Endometriose: Symptome, Diagnose, Therapie

Eine Endometriose kann zu starken Schmerzen vor und während der Monatsblutung und zu Unfruchtbarkeit führen. Oft wird die Krankheit lange nicht erkannt

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 26.09.2018
Schmerzen im Unterleib

Unterbauchschmerzen während der Regel? Dahinter kann eine Endometriose stecken


Kurz zusammengefasst: Was ist eine Endometriose?

Viele Frauen haben eine Endometriose: Dabei verirren sich Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut ähneln, sozusagen an den falschen Platz. Sie siedeln sich beispielsweise im Becken, am Eierstock, an Blase oder Darm an.

Solche Endometrioseherde können ganz ohne Folgen bleiben oder zu unterschiedlich starken Beschwerden führen. Die Krankheit gilt außerdem als wichtige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Da die Symptome vieldeutig sind, vergehen unter Umständen Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Manche Frauen gehen auch nicht zum Arzt, weil sie glauben, sie hätten normale Regelschmerzen. Manche werden zunächst nicht ernst genommen.

Eine sichere Diagnose ist oft nur durch eine Bauchspiegelung möglich. Häufig erfolgt bei diesem Eingriff gleichzeitig eine Therapie. Auch Medikamente kommen zum Einsatz. Weil die genaue Ursache der Krankheit nicht bekannt ist, gibt es bislang keine Heilung.

Wann und wo kann Endometriose auftreten?

Betroffen sind Frauen üblicherweise zwischen Pubertät und Wechseljahren. Denn weibliche Geschlechtshormone haben einen wichtigen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen. Wenn in den Wechseljahren der Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone absinkt, bildet sich die Endometriose oft zurück. Die Beschwerden können nachlassen oder verschwinden.

Je mehr Periodenblutungen eine Frau erlebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, an Endometriose zu erkranken. Deshalb steigt das Risiko, wenn die allererste Regelblutung sehr früh im Leben einsetzt, und wenn der Menstruationszyklus generell kurz ist – wenn also viele Blutungen pro Jahr auftreten.

Endometrioseherde finden sich häufig am Bauchfell des Beckens, an den Eierstöcken, der Gebärmutterwand oder an anderen Beckenorganen wie Blase oder Darm. Sehr selten sind Endometrioseherde an weiter entfernten Stellen feststellbar, etwa der Lunge oder im Nabel, der dann nässen, jucken oder schmerzen kann.

Übersichtsgrafik der Herde im Bauchraum einer Frau

Symptome: Woran erkennt man eine Endometriose?

Eine Endometriose kann völlig unbemerkt bleiben. Manche Frauen haben nur leichte Beschwerden, andere leiden sehr stark unter der Krankheit.

Es gibt auch keinen direkten Zusammenhang zwischen der Ausdehnung der Endometriose und der Stärke der Symptome. Sehr kleine Endometrioseherde können sehr ausgeprägte Probleme verursachen, große können symptomlos bleiben – und umgekehrt.

Mögliche Anzeichen einer Endometriose sind:

  • Starke, oft krampfartige Schmerzen während der Monatsblutung
  • Wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch, besonders in der zweiten Hälfte des Monatszyklus
  • Verstärkte Monatsblutung, Zwischenblutungen
  • Bauch- und Rückenschmerzen, die eventuell in die Beine ausstrahlen
  • Schmerzen beim oder nach dem Sex
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen oder Probleme beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen
  • Blutungen aus Blase oder Darm
  • Blähungen, Durchfall oder Verstopfung

Alle diese Symptome können jedoch auch andere Ursachen haben. Die Beschwerden können sich unterscheiden, je nachdem, wo sich die Schleimhautzellen irrtümlich angesiedelt haben.

Charakteristisches Zeichen der Erkrankung ist der wiederkehrende Unterleibsschmerz. Seine Stärke schwankt typischerweise im Verlauf des Monatszyklus. Die Beschwerden verschlechtern sich zunächst mit einem Maximum kurz vor oder während der Periodenblutung. Dann bessern sie sich wieder.

Warum kehren die Schmerzen oft periodisch wieder?

Die Gebärmutterschleimhaut durchläuft unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone einen ungefähr monatlichen Zyklus. Bis zum Eisprung wächst die Schleimhaut normalerweise in der Gebärmutterhöhle und wird dicker. So ist die Schleimhaut zum Zeitpunkt des Eisprungs optimal vorbereitet, ein befruchtetes Ei aufzunehmen. Bleibt die Befruchtung aus, sinkt die Konzentration des Hormons Progesteron im Blut ab, die Gewebeschicht wird abgestoßen – als Periodenblutung. Danach beginnt der Zyklus von vorne. Dieser etwa monatliche Kreislauf beginnt in der Pubertät und endet in den Wechseljahren.

Auch die Schleimhaut, die sich bei einer Endometriose an die falsche Stelle im Körper verirrt hat, reagiert auf die weiblichen Geschlechtshormone und macht diesen normalen Zyklus mit. Sie wächst und wird anschließend wieder abgebaut. Wie in der Gebärmutter kommt es dabei auch zu einer Blutung. Je nachdem, wo sich die Schleimhaut befindet, kann das Blut aber nicht nach außen abfließen, und muss langsam vom Körper abgebaut werden. Dabei können blutgefüllte Zysten, Reizungen oder Entzündungen entstehen.

Die Auf- und Abbauvorgänge in den Schleimhautzellen erklären die schwankende Stärke der Beschwerden. Allerdings können manche Probleme schließlich auch dauerhaft bestehen bleiben. Zum Beispiel führen die verirrten Schleimhautzellen manchmal zu Verwachsungen im Gewebe oder zu anhaltenden Nervenreizungen. Dann werden die Beschwerden chronisch.

Manchmal wird eine Endometriose erst entdeckt, weil nach Gründen für eine ungewollte Kinderlosigkeit geforscht wird. Endometriose gilt als häufige Ursache einer weiblichen Unfruchtbarkeit, und kann Schuld an einem unerfüllten Kinderwunsch sein. So können Verklebungen oder Verwachsungen an den Eileitern dazu führen, dass die Eizelle nicht ungehindert in die Gebärmutter wandern kann.

Ursachen: Wie entsteht eine Endometriose?

Die genauen Ursachen der Krankheit sind unklar. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung der Endometriose:

Eine Theorie geht davon aus, dass Schleimhautzellen von ihrem eigentlichen Ursprungsort (der Gebärmutterhöhle) wegtransportiert werden und sich an anderer Stelle wieder ansiedeln. Das könnte zum Beispiel dann passieren, wenn die Monatsblutung nicht nur durch die Scheide abfließt, sondern ein Teil sozusagen rückwärts durch die Eileiter in die Bauchhöhle gelangt. Das kommt durchaus bei vielen Frauen vor. Trotzdem erkrankt nicht jede Frau an einer Endometriose.

Experten vermuten, dass Besonderheiten des Immunsystems dazu beitragen, dass sich die verschleppten Zellen am falschen Ort einnisten können. Die Zellen werden möglicherweise auch über Blut- und Lymphgefäße oder während einer Operation verschleppt.

Eine weitere Theorie lautet, dass sich die Schleimhautzellen außerhalb der Gebärmutterhöhle neu bilden – zum Beispiel aus bestimmten Zellen, die während der Entwicklung im Mutterleib aus dem gleichen Ursprungsgewebe entstanden sind wie die Zellen der Gebärmutterschleimhaut.

Da die Erkrankung in machen Familien gehäuft auftritt, ist eine gewisse erbliche Veranlagung anzunehmen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Außerdem fragt er, ob nahe Verwandte (Mutter, Schwester) an Endometriose erkrankt sind – ein möglicher Hinweis auf eine familiäre Veranlagung. Nach der Befragung folgt die frauenärztliche Untersuchung. Der Arzt tastet Scheide, Bauchdecke und Enddarm ab.

Bei einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide (transvaginale Sonografie) können größere Endometriosebereiche eventuell erkennbar werden. Kleinere Stellen sind dabei aber meist nicht sichtbar. Bei entsprechenden Symptomen kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs angebracht sein. Der Arzt überprüft, ob Endometrioseherde auf die Harnleiter drücken und so einen Harnstau in der Niere verursachen. Manchmal kommt zusätzlich eine Kernspinuntersuchung (MRT) zum Einsatz.

Bei Blutungen aus Darm oder Blase werden diese Organe eventuell mit Hilfe einer Spiegelung (Endoskopie) untersucht, um andere Krankheiten auszuschließen.

Sicher nachweisen lässt sich die Endometriose meist nur durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei handelt es sich um eine kleine Operation. Ob sie erforderlich ist, oder ob bereits der Verdacht auf Endometriose ausreicht, um versuchsweise eine Therapie zu beginnen, sollte individuell entschieden werden. Oft wird die Bauchspiegelung aber nötig sein. Allerdings gibt es bei jedem Eingriff – wie bei jedem Eingriff - auch Risiken, etwa Wundheilungsstörungern.

Bei der Spiegelung führt der Arzt über mehrere kleine Hautschnitte dünne optische Instrumente in den Bauchraum ein. Mit ihrer Hilfe kann der Arzt in die Bauchhöhle sehen und die darin liegenden Organe auf Endometrioseherde untersuchen. Er entnimmt Gewebeproben, die unter dem Mikroskop untersucht werden. So lässt sich der Krankheitsverdacht bestätigen.

Besteht ein unerfüllter Kinderwunsch, kann der Arzt im Rahmen einer Bauchspiegelung außerdem die Durchgängigkeit der Eileiter testen. Während des Eingriffs können erkrankte Stellen eventuell auch gleich behandelt werden.

Therapie: Was hilft bei Endometriose?

Wenn eine Endometriose keine Probleme verursacht und sich nicht verschlimmert, ist üblicherweise keine Therapie erforderlich. Engmaschige ärztliche Kontrollen sind aber ratsam.

Die Ursache der Endometriose ist nicht bekannt. Deshalb gibt es auch noch keine gezielte Therapie, die die Krankheit heilen könnte.

Doch es gibt Behandlungsmöglichkeiten. Welche Therapie oder Therapiekombination am besten geeignet ist, sollte individuell entschieden werden. Das Alter der Frau spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, ob die Familienplanung abgeschlossen ist oder ein Kinderwunsch besteht.

Operation bei Endometriose

Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) – eine kleine Operation – ist oft erforderlich, um die Diagnose zu sichern (siehe Abschnitt Diagnose). Dieser Eingriff bietet gleichzeitig die Möglichkeit zur Therapie. Insbesondere bei ausgedehnter Endometriose ist die operative Entfernung betroffener Stellen oder eine Verödung (zum Beispiel mit Strom oder Laser) die Methode der Wahl. Eine Operation ist auch dann nötig, wenn Gewebe auf den Harnleiter drückt, so dass ein Harnstau in der Niere entsteht. Wird diese Störung nicht behoben, könnte die Niere Schaden nehmen. Es gibt außerdem Hinweise, dass die Entfernung von Endometriose-Gewebe bei ungewollter Kinderlosigkeit günstig ist, dass sich im Anschluss an den Eingriff die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöht.

Je nach Lage der Endometrioseherde kann auch eine Operation durch die Scheide möglich sein. Manchmal ist ein umfangreicherer operativer Eingriff mit Bauchschnitt (Laparotomie) notwendig – vor allem bei einer ausgedehnten Erkrankung mit Befall von Blase, Darm oder anderen Strukturen. Diese Operation sollte im Vorfeld gut geplant sein. Nach Möglichkeit sollte der operierende Arzt viel Erfahrung mit Endometriose-Behandlung haben, zum Beispiel in einem zertifizierten Endometriosezentrum beziehungsweise mit Ärzten anderer relevanter Fachgebiete zusammenarbeiten. Über die möglichen Vor- und Nachteile des Eingriffs sollte die Patientin zuvor ausführlich mit dem Arzt sprechen. Auch nach einer Operation kann die Krankheit erneut auftreten und wieder Probleme bereiten.

Ist die Familienplanung abgeschlossen, kann je nach Fall eventuell eine Entfernung beider Eileiter und Eierstöcke und / oder eine Gebärmutterentfernung infrage kommen. Dieser Schritt muss aber gut überlegt und geplant sein, und kann dann als allerletzte Option in Betracht gezogen werden.

Medikamente bei Endometriose

Verschiedene Medikamente kommen bei einer Endometriose zum Einsatz:

Schmerz- und krampflösende Medikamente können bei Bedarf belastende Beschwerden lindern. Allerdings können sie auch Nebenwirkungen haben. Die Einnahme sollte mit dem Arzt abgesprochen werden.

Der Arzt kann bestimmte hormonelle Verhütungsmittel (Gestagen-betonte "Anti-Baby-Pille" oder "Hormospirale") oder Hormonpräparate (GnRH-Analoga) verschreiben, die den Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone auf die Endometriosezellen dämpfen und / oder die Monatsblutung unterdrücken. Die Krankheit wird auf diese Weise sozusagen eine Weile stillgelegt. Die Hoffnung ist, dass sich das Endometriose-Gewebe in dieser Phase zurückbildet.

Oft stellt sich der gewünschte Effekt allerdings nur kurzfristig ein und die Krankheit kehrt wieder zurück, sobald die Therapie unterbrochen wird. Insbesondere bei GnRH-Analoga können außerdem Nebenwirkungen auftreten – wie Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen. Bei ausgedehnter Endometriose und für Frauen mit Kinderwunsch sind Medikamente allein meist keine dauerhafte Lösung.

Frauen, die trotz Endometriose schwanger geworden sind (beispielsweise über eine künstliche Befruchtung) können hoffen, dass sich die Krankheit nach der Schwangerschaft bessert. Denn auch eine Schwangerschaft kann die Endometriose "eintrocknen", so dass sie weniger aktiv ist.

Manche Frauen testen ergänzende Therapien wie Entspannungsmethoden oder verändern ihre Ernährung. Ob das die Beschwerden bei Endometriose lindern kann, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Eine Studie deutet zumindest darauf hin, dass Akupunktur gegen Schmerzen hilfreich sein kann.

Nicht in jedem Fall gelingt es, alle Beschwerden zu lindern. Eine fundierte Schmerztherapie ist dann wichtig. Auch wird nicht jede Endometriose-Patientin mit Kinderwunsch schwanger werden. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, mit der Krankheit besser zu zurecht zu kommen. Adressen von Selbsthilfegruppen und weitere Informationen, zum Beispiel zu zertifizierten Endometriosezentren, bietet die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (siehe Link weiter unten).

Dr. med. Guenter Raab

Beratender Experte

Dr. med. Günter Raab ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Privatdozent an der TU München. Neben seiner Praxistätigkeit im Zentrum für Frauenmedizin im Schäfflerhof, München, arbeitet er als Belegarzt in der WolfartKlinik in Gräfelfing. Neben allgemeiner Gynäkologie und Geburtshilfe sind seine Spezialgebiete die operative Gynäkologie und Brusterkrankungen.

Quellen:

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Stand 08/2013: Diagnostik und Therapie der Endometriose

Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie, Heidelberg Berlin, Springer Verlag, 2013

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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