretenden Beschwerden behandelt. Bei einer sekundären Glomerulonephritis steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Körperliche Anstrengungen sollten während der gesamten Behandlung vermieden werden. Um die Therapie zu unterstützen, empfiehlt es sich, die Ernährung auf eiweißarme Speisen umzustellen und Kochsalz sowie Fett zu reduzieren. Gleichzeitig ist es ratsam, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Patienten mit einer Nierenerkrankung sollten dazu mit dem Arzt absprechen, ob sie bedenkenlos trinken können soviel sie wollen oder ob sie ihre Flüssigkeitszufuhr kontrollieren müssen.

Eine strenge Senkung des Blutdruckes auf Werte unter 130 / 80 mmHg beziehungsweise unter 125 / 75 mmHg bei Nachweis von mehr als einem Gramm Eiweiss im Urin pro Tag wird empfohlen. Sind Medikamente nötig, um den Blutdruck in den entsprechenden Bereich zu bringen, so gelten sogenannte ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker als besonders geeignet.

Befinden sich im Urin nur geringe Mengen an Blut und Eiweiß, muss eine Nierenentzündung nicht unbedingt mit Medikamenten behandelt werden. Es sollten aber auf jeden Fall regelmäßig die Blut- und Urinwerte kontrolliert werden.

Bei manchen Formen der Nierenentzündung ist eine Therapie mit Glukokortikoiden oder Immunsuppressiva sinnvoll. Diese Wirkstoffe unterdrücken zum einen die Entzündungsreaktion, zum anderen hemmen sie das Abwehrsystem des Körpers. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel eine Nierenentzündung, die aufgrund einer Reaktion des Immunsystems gegen den eigenen Körper (Autoimmunreaktion) entstanden ist, behandeln. Wegen der Nebenwirkungen dieser Medikamente ist es aber unerlässlich, die genaue Form der Glomerulonephritis und den möglichen Behandlungserfolg vor dem Therapiebeginn durch eine Biopsie festzustellen.

Ist die Nierenentzündung nicht mehr heilbar, kann mit einer gezielten Therapie das Voranschreiten der Nierenschädigung eventuell noch verlangsamt werden. Häufig muss im fortgeschrittenen Stadium der chronischen Nierenentzündung das Blut durch eine Dialyse, das heißt künstlich außerhalb des Körpers, gereinigt werden. In schweren Fällen ist eine Nierentransplantation, bei der die kranke Niere durch eine gesunde Spenderniere ersetzt wird, notwendig.

Die Heilungschancen bei einer akuten Nierenentzündung sind, wenn sie frühzeitig entdeckt und behandelt wird, in vielen Fällen gut. Auch nach einer Ausheilung ist jedoch die regelmäßige Kontrolle der Urinwerte wichtig, da sich selbst nach mehreren Jahren ohne Beschwerden noch ein Bluthochdruck oder Nierenversagen entwickeln kann.

Professor Dr. med. Michael Fischereder ist Internist und Nephrologe. Seine Facharztausbildung absolvierte er von 1993 bis 1997 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Jahr 2002 habilitierte sich Professor Fischereder für das Fach Innere Medizin an der Universität Regensburg. Ab 2007 war er Leiter der Nephrologie am Campus Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und seit 2012 leitet er den Schwerpunkt Nephrologie an der Medizinischen Klinik IV des Klinikums der LMU an beiden Standorten, Campus Innenstadt und Großhadern.

www.medicaments-24.net

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