Pityriasis versicolor (Kleienpilzflechte, Kleienflechte)

Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) äußert sich durch bräunliche Flecken am Oberkörper. Zur Behandlung verordnet der Arzt normalerweise pilzabtötende Medikamente

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 10.04.2017
Kleienflechte (Pityriasis Versicolor)

Braune Flecken am Oberkörper, die nach einem Sonnenbad heller aussehen, weisen auf die Kleienpilzflechte hin


Was ist eine Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor)?

Unter einer Pityriasis versicolor versteht man eine harmlose Hautkrankheit, die durch den Hefepilz Malassezia furfur (Pityrosporum ovale) verursacht wird. Betroffen sind vor allem jüngere Erwachsene. In Mitteleuropa leiden etwa ein bis vier Prozent aller Erwachsenen an einer Pityriasis versicolor, in tropischen Regionen bis zu 40 Prozent.

Ursachen und Risikofaktoren: Was löst die Kleienpilzflechte aus?

Die Pityriasis versicolor wird durch den Hefepilz Malassezia furfur (Pityrosporum ovale) verursacht. Dieser kommt natürlicherweise in den Haarfollikeln vor, in die auch die Talgdrüsen einmünden. Der Pilz ernährt sich von den Fettsubstanzen im Talg und ruft normalerweise keine Hautveränderungen hervor.

Besonders gute Wachstumsbedingungen hat der Pilz, wenn ihm viel Fett zur Verfügung steht und wenn das Mikroklima auf der Haut feucht und warm ist. Dann vermehrt er sich stark und wandert aus den Haarfollikeln aus.

Dieser Wandel vollzieht sich vor allem bei Menschen, die veranlagungsbedingt eine fettige Haut haben, sehr fettreiche Pflegelotionen und Cremes benutzen oder stark schwitzen. Kleidung aus synthetischen Materialien lässt den Schweiß nicht richtig verdunsten und fördert so die Vermehrung des Hefepilzes.

Symptome: Wie sieht eine Kleienpilzflechte aus?

In der Umgebung der Haarfollikelöffnungen bildet der Hefepilz sogenannte Pilzrasen. Diese liegen flächig auf der Hornschicht der Haut auf und machen sich durch ihre bräunliche Pigmentierung bemerkbar. Auf diese Weise verwandelt sich der Pilz von einem harmlosen Bewohner der Haarfollikel zu einem Krankheitserreger.

Die Pilzrasen äußern sich zunächst als dunkle Umrahmung einzelner Follikelöffnungen, später als zahlreiche runde, scharf begrenzte Flecken von bis zu einem Zentimeter Größe. Sie können zu großflächigen, unregelmäßig geformten Flecken zusammenfließen. Ihre Farbe variiert von hellbraun über gelbbraun zu rotbraun und ist in der Regel dunkler als die normale Hautfarbe. Die Oberfläche der Flecken zeigt eine zarte Schuppung, die an Kleie erinnert. Dies kommt in der Bezeichnung "Pityriasis" zum Ausdruck.

Die Pityriasis versicolor betrifft bevorzugt diejenigen Bereiche des Oberkörpers, die besonders reich an Talgdrüsen sind, nämlich Brust- und Rückenmitte. Gelegentlich greifen die Veränderungen auch auf die seitlichen Partien des Rumpfes, auf die Schultern, den Nacken oder auf die Innenseiten von Oberschenkeln und Oberarmen über. Nur selten besteht leichter Juckreiz.

Wenn die ultraviolette (UV-) Strahlung der Sonne auf die Haut einwirkt, bräunt die gesunde Haut. Diejenigen Stellen, die von der Kleienpilzflechte betroffen sind, werden hingegen durch die Pigmente des Pilzes von der UV-Strahlung abgeschirmt. Außerdem bildet der Pilz eine Substanz, die die Pigmentzellen (Melanozyten) der Haut daran hindert, Melanin-Pigment zu bilden. Daher erscheinen die betroffenen Hautstellen nach Sonneneinwirkung nicht mehr dunkler, sondern heller als die gesunde Haut. Auf diesen Farbumschlag bezieht sich der Zusatz "versicolor" (lateinisch vertere "drehen", color "Farbe") im Namen der Krankheit.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine Pityriasis versicolor fest?

Der Arzt untersucht die Haut mit dem bloßen Auge. Dabei fahndet er auch nach Anhaltspunkten für andere Hautkrankheiten. Mit einem Holzspatel streicht er über die Hautveränderungen der Pityriasis versicolor. Dadurch wird die feine, kleieförmige Schuppung besser sichtbar. Auf die schuppende Stelle drückt er kurz einen durchsichtigen Klebestreifen und zieht ihn wieder ab. Anschließend klebt er den Streifen mit den daran haftenden Schuppen auf einen Objektträger. Die Hautschuppen werden mit einer schwachen Lauge aufgeweicht, so dass die Pilzelemente unter dem Mikroskop besser zu erkennen sind.

Behandlung: Was hilft gegen die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor)?

Zur Therapie der Pityriasis versicolor verordnet der Arzt eine Lösung oder Lotion mit einem pilzabtötenden Wirkstoff. Diese trägt der Patient für einige Tage zweimal täglich auf die veränderten Hautstellen auf. In der Regel reicht diese Behandlung aus, um die Hautveränderungen zur Abheilung zu bringen.

Allerdings kommt es bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung häufig vor, dass zu einem späteren Zeitpunkt neue Flecken entstehen. Der Grund hierfür ist, dass die ursächlichen Hefepilze von der Kopfhaut aus die Haarfollikel des Oberkörpers erneut besiedeln. Um einem erneuten Auftreten der Pityriasis versicolor vorzubeugen, empfiehlt der Arzt eine dauerhafte Behandlung der Kopfhaut mit einem pilzabtötenden Wirkstoff. Dies geschieht am einfachsten in Form eines speziellen medizinischen Shampoos, das der Betroffene dauerhaft anstelle seines bisherigen Shampoos zur Haarwäsche verwendet.

Außerdem sollten Betroffene alle Faktoren ausschalten, die das Wachstum des Hefepilzes fördern könnten: Möglichst luftdurchlässige Kleidung tragen, nach schweißtreibenden Aktivitäten wie Sport oder Saunagängen sofort duschen. Zusätzlich sollten die Patienten darauf verzichten, auf die Haut des Oberkörpers Pflegecremes aufzutragen.

Im Falle einer besonders ausgeprägten oder extrem hartnäckigen Pityriasis versicolor verordnet der Arzt den pilzabtötenden Wirkstoff Itraconazol in Form von Tabletten.

Ganz wichtig: Flecken an der Haut können zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um eine Pityriasis versicolor. Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen!

Frau Angela Unholzer

Autorin und Expertin dieses Textes:

Dr. med. Angela Unholzer, Hautfachärztin mit Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie

Quellen:

- Altmeyer, P.: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer, Berlin 2010

- Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2012

- Mayser, P.: Inhibitoren der Transaminase 1 – ein neuer Ansatz in der Therapie der Pityriasis versicolor? Derm 2012; 18: 254-258

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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