Krampfadern (Varikose, Varikosis, Varizen): Ursachen, Prognose

Krampfadern entstehen in erster Linie als Folge einer angeborenen Bindegewebsschwäche. Diese bleibt ein Leben lang bestehen und kann noch zunehmen

aktualisiert am 23.03.2017
Großfamilie aus unterschiedlichen Generationen

Neigung zu Venenleiden liegt in der Familie


Ein wenig Venenkunde vorweg

Die Venen (Ausnahme: Lungenvenen) nehmen das sauerstoffarme Blut aus den Geweben auf und transportieren es zum Herzen zurück. Dabei müssen sie gegen die Schwerkraft arbeiten. An den Beinen helfen ihnen die "Muskelpumpen": Wenn die Beinmuskeln sich zusammenziehen, pressen sie die tiefen Venen wie einen Schwamm aus und befördern das Blut herzwärts.

Die Venen tief im Bein sammeln das Blut aus den oberflächlichen Venen. Venenklappen, die wie ein Rückschlagventil wirken, verhindern, dass das Blut zurückfließt, wenn die Muskeln sich entspannen. Zudem unterstützen die Sogwirkung des Herzens und die Druckveränderungen im Brust- und Bauchraum beim Atmen den Rücktransport des Blutes aus den tiefen Beinvenen.

Im Vergleich zu den "muskulösen" Schlagadern (Arterien), die sauerstoffreiches Blut vom Herzen aufnehmen und zu den Organen bringen (Ausnahme: Lungenarterien, führen den Lungen sauerstoffarmes Blut zu), sind Venen dünner und dehnbarer, was besonders für die oberflächlichen, hautnah verlaufenden Gefäße gilt. Der Blutdruck ist im Venensystem deutlich niedriger als in den muskulösen Schlagadern, und das Blut fließt langsamer. Dafür sind insbesondere die tiefen Leitvenen in den Beinen sehr aufnahmefähig, bewältigen sie doch den Abtransport eines Großteils der gesamten Blutmenge, etwa 90 Prozent.

Bei einer Bindegewebsschwäche erschlaffen die Venenwände mit der Zeit. Dann schließen die Venenklappen nicht mehr dicht. Das Blut versackt in den oberflächlichen Venen, aus denen es in das tiefe Venensystem abfließen sollte. Die Blutüberfüllung (Volumenbelastung) führt dazu, dass sich die oberflächlichen Blutleiter erweitern und verformen. Das gleiche Schicksal droht den venösen Verbindungen zwischen Oberfläche und Tiefe, den sogenannten Perforansvenen, und im Spätstadium dann auch den tiefen Venen. Im letzteren Fall sprechen Ärzte sprechen von einer Leitvenenschwäche mit Neigung zu Schwellungen (Leitveneninsuffizienz mit Ödemneigung).

Schwangere liest

Krampfadern: Welche Risikofaktoren und Ursachen gibt es?

Von Krampfadern sind am häufigsten die Venen der Beine betroffen.

  • Gefördert werden die Venenaussackungen an den Beinen einmal durch biologische Faktoren wie familiäre Veranlagung beziehungsweise erbliche Wandschwäche der Venen. Auch weibliches Geschlecht und verstärkte hormonelle Einflüsse in der spielen eine Rolle.
  • Zu den natürlichen Faktoren gehört auch das Lebensalter. Mit dem Alter nimmt die Tendenz zu Krampfadern zu.
  • Schließlich begünstigen lebensstilbezogene Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Stehberufe und einengende Kleidung Krampfadern.
  • Sodann können angeborene Störungen der Venenklappen das Venensystem schwächen, das sich im weiteren Verlauf varikös verändert.
  • Zudem können Verschlüsse der tiefen Beinvenen durch Blutgerinnsel (Phlebothrombosen) zu einer Krampfaderbildung der oberflächlichen Hautvenen führen (sekundäre Varikose, siehe Kapitel "Früherkennung, Diagnose").

    Beinthrombosen haben wiederum ganz verschiedene Ursachen. Bei bestimmten Erkrankungen beispielsweise können sich Gefäße entzünden, oder es verändert sich die Blutgerinnung. Beides begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln in den tiefen Beinvenen. Das Thromboserisiko nimmt auch in der Schwangerschaft zu, in unterschiedlichem Maße außerdem unter einer hormonellen Empfängnisverhütung oder der Einnahme von Hormonen gegen Wechseljahresbeschwerden.

Wie sind die Heilungsaussichten bei Krampfadern?

Normalerweise verläuft das Krampfaderleiden chronisch. Einmal "ausgeleiert", finden die Venen nicht wieder zu ihrer alten Form zurück. Was die Besenreiser betrifft, so treten sie nach Verödung zum Teil wieder auf. Auch nach einem Eingriff an den Venen besteht eine gewisse Rückfalltendenz (Rezidivneigung), da ja die Anlage zu Krampfadern erhalten bleibt.

Die gute Nachricht: In der Schwangerschaft entstandene Krampfadern sind nach der vielfach wieder auf dem Rückzug. Das kann allerdings bis zu einem Jahr dauern.

Krampfadern in anderen Körperbereichen

Hämorriden (beziehungsweise Hämorrhoiden) am Darmausgang sind streng genommen keine Krampfadern, werden aber oft als solche bezeichnet. Die kleinen Gefäßpolster am unteren Ende des Darmes können sich teilweise unter denselben Voraussetzungen, die auch Krampfadern begünstigen, krankhaft verändern, etwa anlagebedingte Bindegewebsschwäche. Verstopfung mit erhöhtem Pressdruck beim Stuhlgang und ein behinderter Rückfluss des Blutes während einer Schwangerschaft sind hier weitere wichtige Faktoren.

Nicht selten kommen Krampfadern am Hoden ("Krampfaderbruch", auch "Varikozele") vor. Dabei erweitert sich anlagebedingt ein Venengeflecht am Samenstrang, häufig auf der linken Seite. Die Veränderung kann schon im Kindesalter auftreten und zu unterschiedlichen Beschwerden bis hin zu späterer Unfruchtbarkeit führen. Nicht selten bildet sich die Varikozele im Lauf der Zeit von selbst zurück – auch sofern keine spezielle Ursache vorliegt.

Krampfadern unter der Schleimhaut der Speiseröhre (Ösophagus) heißen Ösophagusvarizen. Sie entstehen, wenn der Druck in der Pfortader (Vena portae) erhöht ist. Dieses wichtige Gefäß, eine Vene, leitet das nährstoffreiche Blut aus den Verdauungsorganen in die Leber. Bei manchen Lebererkrankungen, zum Beispiel Leberzirrhose, aber auch bei verschiedenen anderen Krankheiten kann der Druck in der Pfortader steigen. Dann weicht das Blut über Venen in Magen und Speiseröhre aus. Die Gefäße geraten allerdings bald an den Rand ihrer Kapazität. Sie erweitern sich stark und werden zu Krampfadern. Das Problem: Heruntergeschluckte harte oder kantige Bissen und Kontakt mit Magensäure können diese Varizen verletzen, sodass sie aufreißen und womöglich massiv bluten.

Und woher kommt der Name "Krampfader"?

Entgegen der weit verbreiteten Meinung verursachen Krampfadern keine Krämpfe. Der Begriff stammt aus dem Althochdeutschen. Im Mittelalter wurden die geschlängelten Gefäße als "Krummadern" bezeichnet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus das heute gebräuchliche Wort Krampfader.


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