Lichen ruber planus: Symptome

Mögliche Symptome bei Lichen ruber sind Hautknötchen, Haarausfall, Nagelveränderungen, weiße Linien auf Mund- oder Genitalschleimhaut – sowie starker Juckreiz

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 04.11.2014

Häufig bilden sich bei Lichen ruber flache Hautknötchen, oft in der Knöchelregion


Die Symptome des Lichen ruber planus (einer Knötchenflechte) sind vielgestaltig. Verschiedene Körperstellen können betroffen sein. Möglich sind:

1) Symptome an der Haut

2) Befall der Haare

3) Symptome an den Fingernägeln

4) Symptome an der Schleimhaut

Alle Formen des Lichen ruber können zu teils starkem Juckreiz führen. Genaueres zu den einzelnen Punkten erfahren Sie in den entsprechenden Abschnitten weiter unten im Text.

Ein Teil der Patienten leidet ausschließlich an Hautknötchen. Beim anderen Teil kommt es zu Schleimhautveränderungen – entweder zusätzlich oder als einziges Krankheitszeichen.

Ein solcher Lichen ruber mit Beteiligung der Schleimhaut heißt auch Lichen ruber mucosae – und stellt eine der häufigsten Erkrankungen der Schleimhaut von Mund und Genitalbereich dar. Frauen erkranken an dieser Form des Lichen ruber dreimal so häufig wie Männer.

1) Lichen ruber: Symptome an der Haut

Flache Knötchen: Die typische Veränderung eines Lichen ruber planus an der äußeren Haut ist ein flaches Knötchen (Papel) mit einem Durchmesser von einigen Millimetern. Die einzelnen Papeln ragen steil aufsteigend aus dem Hautniveau und sind im oberen Bereich plateauförmig abgeflacht. Da sie seitlich durch die natürlichen Hautfurchen begrenzt werden, haben die Knötchen in der Regel eine vieleckige Form. Benachbarte Papeln können zu flächigen Hautveränderungen zusammenfließen (konfluieren).

Die Farbe variiert zwischen entzündlich rot im Anfangsstadium und milchig violett bis bräunlich im weiteren Verlauf. Die Oberfläche einer frischen Papel zeigt einen matten Glanz. Im Laufe einiger Wochen werden auf den Papeln grauweiße Linien in netzähnlicher Anordnung sichtbar. Diese sogenannten Wickham-Streifen sind durch eine unregelmäßige Verdickung der obersten Hautschichten einschließlich der Hornschicht bedingt. Heilen die Krankheitsherde ab, bleibt oft eine braune Melaninpigmentierung zurück. Seltener sieht man einen umschriebenen Pigmentverlust (Depigmentierung).

Bevorzugte Hautstellen: Am häufigsten entstehen Lichen ruber-Papeln an den Beugeseiten von Handgelenken und Unterarmen sowie an den Streckseiten der Unterschenkel und in der seitlichen Knöchelregion. An diesen Stellen entwickeln sich die Knötchen zumeist schleichend. Gelegentlich sind auch die Handinnenflächen und die Fußsohlen betroffen. Hier fließen die Papeln typischerweise zu flächigen Veränderungen mit pflastersteinartiger Oberfläche und stark verdickter, gelblicher Hornschicht zusammen.

Bei manchen Patienten mit Lichen ruber bilden sich die juckenden Papeln am Oberkörper. Hierbei sind vor allem die Gürtel- und die Steißbeinregion betroffen, und die Knötchen treten typischerweise sehr plötzlich auf (Lichen ruber exanthematicus oder generalisatus).

Lichen ruber und Venenschwäche: Speziell bei Menschen, die an einer Venenschwäche mit Krampfadern leiden, können die Papeln eines Lichen ruber an den Unterschenkeln zu großen Knoten heranwachsen. Diese haben dann einen Durchmesser von einem Zentimeter oder noch mehr. Außerdem verdickt sich die Oberhaut und insbesondere die Hornschicht deutlich (Lichen ruber hypertrophicus oder verrucosus). Bestehen diese entzündlichen Hautveränderungen jahre- oder jahrzehntelang, kann sich in seltenen Fällen ein langsam wachsender Hautkrebs (ein sogenanntes verruköses Karzinom) darauf entwickeln.

Mögliche Folge – Gewebsschwund: Umgekehrt kann ein Lichen ruber im Laufe der Zeit aber auch zu einem Gewebsschwund (Atrophie) der betroffenen Hautstellen führen. Dann sieht man zahlreiche wenige Millimeter durchmessende Bereiche dünner Haut, durch die das darunter liegende Gewebe weißlich bis bläulich durchschimmert. Dieser Typ des Lichen ruber mit Atrophie der Haut (Lichen ruber atrophicus) kommt vor allem an den Unterschenkeln vor.

Blasen: Wenn die Entzündungsreaktion besonders stark ausgeprägt ist, können sich auf länger bestehenden Knötchen Blasen entwickeln. Dann spricht man von einem Lichen ruber bullosus.

2) Lichen ruber mit Befall der Haare

Ein Befall der Haare (Lichen ruber follicularis oder planopilaris) kann zusammen mit Symptomen an Haut und Schleimhäuten vorkommen, aber auch für sich alleine auftreten.

Am häufigsten ist die Körperbehaarung am Oberkörper und an den Innenseiten der Oberschenkel betroffen. Seltener erkranken die Haarfollikel im Bereich der Achselhöhlen und im Schambereich. Gerade bei Frauen kann aber auch die Kopfhaut befallen sein.

Im Bereich der Haarfollikel werden stecknadelkopfgroße, hellrote Knötchen sichtbar. Im Laufe der Zeit bilden sich spitzkegelige Hornpfröpfe in den Öffnungen der Follikel. Wenn man mit der Hand über die erkrankte Haut fährt, fühlt sie sich rau wie ein Reibeisen an.

Weitaus unangenehmer ist aber, dass die Entzündung in der Tiefe der Haarfollikel nach einiger Zeit die haarbildenden Strukturen zerstört. Die betroffenen Haare gehen unwiederbringlich verloren, und es entstehen Kahlstellen – narbige haarlose Areale mit glänzender Hautoberfläche. Der Arzt spricht von einer narbigen Alopezie (vernarbender Haarausfall).

3) Symptome an den Fingernägeln

Die betroffenen Nägel weisen eine Längsriffelung auf und werden im Laufe der Zeit immer dünner. Im Extremfall bildet sich die Nagelplatte ganz zurück, und Nagelbett und Nagelfalz verwachsen narbig miteinander. Nagelveränderungen können im Zusammenhang mit allen Formen des Lichen ruber planus auftreten.

4) Symptome an der Schleimhaut (Lichen ruber mucosae)

Mundschleimhaut: Befällt der Lichen ruber planus die Mundschleimhaut, sieht man typischerweise milchigweiße Linien, die farnkrautartig oder netzförmig angeordnet sind. Diese finden sich in etwa 80 Prozent der Fälle an der Wangenschleimhaut, zu etwa 50 Prozent an der Zunge und seltener auch im Bereich von Lippenrot, Gaumen oder Zahnfleisch. Darüber hinaus können sich vor allem am Zungenrücken pflastersteinartige weißliche Knötchen bilden.

Beschwerden: Anfangs bemerken die Betroffenen die Veränderungen häufig gar nicht. Wird die Entzündung stärker, können jedoch Brennen und Schmerzen hinzu kommen – vor allem beim Genuss saurer, scharf gewürzter oder besonders fester Lebensmittel wie Kekse. Manche Betroffene klagen außerdem über ein "pelziges Gefühl" und über Trockenheit der Mundschleimhaut. Etwa 40 Prozent der Patienten leiden an oberflächlichen Substanzdefekten (Erosionen) der Schleimhaut mit besonders stark ausgeprägten Beschwerden.

Im Genitalbereich kommt der Lichen ruber bei Männern häufig im Bereich der Eichel (Glans penis) vor, bei Frauen an den Innenseiten der großen Schamlippen sowie an den kleinen Schamlippen. Bei beiden Geschlechtern kann zudem der Analbereich betroffen sein. Ähnlich wie an der Mundschleimhaut sieht man farnkrautähnliche bis netzförmige weißliche Zeichnungen, gelegentlich auch kleine Kötchen. Wenn die Entzündung sehr stark ausgeprägt ist, können kleine Erosionen, also nässende oberflächliche Substanzdefekte, hinzukommen. Besonders Frauen sowie Patienten mit Beteiligung der Analregion leiden unter starkem Juckreiz oder einer Kombination aus Juckreiz und brennendem Schmerz.

Mögliche Langzeitfolge: Besteht die chronische Entzündung im Schleimhautbereich über viele Jahre oder gar Jahrzehnte, kann sich in etwa ein bis zwei Prozent der Fälle an den betroffenen Stellen ein Krebs (Karzinom) der Schleimhaut entwickeln. Eine konsequente Therapie hilft, die Entzündung zu unterdrücken. Dies befreit den Betroffenen nicht nur von seinen Beschwerden, sondern kann ihn auch davor schützen, dass sich auf dem Boden des Lichen ruber mucosae ein Krebs entwickelt.


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