Schlafstörungen – Ursachen: Schlafmittel und andere Medikamente

Bestimmte Arzneimittel beeinflussen den Schlaf-Wach-Rhythmus. Einige wirken aufputschend bis in die Nacht hinein. Eine wichtige Ursache von Schlafstörungen sind Schlafmittel selbst

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.04.2018
Frau nimmt Tablette mit einem Glas Wasser ein

Schlafmittel helfen nur für kurze Zeit


Medikamente, die den Schlaf beeinträchtigen können

Dazu gehören vor allem Medikamente, die auf die Nervenbotenstoffe im Gehirn wirken und die Ausschüttung bestimmter Hormone beeinflussen, die für den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus eine Rolle spielen.

Das sind zum Beispiel Appetitzügler, antriebssteigernde Antidepressiva oder Bluthochdruck- und Herzmittel. Einige Medikamente enthalten zudem Koffein, auch rezeptfreie Husten- und Erkältungspräparate.

Tabletten

Werden bestimmte Medikamente, zum Beispiel auch Statine gegen zu hohe Cholesterinwerte, abends genommen, damit sie über Nacht ihre Wirkung entfalten, treten manchmal als Nebenwirkung Ein- oder Durchschlafstörungen auf.

Andere Mittel wie Acetylsalicylsäure können auf Dauer den Magen belasten und Sodbrennen verursachen, das zu Schlafproblemen besonders in den Morgenstunden führt. Es gibt auch Wirkstoffe, die nächtliche Unruhe oder mitunter Alpträume auslösen. Andere, darunter bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika, Mittel gegen Psychosen, lösen möglicherweise ein Restless-Legs-Syndrom aus.

Frau im Bett

Nicht immer kommt es bei solchen Arzneimitteln zu Schlafstörungen. Manche Nebenwirkungen treten auch nur in der Anfangsphase der Behandlung auf und verschwinden nach kurzer Zeit wieder.

Wer das Auftreten von Schlafproblemen mit einem Medikament in Verbindung bringt, das er vom Arzt verschrieben bekommen hat, darf es nicht einfach absetzen. Beraten Sie sich immer mit Ihrem Arzt. Oft hilft es schon, das Mittel zu einem anderen Zeitpunkt einzunehmen oder eine andere Wirkstoffkombination zu wählen.

Mögliche Auslöser für Schlafstörungen: Übersicht über Medikamentengruppen

  • Bluthochdruckmittel wie Betarezeptorenblocker, Kalziumantagonisten und weitere Herz- und Kreislaufmedikamente
  • Statine gegen Fettstoffwechselstörungen
  • Hormonpräparate wie Schilddrüsenmedikamente oder manche Verhütungsmittel (zum Beispiel bestimmte Pillen),
  • Appetitzügler
  • Antriebssteigernde Antidepressiva
  • Psychopharmaka, zum Beispiel Mittel gegen Psychosen (Neuroleptika)
  • Medikamente gegen Asthma und andere Atemwegserkrankungen
  • Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Krankheit
  • Mittel gegen entzündliche Gelenkerkrankungen wie nichtsteroidale Antirheumatika, Malariamittel oder Medikamente aus der Gruppe der Sulfonamide
  • Antibiotika
  • Kortison
  • Schmerz- und Migränemittel
  • Koffeinhaltige Schmerz-, Husten- und Grippemittel
  • Manche Antihistaminika, zum Beispiel einige Mittel gegen Allergien, Juckreiz oder Magenbeschwerden

Schlaflosigkeit durch Schlafmittel

Es mag zunächst verwundern, aber zu den Medikamenten, die Schlafstörungen hervorrufen, gehören auch und in besonderem Maße Schlafmittel selbst. Das gilt nicht so sehr für pflanzliche Schlafhilfen, wie etwa Baldrian und Hopfen, sondern für synthetische Präparate, sogenannte Hypnotika, hier vor allem für Benzodiazepine. Werden diese Substanzen über längere Zeit eingenommen, stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein, die Wirkung lässt nach. Viele Betroffene erhöhen dann selbstständig die Dosis und haben darauf verstärkt mit unruhigen Nächten und Müdigkeit sowie oft Benommenheit am Tage zu kämpfen. Setzen sie dann das Medikament ab, kommt es zu einer Absetzschlaflosigkeit.

Wer dann wieder zu den Schlafmitteln greift, gerät nicht selten in eine bedenkliche Abhängigkeit, die noch mit weiteren unerwünschten Wirkungen verbunden ist. Experten vermuten, dass das Gehirn auf den plötzlichen Entzug der dämpfenden Wirkung mit erhöhter Aktivität und Wachheit reagiert. Manche Menschen werden auch bei bleibend niedriger Dosierung abhängig, können ohne Mittel gar nicht mehr schlafen und leiden unter Nebenwirkungen. Im höheren Lebensalter sind diese oft besonders ausgeprägt und führen unter anderem zu Depressionen bis hin zu Verwirrtheit.

Frau mit Kopfschmerzen

Symptome: Neben Schlaflosigkeit können unter anderem Benommenheit am Tag (Hang-over-Effekt), Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche, Unruhezustände, Stimmungsschwankungen auftreten. Ältere Menschen sind vor allem nachts mitunter verwirrt und stürzen leicht, wenn sie aufstehen, da die Substanzen auch die Muskelspannung herabsetzen.

Diagnose und Therapie: Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden. Er wird zusammen mit Ihrer Hilfe die eigentlichen Ursachen der Schlafprobleme aufdecken. Sie sollten mit der Einnahme von Benzodiazepinen in Rücksprache mit dem Arzt immer nur schrittweise aufhören. Mediziner nennen das "langsam ausschleichend absetzen". Neuere, den Benzodiazepinen ähnliche Substanzen machen zwar nicht so abhängig und führen seltener zu Absetzschlaflosigkeit. Sie sollten aber ebenso sorgfältig damit umgehen, das heißt: Nur für beschränkte Zeit einnehmen und langsam ausschleichend aufhören. Kurz danach bessern sich auch die Schlafprobleme.

Synthetisch hergestelltes Melatonin ist in Deutschland nur als verschreibungspflichtiges Medikament für Menschen ab 55 Jahren erhältlich. Es kommt jedoch lediglich als kurzfristig eingesetztes Mittel gegen Schlafstörungen infrage, die keine körperlichen, seelischen oder äußeren Ursachen haben.

Sinnvoll ist es, gezielt Stress abzubauen und eine Entspannungstechnik zu erlernen (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). Menschen, die an hartnäckiger Insomnie ohne körperliche Ursache leiden, können dank einer gezielten kognitiven Verhaltenstherapie ihren Schlaf-Wach-Rhythmus sehr oft wieder in den Griff bekommen.


Checkliste

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