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Anzeichen einer Blutvergiftung schnell erkennen

Blutvergiftungen sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Was die typischen Symptome sind und wie ein Forscherteam ein Sepsis-Frühwarnsystem entwickelt

von Christian Heinrich, 25.08.2016
Blutproben im Labor

Blutproben: Bestimmte Werte ermöglichen frühe Rückschlüsse auf eine Sepsis


Sie kann mit einer kleinen Infek­tion anfangen – und mit dem Tod enden. Die Sepsis, im Volksmund auch Blutvergiftung genannt, ist für Kliniken eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Nun verspricht ein Forschungsprojekt einen neuen Ansatz, um die Erkrankung früher zu erkennen und zu behandeln. Das könnte Tausende Leben retten.

Jährlich sterben in Deutschland rund 70.000 Menschen an den Folgen einer Sepsis. liegt die Zahl der Sepsis-Fälle mit 280.000 pro Jahr höher als bisher angenommen, in den vergangenen Jahren stieg sie um jeweils fünf Prozent. Eine Blutvergiftung ist damit die dritthäufigste Todesursache nach Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Manfred Thiel

Sepsis-Symptome oft zu spät erkannt

Bei dem gefährlichen Leiden gelangen Krankheitserreger oder deren Giftstoffe von einem Infektionsort im Körper in den Blutkreislauf. Gelingt es dem Organismus nicht, die Infektion rasch zu bekämpfen, löst das eine Überreaktion des Abwehrsystems aus. Diese kann zu Entzündungen im ganzen Körper und am Ende zu vielfachem Organversagen führen.

"Für eine erfolgreiche Behandlung ist es enorm wichtig, dass die Sepsis früh genug erkannt wird", erklärt Professor Manfred Thiel, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Uniklinikum Mannheim. Nach einer großen Operation beispielsweise haben Patienten oft Symptome einer Entzündung. "Das sind etwa eine erhöhte Herzfrequenz, eine beschleunigte Atmung und eine erhöhte Zahl an weißen Blutzellen", so Thiel.

Anzeichen oft nicht eindeutig

Viele Veränderungen im Blutbild gleichen denen einer Sepsis. Es gibt zwar weitere Symptome und spezielle, auf eine Blutvergiftung hindeutende Biomarker, zum Beispiel das C-reaktive Protein (CRP). Doch die Ärzte müssen das Gesamtbild des Patienten berücksichtigen – und rechtzeitig intensivmedizinische Maßnahmen einleiten. Trotz aller Wachsamkeit bleibt die frühzeitige Diagnose schwierig.

So läuft eine Sepsis ab: Ein Klick auf die Lupe vergrößert die Grafik

Sepsis (Schematische Darstellung)

Mediziner arbeiten mit Methoden der Mathematik

Das Forschungsprojekt Scidatos ­versucht deshalb, Risikopatienten schneller zu identifizieren. Mathematiker des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Uni Heidelberg unterstützen die Mediziner. Sie wollen in riesigen Mengen von Patientendaten, die zwar verfügbar sind, aber nicht für die Diagnose genutzt werden, Zusammenhänge erkennen und daraus Algorithmen entwickeln. "Mit Methoden der Mathematik blicken wir viel tiefer und weiter voraus. Ein Arzt kann in der Regel nicht mehr als sechs Variablen bei jedem seiner Patienten auf der Intensivstation gleichzeitig verfolgen und bewerten", so Thiel.

Auf Intensivstationen an vielen Unikliniken werden bereits heute mit elektronischen Datenmanagementsystemen von jedem Patienten Hunderte von Informationen gesammelt: nicht nur Alter, Geschlecht, Krankengeschichte und Vorerkrankungen, sondern auch – mit großer Detailgenauigkeit – verschiedene Blutwerte, Lungenfunktion, Aufzeichnungen zu Blutdruck, Herzfrequenz, Temperatur und Sauerstoffsättigung. Außerdem hat die Forschung bereits viele Körperwerte als mögliche Hinweise für die Sepsis ermittelt. Sie werden aber bislang noch nicht routinemäßig angewandt, erklärt Thiel.

Big Data soll helfen

In das Forschungsprojekt fließen Daten von Patienten mit einer Sepsis und von solchen mit einer ähnlichen Grunderkrankung – aber ohne Sepsis – ein. So sollen auch neue Biomarker gefunden werden, die auf eine Blutvergiftung hinweisen.

"Es ist ein Big-Data-Projekt", sagt Thiel. Die Datenbank dafür ist zum Großteil vorbereitet, bald starten die ersten Analysen. In drei Jahren wollen die Forscher erste Modelle entwickelt haben und die gefundenen Parameter dann bei weiteren Patienten überprüfen. Der Wunsch für die Zukunft? Eine Software zur Schnelldia­gnose einer Sepsis.


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