Mandelentzündung: OP – ja oder nein?

Wann ist es sinnvoll, entzündete Mandeln zu entfernen? Das lag lange Zeit im Ermessen des Arztes. Eine einheitliche Regelung soll dazu beitragen, dass Patienten nicht mehr so schnell unter dem Messer landen

von Dr. Achim G. Schneider, 13.10.2016

Müssen die Mandeln raus, oder bleiben sie besser drin? Eigentlich sollte diese Entscheidung vor allem vom Krankheitsbild des Patienten abhängen. Doch bislang beeinflusste das kurioserweise auch sein Wohnort. Ein bundesweiter Vergleich an Kindern und Jugendlichen hat das bereits vor drei Jahren gezeigt.

Bei wiederholten Mandelentzündungen etwa wurde in Bremerhaven zwölf Mal so häufig operiert wie in Cottbus. Noch drastischer sind die regionalen Unterschiede bei vergrößerten Mandeln. Sie wurden in der pfälzischen Stadt Landau 58 Mal so häufig entfernt wie im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Solche gewaltigen Differenzen lassen sich nicht mit medizinischen Erfordernissen erklären, sondern eher mit unterschiedlichen ärztlichen Gewohnheiten, Operationsangeboten – und auch Erwartungen der Patienten. Da es bislang keine einheitliche Regelung gab, blieb den Fachärzten und Kliniken ein großer Spielraum für eigenes Ermessen. Doch damit soll es jetzt vorbei sein.

"Oft heilen wiederholte Mandelentzündungen von selbst aus"

Vor Kurzem einigten sich Experten auf Empfehlungen für Kinder und Erwachsene. Hat jemand in einem Jahr sechs bakterielle Mandelentzündungen, ist eine Operation sinnvoll. Bei jährlich drei bis fünf Entzündungen müssen die Mandeln nicht sofort entfernt werden, die Patienten können auch noch ein halbes Jahr abwarten. Kommen dann insgesamt sechs Mandelentzündungen zusammen, erscheint ein Eingriff aber unumgänglich.

Professor Jochen Windfuhr begründet das so: "Oft heilen wiederholte Mandelentzündungen von selbst aus." Der Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik Maria Hilf in Mönchengladbach beruft sich auf Beobachtungen in England, wo Patienten sehr lange auf Operationen warten müssen. Viele haben keine Beschwerden mehr, wenn sie endlich an der Reihe wären. "Das Problem dabei: Wir können nicht vorhersagen, bei wem die Entzündungen von alleine zurückgehen", so der Mediziner.

Brennen im Hals

Bei starken Beschwerden und Fieber sollte ein Arzt die Ursache abklären. Bei einem Virusinfekt lassen sich nur die Symptome mit Medikamenten bekämpfen, etwa Hals- und Kopfschmerzen, Husten und Fieber.


Bakterielle Infektionen sind seltener. Sie lassen sich ursächlich mit Antibiotika und zusätzlich mit Wirkstoffen gegen die Beschwerden behandeln.

Risiko möglicher OP-Komplikationen bedenken

Also warum nicht gleich die möglichen Krankheitsherde entfernen? Experten raten vor allem aus einem Grund von voreiligen Eingriffen ab: den möglichen Komplikationen. So erleiden etwa fünf von hundert Operierten Blutungen. In seltenen Fällen kommt es dadurch zu einem bedrohlichen oder gar tödlichen Blutverlust.

Um das mit dem Eingriff verbundene Risiko einzugehen, sollten die Beschwerden stark genug sein. Und das sehen Experten erst gegeben, wenn Fieber, Halsschmerzen, Schluck- oder Atembeschwerden die Patienten etwa alle zwei Monate plagen. Windfuhr: "Es geht aber nicht nur um das Abzählen von Krankheitstagen, sondern um den individuellen Leidensdruck."

Bei Virusentzündungen hilft keine OP

Bei Minderjährigen finden sich in vielen Fällen sehr große Mandeln. Dann kommt eine Verkleinerung infrage: HNO-Ärzte zerstören die Mandeln nur teilweise und lassen ihre Schutzhülle (Kapsel) intakt. Das schafft wieder Platz im Rachen und verringert die Anzahl bakterieller Infekte ebenso gut wie eine komplette Entfernung. Windfuhr: "Das Blutungsrisiko sinkt extrem, und die Schmerzen sind geringer."

Ganz andere Empfehlungen gelten für Virusentzündungen, die bei 70 bis 95 Prozent der Patienten mit Halsweh vorliegen. Da die Erreger den ganzen Rachen infizieren, würde eine OP nichts bringen. Hausärzte können sich schnell ein Bild machen, welche Art von Infekt vorliegt. Fieber, geschwollene Lymphknoten und eitrige Beläge auf den Mandeln sprechen für Bakterien als Verursacher. Husten deutet eher auf Viren hin – dann helfen auch keine Antibiotika, sondern nur Mittel, die die Beschwerden lindern.


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