Bulimie: Diagnose

Von außen ist nur schwer erkennbar, dass jemand an Bulimie leidet. Entschließen sich Betroffene zur Therapie, bringt das Gespräch mit Ärzten und Psychologen genaueren Aufschluss

aktualisiert am 25.08.2014

Termin beim Arzt: Im Gespräch ergeben sich Hinweise, ob eine Bulimie vorliegen könnte oder nicht


Eine Bulimie ist im Gegensatz zu anderen Essstörungen wie Magersucht nicht zwangsläufig mit einem anormalen Körpergewicht verbunden. Viele bulimische Männer und Frauen halten ihre Essstörung gut versteckt. Außenstehende bemerken eine Bulimie häufig noch nicht einmal bei ihren Kindern, engen Freunden oder Partnern. Es gibt jedoch körperliche und psychische Merkmale, die auf eine Bulimie hindeuten können (siehe dazu Kapitel Symptome: Abschnitt "Woran erkennt man, dass jemand an Bulimie leidet?")

Bulimie-Erkrankte wissen oft ganz genau, dass sie an einer Essstörung leiden. Ihnen gelingt es aber nicht, dem Kreislauf von Hungern, Essanfällen und Gegenmaßnahmen wie Erbrechen aus eigener Kraft zu entkommen. Viele schämen sich für ihr Verhalten. Zu der Krankheit zu stehen und professionelle Hilfe zu suchen, erfordert viel Mut.

Besteht der Verdacht, dass jemand aus dem näheren Umfeld (Partner, Freund oder Verwandter) unter Bulimie leidet, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefordert. Vertraute sollten versuchen, das Thema anzusprechen – natürlich nicht vor der versammelten Familie, sondern bei einer passenden Gelegenheit unter vier Augen. Wer unsicher ist, kann sich Unterstützung holen – zum Beispiel beim Hausarzt, bei Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen (siehe Links am unteren Seitenrand).

Lautet die Diagnose Bulimie?

Hat ein Betroffener erst einmal den wichtigen Schritt geschafft, ehrliche Auskunft über das eigene Essverhalten zu geben, ist die Diagnose eindeutig, wenn...

  • mindestens zwei Essattacken mit sehr großen Nahrungsmengen (bis zu mehreren tausend Kalorien) pro Woche in einem Zeitraum von über drei Monaten vorkommen,
  • die Anfälle von einem Gefühl des Kontrollverlusts und anschließenden Schamgefühl begleitet werden.
  • versucht wird, die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden, zum Beispiel durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel, Entwässerungstabletten, Diäten oder übermäßige körperliche Betätigung. Erbrechen ist die häufigste Form (80 Prozent).

Wer befürchtet, das eigene Essverhalten nicht mehr steuern zu können, sollte sich aber in jedem Fall an einen Arzt oder Therapeuten wenden – auch wenn die Symptome von dem geschilderten Muster abweichen. Erster Ansprechpartner kann zum Beispiel der Hausarzt sein. Im Gespräch mit dem Mediziner ergeben sich Hinweise, ob eine Essstörung vorliegen könnte. Er wird bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen.

Neben den klassischen Störungsbildern der Magersucht und der Bulimie gibt es viele Betroffene mit einzelnen Symptomen einer Essstörung, die nicht alle Kriterien der Magersucht und Bulimie erfüllen. Experten sprechen in diesen Fällen von einer "nicht näher bezeichneten" Essstörung.

Wichtig: Die körperliche Untersuchung

Der Arzt wird den Patienten außerdem gründlich untersuchen, um auszuschließen, dass körperliche Krankheiten oder Medikamente hinter den Symptomen stecken. So können manchmal zum Beispiel Schilddrüsenfunktionsstörungen oder bestimmte Psychopharmaka Heißhungerattacken auslösen. Auch müssen andere oder begleitende psychische Krankheiten ausgeschlossen werden, beispielsweise eine Depression, eine Zwangsstörung oder eine Borderline-Störung.

Der Arzt wird sich auch einen Eindruck verschaffen, ob die Bulimie bereits zu Folgeschäden und Mangelerscheinungen geführt haben könnte – etwa zu Zahnproblemen, Entzündungen der Speiseröhren-Schleimhaut, Menstruationsstörungen.

Blutuntersuchungen zeigen, ob Störungen im Mineralhaushalt (Elektrolytstörungen) vorliegen. (Mehr zu möglichen körperlichen Folgen lesen sie im Kapitel Symptome und Folgen).


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