Epilepsie: Therapie

Bei Epilepsie kann der Arzt spezielle Medikamente (Antikonvulsiva, Antiepileptika) verschreiben. Sie senken das Risiko für epileptische Anfälle. Manchmal hilft eine Operation (Epilepsiechirurgie)

aktualisiert am 28.05.2014

Bei Epilepsie senken bestimmte Medikamente (Antikonvulsiva, Antiepileptika) die Wahrscheinlichkeit, dass epileptische Anfälle auftreten


Ob eine Behandlung bei Epilepsie begonnen werden sollte, welche Therapie erfolgversprechend erscheint und wie lange sie fortgeführt werden muss, ist letztlich immer eine individuelle Entscheidung. Der Arzt sollte nach Möglichkeit ausführlich über die Krankheit, über geeignete Behandlungsverfahren sowie mögliche Vor- und Nachteile informieren.

Tipps für den Alltag

Generell empfiehlt es sich Schlafentzug zu vermeiden. Das mindert das Risiko für epileptische Anfälle. Wer an Epilepsie leidet, sollte Alkohol nur in kleinen Mengen genießen. Merkt man, dass man getrunken hat, ist das schon zu viel. Gegen ein gelegentliches Glas Wein oder Sekt ist aber meistens nichts einzuwenden.

Eine psychologische Beratung kann Sinn machen, wenn es darum geht, mit der Krankheit im Alltag oder am Arbeitsplatz zurechtzukommen. Junge Patienten müssen sich die Berufswahl gut überlegen. Denn manche Arbeitsplätze bergen womöglich besondere Risiken, sofern es zu Anfällen kommt –  zum Beispiel Arbeiten in großer Höhe oder das Lenken eines Fahrzeugs. Betroffene sollten sich daher im Vorfeld bei Ihrem Neurologen (oder Kinderarzt) informieren.

Auto fahren bei Epilepsie?

Geklärt werden muss auch die Frage, ob eine Tauglichkeit besteht, selbstständig ein Kraftfahrzeug zu führen. Grundsätzlich ist ein Patient, der an epileptischen Anfällen leidet, nur dann dafür geeignet, wenn er ein Jahr anfallsfrei bleibt. (Achtung: Für verschiedene Führerscheinklassen und Ausprägungen der Krankheit existieren auch unterschiedliche Bestimmungen. Patienten sollten sich also unbedingt individuell beraten lassen!). Die Medikamente gegen die Krankheit (Antikonvulsiva) sollten bei einer guten Therapie nicht zur Fahruntauglichkeit führen. Der behandelnde Neurologie gibt hier Auskunft, gegebenenfalls muss ein Fahrtauglichkeitsgutachten erstellt werden.

Medikamente

Es sind viele verschiedene Arzneien auf dem Markt, die bei Epilepsie angewendet werden. Sie können die Krankheit zwar nicht heilen, aber die Wahrscheinlichkeit senken, dass epileptische Anfälle auftreten. Die Medikamente wirken als "Anfallsblocker" (Antikonvulsiva) – allerdings nur dann, wenn sie wirklich regelmäßig wie verordnet eingenommen werden. Häufig verschriebene Wirkstoffe sind beispielsweise: Carbamazepin, Oxcarbazepin, Eslicarbazepinacetat, Valproinsäure (Valproat), Phenytoin, Lamotrigin, Levetiracetam, Lacosamid, Phenobarbital, Pregabalin, Ethosuximid, Topiramat, Retigabin, Zonisamid, Perampanel, Benzodiazepine (um nur eine Auswahl wichtiger Arzneimittel zu nennen).

Der Arzt richtet sich bei der Wahl des passenden Medikaments unter anderem nach der Art der Epilepsie (siehe auch Kapitel Symptome und Ursachen). Außerdem muss er Verträglichkeit und mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Leberbelastung, Interaktion mit anderen Medikamenten, psychische Reaktionen im Blick haben und auf den Patienten abstimmen.

Üblicherweise wird der Arzt mit einer kleinen Medikamentendosis beginnen, die allmählich in einen für den Patienten optimalen Bereich gesteigert wird. Medikamente können bei Patienten auch individuell schwere Nebenwirkungen auslösen, zum Beispiel Leberversagen bei der Valproinsäure. Daher wird der Arzt den Patienten ausführlich beraten und im Verlauf überwachen.

Bei fast jedem zweiten erwachsenen Patienten gelingt es bereits mit dem ersten Wirkstoff, künftige Anfälle zu verhindern. Bei weiteren 15 Prozent ist das immerhin im zweiten Anlauf erreichbar: durch den Wechsel auf ein anderes Präparat. Allerdings handelt es sich bei diesen Angaben um statistische Werte. Bleibt die Therapie mit einem einzelnen Medikament ohne Erfolg, wird der Arzt eventuell eine Medikamenten-Kombination verordnen.

Vorsicht, Wechselwirkung: Manche Antikonvulsiva können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, so dass sich der Effekt abschwächt oder verstärkt. Vor allem bei sogenannten blutverdünnenden Medikamenten wie Cumarinen, Immunsuppressiva oder der "Anti-Baby-Pille" muss das beachtet werden.

Vorausplanen für eine Schwangerschaft: Frauen mit Epilepsie, die sich Kinder wünschen, sollten nach Möglichkeit etwas vorausdenken, damit kein Risiko für ihr ungeborenes Baby entsteht. Je sorgfältiger eine im Vorfeld geplant ist, desto besser. Insbesondere sollte die Therapie zuvor vom Arzt entsprechend angepasst sein. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Versorgung mit Folsäure.

Oft wichtig: Vitamine gezielt ergänzen

Patienten, die bestimmte Epilepsie-Medikamente nehmen, müssen besonders gut auf ihre Vitaminversorgung achten. Oft brauchen sie Vitamine sogar in Form von Präparaten, als genau angepasste Nahrungsergänzung. Denn die Arzneistoffe beeinflussen den Blutspiegel mancher Vitamine. Dies gilt insbesondere für sogenannte enzyminduzierende Antikonvulsiva wie das Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Primidon, aber auch für den Enzymhemmer Valproinsäure. Seit langem ist bekannt, dass diese Medikamente in den Vitamin D-Stoffwechsel eingreifen und zur Osteoporose führen können. Darüber hinaus können laut einer Studie aus dem Jahr 2011 an mehr als 3000 Personen Medikamente wie Carbamazepin, Valproinsäure (Valproat) und Phenytoin den Folsäure-Spiegel, Vitamin B9 / Vitamin B11, im Blut senken. Wirkstoffe wie Phenobarbital oder Topiramat führen unter Umständen zu niedrigeren Vitamin B12-Werten. Beides kann negative Folgen haben, zum Beispiel die Blutbildung beeinträchtigen und negative Einflüsse auf die Kognition (das Denkvermögen) haben. Über dieses Thema sollten Patienten am besten mit ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Link zur Zusammenfassung der Studie (engl.):

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Therapie beim epileptischem Anfall

Für den akuten Fall stecken Betroffene am besten einen Notfallausweis ein, auf dem ihre Krankheit und die genaue Therapie beschrieben ist. Er informiert Helfer schnell und zuverlässig. Um einen (langen) epileptischen Anfall zu unterbrechen, kann der Arzt zum Beispiel Benzodiazepine verabreichen, die man in die Wangentasche schieben (Lorazepam) oder als Lösung (Midazolam) in die seitliche Mundhöhle spritzen kann.

Wie Sie am besten reagieren, wenn jemand einen epileptischen Anfall erleidet, lesen Sie im Kapitel Erste Hilfe.

Medikamente wieder absetzen?

Unter bestimmten Bedingungen kann erwogen werden, eine Medikamenten-Therapie wieder abzusetzen. So "heilen" manche Epilepsien des Kindesalters mit den Jahren aus. Ob und wann Tabletten verzichtbar sind, sollte aber immer genau mit dem Arzt abgesprochen werden, da es sonst zu womöglich erneut zu Anfällen kommt. Etwa zwei Drittel aller Patienten müssen Medikamente lebenslang einnehmen.

Operationen (Epilepsiechirurgie)

In bestimmten Fällen kommt zur Therapie einer Epilepsie ein chirurgischer Eingriff infrage – beispielsweise wenn Medikamente allein nicht den gewünschten Erfolg bringen. Ob eine solche Epilepsiechirurgie aussichtsreich erscheint, wird am besten in einem spezialisierten Zentrum geklärt, das über viel Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt.

Ist ein ganz bestimmter Hirnbereich – ein "Herd" – der Ausgangspunkt der epileptischen Anfälle, kann diese Stelle eventuell in einer Operation entfernt und die Krankheit dadurch gebessert oder im Idealfall sogar geheilt werden. Dieser Eingriff verlangt allerdings genaue, teilweise auch aufwendige Planung. Schließlich dürfen bei der Operation keine unverzichtbaren Gewebe aus dem Gehirn entnommen werden. Moderne Diagnoseverfahren helfen, dieses Risiko im Vorfeld möglichst weit zu senken. Wie bei jeder Operation können zudem Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen vorkommen.

Stimulationsverfahren

Die seltener angewendete Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist eine andere Möglichkeit, die Häufigkeit epileptischer Anfälle zu senken. Dabei wird dem Patienten in einem kleinen Eingriff eine Art Schrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins im linken Brustbereich eingesetzt. Ein Kabel führt von dort zum linken Vagusnerv am Hals. Dieser Hirnnerv steuert auch die Funktion innerer Organe. Der "Schrittmacher" stimuliert den Nerv regelmäßig mit elektrischen Signalen. Dies beeinflusst die Hirnaktivität dahingehend, dass weniger Anfälle auftreten. Seit kurzem ist ein VNS-Modell auf dem Markt, das neben der regelmäßigen Stimulation bei Patienten mit Beschleunigung des Herzschlags (Tachykardien) im Anfallsbeginn automatisch stimuliert. Es kann damit noch zusätzliche Impulse zur Anfallshemmung abgeben.

Andere Stimulationsverfahren wie die "Tiefe Hirnstimulation" sind bei Epilepsie derzeit noch sehr wenig verbreitet. Ihr wirklicher Nutzen ist noch nicht abschließend geklärt. Solche Therapien sollten deshalb im Rahmen von wissenschaftlichen Studien an spezialisierten Einrichtungen stattfinden.

Weitere Therapien

Die sogenannte Keto-Diät (eine modifizierte Atkins-Diät) wird bei schwer behandelbaren Epilepsien im Kindesalter manchmal mit großem Erfolg eingesetzt. Diätmaßnahmen sollten aber nur in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Eine Biofeedback-Therapie wird unter anderem auch in der Epilepsie angewendet. Sie hat sich bisher wegen der unklaren Erfolgssituation nicht etablieren können.


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