Sonnenallergie: Weitere Lichtdermatosen

Es gibt viele sogenannte Lichtallergien. Zum Beispiel erhöht die Einnahme mancher Medikamente die Lichtempfindlichkeit (phototoxische oder photoallergische Reaktionen). Ein Überblick

aktualisiert am 20.02.2018

Eine Lichtdermatose kann in seltenen Fällen sehr belastend verlaufen


Es existieren zahlreiche Krankheiten, die mit Sonnenlicht in Verbindung stehen und deshalb umgangssprachlich "Sonnenallergie" oder "Lichtallergie" genannt werden. Die mit Abstand häufigste ist die polymorphe Lichtdermatose. Genaue Informationen zu dieser Krankheit liefern die vorangehenden Kapi Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie.

Hier in diesem Kapitel erhalten Sie einen Überblick über weitere Lichtdermatosen. Ihr Erscheinungsbild ist oft variabel, die Therapie mitunter schwierig. Wer vermutet, er könne betroffen sein, sollte sich individuell vom Arzt beraten lassen – bei schweren Fällen am besten in einer auf Lichtdermatosen spezialisierten Einrichtung (Photodermatologie). Die folgende Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Phototoxische Reaktion (Phototoxizität)

Die phototoxische Dermatitis wird zwar häufig als "Sonnenallergie" bezeichnet, doch um eine Allergie handelt sich dabei nicht. Vielmehr kommt es zu einer chemischen Reaktion zwischen dem Sonnenlicht und einem bestimmten Stoff im Körper – zum Beispiel einem Medikament, das der Betroffene einnimmt oder gespritzt bekommt, einer Hautcreme, die er benützt oder einem Farbstoff, zu dem er Kontakt hatte.

Arzneimittel, die bekanntermaßen phototoxische Effekte auslösen können, sind bestimmte Antibiotika, manche "harntreibende" Medikamente wie Furosemid oder Hydrochlorothiazid, Herzmedikamente wie Amiodaron und sehr viele weitere. Oft liefert der Beipackzettel entsprechende Hinweise. Auch der Kontakt zu Inhaltsstoffen aus Wiesengräsern (Furocumarine) kann eine phototoxische Lichtdermatose zur Folge haben.

Die Abgrenzung zu einer photoallergischen Reaktion (siehe weiter unten) ist nicht immer sicher möglich. Die Krankheiten können auch nebeneinander vorkommen.

Symptome: Betroffene bekommen sozusagen leichter einen Sonnenbrand als sie es von ihrer Haut gewöhnt sind. Sie reagiert "empfindlicher" auf UV-Strahlen, selten sogar schon auf sichtbares Licht. Geringe Mengen reichen manchmal aus, um an den "besonnten" Hautstellen eine brennende Rötung oder gar Blasenbildung hervorzurufen. Heilt die Stelle ab, können Farbveränderungen (Hyper- / Hypopigmentierung) zurückbleiben. Stecken Wiesengräser hinter der phototoxischen Reaktion, haben die Rötungen oft Streifenform – man sieht quasi die Abdrücke der Grashalme.

Therapie: Gegen akute Symptome empfiehlt der Arzt zum Beispiel Kühlen, kortisonhaltige Cremes oder Antihistaminika. Die auslösenden Substanzen sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Vorsicht: Medikamente keinesfalls in Eigenregie absetzen, sondern zuvor unbedingt den Arzt fragen! Ist der Wirkstoff unverzichtbar und kein Präparatewechsel möglich, muss die Haut besonders sorgfältig vor Sonnenlicht geschützt werden. Das ist ohnehin ratsam und beugt unter anderem Farbveränderungen durch phototoxische Reaktionen vor.

 

Photoallergische Reaktion (Photoallergie)

Seltener entsteht unter dem Einfluss von Sonnenlicht oder künstlichen UV-Strahlen (zum Beispiel im Solarium) eine echte Allergie auf einen bestimmten Stoff, eine photoallergische Dermatose. Die Abgrenzung zu einer phototoxischen Reaktion (siehe oben) ist nicht immer zweifelsfrei möglich.

Der Körper bildet bei dieser Art von "Sonnenallergie" also Abwehrstoffe (Antikörper), die gegen eine spezielle Substanz gerichtet sind. Dabei kann es sich zum Beispiel um ein Medikament handeln, das eingenommen oder gespritzt wurde. Manchmal genügt aber bereits der Haut zu einem Stoff, um – in Kombination mit Sonnenlicht – eine allergische Reaktion auszulösen. Gelegentlich werden Inhaltsstoffe aus Lichtschutzmitteln zum Allergieauslöser. Die Allergie tritt nicht sofort beim ersten Kontakt auf. Der Körper wird zunächst sensibilisiert. Er produziert Antikörper. Und erst beim nächsten Kontakt kommt es im Zusammenhang mit UV-Stahlung zu Hautveränderungen.

Symptome: An Stellen, die UV-Strahlung ausgesetzt waren, rötet sich die Haut und juckt stark. Knötchen, Bläschen oder Blasen bilden sich wie bei einem Kontaktekzem. Besteht der Kontakt zum Allergieauslöser weiterhin, verdickt und vergröbert sich die Haut an den betroffenen Stellen allmählich, die Oberfläche wirkt zerfurcht und schuppt.

Therapie: Der Allergieauslöser sollte – nach Möglichkeit – gemieden werden. Vorsicht, auch hier gilt: Arzneien auf keinen Fall eigenmächtig absetzen, sondern zuvor den Arzt fragen! Ein konsequenter Lichtschutz und antiallergische Medikamente lindern Symptome.

 

Mallorca-Akne

Bei der sogenannten Mallorca-Akne oder Sommer-Akne bilden sich juckende Pickelchen (Knötchen) auf Hautpartien, die der Sonne ausgesetzt waren. Schultern, Dekolleté, Gesicht und Arme sind häufig betroffen. Die Hautveränderungen erinnern ein wenig an eine Akne, daher der Name. Zu dieser Hautreaktion kommt es in Verbindung mit fetthaltigen Cremes, meist Lichschutzsalben.

Wer zu Mallorca-Akne neigt, sollte seine Haut gut vor der Sonne schützen – sich aber bei der Auswahl geeigneter (fettfreier) Lichtschutzpräparate beraten lassen, zum Beispiel in der Apotheke oder beim Arzt.

 

Lichturtikaria (Urticaria solaris)

Diese Form von "Lichtallergie" kommt selten vor, kann für Betroffene aber sehr belastend sein. Die genaue Ursache der Krankheit ist unklar. Manchmal kommt die Lichturtikaria nach Monaten oder Jahren von selbst zum Stillstand.

Symptome: Bereits wenige Minuten nach dem Kontakt mit Sonnenlicht bilden sich blassrote Schwellungen auf der entsprechenden Hautstelle. Sie erinnern an einen Mückenstich. Sie nehmen rasch an Größe zu, Quaddeln entstehen, die stark jucken. Im Extremfall (wenn beispielsweise der ganze Körper dem Licht ausgesetzt war) kann es sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Wird das Sonnenlicht gemieden, bilden sich die Hauterscheinungen innerhalb einiger Stunden wieder zurück.

Manche Patienten vertragen noch nicht einmal Tageslicht. UV-Schutzmaßnahmen sind dann zwar zusätzlich sinnvoll, reichen alleine aber nicht aus.

Therapie: Helfen kann eine ärztlich kontrollierte Lichtbehandlung (Phototherapie). Dabei wird die Haut nach einem bestimmten Schema mit (UV-)Licht bestrahlt. Das soll bewirken, dass die Haut das Licht zumindest eine Tage lang besser verträgt. Diese Therapie muss unbedingt unter strenger ärztlicher Kontrolle erfolgen. Sie darf keinesfalls in Eigenregie versucht werden! Schlimmstenfalls könnte es zu einem anaphylaktischen Schock kommen (siehe oben). Bei schweren Formen der Lichturtikaria kommt eventuell eine Photochemotherapie infrage: Bei der PUVA-Methode erhält der Patient zusätzlich zur Bestrahlung mit UVA-Strahlen Psoralene zum Einnehmen oder Auftragen. So lässt sich die beschwerdearme Zeit eventuell auf einige Wochen ausdehnen. In manchen Fällen kommt auch eine Art "Blutwäsche" zum Einsatz, bei der solche Stoffe aus dem Blut gefiltert werden, die vermutlich Symptome (mit-)auslösen. Wer an schweren Krankheitssymptomen leidet, sollte sich am besten an eine spezialisierte Einrichtung größerer Hautkliniken wenden.

 

Aktinische Prurigo

Diese seltene Form der "Sonnenallergie" zeigt sich bereits im Kindesalter. Die Ursache der Krankheit ist unklar. Sie kann sich im Erwachsenenalter bessern. Eine Variante kommt in Amerika erblich bedingt vor.

Symptome: Stark juckende Hautveränderungen bilden sich an Hautstellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, aber auch teilweise an Hautarealen, die von Kleidung bedeckt blieben.

Therapie: Die Behandlung ist sehr schwierig. Übliche Therapiemaßnahmen bringen bei dieser Form von "Lichtallergie" oft nicht den gewünschten Erfolg. Eine Option ist die Behandlung mit Immunsuppressiva oder Thalidomid. Allerdings müssen hier gemeinsam mit den behandelnden Ärzten Nutzen und mögliche Risiken sehr sorgfältig abgewogen werden.

 

Chronisch aktinische Dermatitis (CAD)

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die häufig belastend verläuft. Sie ist meist nur durch eine Behandlung zu kontrollieren, die das körpereigene Immunsystem dämpft (immunsuppressive Behandlung).

Symptome: Bei dieser Art von "Sonnenallergie" bilden sich auf Hautstellen, die dem Licht ausgesetzt waren, dauerhaft rötliche, entzündete, stark juckende Stellen. Die Haut verdickt sich, das Hautrelief vergröbert sich, tiefe Furchen und Schuppen können entstehen. Oft reichen schon kleine Mengen Licht aus, um die Hautveränderungen hervorzurufen, sogar unter (dünner) Kleidung. Nicht nur UV-Strahlung, auch Kunstlicht kann Beschwerden provozieren.

Therapie: Neben allgemeinen Lichtschutzmaßnahmen kommt auch hier eine PUVA-Therapie infrage (siehe oben), außerdem die Einnahme von Kortikoiden ("Kortison"), Azathioprin oder Cyclosporin-A. Auch hier müssen mit dem Arzt mögliche Nebenwirkungen und Risiken abgewogen werden.

 

Hydroa vacciniformia

Es handelt sich um eine sehr seltene Form von "Sonnenallergie", die im Kindesalter beginnt und sich im Erwachsenenalter meist bessert. Die Ursache ist unklar.

Symptome: Nach Kontakt zur ersten Frühlingssonne kommt es zu Hautrötungen an Ohren, Gesicht, Händen und Armen. Später entstehen an diesen Stellen flüssigkeits- oder blutgefüllte Bläschen, die eintrocknen und einen Schorf bilden. Die Hauterscheinungen hinterlassen muldenförmige Narben.

Therapie: Ein optimaler (absoluter) Lichtschutz ist hier unbedingt erforderlich, damit es zu möglichst geringer Narbenbildung kommt. Kortikoidhaltige Medikamente zum Einnehmen oder Auftragen können die Symptome abmildern. Die Behandlungsmöglichkeiten müssen mit dem Arzt besprochen werden.

 

Sekundäre Lichtdermatosen

Viele Krankheiten werden durch Sonnenlicht beeinflusst. Sie haben aber eigentlich andere Ursachen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen oder Autoimmunreaktionen. Solche Erkrankungen werden sekundäre Lichtdermatosen genannt. Beispiele sind Lupus erythematodes, Porphyrie, Xeroderma pigmentosum und Pemphigoid.


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