Kururlaub: Ferien für die Gesundheit

Verreisen und gleichzeitig etwas für Körper und Seele tun? Ja klar! Wie Sie den richtigen Kurort auswählen und die Behandlungen bei der Kasse beantragen

von Diana Engelmann, 02.11.2016

Kur an der Nordsee: Körper und Geist vom Alltagsdruck befreien


Schlamm, Wind, Sonne, Salz, Wasser. Klingt banal – aber mit diesen einfachen Zutaten lässt sich jede Menge für die eigene Gesundheit tun. Für weniger Rückenschmerzen, für weniger Atembeschwerden, für weniger juckende Haut bei Neurodermitis. Oder gegen das Gefühl, als würde man sich bis zum Umfallen und noch länger wie ein Hamster im Rad abstrampeln, ohne einen Schritt vorwärtszukommen: Burn-out-Vorbeugung.

Das Bett selbst suchen

Sogenannte ambulante Badekuren sind eine Mischung aus Urlaub und Kur. Die Kasse übernimmt die medizinische Betreuung und zu 90 Prozent die Kosten für die sogenann­ten Kurmittel – also etwa Massagen, Bewegungstherapie, Bäder. Für Unterkunft und Verpflegung kommen die Kurenden selbst auf. Einige Kassen gewähren einen Zuschuss von 16 Euro pro Tag, bei chronisch kranken Kleinkindern bis zu 25 Euro. Zeitpunkt, Kurort und Unterkunft – meist eine Pension oder ein Hotel – wählt der Patient selbst. Das ist anders als bei stationären Aufenthalten.

Die Maßnahmen eignen sich zur Vorbeugung und um zu verhindern, dass sich Beschwerden verschlimmern. Lungenleiden lindert das Reizklima an der Nordsee mit seiner sauberen Luft, die wenig Allergene enthält. Herzpatienten fühlen sich im Heilklima der Mittelgebirge wohl, bei einer bewegungsorientierten Terrainkur: Wegstrecken werden nach Belastungsstufen abgesteckt, auf denen die Urlauber entsprechend ihren Möglichkeiten wandern. Zwischendurch stehen Bänke, auf denen man sich ausruhen, den Ausblick ins Tal genießen und die gute Luft bewusst einatmen kann.

Bad gegen Ausbrennen

Bei Beschwerden wie Rheuma helfen Thermalbäder, ­etwa mit Schwefel. "Das Mineral hemmt Entzündungen, auch wenn es über die Haut aufgenommen wird", erklärt Dr. Arno Wenemoser, Präsident des Verbands Deutscher Badeärzte.

Sich in warmem Wasser treiben zu lassen, fast schwerelos zu fühlen, entspannt zusätzlich – was etwa Burn-out-Gefährdeten hilft. Das zeigt eine Umfrage der Heil- und Thermalbäder in Niederbayern mit der Universität Würzburg. Die Mehrheit der 118 Befragten gab an, dass ihnen Thermalwasserbäder halfen, um Stress abzubauen und innerlich ruhiger zu werden.

Bei Hauterkankungen wie Schuppenflechte eignen sich See- und Solebäder, kombiniert mit Sonnenlicht. Wenn nach der Anwendung die Haut prickelt, während das Salz auf ihr in der Sonne trocknet, macht sie das unempfindlicher gegen Reize.

Die Gesundheit auf Kur sanft stärken

All das sind sanfte Möglichkeiten, die die Gesundheit stärken. Sie berücksichtigen, dass wir Menschen eine Einheit aus Körper und Geist bilden, dass vor allem auch die Lebensumstände unser Wohlbefinden beeinflussen. "So führt Anspannung im Kopf zu Verspannung im Rücken", erklärt Dr. Hans-Joachim ­Koller, Allgemeinmediziner, Chirurg und Badearzt auf der Nordsee­­insel Langeoog. Mütter werden oft von Rückenschmerzen geplagt, so seine Erfahrung. "Sie haben Stress, machen sich viele Gedanken."

Kur: Gut zu wissen


Eine ambulante Badekur
wird eher genehmigt, wenn Sie nachweisen können, bereits andere Maßnahmen ergriffen zu haben. "Etwa Krankengymnastik", so Allgemeinmediziner Dr. Hans-Joachim Koller.


Drei Wochen dauert eine ambulante Badekur üblicherweise. Die Patienten müssen für diese Zeit Urlaub nehmen. Sie gelten – anders als bei Kuraufenthalten in Kliniken – nicht als arbeitsunfähig.


Badekuren im Ausland bieten einige Kassen an. Jedoch können dort andere Anforderungen an die Qualität gelten. Heimische Kurorte, die sich "Bad" nennen, sind nach den Anfor­derungen des Deutschen Heil­bäderverbands zertifiziert.


Den passenden Kurort ­finden Sie auf dem Portal des Heilbäderverbands unter .


Alle drei Jahre können Sie eine ambulante Vorsorge­maßnahme beantragen.

Das Schöne an einem Kururlaub ist daher auch, dass Zeit da ist. Zeit zum Durchatmen, Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Und Zeit, um Termine für Bewegungstherapien oder Massagen nicht in einen sowieso schon vollen Terminkalender zu quetschen, wie das im Alltag oft passiert. Mehr Behandlungen bei freiem Kopf – das tut gut.

Welcher der etwa 360 Kur­orte in Deutschland sich eignet und welche Therapie zu welchen Gesundheitsproblemen passt, besprechen Patienten am besten zuerst mit dem Hausarzt. Denn einige Heilmittel wie Moor, Thermalwasser oder Sole gibt es nur an bestimmten Orten. Andere Verfahren kann man überall anwenden. Dazu gehören etwa die Elektrotherapie, die bei Schmerzen an Knien oder der Lendenwirbelsäule eingesetzt wird, Massagen und Lymphdrainagen.

Badearzt-Schein vom Hausarzt ausstellen lassen

Dann folgt der Antrag bei der Krankenkasse. Wird die Kur genehmigt, gibt es den sogenannten Badearzt-Schein. Darauf notiert der Hausarzt, an welchen Beschwerden man leidet und welche Medikamente man eventuell einnimmt. Der Patient hat anschließend vier Monate Zeit, um den Schein in einem passenden Kurort einzulösen. Dort bespricht er die Maßnahmen mit dem zuständigen Badearzt.

Allerdings genehmigen Krankenkassen diese Art der Gesundheitsvorsorge immer seltener. Bekamen 2010 noch 144.155 Versicherte Kururlaub, verzeichnet das Bundesgesundheitsministerium für 2014 nur 106.553 Genehmigungen – ein Rückgang von über 25 Prozent.

Kassen sperren sich oft gegen die Kur

Das Angebot ist keine Pflichtleistung, wie zum Beispiel stationäre Mutter-/Vater-Kind-Kuren. "Die Kassen können bei diesen Maßnahmen die Wünsche ihrer Versicherten schlechter kontrollieren als bei stationären Kur- und Reha-Aufenthalten", begründet Wenemoser die verhaltene Bewilligungspraxis. Die Anträge würden alle mit der Erklärung abgelehnt, dass Heilmittel am Wohnort nicht ausgeschöpft seien, so der Experte.

Dennoch sollten sich Interessierte nicht abschrecken lassen. Zudem steht im Sozialgesetzbuch, dass ambulante Maßnahmen stationären eigentlich vorzuziehen sind. "Um gesund zu werden und zu bleiben, muss man sich wohlfühlen", sagt Koller. Also, ab in den Urlaub für die Gesundheit!


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