Bei Essstörungen Selbsthilfegruppen finden

Von angeleiteten Treffen bis zu den Overeaters Anonymous: Wo Menschen mit Esszwängen Gruppenangebote finden und wie sich diese unterscheiden

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 06.09.2016
Essstörungen bei Älteren

Gestörtes Selbstbild: Dann kann die Erfahrung einer Gruppe helfen


Zwanghaftes Essverhalten kann sich auf viele Arten zeigen: Magersüchtige essen extrem wenig, Menschen mit Ess-Brechsucht haben Essanfälle, nach denen sie sich übergeben, und auch diejenigen mit einer Binge Eating-Störung leiden unter Heißhungerattacken, teilweise folgt daraus eine starke Gewichtszunahme. Alle Formen gefährden die Gesundheit. Außerdem müssen die Betroffenen oft viele Jahre lang kämpfen, um die Störung zu überwinden.

Die Behandlung ausgeprägter Fälle besteht meist aus einer Psychotherapie, unter Umständen auch mit stationären Aufenthalten in einer psychosomatischen Klinik. Unterstützend kommen Selbsthilfegruppen infrage: "Vor allem sind solche Gruppen als Begleitmaßnahme sinnvoll oder wenn jemand bereits eine Therapie hinter sich hat und schon etwas stabiler ist", sagt Andreas Schnebel, Vorsitzender des Bundesfachverbandes Essstörungen e.V. (BFE). Oft helfe die Gruppe dabei, die soziale Isolation des Einzelnen zu durchbrechen. Er rät allerdings davon ab, zu früh in eine Selbsthilfegruppe zu gehen: "Man würde ja auch nicht einen fortgeschrittenen Sprachkurs besuchen, wenn das Grundvokabular der Sprache noch fehlt."

Erfahrene Leitung ist wichtig

In Selbsthilfegruppen können sich schlimmstenfalls auch Informationen verbreiten, die der Heilung abträglich sind. Dazu gehören zum Beispiel Abnehmtipps bei Magersüchtigen. Schnebel plädiert dafür, sich über anerkannte Beratungsstellen Selbsthilfegruppen zu suchen, die von versierten Menschen geleitet werden: "Die Leiter können Psychologen sein oder auch Betroffene, die sich schon länger mit ihren Zwängen auseinandergesetzt haben und sehr gefestigt sind", sagt der Experte, der auch therapeutischer Leiter des ist.

Sozialpädagogin Sabine Schoberth arbeitet in der in München. Dort wird auf professionelle Leiterinnen gesetzt, um die Gesprächsrunden so zu gestalten, dass ein positiv konstruktiver Tenor vorherrschend ist und mit den jeweiligen Ressourcen des Einzelnen gearbeitet wird.

Psychologisch begleitete Gruppen

Die Gruppenleiterinnen von "Cinderella" haben eine qualifizierte Therapieausbildung und sind vom Grundberuf her Psychologinnen, Sozialpädagoginnen oder Heilpraktikerinnen. Auch wird nicht jeder aufgenommen: Zunächst ist ein Beratungsgespräch verpflichtend. "Da klären wir ab, ob die Vorstellungen der Interessenten realistisch sind, ob sie für eine Gruppe geeignet sind und welche Gruppe passen würde." Die Gruppen stehen grundsätzlich sowohl Frauen als auch Männern offen.

Cinderella-Gruppen in München

Bis zu acht Teilnehmer sind beim Konzept "Cinderella" in einer Gruppe, diese sind abgestuft nach dem Alter: 18plus, 25plus oder 35plus. Maximal drei Jahre können die Mitglieder in einer Gruppe bleiben. In diesen Gruppen können verschiedene Essstörungen vorkommen. Außerdem gibt es eine spezielle Gruppe für übergewichtige Frauen und die Gruppe "Dolce vita" für Ehemalige, die aber Rückfälle befürchten oder erleben und deren Gedanken immer noch um ihre Figur, Kalorien und Ähnliches kreisen. Die Treffen finden wöchentlich oder alle zwei Wochen statt und sind kostenpflichtig, wobei Härtefälle weniger zahlen müssen.

Typischer Ablauf eines Treffens

Ein Treffen dauert in Cinderella-Gruppen zwei Stunden. Zuerst erzählen die Mitglieder in einer Blitzlicht-Runde, wie es ihnen aktuell geht und was in der letzten Woche wichtig für sie war. Dann wird gemeinsam mit der Leiterin sortiert, welche Themen sich daraus ergeben, über die die Gruppe sprechen sollte. Das können zum Beispiel der eigene Leistungsanspruch sein, selbstgemachter oder äußerer Druck, Minderwertigkeitsgefühle oder auch Alltagsprobleme wie Konflikte mit Kollegen und Familienmitgliedern.

"Dabei setzt die Leiterin, wenn es passt, auch kreative Mittel ein", erzählt Schoberth. "Die Teilnehmer malen, machen ein Rollenspiel, oder es kommen Techniken aus der Körper- oder Familientherapie zum Einsatz." Am Ende des Treffens reflektieren die Teilnehmer, was sie vom Treffen mit nach Hause nehmen.

Erfahrungen von zwei Teilnehmerinnen (Cinderella und OA):


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