Zytomegalievirus-Infektion (CMV-Infektion)

Infektionen mit dem Zytomegalievirus (CMV) sind häufig. Problematisch können sie für Menschen mit geschwächter Immunabwehr und in der Schwangerschaft werden

von Dr. med. Dagmar Schneck, 03.02.2015

Das Zytomegalievirus (CMV) unter dem Mikroskop


Was ist eine Zytomegalievirus-Infektion?

Das Zytomegalievirus (auch Cytomegalievirus, CMV) gehört zu den Herpesviren. Ähnlich wie die Erreger der Herpesbläschen oder der verbleibt es nach einer Erstinfektion im Körper des Betroffenen und kann reaktiviert werden. Für die meisten Menschen ist die Zytomegalievirus-Infektion harmlos. Oft läuft sie auch unbemerkt ab. Schwere Krankheitsverläufe gibt es vor allem bei Menschen mit einer Immunabwehrschwäche. Gefährlich ist eine Infektion außerdem während der Schwangerschaft, denn sie kann auf das ungeborene Kind übergehen und womöglich zu Schäden führen.

Wie häufig ist eine CMV-Infektion und wie wird sie übertragen?

Infektionen mit dem Zytomegalievirus sind häufig, das Virus ist weltweit verbreitet. Untersuchungen von Blutspendern und schwangeren Frauen lassen vermuten, dass etwa 50 Prozent der europäischen Durchschnittsbevölkerung eine CMV-Infektion durchgemacht haben. Das Ansteckungsrisiko ist abhängig vom Lebensalter und den Lebensumständen eines Menschen. Wechselnde Sexualpartner machen eine Infektion wahrscheinlicher, ebenso der Umgang mit Kleinkindern unter drei Jahren – denn sie scheiden nach einer Infektion oft größere Virusmengen aus und können ihre Mütter oder andere Betreuungspersonen anstecken.

Bei jeder Infektion, das heißt sowohl bei einer Erstinfektion als auch bei einer Reaktivierung, ist das Virus in verschiedenen Körperflüssigkeiten enthalten. Durch den Kontakt mit beispielsweise infektiösem Speichel, Urin, Muttermilch oder Blut ist eine Ansteckung mit dem Virus möglich. Während der kann die Erkrankung von der Mutter auf das ungeborene Kind übergehen.

Welche Symptome treten bei einer CMV-Infektion auf?

Bei Menschen mit einer gesunden Immunabwehr läuft die Erkrankung meistens ohne Symptome ab. Selten treten uncharakteristische grippeartige Beschwerden wie Husten, Abgeschlagenheit und Fieber auf, oder Schwellungen der Lymphknoten wie bei einem Pfeifferschen Drüsenfieber (Mononukleose). Auch Frauen, die sich während der Schwangerschaft infizieren, haben häufig keine Beschwerden.

Gefährlich ist eine Infektion mit dem Zytomegalievirus für Ungeborene und Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunabwehrschwäche. Diese kann Folge einer Erkrankung oder einer Behandlung mit bestimmten Medikamenten sein. Betroffen sind zum Beispiel Menschen mit einer HIV-Infektion, mit einem Tumorleiden oder nach einer Organtransplantation. Bei ihnen kann das Virus verschiedene Organe befallen. Häufig ist eine bestimmte Form einer Lungenentzündung. Typische Symptome sind dann Husten und Atemnot. Aber auch ein Befall der Leber und des Darmes ist möglich. Beschwerden können Übelkeit, Erbrechen und eine Gelbsucht sein. Wenn das Virus die Netzhaut am Auge angreift, droht schlimmstenfalls eine Erblindung.

Bei Neugeborenen, die im Mutterleib eine Infektion durchgemacht haben, kommen Wachstumsverzögerungen und insbesondere eine bestimmte Form der Hörstörung vor. Häufig gibt es auch neurologische Spätschäden.

CMV-Infektion in der Schwangerschaft

Besonders problematisch ist eine erstmalige CMV-Infektion in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft. In diesem Falle kommt es in etwa 20 Prozent zu einer Ansteckung des ungeborenen Kindes. Bei mehr als der Hälfte dieser Kinder führt die Infektion zu schweren und dauerhaften Schäden. Dazu gehören Hörschäden, Wachstumsverzögerungen, geistige Behinderung und eine Entwicklungsstörung des Gehirns. Häufig fallen diese Veränderungen erst mit zunehmendem Alter der Kinder auf. CMV kann auch das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

Bei einer erstmaligen Infektion im letzten Drittel der Schwangerschaft ist zwar die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass sich das ungeborene Kind ansteckt. Doch die Infektion scheint für das Kind nicht mehr so gefährlich zu sein. Dauerhafte Schäden sind eher unwahrscheinlich.

Hat eine Frau bereits vor der Schwangerschaft eine Immunität gegenüber CMV aufgebaut, ist das Baby normalerweise nicht gefährdet. Zwar kann es grundsätzlich auch zu einer Reaktivierung der CMV-Infektion in der Schwangerschaft kommen. Eine erneute Infektion (Re-Infektion) mit einem geringfügig abweichenden CMV-Virus ist ebenfalls denkbar. Doch eine Übertragung auf das ungeborene Kind ist in solchen Fällen selten. Wahrscheinlich bieten die Antikörper im Blut der Mutter dem Kind einen gewissen Schutz. Und selbst wenn die Kinder unter diesen Umständen eine Infektion durchmachen, kommt es in der Regel nicht zu dauerhaften Schäden.

CMV-Test in der Schwangerschaft?

Leidet eine Schwangere an entsprechenden Beschwerden oder zeigen sich in einer Ultraschalluntersuchung des Kindes Auffälligkeiten, wird der Arzt üblicherweise auf CMV untersuchen. Viele Ärzte raten Schwangeren, sich vorsorglich auf eine Immunität gegen CMV testen zu lassen. Die Krankenkassen zahlen so einen Test im Normalfall jedoch nicht. Er wird oft als individuelle Gesundheitsleistung angeboten.

Schwangere lassen sich zum Test und den möglichen Kosten am besten von ihrem Arzt beraten. Ausführliche Informationen lesen Sie im folgenden Beitrag auf www.baby-und-familie.de: ?

Wie stellt der Arzt eine CMV-Infektion fest?

Eine CMV-Infektion kann der Arzt mit Hilfe von Blutuntersuchungen nachweisen. Bestimmte Antikörper im Blut zeigen, dass eine Infektion stattgefunden hat. Spezialisten können an der Art der Antikörper meist auch erkennen, ob es sich um eine frische Infektion handelt, ob sie schon länger zurückliegt oder ob eine reaktivierte Infektion vorliegt.

Eine zweite Möglichkeit ist der direkte Nachweis von Virus-Bestandteilen, zum Beispiel der Erbinformation des Virus (Virus-DNA) oder von Eiweißbestandteilen des Virus (Virus-Antigen) im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Eine große Rolle spielen diese Tests dann, wenn das Immunsystem eines Patienten nicht in der Lage ist, Antikörper auszubilden. Auch der endgültige Nachweis einer angeborenen Infektion eines Neugeborenen ist nur durch einen Virusnachweis möglich. Antikörper im Blut des Neugeborenen stammen meist von der Mutter.

Finden sich Antikörper im Blut einer Schwangeren, die auf eine frische Infektion hinweisen können, sind in bestimmten Zeitabständen Kontrolluntersuchungen notwendig, die eine Aussage darüber erlauben, wann die Infektion tatsächlich stattgefunden hat. Darüber hinaus sind in diesem Fall engmaschige Ultraschallkontrollen des Kindes (alle 14 Tage) üblich. Sie können krankheitsbedingte Veränderungen aufdecken. Als sicher gilt die Diagnose einer angeborenen CMV-Infektion dann, wenn innerhalb der ersten zehn Lebenstage Viren im Speichel oder im Urin des Kindes nachweisbar sind. Wichtig ist eine Untersuchung beim Augenarzt, um eine Beteiligung der Netzhaut zu erkennen.

Wie wird eine CMV-Infektion behandelt?

Menschen mit einer gesunden Immunabwehr brauchen normalerweise keine Behandlung.

Erkranken Menschen mit einer Immunabwehrschwäche an einer aktiven CMV-Infektion, ist eine Therapie mit sogenannten Virostatika üblich. Das sind Medikamente, die das Wachstum von Viren hemmen können. Sie kommen auch bei Neugeborenen mit einer vorgeburtlichen CMV-Infektion zum Einsatz.

Eine Behandlung von Schwangeren oder stillenden Müttern mit diesen Medikamenten empfehlen Experten nicht.

In Studien überprüfen Experten derzeit, ob Schwangere mit einer CMV-Erstinfektion von Hyperimmunglobulin profitieren – also von hochangereicherten Antikörpern. Es gibt erste Hinweise, dass diese Antikörper das Risiko für Ansteckung des ungeborenen Kindes möglicherweise senken können. Ärzte wenden die Antikörper außerdem zur CMV-Therapie bei Immungeschwächten an.

Kann man einer Ansteckung vorbeugen?

Schwangere, die nicht immun gegen CMV sind und ein Kind unter drei Jahren haben, sollten auf jeden Fall folgende Hygienemaßnahmen beachten:

  • Gründliche Händehygiene nach jedem Kontakt zu Körperflüssigkeiten des Kindes (Windelwechsel, Waschen, Füttern, Tränen abwischen, Naseputzen und ähnliches). Im privaten Umfeld gilt ein gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife als ausreichend. In Gesundheitseinrichtungen sollte zusätzlich eine Händedesinfektion erfolgen.
  • Lieber keine Küsse auf den Mund. Dabei kann das Virus übertragen werden.
  • Kein gemeinsames Benutzen von Geschirr, Besteck, Zahnbürsten, Waschlappen und Handtüchern.

Sind Schwangere am Arbeitsplatz einem Ansteckungs-Risiko ausgesetzt (zum Beispiel in Kindergärten oder Krankenhäusern), ist ein Test auf CMV-Antikörper im Rahmen einer arbeitsmedizinischen Untersuchung zu empfehlen. Bei fehlender Immunität wird eventuell ein Arbeitsverbot ausgesprochen. Betroffene lassen sich zu dieser Frage am besten vom Betriebsarzt beraten.

Trägt eine Mutter CMV in sich, kann sie das Virus beim Stillen über die Muttermilch auf das Baby übetragen. Für reife, gesunde Neugeborene ist das normalerweise kein Problem. Bei unreifen Frühgeborenen ist jedoch Vorsicht geboten. In diesem Fall sollte mit den Ärzten besprochen werden, was es zu beachten gibt.

Beratender Experte: Professor Dr. Luka Cicin-Sain

Professor Dr. Luka Cicin-Sain studierte in Kroatien Humanmedizin und Biomedizin. Er arbeitete unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Histologie und Embryologie der Universität Rijeka, am Max von Pettenkofer-Institut der LMU München und als DFG Stipendiat am Vaccine und Gene Therapy Institute der Oregon Health Sciences University (OHSU) in Portland, USA. Seit 2007 war er dort als Research Assistant Professor tätig. Seit 2009 leitet er am das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig die Nachwuchsgruppe "Immunalterung und chronische Infektionen". 2011 erhielt er die Juniorprofessur für Herpesvirale Immunologie am Institut für Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Quellen:


Zytomegalie-Virus-Infektion, RKI-Ratgeber für Ärzte, Stand Januar 2014. Online: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Zytomegalievirus.html (Abgerufen am 26.01.2015)

Österreichich-deutsche Leitlinie zur Therapie und Prophylaxe opportunistischer Infektionen bei HIV-infizierten Patienten, AWMF-Register Nr. 055/006, Stand März 2011. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/055-006l_S2k_Opportunistische_Infektionen_bei_HIV_ infizierten_Patienten_2011-11 (Abgerufen am 26.01.2015)

Vorlesung Tranfusionsmedizin des Unviversitätsklinikums Würzburg: CMV-Prophylaxe. Online: http://www.transfusionsmedizin.uk-wuerzburg.de/studenten/hauptvorlesung/nebenwirkungen-ii/cmv-prophylaxe.html (Abgerufen am 26.01.2015)

Universitätsklinikum Gießen, Medizinische Virologie: CMV-Diagnostik im Zusammenhang mit einer Transplantation. Online: http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_vir/6553.html (Abgerufen am 26.01.2015)

Herold, Gerd, e.a.: Innere Medizin, Gerd Herold, 2012

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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