Die wichtigsten Fakten zu Herpes

Herpes-Viren können schmerzhafte Bläschen an den Lippen oder im Genitalbereich verursachen. Was Betroffene beachten müssen

von Christian Krumm, 05.10.2015
Kuss

Kuss mit Folgen: Herpes ist in der Krankheitsphase ziemlich ansteckend


Dass die junge Amerikanerin Ella Dawson mit Genitalherpes infiziert ist, weiß heute die ganze Welt. Sie hat es selbst über ein soziales Netzwerk kommuniziert. Mit ihrem Outing will die 22-jährige Studentin aus dem US-Bundesstaat Connecticut gegen das Stigma ankämpfen, das der Infektion anhaftet. Denn nur wenige Menschen würden sich trauen, selbst nahestehenden Personen von ihrer Geschlechtskrankheit zu erzählen. Und das tut Ella Dawson nicht nur auf ihren Internetseiten: Auch im amerikanischen Fernsehen war sie bereits ein gern gesehener Talk-Gast.

Genitalherpes ist eine infektiöse Erkrankung, die überwiegend durch Herpes-Viren vom Typ 2 ausgelöst wird. "Immer häufiger kommt es aber vor, dass auch das vorwiegend für Lippenherpes verantwortliche Typ-1-Virus zu einer Erkrankung im Genitalbereich führt", erklärt Professor Ioannis Mylonas, Leiter der Infektiologie an der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Vor allem bei Oralverkehr und bestehender Lippenherpes-Erkrankung sei das Risiko einer Übertragung hoch.

90 Prozent der Bevölkerung tragen Herpesviren in sich

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung über 35 Jahre tragen das Typ-1-Virus in sich, etwa 20 Prozent sind mit Typ 2 infiziert. Tatsächlich ist also ein großer Teil der Menschheit betroffen, Ella Dawson nur eine von sehr vielen. Nach einer Erstinfektion, die beim Typ 2 meist schwerer verläuft, bilden sich Schwellungen, brennende und juckende Bläschen – außerdem klagen die Patienten häufig über Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Platzen die Bläschen auf, tritt hoch infektiöse Flüssigkeit aus.

Sobald die Symptome abgeheilt sind, ziehen sich die Viren zurück und verbleiben in Nervenknoten, wo sie vor den Immunzellen geschützt sind. Diesen Zustand nennen Mediziner das Latenzstadium. Zum erneuten Ausbruch der Symptome kommt es meist unvermittelt. "Wir wissen aber, dass intensi­ve Sonneneinstrahlung, Stress und fieberhafte Infektionen eine Reaktivierung der Viren begünstigen", sagt Mylonas. Auch Menschen mit Immunschwäche sind häufiger betroffen.

Genitalherpes für Schwangere gefährlich

Eine Übertragung findet meist im Akutstadium statt, also dann, wenn Bläschen, Juckreiz und Brennen bereits auf die Infektion hindeuten. Da eine Erkrankung mit Genitalherpes aber auch ohne Symptome verlaufen kann, wird gerade dieses Virus oft unbemerkt weitergegeben. Riskant sei eine Genitalherpes-Erkrankung in erster Linie für Schwangere, warnt Experte Mylonas. Zum einen könne es in seltenen Fällen geschehen, dass das Virus auf das ungeborene Kind übertragen wird. Häufiger und gefährlicher sei zum anderen die Situation, wenn eine Frau während einer akuten Herpeserkrankung entbindet: "Beim Kind kann das zu schweren, bleibenden Schäden führen."

Umso wichtiger ist eine enge Kontrol­le während der Schwangerschaft. Medikamente mit dem Wirkstoff Aciclovir halten bei einem Herpesausbruch die Viren in Schach. In den USA empfehlen Ärzte Schwangeren, die in der Vergangenheit bereits an akuten Herpeserkrankungen litten, sogar vorbeugend eine niedrig dosierte Aciclovir-Therapie. Sodass eventuell eine normale Entbindung ohne Kaiserschnitt möglich wird.

Intime Zweisamkeiten vermeiden

Präparate mit Aciclovir und ähnlichen Wirkstoffen (Virustatika) können auch bei allen anderen Patienten eingesetzt werden, um die Infektion zurückzudrängen. Vollständig eliminieren lassen sich die Erreger aber nicht. Einen zuverlässigen Schutz gibt es kaum, es sei denn, man verzichtet völlig auf sexuelle Kontakte. Kondome schützen nur zu etwa 50 bis 70 Prozent gegen eine mögliche Infektion, schätzt der Münchner Infektiologe. Deshalb gilt bei einem akuten Herpesausbruch: intime Zweisamkeiten besser vermeiden, bis die Symptome abgeheilt sind.

Die Pharmaindustrie arbeitet momentan an Impfstoffen gegen Herpes, allerdings ist bislang noch kein vielversprechendes Präparat in Sicht. Wissenschaftler am Albert-Einstein-College of Medicine in New York City (USA) glauben aber, durch eine andere Herangehensweise einen möglichen Impfstoff entwickeln zu können. Doch auch ihr Präparat konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt nur an Mäusen getestet werden. Immerhin soll es dabei eine außerordentlich gute Wirksamkeit gezeigt haben. Bis zur Marktreife wird aber noch viel Zeit vergehen.

Medikamente und Cremes gegen die Symptome

Gegen die schmerzhaften Symptome einer akuten Herpesinfektion können schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente aus der Apotheke helfen. Das gilt auch für die unangenehmen Fieberbläschen am Mund. Hierfür eignen sich kleine durchsichtige Spezialpflaster, welche die Bläschen abdichten und dadurch die Heilung fördern. Cremes mit Virustatika, Zinksulfat oder Melissenextrakten können bei beginnendem Lippenherpes die Symptomatik lindern und die Krankheitsdauer mitunter verkürzen.

Bei einem Genitalherpes dürfen solche Cremes jedoch nicht verwendet werden, betont Mylonas. Besser eignet sich ein Gel mit Triglyzeriden und Zinkoxid, das die Therapie mit Virustatika sinnvoll ergänzen könnte. Wichtig vor allem: eine gründliche Hygiene während einer akuten Herpesphase. Berührun­gen der betroffenen Hautareale sollten vermieden werden, regelmäßiges Händewaschen ist Pflicht.

Um die Epidemie aber auf Dauer erfolgreich eindämmen zu können, sei Offenheit im Umgang mit der Infektion erforderlich, meint die amerikanische Herpes-Bloggerin Ella Dawson. Das gelte umso mehr, als mehrere Hundert Millionen Menschen weltweit betroffen seien. Sie möchte aber nicht die Einzige sein, die sich outet und gegen die Krankheit engagiert. Sie hofft, dass viele andere es ihr demnächst gleichtun.


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