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Morbus Bechterew (M. Bechterew, Spondylitis ankylosans)

Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen sind mögliche Symptome

aktualisiert am 04.02.2019
Rückenschmerzen

Sie wachen nachts auf wegen Schmerzen der unteren Wirbelsäule? Rücken und Gelenke fühlen sich vor allem morgens unbeweglich und steif an? Solche frühen Symptome können auf Morbus Becherew hindeuten


Morbus Bechterew - kurz zusammengefasst

Spondyloarthritiden vom Typ Morbus Bechterew sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen, welche durch Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule gekennzeichnet sind. Es gibt unterschiedliche Formen und Ausprägungsgrade, gemeinsam ist Ihnen eine Beteiligung des Achsenskelettes und der Sehnenansätze (Enthesien) und der häufige Nachweis von HLA-B27. Die Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt, dennoch scheinen eine genetische Veranlagung zusammen mit einer Fehlregulation des Immunsystems verantwortlich zu sein. Meist klagen die Patienten über Rückenschmerzen und Schmerzen im Bereich des Kreuzbein-Darmbein-Gelenkes. Auch Morgensteifigkeit, zunehmende Bewegungseinschränkung, Gelenkenzündungen, Schmerzen im Bereich der Achillessehne oder Ferse sowie Augenentzündungen können auf einen Morbus Bechterew hinweisen. Die Diagnose des Morbus Bechterew ergibt sich aus einer Kombination mehrerer Puzzlestücke. Hierzu zählen unter anderem die persönlichen Beschwerden, ergänzend kommen Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren zum Einsatz. Die Krankheit ist nicht heilbar, ihr Verlauf kann aber deutlich beeinflusst werden. Die Therapie besteht vor allem aus entzündungshemmender medikamentöser Therapie, Gymnastik und Physiotherapie. Tägliche Gymnastik mit speziellen Bewegungsübungen hält die Wirbelsäule beweglich und wirkt einer Versteifung entgegen. Nur selten ist eine Operation nötig, zum Beispiel wenn ein aufrechter Gang verloren gegangen ist.

Was ist Morbus Bechterew?

Der Morbus Bechterew gehört zu der Gruppe der Spondyloarthritiden und stellt eine entzündlich-rheumatische Erkrankung dar. Betroffen ist meist das sogenannte Achsenskelett, also die Wirbelsäule und das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk. Nach klassischer Definition finden sich beim Morbus Bechterew in Röntgenaufnahmen bereits knöcherne Veränderungen an den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken (Iliosakralgelenke) und/oder der Wirbelsäule. Fehlen diese knöchernen Veränderungen spricht man von einer nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis. Synonym zu Morbus Bechterew verwendet man auch den Begriff Spondylitis ankylosans oder ankylosierende Spondylitis (ankylosierend = versteifend), dieser ist im englischsprachigen Raum mehr verbreitet.

Der Name Morbus Bechterw geht auf den russischen Neurologen Wladimir Bechterew zurück, der sich vor über hundert Jahren eingehend mit der Erkrankung befasste. "Morbus" ist die lateinische Bezeichnung für Krankheit. Meist manifestiert sich ein Morbus Bechterew zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

DNA, Genspirale

Welche Ursachen hat Morbus Bechterew?

Es scheint eine genetische Veranlagung für Morbus Bechterew zu geben, da 90 Prozent der Patienten das Erbmerkmal HLA-B27 tragen. Dies ist ein bestimmtes Antigen auf der Zelloberfläche. Damit es zur Krankheit kommt, genügt aber die genetische Veranlagung alleine nicht, da circa acht Prozent der Normalbevölkerung ebenfalls HLA-B27-Träger sind, ohne an Morbus Bechterew oder ähnlichen Erkrankungen zu erkranken. Der Auslöser für den chronisch-entzündlichen Prozess ist bisher nicht ausreichend geklärt. Die Erkrankung wird letztlich durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems ausgelöst. Körpereigene Abwehrzellen, welche normalerweise gegen eingedrungene Krankheitserreger vorgehen, richten sich nun auch gegen körpereigenes Gewebe und lösen dadurch die entzündliche Reaktion aus.

 

Frau mit Rückenschmerzen

Symptome: Welche Beschwerden bereitet ein Morbus Bechterew?

• "Entzündlicher Rückenschmerz": Hierbei stehen Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule und der Darmbein-Kreuzbein-Gelenke (Ileosakralgelenk, Bestandteil des Beckengürtels) im Vordergrund. Die Schmerzen zeigen häufig einen schleichenden Beginn, treten gerne in der zweiten Nachthälfte auf und bessern sich bei Bewegung. Des weiteren berichten Patienten über eine Morgensteifgkeit, die Gelenke fühlen sich steif und unbeweglich über einen Zeitraum von über 30 Minuten an. Außerdem handelt es sich um einen langandauernden Rückenschmerz, also Beschwerden, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten bestehen.

Gesäßschmerzen: Oft beginnt die Krankheit im Becken im Bereich der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke). Dabei handelt es sich um eine relativ unbewegliche gelenkartige Verbindung aus Kreuzbein (Os sacrum) und Darmbein (Os ilium), die von Bändern versteift wird. Betroffene spüren immer wieder Schmerzen im Gesäß, besonders bei längerem Sitzen. Die Seite kann wechseln. Die Schmerzen strahlen manchmal in die hinteren Oberschenkel aus.

• Zunehmende Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule

• Schmerzen außerhalb der Wirbelsäule/Sehnenansatzentzündungen: Es können auch das Brustbein oder einzelne Gelenke wie Hüfte, Knie oder Sprunggelenk schmerzen – meist nur auf einer Seite. Die Gelenke sind manchmal geschwollen, es kommt zur Bewegungseinschränkung. Auch können sich die Sehnenansätze entzünden, vor allem im Bereich der Beine wie zum Beispiel die Achillessehne. Auch Fersenschmerzen können im Rahmen dieser Sehnenansatzentzündungen entstehen und bereiten vor allem nach längerem Stehen auf hartem Untergrund Beschwerden. Seltener kann es zu einer Entzündung der Zehen oder Finger (Daktylitis) kommen.

• Augenentzündung: Bei etwa 25 bis 40 Prozent der Betroffenen kommt es zu Entzündungen der mittleren Augenhaut (Uveitis, Iritis / Iridozyklitis). Das betroffene Auge schmerzt, ist gerötet und lichtempfindlich. Der Besuch eines Augenarztes ist hier dringend angeraten, um bleibende Augenschäden zu vermeiden.

• Bei bis zu 10 Prozent der Patienten besteht begleitend eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Collitis ulcerosa). Diese fällt vor allem durch Bauchschmerzen und Durchfall auf.

• Sehr selten kommt es auch zur Beteiligung der Inneren Organe, zum Beispiel dem Herz oder der Niere.

Rückenuntersuchung

Diagnose: Wie wird ein Morbus Bechterew festgestellt?

Erster Ansprechpartner kann – je nach Fall – der Hausarzt sein, manchmal ist es auch der Orthopäde oder der Augenarzt. Besteht der Verdacht auf einen Morbus Bechterew, wird üblicherweise ein Spezialist für rheumatische Erkrankungen hinzugezogen, ein internistischer Rheumatologe.

Anamnese

Um die Diagnose Morbus Bechterew zu sichern, erkundigt sich der Arzt nach den Beschwerden und der Krankengeschichte des Patienten. Er fragt nach Krankheitsfällen in der Familie. Sie könnten Hinweis auf eine familiäre Veranlagung für die Bechterewsche Erkrankung sein.

Körperliche Untersuchung

Der Arzt wird den Patienten eingehend körperlich untersuchen. Insbesondere überprüft er die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Dazu beugt sich der Patient nach vorne und zur Seite. Der Arzt vermisst dabei den Rücken (Methode nach Schober und Ott). Beugt der Patient den Oberkörper nach vorne, lässt sich der Abstand der Fingerspitzen zum Boden bestimmen. Weiterhin kann der Mediziner den Brustumfang nach Ein- und Ausatmung ermitteln. Auch die Beweglichkeit der Halswirbelsäule (Drehung zur Seite, Neigefähigkeit nach vorn und Fähigkeit zur Rückführung des Kopfes in die Körperachse) wird dokumentiert. Der Hinterhaupt-Wand-Abstand kann zur Messung der Krümmung der Wirbelsäule (Kyphosierung) herangezogen werden.

Mit einem speziellen Handgriff (Zeichen nach Mennell) prüft der Arzt, ob das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk) entzündet sein könnte.

Des Weiteren wird das Augenmerk auf weitere bestehende Beschwerden insbesondere der unteren Extremität gelegt. So schaut der Arzt, ob Gelenke geschwollen sind oder Schmerzen der Sehnenansätze bestehen. Außerhalb des Skelettsystems wird nach Beteiligung der Augen, der Haut oder des Darmes gesucht.

Blutuntersuchungen, HLA-B27

Für die Diagnosestellung bei Morbus Bechterew wird außerdem Blut abgenommen und im Labor untersucht. Es wird geprüft, ob Entzündungen im Körper vorliegen: Bei Morbus Bechterew sind eventuell die Blutsenkungs-Geschwindigkeit (BSG) und der Laborwert für C-reaktives Protein (CRP) erhöht – Zeichen für ein Entzündungsgeschehen im Körper. Diese Entzündungsparameter sind aber nicht spezifisch für einen Morbus Bechterew, sondern finden sich bei allen entzündlichen Prozessen im Körper.

In mehr als 90 Prozent der Fälle findet sich zudem ein spezielles Körpereiweiß auf der Oberfläche der Zellen: HLA-B27 (Humanes Leukozyten Antigen B27). HLA-Merkmale kommen auf fast allen Körperzellen vor und sind für die korrekte Funktion des Abwehrsystems (Immunsystems) wichtig. Das Vorhandensein von HLA-B27 (einer besonderen Unterform der HLA-Merkmale) kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Sein häufiges Auftreten bei Morbus Bechterew macht es zum zusätzlichen Diagnosekriterium. Allerdings kommt HLA-B27 auch bei vielen Gesunden vor, so dass der Nachweis von HLA-B27 allein lediglich einen Baustein zur Diagnosefindung darstellt. Er bedeutet noch nicht, dass eine Krankheit vorliegt oder in Zukunft ausbrechen wird. Anders herum schließt der fehlende Nachweis von HLA-B27 einen Morbus Bechterwe auch nicht sicher aus.

Bildgebende Untersuchungen

Der Arzt kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) anordnen. Auf den Bildern sind bereits frühe Krankheitszeichen wie Entzündungen sichtbar. Das Frühstadium des Morbus Bechterew lässt sich oft an den Iliosakralgelenken erkennen.

Besteht die Krankheit schon länger, finden sich auch auf Röntgenaufnahmen Hinweise auf die Erkrankung – zum Beispiel typische Verknöcherungen an der Wirbelsäule. So zeigt sich auf dem Röntgenbild Knochensubstanz zwischen den Wirbelkörpern (intervertebrale Knochenbrücken, Knochenspangen). Auch die Bänder der Wirbelsäule können verknöchern. In fortgeschrittenen Stadien (bei schwerem Verlauf) erinnert die Wirbelsäule dann entfernt an die Form eines Bambusstabes und wird daher als "Bambusstab-Wirbelsäule" bezeichnet.

Mithilfe der Sonographie kann vor allem im Bereich des restlichen Skelettsystems gegebenenfalls eine begleitende entzündliche Gelenkveränderung oder Sehenansatzentzündung dargestellt werden.

Folgen des Morbus Bechterew für den Rücken

Beim Morbus Bechterew kommt es zu einer zunehmenden Bewegungseinschränkung, Versteifung und Verknöcherung vor allem der Wirbelsäule und der Darm-Kreuzbein-Gelenke. Allerdings zeigt sich ein sehr unterschiedlicher individueller Verlauf, so dass nicht bei allen Patienten eine Verknöcherung stattfindet. Folge dieser Verknöcherung ist eine zunehmende Unbeweglichkeit und Versteifung vor allem des Achsenskelettes. Ohne Behandlung entsteht unter Umständen ein stark ausgeprägter Rundrücken. Die Krankheit verringert oft auch die Dichte der Knochenmasse, es kommt zur Osteoporose. In Wirbelkörpern bilden sich dann zum Beispiel feine Risse oder es treten leicht Knochenbrüche auf. Schlimmstenfalls nimmt dabei das Rückenmark Schaden.

verschiedene Medikamente

Therapie: Wie wird ein Morbus Bechterew behandelt?

Zwar ist Morbus Bechterew nicht heilbar, doch können Therapiemaßnahmen helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Ziel aller Therapien ist, entzündungsbedingte Beschwerden zu kontrollieren und die Beweglichkeit der Wirbelsäule soweit wie möglich zu erhalten. Eine Patientenschulung und die Kombination von nicht-pharmakologischer und pharmakologischer Therapie mithilfe von entzündungshemmenden Medikamenten kann angebracht sein. Nur durch konsequente pharmakologische – also medikamentöse Therapie gelingt die Kontrolle der entzündlich bedingten Schmerzen. Wahrscheinlich kann dadurch auch die Verknöcherungstendenz beeinflusst werden. Der Bewegungstherapie kommt eine wichtige Bedeutung zum Erhalt der Mobilität zu. Selten wird die Wirbelsäule bei Morbus Bechterew operiert, um den Körper wieder aufzurichten.

Bewegung – unverzichtbar zur Therapie von Morbus Bechterew

Bewegung ist ein unverzichtbares Therapie-Element bei Morbus Bechterew. In der Krankengymnastik lernen Patienten, gezielt bestimmte Muskeln zu kräftigen und ihre Wirbelsäule möglichst beweglich und aufrecht zu halten. Zudem ist es sehr wichtig, die aufrechte Rückenhaltung auch im Alltag gezielt zu fördern (durch die richtige Schlaf- und Sitzposition, aufrichtende Sportarten wie Rückenschwimmen oder Nordic Walking). Kommt es im Krankheitsverlauf trotz allem zu einer fortschreitenden Verknöcherung, soll so zumindest die dauerhafte Verkrümmung der Wirbelsäule vermieden werden. Auch muss die Hüfte ausreichend gestreckt werden, damit sie nicht in gebeugter Haltung versteift.

Bei Morbus Bechterew werden individuell geeignete Bewegungsübungen unter Anleitung erlernt. In vielen Städten gibt es Gruppen zur gezielten Morbus-Bechterew-Gymnastik und Bewegungstherapie unter Leitung qualifizierter Physiotherapeuten / Krankengymnasten. Entsprechende Kontakte können beispielsweise über Selbsthilfegruppen hergestellt werden (siehe Link am unteren Seitenrand). Die Übungen sollten dann auch im Alltag zu Hause konsequent umgesetzt werden. Wer regelmäßig über einen langen Zeitraum trainiert und auf eine aufrechte Haltung achtet, kann einen versteiften Rundrücken meist verhindern.

Hilfreich können außerdem Methoden der Physikalischen Therapie sein. Dazu zählen Wärme- und Kälteanwendungen, beispielsweise warme Bäder, Stangerbäder, Massagen und die so genannte Niederfrequenz-Therapie (Reizstromtherapie).

Medikamente zur Behandlung des Morbus Bechterew

Das wichtigste Therapieziel der medikamentösen Therapie ist die Kontrolle der falschen übermäßigen Entzündung.

Zur Behandlung des Morbus Bechterew verordnet der Arzt zunächst entzündungshemmende Schmerzmittel, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Dazu gehören zum Beispiel Diclofenac oder Indometacin. Sie werden im Gegensatz zu einer reinen Schmerztheapie nicht nur nach Bedarf angewendet. Um die Entzündung zu kontrollieren ist eine phasenweise Einnahme über mehrere Tage bis Wochen auch über die Schmerzphase hinaus oder sogar eine Dauertherapie erforderlich. Dabei müssen mögliche Nebenwirkungen beachtet werden. Durch diese Therapiestrategie kann wahrscheinlich auch das Voranschreiten der Verknöcherungen gebremst werden.

Andere Schmerzmittel haben beim Morbus Bechterew nur eine untergeordnete Bedeutung, weil sie nicht entzündungshemmend wirken und Entzündungsschmerzen auf reine Schmerzmittel wie Paracetamol oder sogar Morphin-ähnliche Schmerzmittel meist nur unzureichend ansprechen. Lediglich wenn Schmerzen durch nicht-entzündliche chronische Schäden der Erkrankung verursacht sind, kommen andere Schmerzmittel zum Einsatz.

Kortikosteroide (auch Glukokortikoide) sind Arzneien, die dem körpereigenen Hormon Cortisol ("Cortison") verwandt sind. Sie kommen vor allem kurzfristig zum Einsatz, um akute Entzündungen zu lindern. Dabei sind beim Morbus Bechterew meist hohe Dosierungen nötig, weswegen Kortikosteroide nur zurückhaltend eingesetzt werden. Meist reichen NSAR zur Schubtherapie aus. Kortikosteroide können zudem äußerlich als Augentropfen zur Behandlung einer Irisentzündung bei Morbus Bechterew eingesetzt werden.

Bei starken Entzündungen von Gelenken oder Sehnen außerhalb der Wirbelsäule kommt bei Morbus Bechterew eine zusätzliche Behandlung mit so genannten Basismedikamenten (zum Beispiel Sulfasalazin) über einen längeren Zeitraum infrage. Diese Behandlung wird auch bei anderen chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) angewandt und soll die entzündliche Symptomatik langfristig unterdrücken. Allerdings ist die Wirkung nicht so schnell wie bei Kortikosteroiden oder NSAR, die langfristige Verträglichkeit ist dagegen meist besser.

Bei einem sehr aktiven Morbus Bechterew können – wenn andere Therapien keinen ausreichenden Erfolg bringen –außerdem sogenannte Biologika eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um gentechnisch hergestellte Medikamente, die körpereigenen Eiweißmolekülen nachempfunden sind und viel gezielter in das Immunsystem und die falschen Entzündungsvorgänge eingreifen als die bisher genannten Substanzen.

Beim Morbus Bechterew existieren bislang Biologika mit zwei unterschiedlichen Wirkmechanismen:

  • Die sogenannten TNF-Blocker hemmen den entzündungsfördernden Botenstoff TNF alpha (Tumor-Nekrose-Faktor alpha): Infliximab, Etanercept, Adalimumab, Certolizumab, Golimumab.
  • Secukinumab hemmt einen anderen entzündungsfördernden Botenstoff, nämlich Interleukin-17A.

Eine Therapie mit Biologika ist relativ teuer. Mittlerweile sind für manche Substanzen günstigere Nachahmerpräparate auf dem Markt, die sogenannten Biosimilars. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat sich bereits dahingehend geäußert, dass man in den meisten Fällen bedenkenlos von einem Orginal-Biologikum auf ein Biosimilar wechseln oder auch mit einem Biosimilar die Biologika-Therapie beginnen kann.

Da es sich bei Biologika um relativ große Eiweißmoleküle handelt, müssen Biologika in die Vene oder in das Unterhautfettgewebe gespritzt werden. Wie bei jeder medikamentösen Therapie müssen auch bei den Biologika gemeinsam mit dem Arzt alle möglichen Vorteile und Nachteile sorgfältig abgewogen werden. Langfristige unerwünschte Wirkungen sind mittlerweile durch Medikamentenregister für die meisten Substanzen gut untersucht.

Das Infektionsrisiko wird durch Basistherapeutika je nach Substanz nicht (zum Beispiel Sulfasalazin) oder nur mäßig (zum Beispiel Biologika) erhöht. Zum Vergleich – die Therapie mit Kortikosteroiden beeinflusst das Infektionsrisiko meist stärker: 10 mg Prednisolon (eine durchaus übliche Kortikosteroiddosis) erhöhen das Infektionsrisiko mehr als eine Biologikatherapie. Entgegen einer früheren Befürchtung erhöhen Basistherapeutika nach aktuellem Kenntnisstand nicht das Risiko für bösartige Erkrankung. Für einzelne Substanzen existieren lediglich Hinweise für eine leichte Erhöhung des Hautkrebsrisikos. Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis sollten sich aber sowieso regelmäßig beim Hautarzt zur Krebsvorsorge vorstellen. Hierdurch kann Hautkrebs rechtzeitig entdeckt werden.

Operationen bei Bechterewscher Krankheit

Eine Operation wird bei Morbus Bechterew selten angewendet. Doch kann sie bei einigen Komplikationen der Erkrankung erforderlich sein, zum Beispiel bei Wirbelbrüchen oder Lähmungen. Ist die Wirbelsäule bei Morbus Bechterew sehr stark verkrümmt, mindert das oft deutlich die Lebensqualität. Ein aufrechter Gang und der Blick nach vorne sind in diesem Fall nicht mehr möglich. So kann auch hier eine Aufrichtungsoperation angebracht sein.

Mehrere Operationsmethoden stehen zur Verfügung. Operiert werden einzelne Wirbelkörper oder mehrere Wirbel. Um die Wirbelsäule wieder aufzurichten werden entweder Knochenstücke entnommen (Osteotomie), oder es wird ein Stangen-Schrauben-System eingesetzt. Die Operationsmethode richtet sich nach Art und Stadium des Morbus Bechterew und sollte von einem spezialisierten Zentrum durchgeführt werden.

Manchmal ist auch der Ersatz eines entzündlich veränderten Hüftgelenks durch eine Hüftprothese sinnvoll.

Leben mit Morbus Bechterew

Bechterew-Patienten können selbst viel tun, um ihre Krankheit günstig zu beeinflussen. Was es alles zu beachten gibt, sollte am besten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Zahlreiche (weitere) Tipps finden sich außerdem auf den Seiten von Selbsthilfegruppen zum Thema Morbus Bechterew (siehe Link am unteren Seitenrand). Sie bieten Betroffenen ein Forum zum Informationsaustausch. Dort unterstützen und motivieren sich Patienten auch gegenseitig.

Tipps für den Alltag

• Tabakkonsum erhöht das Risiko für Verknöcherungen, mindert das Ansprechen von Medikamenten und erhöht das bei chronischer Entzündung sowieso erhöhte Risiko für Herzkreislauferkrankungen noch weiter. Tabakkonsum sollte daher mit Hilfe professioneller Suchtentwöhnungskonzepte unbedingt beendet werden.

• Im Beruf sollten Betroffene nach Möglichkeit alle Tätigkeiten vermeiden, bei denen sie sich viel nach vorne beugen müssen. Im Idealfall können Patienten an ihrem Arbeitsplatz zwischen Sitzen, Gehen und Stehen abwechseln. Ein individuell passend eingerichteter ergonomischer Arbeitsplatz ist bei Morbus Bechterew besonders wichtig. Viele empfinden es als wohltuend, in der Mittagspause flach zu liegen. Menschen mit Morbus Bechterew sollten nach Möglichkeit keine schweren Gegenstände heben, damit die Wirbelsäule nicht zusätzlich belastet wird.

• Sitzkissen: Um die Wirbelsäule bei längerem Sitzen möglichst aufrecht zu halten, nutzen viele Betroffene Keilkissen – die dünnere Seite Richtung Sitzkante. Solche Sitzunterlagen können auch beim Autofahren verwendet werden. Hier sollte außerdem auf passende Kopfstützen geachtet werden, die nah genug an den Hinterkopf reichen.

• Das Bett darf nicht durchhängen sondern sollte als feste Unterlage dienen. Bewährt haben sich möglichst flache Kopfkissen oder gegebenenfalls besonders geformte (Muldenkissen), die zwar den Kopf stützen, nicht aber zu einer Krümmung des Oberkörpers führen. Es empfiehlt sich auch, immer wieder auf dem Bauch zu liegen.

• Sport ist bei Morbus Bechterew grundsätzlich hilfreich, denn er hält Wirbelsäule und Gelenke beweglich. Allerdings ist es wichtig, individuell geeignete Sportarten auszuwählen. Welche im Einzelfall geeignet erscheinen, sollte am besten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Besonders empfohlen werden beispielsweise Rückenschwimmen, Wandern und Skilanglauf. Beim Radfahren sollte eine möglichst aufrechte Sitzhaltung eingenommen werden. Rückenbelastende Sportarten gilt es zu vermeiden, da eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Auch ein intensives Sporttraining kann die gezielte Krankengymnastik nicht ersetzen.

• Vorsicht bei Operationen: Ist die Halswirbelsäule nur eingeschränkt beweglich, kann es nötig sein, eine spezielle Beatmungstechnik bei der Narkose anzuwenden. Deshalb sollte der behandelnde Arzt vorab über die Krankheit informiert werden. Betroffene können außerdem einen Notfallausweis einstecken, der auf die Krankheit hinweist. So sind Helfer im Notfall (beispielsweise einem Unfall) im Bilde.

Kommt es im fortgeschrittenen Krankheitsstadium zur Osteoporose, ist es besonders wichtig, das Sturzrisiko möglichst klein zu halten. Sonst drohen womöglich Knochenbrüche. Zum Beispiel sollten sich in der Wohnung keine rutschigen Teppiche, Stolperkanten oder schlecht beleuchtete Treppen finden. Auch manche Sportarten bergen eine erhöhte Unfallgefahr und sind deshalb weniger gut geeignet.

Dr. med. Marc Thomas Schmalzing

Beratender Experte:

Dr. Marc Schmalzing ist Facharzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Rheumatologie, Hämatologie und Onkologie. Seit Juli 2012 ist er als Oberarzt im Schwerpunkt Rheumatologie der Medizinischen Klinik 2 des Universitätsklinikums Würzburg tätig. Von 2008 bis 2010 war er Koordinator des interdisziplinären Rheumazentrums Tübingen (INDIRA) und von 2009 bis 2012 stellvertretender Leiter des Bereiches Rheumatologie in Tübingen.

Quellen

  • Herold und Mitarbeiter, Innere Medizin, Ankylosierende Spondylitis S. 667 - 669, Ausgabe 2017
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie "Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen". Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/060-003p_S3_Axiale_Spondyloarthritis_Morbus_Bechterew_2017-05 (abgerufen am 04. Februar 2019)

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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