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Verstopfung (Obstipation)

Bei Darmverstopfung (Obstipation) ist die Stuhlentleerung erschwert, unvollständig, oder sie erfolgt zu selten. Mehr zu den Ursachen und was gegen Darmträgheit hilft

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 23.04.2019
Fernreise

In der Regel harmlos: die Reise-Obstipation


Wer kennt das nicht: Man ist endlich am Urlaubsziel angekommen, nur der Darm offenbar noch nicht so recht. Er braucht einfach ein paar Tage, um sich umzustellen, sich an den plötzlich entspannten Rhythmus, eine ungewohnte Kost, Wärme oder Hitze, oft auch Flüssigkeitsmangel anzupassen.

Es dauert nicht lange, spätestens bis zur Rückkehr nach Hause, und alles hat sich wieder eingespielt. So in etwa verläuft häufig eine Reise-Obstipation, Paradebeispiel einer Gelegenheitsverstopfung. Übrigens: Auch nach einem Reisedurchfall kann es vorübergehend zu Verstopfung kommen.

Anders verhält es sich bei chronischer Verstopfung (Fachbegriff: primäre (funktionelle) Obstipation; primär bedeutet, dass keine andere Ursache vorliegt). Die Häufigkeit der Darmentleerung schwankt bekanntlich von Mensch zu Mensch.

Meistens beträgt die Frequenz mindestens dreimal pro Woche (Bandbreite dreimal pro Tag bis dreimal pro Woche). Wann liegt eine Verstopfung vor? Und was steckt dahinter?

Verstopfung: Kurz zusammengefasst

Ärzte kennen drei Hauptgruppen:
1. Primäre, funktionelle Verstopfung

  • Diese recht häufige Form der Verstopfung liegt vor, wenn mindestens zwei der nachfolgenden Symptome bei mindestens jedem vierten Stuhlgang vorhanden sind:

    • Eindruck einer unvollständigen Entleerung
    • Gefühl der Blockierung (trotz Stuhldrang kein Stuhlgang)
    • Starkes Pressen bei der Darmentleerung
    • Harter oder klumpiger Stuhl
    • Es muss manuell nachgeholfen werden.
    • Über einen längeren Zeitraum (Stuhltagebuch!) weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche (optional; die Stuhlfrequenz kann auch normal sein)

Die Erfahrung, dass auf Dauer nur Abführmittel zum gewünschten Erfolg führen, ist zwar ein Teil des Problems, gehört aber nicht zur Definition der chronischen Obstipation.
Bei primärer (funktioneller) Obstipation unterscheiden Ärzte außerdem zwei Formen:

  • Slow transit-Obstipation: Zu langsame Passage des Darminhalts (zwei bis fünf Tage), Völlegefühl, häufig geblähter Bauch
  • Normal transit-Obstipation: Mutmaßlich sehr harter Stuhl mit Passageschwierigkeiten; die Entleerungsfrequenz ist noch normal. Manchmal steckt auch ein Reizdarmsyndrom dahinter.

2. Enddarmprobleme: Anorektale Entleerungsstörungen

  • Funktionell: Verkrampfung am Darmausgang (Anismus), Beckenbodenschwäche
  • Organisch: Mastdarmvorfall, Analfissur, Hämorridalvenenthrombose, Aussackung der Mastdarmvorderwand in die Scheide (Rektozele), Enddarmentzündung (Proktitis)

3. Sekundäre Verstopfung

Hier sind andere Krankheitsursachen sowie Medikamente für eine Obstipation verantwortlich.

Verstopfung: Damit ist man nicht allein

Viele Menschen haben den Eindruck, verstopft zu sein. Durch einen trägen Darm fühlt sich mehr als ein Drittel der Bevölkerung beeinträchtigt, Frauen wesentlich häufiger als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere.

Belastbare Zahlen sind etwas niedriger: Danach haben europaweit etwa 15 Prozent der Menschen mit Obstipation zu kämpfen.

Abführmittel (siehe nachfolgend) sind da natürlich willkommen. In der Tat behandelt sich die Mehrzahl der Menschen bei Obstipation selbst.

Mit der Zeit kann der Darm jedoch kontraproduktiv reagieren und seine Ansprechbarkeit auf die normalen Signale, etwa Füllungsreize, verlieren. Es kann zu einem Mangel an Kalium kommen, der die Verstopfung verstärkt. Womöglich entsteht ein Teufelskreis.

Bei anhaltender oder neu aufgetretener Verstopfung tut man gut daran, den Arzt hinzuziehen, insbesondere im Alter ab 50 Jahren. Er kann einer womöglich zugrunde liegenden Krankheit rasch auf die Spur kommen. Mit der Behandlung ist dann in der Regel auch die Verstopfung vom Tisch. Allerdings gibt es auch Situationen, zum Beispiel neurologische Störungen, die eine unbegrenzte Anwendung von Abführmitteln und/oder Entleerungshilfen notwendig machen.

! Info für Männer und Frauen ab 50 Jahren: Nutzen Sie die Möglichkeiten zur allgemeinen Darmkrebsfrüherkennung (Screening). Das kostenlose, organisierte Vorsorgeangebot ist teilweise alters- und geschlechtsspezifisch ausgelegt. Fragen Sie auch Ihren Hausarzt.

Abführmittel auf einen Blick

Wichtig: Abführmittel gibt es in verschiedenen Zubereitungen, etwa als Tabletten, Dragees, Tropfen, lösliches Pulver oder Zäpfchen. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Darmkrämpfe und Durchfall. Letzterer kann auch auf eine Überdosierung hinweisen.

Zur Dauer der Anwendung und Dosis fragen Sie am besten den Arzt oder Apotheker. Informieren Sie sich auch anhand der Gebrauchsinformation. Bei akuten Magen-Darmentzündungen, Verdacht auf einen Darmverschluss und Störungen des Flüssigkeits- und Salzhaushalts zum Beispiel kein Abführmittel einnehmen. Hier ein Kurzüberblick:

  • Osmotische (wasserziehende) Abführmit Polyethylenglykol (PEG, Makrogol): Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Blähungen; Lactulose: Wird von Bakterien im Dickdarm gespalten, dabei entstehen Milchsäure und osmotisch aktive Teilchen. Gegenanzeige: unter anderem Galaktoseintoleranz.
  • Salinische (salzartige) Abführmittel: Magnesiumsulfat (Bittersalz): Gegenanzeigen: unter anderem Nierenschwäche; Natriumsulfat (Glaubersalz): Gegenanzeigen: Bluthochdruck, Herzschwäche, Ödeme, Nierenschwäche.
  • Stimulatorische (die Darmbewegungen fördernde) Abführmittel: Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Sennoside (aus Sennes-Blättern und Früchten): Vermehrter Übertritt von Wasser und Salzen in den Darm, Gefahr des Kaliumverlustes (Hypokaliämie) mit verstärkter Verstopfung.
  • Prucaloprid (sogenannter selektiver Serotonin (5HT4)-Rezeptor-Agonist): Erhöht die Bewegungen des Dickdarms, beschleunigt die Darmpassage, fördert die Darmentleerung. Das Medikament verordnet der Arzt bei chronischer Verstopfung, die auf andere Mittel nicht anspricht. Zu den Gegenanzeigen gehören bestimmte entzündliche Darmerkrankungen, Darmverschluss, bestimmte Herzrkrankungen.
  • Gegen schwere Verstopfung bei einer Schmerztherapie mit Opiaten setzen Ärzte Opiatantagonisten wie Methylnaltrexon und andere Substanzen ein.
Frau mit Medikament

Das sollten Sie auch beachten, wenn Sie Abführmittel anwenden:

  • Wenn möglich kein gewohnheitsmäßiger Gebrauch.
  • Möglichst niedrige Dosierung wählen (gegebenenfalls Rücksprache mit dem Arzt).
  • Egal ob mit oder ohne Therapie: Bei akuten Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, anhaltender unklarer Verstopfung oder akuten Bauchbeschwerden zum Arzt gehen.
  • Ohne Abführmittel auszukommen und den Lebensstil darmfreundlicher zu gestalten (mehr im Abschnitt "Selbsthilfe bei Verstopfung") ist immer einen Versuch wert.

Alarmzeichen akute Verstopfung?

Von der gewohnheitsmäßigen Darmträgheit wird die akute Obstipation unterschieden. Streikt der Darm plötzlich, kann das ein Warnzeichen sein. Das gilt insbesondere, wenn weitere Beschwerden dazu kommen, etwa Blut im Stuhl, Gewichtsverlust und Müdigkeit.

Alamsymptome wie

  • aufgetriebener Bauch,

können einen Darmverschluss signalisieren (siehe ganz unten, Abschnitt: "Akute Verstopfung – Darmverschluss?"). Das ist mehr als Verstopfung, nämlich ein Notfall, der schneller Hilfe im Krankenhaus bedarf. Rufen Sie den Arzt, ist er nicht erreichbar, den Notarzt.

Interaktive Grafik: Verdauung

Die Stationen der Verdauung

Um mehr zu erfahren, bitte auf die Punkte 1 bis 7 tippen

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Warum der Darm zu träge werden kann

Der Darm ist im Durchschnitt acht Meter lang. Das bedeutet viel Verdauungsarbeit. Er besteht aus dem Dünndarm und dem Dickdarm. Letzterer setzt sich aus dem Blinddarm, dem Grimmdarm (Kolon) und dem Enddarm zusammen.

Zum Enddarm gehören der Mastdarm (Rektum) und der eigentliche Darmauslass mit seiner Schließmuskelkonstruktion (After, Anus oder Analkanal, auch Kontinenzorgan genannt). Die Auskleidung des extrem feinnervigen Analkanals weist Übergänge von der äußeren Haut zur inneren Darmscheimhaut auf.

Während der innere Schließmuskel nicht willkürlich beeinflussbar ist, unterliegt der äußere der bewussten Kontrolle.

Die Dickdarm- oder Kolonpassage etwa kommt normalerweise durch ergiebige Pump- beziehungsweise Durchwalkbewegungen (Peristaltik) der Darmmuskulatur zustande. Was hier alles hineinspielt, ist noch nicht vollständig erforscht.

Die eigentliche Entleerung ist ein kompliziert regulierter Vorgang, den zahlreiche Nervenverschaltungen zwischen dem Kontinenzorgan am Darmende, Rückenmark, Gehirn und Psyche bewerkstelligen.

Für eine Verstopfung auf der Darmpassage ist vor allem ein verändertes oder gestörtes Zusammenspiel der Empfindungs- und Bewegungsnerven sowie der Muskeln des Darms ausschlaggebend. Die Hauptkomponenten sind:

  • das darmeigene Nervensystem, auch als "Gehirn im Darm" bezeichnet
  • die Muskulatur der Darmwand
  • sogenannte Schrittmacherzellen im Darm

Krankheiten oder Funktionsstörungen des Körpers können diese Komponenten einzeln oder kombiniert beeinträchtigen. Das sind zum Beispiel Stoffswechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Muskelerkrankungen, die auch die Darmmuskeln in Mitleidenschaft ziehen können, Krankheiten des zentralen Nervensystems (Rückenmark, Gehirn). Einige hier relevante Erkrankungen sind erblich.

Natürlich spielen auch Darmerkrankungen und Medikamente als mögliche Verstopfungsursachen eine wichtige Rolle.

Die Darmentleerung kann durch Veränderungen, die zu einer Funktionsstörung der Beckenbodenmuskulatur führen, behindert sein. Aber auch andere krankhafte Entwicklungen spielen hier eine Rolle. Mehr dazu weiter unten unter "Formen und Ursachen von Verstopfung".

Frau mit Bauchschmerzen

Geregelte Darmtätigkeit: Mythen und Empfehlungen

Dass eine Verstopfung zum kompletten Stuhlverhalt durch blockierende Kotballen (Fachbegriff: Koprostase) führt, ist bei sonst gesunden Menschen eher selten der Fall.

Entsprechende Ängste sind also in der Regel hier unbegründet, ebenso Ängste vor einer "Vergiftung" des Körpers bei nicht täglichem Stuhlgang.

Auch ist nicht klar belegt, dass Ballaststoffmangel, zu geringe Trinkmengen und Bewegungsmangel die Ursachen von Verstopfung sind. Offenbar tritt unter diesen Umständen eine chronische Verstopfung häufiger zutage, insbesondere wenn die Ballaststoffzufuhr sehr niedrig ist.

Aber: Faserreiche Kost, Ballaststoffzulagen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr, außerdem regelmäßige körperliche Bewegung können die Darmtätigkeit regulieren helfen. Daher gehören Bemühungen in dieser Richtung weiterhin zu den empfohlenen Maßnahmen gegen Verstopfung.

! Tipp: Wer Ballaststoffe zu sich nimmt, sollte langsam damit beginnen. Schon ganz allgemein beträgt übrigens die empfohlene tägliche Trinkmenge rund 1,5 bis zwei Liter.

Trinkmengen, die weit darüber hinausgehen, haben keinen zusätzlichen Effekt auf den Darm. Für herz- oder nierenkranke Patienten gibt es zudem oft individuelle Empfehlungen vom Arzt. Mehr im Abschnitt "Selbsthilfe bei Verstopfung".

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Begünstigen bestimmte Alltagszwänge eine Darmverstopfung?

Auch manche Gegebenheiten im Job laufen nach Auffassung vieler einer geregelten Darmtätigkeit zuwider. Stichworte: viel Sitzen, Aufschieben des Stuhlgangs trotz Stuhldrangs wegen eng getakteter Termine, überhaupt Hektik und Stress.

Menschen, die beruflich wechselnden Tag-Nacht-Rhythmen ausgesetzt sind, klagen häufiger über Verstopfung: Ob es rastlos durch die Welt jettende Langstreckenreisende sind oder Angehörige von Pflegediensten, die häufig Nachtschichtarbeit leisten – sie und viele andere Berufsgruppen arrangieren sich notgedrungen mit ihrer jeweiligen "Zwangslage".

Es sind zweifellos keine darmfreundlichen Lebensumstände. Experten werten sie aber ebenfalls eher als Schrittmacher, die eine Verstopfung bei entsprechend vorhandener Tendenz begünstigen. Je nach Leidensdruck wäre individuell zu hinterfragen, welcher Art das Gesundheitsproblem genau ist. Sicherheitshalber wäre also ein Gespräch mit dem Arzt ratsam.

Kurzfristige Bettlägerigkeit, Fieber, ungewohnte Hitze (ohne mehr zu trinken) oder eine Reise können durchaus zu vorübergehender Verstopfung führen. Doch das Problem, um das es hier geht, ist vor allem eine das Wohlbefinden anhaltend beeinträchtigende, mithin krankhafte Verstopfung.

Bei längerer Bettlägerigkeit beispielsweise ist zu prüfen, ob das zugrunde liegende Gesundheitsproblem und/oder eventuell auch Medikamente für eine beschwerliche Darmträgheit ausschlaggebend sind.

Glas Wasser

Selbsthilfe bei Verstopfung

Ein träger Darm lässt sich oft durch eine Umstellung der Ernährung in Schwung bringen.

Gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten Erwachsene mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag mit der normalen Ernährung aufnehmen und, falls dem medizinisch nichts entgegensteht, mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit trinken.

Das empfohlene Ballaststoff-Soll entspricht zum Beispiel fünf Portionen Obst oder Gemüse einschließlich Hülsenfrüchten, falls sie vertragen werden. Vollkorn-Müsli und andere Nahrungsmittel aus vollem Korn, Trockenfrüchte und Beerenobst zählen selbstverständlich auch.

Ballaststoffe, zum Beispiel aus Vollkorngetreide oder Hülsenfrüchten, können Wasser sehr gut binden. Zusammen mit der aufgenommenen Flüssigkeit erhöhen sie das Stuhlvolumen und -gewicht. Damit beschleunigen sie die Darmpassage.

Auch ballaststoffhaltige Zubereitungen in Form spezieller Füll- und Quellmittel können den Faseranteil im Essen steigern und so den Darm in Schwung bringen, vorausgesetzt, die Flüssigkeitszufuhr stimmt und es stehen der Anwendung keine medizinischen Gründe entgegen. Dann lassen sich manchmal auch Abführmittel einsparen.

Dass Genussmittel wie Koffein den Darm anregen können, während etwa Schokolade oder Kakao ihn bremsen, ist allgemein bekannt. Alles, was verstopfend wirkt, beispielsweise auch Weißbrot, ist bei Neigung zu Verstopfung natürlich tabu.

! Tipp: Ballaststoffzulagen langsam einschleichend anwenden, um den Darm an die neue Kost zu gewöhnen. Weitere Empfehlungen siehe oben (Abschnitt "Geregelte Darmtätigkeit...").

Leber abtasten

Verstopfung: So stellt der Arzt die Diagnose

Die Untersuchung beginnt mit dem Gespräch über die Beschwerden. Eine der wichtigsten Fragen lautet, wie lange die Verstopfung schon besteht. Außerdem interessieren den Arzt weitere mögliche Auffälligkeiten wie etwa eine wechselhafte Stuhlbeschaffenheit und -frequenz, also beispielsweise Durchfall und Verstopfung im Wechsel, Farbveränderungen des Stuhls, Auflagerungen mit Schleim und/oder Blut, Schmerzen bei der Darmentleerung und Blut am After.

Manchmal ist es hilfreich, eine Zeit lang ein Stuhltagebuch zu führen.

Der Arzt muss auch wissen, ob aktuell Bauchschmerzen, stärkere Blähungen oder gar eine Überblähung, die sich nicht mehr richtig zu lösen scheint, aufgetreten sind. Hat(te) der Betroffene Fieber, eine Infektionskrankheit, hat er oder sie nennenswert (zehn Prozent oder mehr) an Gewicht verloren oder zugelegt?

Wie steht es mit dem Appetit? Gibt es andere Krankheiten oder Beschwerden, beispielsweise Rückenschmerzen oder Wirbelsäulenprobleme, liegt eine Erkrankung der Gallenblase oder anderer Oberbauchorgane wie Leber oder Bauchspeicheldrüse vor? Wichtig sind außerdem Informationen über Darmerkrankungen in der Familie.

Zur ärztlichen Untersuchung gehören bei Obstipation immer das sorgfältige Abtasten des gesamten Bauches sowie der Leistengegend und die rektal-digitale Austastung. Das ist die Tastuntersuchung des Enddarms mit dem Finger.

Die apparative Diagnostik umfasst je nach Bedarf Laboranalysen in kleinerem oder größerem Umfang, eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane und eine Darmspiegelung (endoskopische Darmuntersuchungen wie Koloskopie/Ileokoloskopie, Sigmoidoskopie, Rektoskopie) mit Gewebeentnahmen.

Bildgebende Verfahren wie Computer (CT)- und Kernspin- oder Magnetresonanztomografie (MRT) können mitunter ebenfalls notwendig sein, seltener speziellere technische Prozeduren. Diese können gelegentlich den oberen Verdauungstrakt, also Magen, Speiseröhre und Dünndarm, oder Bestimmungen der Transitzeit des Darms betreffen.

Anhand einer anorektalen Manometrie, einer sogenannten Defäkografie, eines Ballonexpulsionstests und einer elektromyografischen Untersuchung (Elektromyografie) lassen sich die Funktionstüchtigkeit des Enddarms und Schließmuskelgefüges am Darmausgang sowie das Zusammenspiel mit dem Beckenboden überprüfen.

Es kann nötig sein, Ärzte verschiedener Fachrichtungen zu Rate zu ziehen, von der Magen-Darm-Heilkunde (Gastroenterologie), Proktologie (Fachkunde für Enddarmerkrankungen) oder Urologie über die Gynäkologie (Frauenheilkunde) bis zur Nervenheilkunde (Neurologe).

Ein Fachgebiet namens Neurogastroenterologie widmet sich sogenannten Motilitätsstörungen – also Störungen der Transporttätigkeit des Darms.

Überblick: Formen und Ursachen von Verstopfung

Slow transit-Obstipation

Die Schubkraft des Darmes ist über den gesamten Dickdarm (Kolon) geschwächt. Diese teilweise sehr ausgeprägte Verstopfungsform liegt etwa bei einem Fünftel aller Betroffenen mit Obstipation vor.

Die genaue Diagnose der verlangsamten Darmpassage lässt sich gegebenenfalls durch die Bestimmung der Transitzeit des Darminhaltes im Dickdarm (Kolontransit) mit einem röntgendichten Stoff stellen (also ein Röntgenverfahren). Der Erkenntnisgewinn ist  hauptsächlich von theoretischem Wert.

Therapie: Die üblichen Strategien gegen Verstopfung wie Allgemeinmaßnahmen (Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr) stehen immer am Anfang der Behandlung. Auch sogenannte Probiotika können die Therapie unterstützen. Manchmal sind diese Maßnahmen nicht ausreichend wirksam.

Falls auch weitere Ballaststoffzulagen und osmotische Laxanzien den Darm nicht in Schwung bringen, setzen Ärzte setzen meist stimulatorisch wirkende Mittel wie Bisacodyl, eventuell kombiniert mit PEG, ein. Des Weiteren kommt Prucaloprid, ein sogenannter Serotonin-Rezeptoragonist, infrage.

Normal transit-Obstipation

Mit dieser Form der Verstopfung haben etwa 75 Prozent der Betroffenen zu tun. Die Dickdarmpassage ist mit etwa zwölf Stunden normal. Ihre "Darmprobleme" bewerten die Betroffenen meistens als Fall für die Selbstbehandlung.

Angepasstes Verhalten (regelmäßige Toilettengänge, mehr körperliche Bewegung) und ballststoffreiche Ernährung helfen erfahrungsgemäß, den Darmentleerungsreflex wieder in Gang zu bringen. Eventuell kommen zusätzlich Quellstoffe oder ein osmotisches Abführmittel in Betracht.

! Achtung: Spätestens wenn diese Methoden nicht helfen, ist eine ärztliche Untersuchung angezeigt (siehe auch Hinweis im Abschnitt: "Verstopfung: Damit ist man nicht allein", weiter oben). Auszuschließen sind vor allem Entleerungsstörungen sowie eine hartnäckige Slow transit-Obstipation. Die Transitzeitbestimmung hilft hier teilweise weiter, sie kann allerdings auch bei Enddarm- (anorektalen) Störungen verlängert sein. Daher sollten sie zunächst abgegrenzt werden.

Manchmal mit Normal transit-Obstipation verbunden: ein Reizdarmsyndrom: Das Krankheitsbild existiert in verschiedenen Ausprägungen, darunter einer Form, bei der Verstopfung im Vordergrund steht.

Symptome: Als Leitsymptom überwiegt entweder Verstopfung oder Durchfall, oder beides tritt im Wechsel auf. Betroffene leiden allerdings häufig auch unter Blähungen, Darmgeräuschen, vor allem aber unter wiederholten, stechenden oder krampfartigen Bauchschmerzen. Diese hängen nicht direkt vom Stuhlgang selbst ab; vielmehr bringt er typischerweise Erleichterung.

Die Therapie richtet sich nach den vorherrschenden Beschwerden. Eine Ernährungsberatung – zum Beispiel zu einer sogenannten Fodmap-Diät – und Entspannungsverfahren wie etwa progressive Muskelentspannung nach Jacobson gehören zum Behandlungskonzept. Auch bestimmte Medikamente kommen zum Einsatz. Zum Nachlesen: Ratgeber "Reizdarmsyndrom".

Probleme am Enddarm (Anorektale Entleerungsstörungen)

Abszesse, Hämorriden, Prolaps & Co.: Dabei geht es zum einen um eitrige Gewebeeinschmelzungen (Abszess) sowie Fisteln, also krankhafte Verbindungsgänge etwa zwischen Enddarm und Haut. Zum anderen können Verengungen des Analkanals, schmerzhafte Afterrisse, Analekzeme und Hämorriden den Stuhlgang stören. Deutlich behindern kann ihn ein Vorfall der Mastdarm- oder Analschleimhaut (Prolaps).

Darmteile können sich während der Entleerung in den Beckenraum absenken und auf den Enddarm drücken, Darmaussackungen sich mit Stuhl füllen (sogenannte Zelen), anstatt diesen freizugeben. Auch größere Darmpolypen, Mastdarmkrebs und Afterkrebs sind mögliche Stuhlgangshindernisse, womit längst nicht alle Enddarmerkrankungen aufgezählt sind. Polypen und Krebsgeschwülste sind zudem Beispiele für Erkrankungen, die auch in den anderen Darmabschnitten auftreten können.

Da die Afterregion extrem druck- und schmerzempfindlich ist, genügen schon geringfügige Veränderungen oder Reizungen, um Verkrampfungen auszulösen. Um auszuschließen, dass ein organisches Passagehindernis vorliegt, sollten Betroffene sich ein Herz fassen und lieber früher als später zum Arzt gehen.

Funktionsstörungen der Schließmuskulatur am Darmausgang

Zur Info vorab: Der muskulöse, schüsselförmige Beckenboden schließt die Bauchhöhle nach unten ab. Durchlässe gibt es für Harnröhre und Mastdarm, bei der Frau auch für die Scheide. Der Afterschließmuskel ist mit dieser hochkomplizierten Konstruktion eng verwoben. Beim Stuhlgang ist der Beckenboden entspannt.

Beckenbodendyssynergie: Bei diesem Problem wird die Darmentleerung durch eine Störung des Zusammenspiels der Muskeln am Darmausgang behindert. Die Bauchpresse und damit der Druckanstieg im Enddarm löst einen übersteigerten Spannungsreflex und eine zu geringe Lockerung im Schließmuskelapparat aus.

Die Koordinationsstörung wird auch paradoxe Schließmuskelverspannung genannt, denn eigentlich soll der willkürlich erhöhte Druck der Bauchmuskeln dabei helfen, den Analkanal zu verkürzen, den Ausgang zu öffnen und so die Darmentleerung zu vollbringen. Frauen sind vermehrt betroffen.

Eventuell kann ein Biofeedback-Training für den Beckenboden dazu beitragen, die Verspannungen abzubauen. Wichtig ist immer die genaue Diagnose.

Schädigung bestimmter Nervenzellen im Rückenmark oder Gehirn: Hier sind  ebenfalls ungünstige Auswirkungen am Darmende möglich (siehe Abschnitt "Nervensystem und Psyche"). So kommen im Rahmen einiger neurologischer Krankheiten, zum Beispiel sogenannter Motoneuronerkrankungen, eine Verkrampfung (Spastik) des Schließmuskels oder aber Störungen der anorektalen Funktionen wie der Anismus vor. Dabei treten jeweils paradoxe, unwillkürliche Kontraktionen der Schließmuskeln auf, die gezielte Muskelaktionen am Darmausgang zum Zwecke der Entleerung behindern. Die Krankheitsbilder sind insgesamt selten.

Schließlich gibt es am Beckenboden auch Fehlbildungen. Weitaus häufiger sind Absenkungen, zum Beispiel nach mehreren Schwangerschaften und im höheren Alter. In der Folge kann es sowohl zu Darmentleerungsstörungen als auch zu Kontinenzproblemen kommen.

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse

Spezielle Ursachen für Verstopfung (sekundäre Obstipation)

Hormone & Stoffwechsel

Schilddrüse & Co.: Was hat die Schilddrüse mit dem Darm zu tun? Eine ganze Menge. Es gibt kaum einen Körpervorgang, der nicht von Schilddrüsenhormonen beeinflusst würde. Dementsprechend kann eine maßgebliche Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit einer Reihe anderer Krankheiten verwechselt werden.

Viele Abläufe im Körper, so auch die Darmtätigkeit, arbeiten bei Schilddrüsenhormonmangel im Schneckentempo, da die Nervenfasern extrem langsam schalten. Die lange Leitung im Darm kann zu deutlicher Verstopfung führen. Unter anderem weisen eine sehr trockene, kühle, teigige und schuppende Haut, starke Kältempfindlichkeit und geistige Antriebsarmut auf das Minus bei den Schilddrüsenhormonen hin.

Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus): Ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) stört die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel. Dies gilt auch für die Darmmuskulatur. Die Betroffenen neigen neben Verstopfung unter anderem zu Durst, Nierensteinen, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit, Depressionen, Verwirrtheit. Schlimmstenfalls droht ein Koma. Für die Hormonstörung gibt es wiederum zahlreiche Ursachen.

Eine Hyperkalzämie kann auch bei Überdosierung von Vitamin D und anderen arzneilich wirksamen Substanzen oder Medikamenten, ferner bei einer Sarkoidose oder bei Knochenerkrankungen (auch Tumoren oder Metastasen) vorkommen. Zu Nierenerkrankungen als mögliche Verstopfungsursache siehe weiter unten, Abschnitt "Mineralstoffwechsel".

Schwangerschaft: Besonders im letzten Drittel kommt es häufig zu Verstopfung. Einerseits wird der Darm durch den Einfluss steigender Hormonspiegel zunehmend träge, andererseits wird sein Spielraum durch den heranreifenden Embryo und die sich vergrößernde Gebärmutter immer enger. Mehr Bewegung, so gut es geht, gesunde, faserreiche Ernährung (als Neueinsteigerin langsam damit beginnen) und ausreichende Flüssigkeit sind erste Maßnahmen. Im zweiten Schritt können Ballaststoffe wie zum Beispiel Leinsamen ausprobiert werden. Weitere Informationen dazu unter "Beschwerden in der Schwangerschaft: Das hilft" (auf unserem Partnerportal https://www.baby-und-familie.de).

Bei Hämorriden ist zunächst eine gute Analhygiene wichtig. Wohltuend können auch pflegende fetthaltige Salben mit pflanzlichen Extrakten wie etwa Hamamelis sein. Rücksprache mit der Hebamme, bei hartnäckiger Verstopfung mit dem betreuenden Gynäkologen, ist ratsam. Er kann verschiedene Mittel empfehlen, die sich auch für schwangere Frauen eignen.

Hormonschwankungen im Menstruationszyklus: In der zweiten Zyklushälfte leiden viele Frauen unter Darmträgheit. Der Versuch, mit natürlichen Strategien gegenzusteuern, ist immer lohnenswert. Mit dem Eintreten der Periode löst sich die Blockade in der Regel.

Hormonelle Verhütung: Völlegefühl, Blähbauch und Verstopfung können auch einige Präparate zur hormonellen Verhütung mit sich bringen, vor allem zu Beginn der Einnahme. Falls das Problem fortbesteht, kann manchmal ein Wechsel zu einem anders zusammengesetzten Präparat sinnvoll sein.

Zuckerstoffwechsel: Zu hohe Blutzuckerwerte (Diabetes mellitus) greifen viele Organe im Körper an, bevorzugt das Gefäßsystem, aber auch Nerven, etwa im Magen und Darm. Diese autonome Neuropathie kann unterschiedliche Bereiche des vegetativen Systems betreffen. Dieses steuert viele Organfunktionen autonom, ohne unserem Willen zu unterliegen.

Wird die Bwegungsaktivität (Motilität) des Magen-Darm-Traktes beeinträchtigt, kommt es zu Verdauungsproblemen, etwa einer Obstipation. Auch Impotenz, Blutdruckabfälle, vermindertes Schwitzen und gestörte Wahrnehmung von Unterzuckerungen können auf das Konto der autonomen diabetischen Neuropathie gehen.

Mineralstoffwechsel: Bei Nierenversagen (Niereninsuffizienz) kommt es infolge einer Übersäuerung des Körpers und Vitamin D-Mangels – die Nieren bilden nicht mehr genügend von dem aktiven Vitamin – zur verstärkten Kalziumfreisetzung aus dem Knochen ins Blut. Das bedeutet: Der Kalziumspiegel im Blut steigt an (Hyperkalzämie). Zum weiteren Mechanismus hinsichtlich des Darms siehe weiter oben unter Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperkalzämie).

Hypokaliämie bedeutet Kaliummangel. Hier gibt es wiederum viele Auslöser, nicht zuletzt Missbrauch von Abführmitteln, Einnahme wassertreibender Medikamente (Diuretika), Nierenschwäche, Nebennierenüberfunktion, im Übermaß verzehrte Lakritze und vieles mehr. Die durch den Kaliummangel ausgelöste Verstopfung kann schlimmstenfalls in eine Darmlähmung (paralytischer Ileus) münden. Auch die Blasenentleerung und die Tätigkeit der Skelettmuskeln können dann gestört sein.

Systemkrankheiten: Amyloidose und Kollagenosen

Bei einer Amyloidose lagern sich in der Darmwand unlösliche Eiweißsubstanzen ab. Dies behindert die Darmtätigkeit. Eine Amyloidose kann erblich bedingt auftreten oder eine Folge anderer Erkrankungen sein, darunter Bluterkrankungen, Plasmozytom (auch Morbus Waldenström genannt, gehört zu den bösartigen Lymphomerkrankungen).

Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die primär den Darm selbst betreffen, kann sich als Spätkomplikation ebenfalls eine Amyloidose entwickeln.

Kollagenosen sind Bindegewebserkrankungen, die dem rheumatischen Formenkreis zugerechnet werden, zum Beispiel Sklerodermie und Dermatomyositis. Bindegewebe ist fast überall im Körper vorhanden – von den Gefäßen über Nerven, Augen, Gelenke und Haut bis zum Herz und Darm.

Dementsprechend vielfältig sind die jeweiligen Krankheitsbilder. Bei der Sklerodermie ist Obstipation ein häufiges Symptom. Infolge eines Schwunds der Darmmuskulatur, die durch Bindegewebe ersetzt wird, verliert der Darm an Beweglichkeit.

Medikamente begünstigen mitunter Verstopfung

Zahlreiche Medikamente können zu Verstopfung führen. Genannt seien beispielhaft Mittel, die die Bildung der Magensäure reduzieren oder blockieren wie H2-Rezeptorantagonisten (können auch Durchfall auslösen) oder Protonenpumpenblocker, ferner Aluminium- oder kalziumsalzhaltige Magensäurebinder, Colestyramin, Codein, Herz- und Kreislauf-Medikamente wie Kalziumantagonisten und wassertreibende Medikamente, sogenannte Diuretika.

Weiter kommen in Betracht: Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Medikamente gegen Epilepsie, gegen die Parkinson-Krankheit, gegen Blasenschwäche (Harninkontinenz) und gegen krampfartige Schmerzen (Spasmolytika, zum Beispiel gegen Kolikschmerzen).

Starke Schmerzmittel wie Morphinpräparate dämpfen den Darm oft erheblich. Bei Bedarf verordnet der Arzt einen sogenannten Opiatantagonisten (Gegenspieler).

Nervenzellen

Nervensystem, Psyche und Darm

Damit der hochempfindliche Darm gut funktioniert, bedarf es des ungestörten Zusammenspiels zwischen Darm, Nerven und Gehirn. Da es außerdem Verschaltungen mit psychischen Instanzen im Gehirn gibt, ist es eigentlich gut vorstellbar, dass das "System Darm" vielfältig störanfällig ist.

Tatsächlich können auf allen hier genannten Ebenen liegende Krankheiten auch den Darm – Dünndarm wie Dickdarm – beeinträchtigen. Das reicht von Schädigungen peripherer Nerven (siehe zum Beispiel Abschnitt "Zuckerstoffwechsel" weiter oben) über Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen, etwa eine Querschnittslähmung, bis zu Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Demenzerkrankungen oder Hirntumoren.

Auch Erkrankungen auf der psychischen Ebene wie Essstörungen, etwa Anorexia nervosa, sind hier zu nennen. Hier können mitunter gefährliche Entgleisungen des Salzhaushaltes und Stoffwechsels durch missbräuchliche Einnahme von Entwässerungstabletten, Abführmitteln und eine Mangelernährung auftreten. Das kann sich nicht zuletzt auf den Darm ungünstig auswirken.

Spezielle Störungen und Schädigungen von Darmnerven

Fehlende Nervenversorgung, zum Beispiel Hirschsprung-Krankheit: Die angeborene Erkrankung kann familiär gehäuft, aber auch spontan auftreten. Jungen sind dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Es sind verschiedene genetische Muster bekannt.

Wenn nur ein sehr kleiner Bereich des Darms betroffen ist, wird die Diagnose manchmal erst im Erwachsenenalter gestellt. Meist tritt sie jedoch im Säuglings- und Kleinkindalter zutage. Kennzeichnend ist, dass es – meist im unteren Enddarmabschnitt – zum völligen Fehlen der Nervenschaltzellen (Ganglienzellen) kommt. Daraus leitet sich die allgemeine Bezeichnung Aganglionose ab, was so viel wie Abwesenheit von Ganglienzellen bedeutet.

Neben der Hirschsprung-Krankheit gibt es noch andere Varianten der Ganglienstörungen des Darms. Überlappungen mit Slow-transit-Obstipationsformen sind beschrieben.

Bei stärkerer Ausprägung ist der betroffene Darmabschnitt sehr eng und der davor liegende Teil durch Kotstau aufgebläht (Megakolon). Der Schließmuskel kann sich außerdem nicht lockern.
Symptome: Schon im Säuglingsalter kann eine starke Verstopfung mit aufgetriebenem Leib, Bauchschmerzen und Tendenz zum Darmverschluss auftreten.
Die Diagnose ergibt sich in der Regel aus einer Gewebeprobe, die nicht nur Darmschleimhaut, sondern auch darunter liegendes Gewebe enthält (endoskopische Saugbiopsie). Bei Erwachsenen wird eine anorektale Manometrie vorgeschaltet; zeigt sie einen Normalbefund, lässt sich die Hirschsprung-Krankheit damit normalerweise ausschließen.
Die Behandlung ist in der Regel operativ. 

Chronische intestinale Pseudoobstruktion: Diese Bezeichnung beschreibt vorübergehende Blockierungen des Darms, also Episoden mit Symptomen, die einem beginnenden Darmverschluss (siehe Abschnitt ganz unten) ähneln. Es gibt akute und  wiederholt auftretende Formen (chronisch), außerdem solche mit und ohne bekannte Ursachen.

Auslösend können zum Beispiel Veränderungen der zentralen Bewegungselemente der Darmwand sein – Muskelzellen, Nervenzellen oder Schrittmacherzellen. Ärzte kennen hier genetische Ursachen, die etwa als erbliche Nervenkrankheiten (wie sogenannte mitochondriale Neuropathien) oder erbliche Muskeldystrophien in Erscheinung treten.

Oder es sind sekundäre Ursachen, das heißt es kommen darmschädigende Wirkungen anderer Erkrankungen zum Tragen: zum Beispiel Systemkrankheiten wie Amyloidose, Autoimmunkrankheiten wie Kollagenosen oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes (siehe oben).

Die Ursachenliste ist lang, es finden sich darin auch Nebenwirkungen von Medikamenten und Strahlenbehandlungen, Schädigungen durch Akohol, Infektionserreger oder Stoffe, die in Tumoren entstehen. Vorrangig geht es um den Dünndarm, manchmal ist auch die Magen- und/oder Blasenentleerung gestört. Trotz des breiten Hintergrundes: So schwer das Krankheitsbild ist, so selten ist es insgesamt.

Leitsymptome sind ein aufgeblähter Bauch, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Brennen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein wie bei Sodbrennen.
Die Diagnosemaßnahmen entsprechen dem Akutbild, zielen auf den Auschluss einer echten Darmverlegung und sind nach Abklingen der Bauchkrise darauf ausgerichtet, die Ursache zu erkennen.
Die Therapie beinhaltet stadiengerecht spezielle Ernährungsformen, Medikamente wie Prucaloprid (siehe oben: Slow transit-Verstopfung), falls möglich die Behandlung eventueller Grunderkrankungen, Anpassung von Medikamenten und gegebenenfalls chirurgische Maßnahmen.

Erbliche Muskeldystrophien: Bei diesen Muskelerkrankungen werden zahlreiche Formen unterschieden. Die Erkrankungen sind entweder angeboren, oder sie treten im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter auf.
Symptome: Im Vordergrund stehen verkümmmernde, geschwächte Muskeln an Armen und Beinen. Muskelschmerzen, Gangstörungen, eine Innenohrschwerhörigkeit, herabhängende Augenlider, Herzmuskelschäden, beeinträchtigte geistige Entwicklung sind weitere mögliche Symptome. Am Darm führt die Muskeldystrophie zu ständiger Verstopfung.

Chagas-Krankheit: Die durch Bisse von Raubwanzen übertragene Chagas-Krankheit ist in Südamerika heimisch. Es erkranken nicht nur, aber sehr häufig Kinder. Die eigentlichen Erreger sind Parasiten. Sie greifen das Herz und Gehirn, im weiteren Verlauf auch die Ganglienzellen des Darms an. Die Therapie ist schwierig, daher setzen die betroffenen Länder auf Vorbeugung. Eine Impfung gbt es allerdings nicht.
Symptome: Die Parasitose führt zu einer starken, mitunter dramatischen Verstopfung, bei der es auch zu einer Darmblockade mit dem Risiko des Durchbruchs kommen kann.

Notfall: Akute Verstopfung – Darmverschluss?

Als Folge einer Darmentzündung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und andere Entzündungsformen), ferner einer Divertikelkrankheit, aber auch einer Durchblutungsstörung, einer Strahlentherapie oder Operation können sich narbige Verengungen (Strikturen) am Darm bilden und zum Passagehindernis werden.

Möglich sind außerdem Blockaden durch im Darm entstandene Steine (Enterolithiasis, tritt infolge anderer Darmprobleme auf, ist aber eher selten) oder durch einen Fremdkörper.

Manchmal verschließt ein Gallenstein, der die Gallenblasenwand durchbrochen hat, den Darm – meist den Zwölffingerdarm (oberer Dünndarm). Ein Tumor beziehungsweise eine Krebsgeschwulst können den Darm ebenfalls verengen oder blockieren. Darmschlingen können bei einem Leistenbruch eingeklemmt werden.

Auch bei einer akuten Blinddarmentzündung kann die Darmtätigkeit gestört sein. Darüberhinaus gibt es andere mögliche Ursachen. Sie alle können zu einer mehr oder weniger akuten Verstopfung bis hin zum Darmverschluss (hier: mechanischer Ileus) führen. Es sind sämtlich Notfälle, die sofortiger Diagnostik und Behandlung in einer Klinik bedürfen. Darmlähmungen können auch nach einer Darmoperation (reflektorischer Darmstillstand, paralytischer Ileus) oder beispielsweise bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten.
! Wichtig: Bei mutmaßlichem Darmverschluss keine Abführmittel und keine Schmerzmittel in Eigenregie nehmen!

Alamsymptome: Bauchschmerzen oder starke Druckschmerzhaftigkeit des Bauches, teilweise heftige Darmgeräusche (sie können aber auch fehlen), Übelkeit, sich nicht lösende Überblähung, Erbrechen (eventuell auch von Stuhl), Stuhlblockade. 

Ursachenbezogene Therapien bei anhaltender Verstopfung

Je nach Ursache setzen Ärzte verschiedene Therapien ein, die neben bestimmten, auch über einen langen Zeitraum angewandte Abführmitteln spezielle Medikamente umfassen können.

Bei Beckenbodenschwäche oder anderen Enddarmstörungen haben sich teilweise auch Verfahren wie Biofeedback und spezielle Übungen, ein sogenanntes Beckenbodentraining, bewährt.

Nervenstimulationsbehandlungen und operative Therapien sind bei bestimmten, schweren Entleerungsstörungen im Enddarmbereich Optionen, wenn alle anderen Maßnahmen einschließlich Entleerungshilfen wie zum Beispiel verschiedene Zäpchen (rektale Suppositorien), Klistiere oder Irrigatoren nicht ausreichend helfen. Wenn mutmaßlich ein bestimmtes Medikament für eine Verstopfung verantwortlich ist, wird der Arzt es nach Möglichkeit absetzen. Ein Eigenregie sollte man das nicht tun.

Darmverstopfung: Fachliteratur

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin 2019, Köln Gerd Herold
Battegay E (Hrsg.): Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten. Vom Symptom zur Diagnose. Stuttgart New York Georg Thieme Verlag, 21., vollst. überarb. und erweiterte Aufl. 2017

Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, in Zusammenarbeit wit weiteren Fachgesellschaften: Gemeinsame Leitlinie Chronische Obstipiation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 021/019, S2k, Stand: 02/2013. Z Gastroenterol 2013; 51:651, DOI 10.1055/s-0033-1335808

Online: https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/LL_Chronische__Obstipation_Langfassung (in Überarbeitung, abgerufen am 18.04.2019)

S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) zu Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie intestinaler Motilitätsstörungen. AWMF-Registernummer: 021/018, Stand: 01/2011.
Online: https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/intestinale-motilitaetsstoerungen/(in Überarbeitung, abgerufen am 18.04.2019)

S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). AWMF-Registernummer: 021/016, Stand: 02/2011. Online: https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/reizdarmsyndrom (in Überarbeitung, abgerufen am 18.04.2019)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE e.V.): Kohlenhydrate, Ballaststoffe. Online:
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/kohlenhydrate-ballaststoffe/ (Abgerufen am 18.04.2019)

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