Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)

Die Elektrophysiologische Untersuchung ist eine spezielle Herzkatheter-Untersuchung. Sie dient der Analyse von Herzrhythmusstörungen

von Dr. med. Dagmar Bischoff, aktualisiert am 10.04.2017
Elektrophysiologische Untersuchung

Bei der EPU zeigen Bildschirme die Ableitung der Herzströme an


Was sind Herzrhythmusstörungen?

Dass das Herz mal schneller und mal langsamer schlägt, ist völlig normal. Auch, dass es hin und wieder stolpert, muss noch lange kein Hinweis auf eine klinisch bedeutsame Herzrhythmusstörung sein. Allerdings gibt es auch Störungen des Herzrhythmus, die erhebliche Symptome verursachen und den Betroffenen gefährden. Beispielsweise kann der Herzschlag streckenweise derart verlangsamt sein, dass der Betroffene in Ohnmacht fällt. Andere Herzrhythmusstörungen gehen mit so einem rasanten Herzschlag einher, dass ein sogenanntes Kammerflimmern resultieren kann, welches unbehandelt zum Tod führt. Und neben völllig harmlosen und sehr gefährlichen Störungen gibt es noch eine große Spannbreite von Zwischenformen. Deshalb ist es für die Entscheidung über die Art der Behandlung besonders wichtig, die Art der Herzrhythmusstörung genau kennenzulernen und auch den Entstehungsort aufzuspüren. Der Entstehungsort kann beispielsweise in den Vorhöfen liegen, dann spricht man von supraventrikulär, oder in einer der Herzkammern, dann ist es eine ventrikuläre Rhythmusstörung.

Welche Untersuchungen gibt es für Herzrhythmusstörungen?

Der Verdacht auf Herzrhythmusstörungen kann beispielsweise durch Symptome wie kurzzeitigen Schwindel oder einer Ohnmacht (Synkope) aufkommen. Dann setzt der Arzt üblicherweise zunächst ein Elektrokardiogramm (EKG) ein, oft auch als Langzeit-EKG. Inzwischen sind mit tragbaren EKG-Aufnahmegeräten sogar mehrtägige Aufzeichnungen des Herzrhythmus möglich. Sogenannte Event-Recorder ("Ereignis-Aufzeichner") kann der Patient in dem Moment einschalten und an die Brust halten, in dem er eine Rhythmusstörung spürt. Es gibt sogar Event-Recorder, die unter die Haut implantiert werden.

Echokardiografie vom Herz

Bei allen Herzrhythmusstörungen ist es außerdem wichtig, Erkrankungen der Herzmuskels, der Herzklappen und der Herzkranzgefäße auszuschließen. Dazu gehört auch eine Narbe nach einen Herzinfarkt. Um solche Veränderungen aufzuspüren, setzt man beispielsweise den Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) oder auch ein Belastungs-EKG ein. Auch eine Herzkatheteruntersuchung oder eine CT-Angiografie der Herzkranzgefäße kann sinnvoll sein.

Ist die Art der Rhythmusstörung weiterhin unklar, kann die EPU ins Spiel kommen. Sie ermöglicht es, Herzrhythmusstörungen sehr genau zu beurteilen. Allerdings greift die Methode auch wesentlich stärker in den Körper ein: Der Arzt führt ähnlich wie bei einem Herzkatheter biegsame Sonden über die Blutgefäße bis zum Herzen vor. Dabei handelt es sich um spezielle Elektrodenkatheter. Mit diesen kann er direkt aus dem Herzen EKG-Ableitungen messen.

Katheterablation

Wann wird die EPU durchgeführt?

Die EPU setzen Ärzte in mehreren Fällen ein: Wenn beispielsweise im Langzeit-EKG Rhythmusstörungen festgestellt wurden, die einer genaueren Abklärung oder einer Behandlung durch eine Katheterablation bedürfen. Bei einer Katheterablation verödet der Arzt schmerzfrei den Bereich des Herzgewebes, von dem die Herzrhythmusstörung ausgeht. Auch hierfür gibt es spezielle Katheter. Sie arbeiten meistens mit Hochfrequenzstrom oder mit Kälte. Die EPU dient vorab zum Auffinden des Herdes. Beispielsweise, wenn zusätzliche Leitungsbahnen im Herzen vorliegen, die eine Art elektrischen "Kurzschluss" verursachen, kann die Katheterablation diese Leistungsbahnen ausschalten. Solche Rhythmusstörungen heißen AV-Knoten-Tachykardie oder Wolff-Parkinson-White-(WPW)-Syndrom.

Aber auch, wenn der Verdacht auf Rhythmusstörungen besteht, ohne dass sie im EKG aufgezeichnet werden konnten, verwenden Ärzte öfter die EPU. So ein Fall besteht zum Beispiel bei dem Verdacht auf eine Fehlfunktion des Haupttaktgebers des Herzens (Sinusknoten). Auch wiederholtes Herzrasen (Verdacht auf tachykarde Herzrhythmusstörungen) und ungeklärte Bewusstlosigkeit (Synkope), können Gründe für die EPU sein, oder wenn jemand einen plötzlichen Herzstillstand überlebt hat.

Wie läuft die EPU ab?

Die Untersuchung selbst wird in aller Regel in örtlicher Betäubung – also bei Bewusstsein – durchgeführt. Zusätzlich kann bei Bedarf ein Beruhigungsmittel gegeben werden. Die EPU kann je nach Art der Herzrhythmusstörung nach einer halben bis zwei Stunden abgeschlossen sein. In komplizierten Fällen dauert sie aber auch durchaus einmal mehrere Stunden, beispielsweise wenn sich die Suche nach dem auslösenden Herd schwierig gestaltet und auch noch in der selben Sitzung eine Katheterablation erfolgt. Während der Untersuchung werden kontinuierlich das EKG und der Blutdruck kontrolliert.

Katheterablation

Platzieren der Elektrodenkatheter

Der Arzt geht bei der EPU folgendermaßen vor: Zuerst punktiert er in der Regel die beiden Leistenvenen. Die Einstichstellen werden vor der Punktion örtlich betäubt, die restliche Untersuchung ist schmerzfrei. In die punktierten Gefäße führt der Untersucher einen kleinen Kunststoffschlauch mit Ventil (Schleuse) ein, über den er die zwei bis sechs dünnen Elektrodenkatheter vorschiebt. Dem Verlauf des Gefäßes folgend führt er die Katheter bis zur rechten Herzhälfte. Typische Plätze für die Sonden sind: rechter Vorhof, Übergang vom Vorhof zur Kammer, und die Spitze der rechten Herzkammer. Die richtige Lage der Katheter kontrolliert der Arzt fortwährend durch Röntgenaufnahmen (Durchleuchtung).

Manchmal liegt der Ursprung der Herzrhythmusstörung in der linken statt der rechten Herzhälfte. Dann kann es nötig sein, mit dem Katheter in die linke Herzhälfte zu gelangen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man punktiert die Trennwand der beiden Vorhöfe und gelangt so vom rechten ins linke Herz. Oder man schiebt einen Katheter über die Hauptschlagader bis in das linke Herz vor. Dafür muss der Arzt eine Arterie in der Leiste punktieren und die Sonden über die große Bauchschlagader zum Herz vorschieben.

Messung der Herzrhythmusstörung mit der EPU

Sobald die Elektrodenkatheter an der gewünschten Position liegen, registriert der Untersucher über sie EKG-Ableitungen direkt aus dem Herzen (intrakardiales EKG). Treten die gesuchten Herzrhythmusstörungen nicht von alleine auf, stimuliert der Arzt über dieselben Katheter das Herz. Dabei verwendet er elektrische Impulse. Lassen sich die Herzrhythmusstörungen so auslösen, kann der Arzt den Ort und den Mechanismus ihrer Entstehung bestimmen. Außerdem kann er das Risiko für Beschwerden bis hin zum Herzstillstand abschätzen.

Manchmal dauert die durch den Arzt verursachte Rhythmusstörung der Herzkammern an. Dann muss sie in seltenen Fällen durch einen äußeren Elektroschock beendet werden.

Herzkatheter

Ergebnisse der EPU

Ist im Rahmen der EPU bereits eine Katheterablation erfolgt, beispielsweise wegen Herzrasen, Vorhofflattern, Vorhofflimmern oder den bereits oben erwähnten zusätzlichen Leitungsbahnen, empfiehlt sich im Nachgang eine Überwachung des Erfolges. Dafür sind mehrere EKGs in zeitlichen Abständen oder auch LangzeitEKGs geeignet.

Bei anderen Herzrhythmusstörungen spricht sich der Arzt eventuell für eine andere geeignete Therapie aus, beispielsweise für einen Herzschrittmacher oder einen Herzschrittmacher mit zusätzlicher Defibrillatorfunktion. Im Gegensatz zur Katheterablation ist für die Implantation eines Herzschrittmachers ein zweiter Eingriff erforderlich.

Was sind Risiken und Nebenwirkungen der EPU?

Lokale Komplikationen an der Punktionsstelle sind am häufigsten. Hier kann es in 10% bis 20% zu einem Bluterguss, in 1% bis 3% zur Nachblutung und selten auch zu einer Verletzung des Gefäßes oder der begleitenden Nerven kommen.

Wie bei jedem Kathetereingriff können sich Blutungen, Thrombosen oder Embolien ereignen. Schwerwiegende Komplikationen wie ein Schlaganfall oder eine Verletzung des Herzens oder der großen Gefäße treten sehr selten auf (circa 1 von 1000 Untersuchungen).

Herzrhythmusstörungen löst der Arzt bei der EPU willentlich aus. Man kann sie daher nicht als Komplikation der Untersuchung bezeichnen, auch, weil sie in der Regel von selbst wieder verschwinden. Sollte dennoch eine behandlungsbedürftige Rhythmusstörung verbleiben, kann der Arzt sie normalerweise noch während der Untersuchung wieder beheben.

Prof. Dr. Med. Wolfram Delius

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitätsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus). Inzwischen führt er eine eigene Praxis.

Profesor Delius wirkt seit Jahren aktiv bei Fortbildungsveranstaltungen der Bayerischen Ärztekammer mit und wurde mit der Ernst von Bergmann Plakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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