Lichen ruber planus: Ursachen

Ursache des Lichen ruber planus ist vermutlich ein "Fehler" im Immunsystem. Es handelt sich also wahrscheinlich um eine Autoimmunerkrankung

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 04.11.2014

Bei Lichen ruber "irrt sich" vermutlich die Körperabwehr. Normalerweise bekämpft sie in erster Linie Krankheitserreger. Im Bild: Eine Blutzelle (Lymphozyt) bildet Abwehrstoffe (Antikörper) gegen ein Virus


Warum manche Menschen einen Lichen ruber planus (eine Knötchenflechte) bekommen, konnte noch nicht abschließend geklärt werden.

Ursache: Fehler des Immunsystems?

Vieles spricht dafür, dass der Lichen ruber planus eine Autoimmunerkrankung darstellt – also eine Krankheit, bei der sich das Abwehrsystem (Immunsystem) "irrtümlich" gegen körpereigene Strukturen richtet. Der Körper greift sich quasi selbst an.

Auch die Gene spielen eine Rolle

Menschen, deren Körperzellen bestimmte Eiweißmoleküle (bestimmte, sogenannte HLA-Antigene) auf ihren Oberflächen tragen, haben ein etwas höheres Risiko, an einem Lichen ruber zu erkranken. Auf der Grundlage dieser genetischen Veranlagung kann der Kontakt mit bestimmten Auslösern wie Viren – vor allem Hepatitis C-Viren – oder manchen Medikamenten zu einem Lichen ruber führen. Bei den allermeisten Patienten mit Lichen ruber gelingt es allerdings nicht, einen solchen Auslöser zu finden.

Äußere Reize können Symptome provozieren

Ist jemand erst einmal an einem Lichen ruber erkrankt, können unspezifische, äußere Einflüsse Lichen-ruber-Knötchen auf bisher unauffälligen Hautarealen hervorrufen. Beispiele für solche Reize sind ein Sonnenbrand, ein scheuernder Gürtel oder das Kratzen mit den Fingernägeln. Krankheitsherde im Mund entstehen manchmal durch schlecht sitzende Zahnprothesen, starkes Rauchen oder alkoholische Getränke. Dass krankheitstypische Hautveränderungen durch unspezifische örtliche Reize ausgelöst werden können, ist zum Beispiel auch bei Schuppenflechte bekannt. Der Hautarzt spricht von einem isomorphen Reizeffekt oder Köbner-Phänomen (nach dem Erstbeschreiber, dem Hautarzt Heinrich Köbner).

Allergie – manchmal ein Mit-Auslöser

Reagiert ein Mensch allergisch auf Inhaltsstoffe seiner Zahnprothese, seiner Zahnfüllungen oder seiner Zahnpasta, kann der anhaltende Kontakt mit dem Allergieauslöser zu einer chronischen Entzündung in der Mundschleimhaut führen. An genau den Stellen, an denen die Schleimhaut Kontakt mit dem Allergie-Auslöser hat, bilden sich dann manchmal Krankheitsherde eines Lichen rüber – allerdings im Sinne eines Köbner-Phänomens (siehe oben). Dies ist also nur dann der Fall, wenn eine Allergie vorliegt und unabhängig davon ein Lichen ruber. Der Lichen ruber selbst ist keine allergische Erkrankung! Im Übrigen kommen Kontaktallergien auf Prothesenmaterialien, Zahnfüllungen und Inhaltsstoffe von Zahnpasta nur sehr selten vor.

Gewebeproben liefern Hinweise auf Autoimmunerkrankung

Bei der feingeweblichen Untersuchung einer Hautprobe unter dem Mikroskop sieht der Spezialist (der Dermatohistologe) bei Lichen ruber unter anderem eine chronische Entzündungsreaktion mit zahlreichen Immunzellen und abgestorbenen Hautzellen im Grenzbereich von Oberhaut und Lederhaut. Außerdem fällt in den erkrankten Hautarealen eine unregelmäßige Verdickung der obersten Hautschichten einschließlich der Hornschicht auf. Die Entzündungsreaktion kann auch die Haarfollikel in Mitleidenschaft ziehen und bei längerem Bestehen zu ihrem Schwund (einer Atrophie, griechisch atrophia "Verkümmerung") führen. Die betroffenen Haare sind für immer verloren.

Diese feingeweblichen Krankheitszeichen sowie die Befunde verschiedener immunologischer Spezialuntersuchungen am Gewebe sprechen dafür, dass der Lichen ruber eine Autoimmunerkrankung ist.


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