Hüftarthrose: Therapie

Da eine Hüftgelenksarthrose ebenso wie andere Formen des Gelenkverschleißes nicht heilbar ist, zielt die Behandlung darauf ab, den Abbauprozess des Knorpels zu verlangsamen und bestenfalls zu stoppen

aktualisiert am 20.10.2017

Bei Coxarthrose oft nicht zu umgehen: Ein künstliches Hüftgelenk


Arthrose ist zwar nicht heilbar, kann jedoch in ihrem Fortschreiten verlangsamt werden. Gerade im Anfangsstadium der Hüftgelenksarthrose können die Patienten selbst viel dazu beitragen, dass die Erkrankung nicht oder zumindest langsamer fortschreitet.

Neben Medikamenten können ihnen auch verschiedene nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren helfen, besser mit der Erkrankung zurecht zukommen. So kann auch die physikalische Therapie helfen, Schmerzen zu lindern. Eine Physiotherapie kann die Muskeln kräftigen und damit das Gelenk entlasten. Zudem hilft sie, falsche Bewegungsmuster zu korrigieren und damit weiterer Fehlbelastung vorzubeugen. Je eher in den schädlichen Prozess eingegriffen wird, desto größer sind die Chancen, trotz Hüftarthrose mobil zu bleiben.

Ist die Krankheit zu weit fortgeschritten, hilft meist aber nur noch eine Operation. Oft ist gleich ein künstliches Hüftgelenk angezeigt. Bei bestimmten Fehlstellungen kann, wenn die Arthrose noch nicht zu weit fortgeschritten ist, manchmal auch eine Umformung des Gelenkes (Osteotomie) die Beschwerden lindern.

Selbsthilfe

  • Leichte Bewegung ist empfehlenswert, denn Sport fördert die Durchblutung und die Beweglichkeit der Gelenke. Allerdings sollten unbedingt Sportarten ausgewählt werden, welche die Gelenke nicht überlasten. Dazu zählen Gymnastik, Schwimmen (eher kein Brustschwimmen, sondern andere Stile), Radfahren, Walking und Aqua-Jogging. Ihr Arzt kann Sie zu geeigneten Sportarten beraten. Achtung: Neueinsteiger und Personen, die schon seit längerer Zeit keinen Sport mehr getrieben haben, sollten sich von ihrem Arzt zusätzlich untersuchen lassen, bevor sie mit dem Training beginnen!
  • Eventuell bestehendes Übergewicht abbauen, um die Hüftgelenke zu entlasten.
  • Wärme, Massagen und Krankengymnastik beseitigen Muskelverspannungen und lindern Schmerzen. Auch kann eine gut trainierte Muskulatur das Gelenk entlasten. Aber Achtung: Nicht jeder empfindet solche Maßnahmen als angenehm. Sie sind daher auch nicht immer empfehlenswert. Kommt zur Arthrose eine Entzündung des Gelenks hinzu, kann Kälte zum Beispiel als wesentlich wohltuender empfunden werden als Wärme. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapiemaßnahmen Sie als sinnvoll empfinden und zu welcher Behandlung er Ihnen raten würde.
  • Bei Fehlstellungen der Gelenke ist es sinnvoll, diese zum Beispiel mit orthopädischen Schuhen, Einlagen oder bei fortgeschrittenen Fällen mit entsprechenden operativen Eingriffen korrigieren lassen. Sprechen Sie auch darüber mit Ihrem Arzt.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Physikalische Therapie

Niederfrequente elektrische Ströme werden bei der Elektrotherapie zur Schmerzlinderung eingesetzt. Eines der bekanntesten Verfahren aus diesem Bereich ist die TENS-Therapie, die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation. Dabei kommen kleine tragbare Geräte zum Einsatz, die über Batterien gespeist niederfrequente Ströme erzeugen. Diese werden durch Elektrodenplättchen übertragen, die mit einer Kontaktpaste versehen an dem zu behandelnden Hüftgelenk auf die Haut geklebt werden. Auch Wärmeanwendungen oder bei aktivierter Arthrose Kältetherapie empfinden viele Patienten als angenehm. Eine Behandlung mit Ultraschall kann ebenfalls hilfreich sein.

Orthopädische Hilfen

Gerade puffernde Einlagen können helfen, die Gelenke zu entlasten. Auch Gehhilfen wie Stöcke oder Gehstützen nehmen einen Teil des Gewichtes von den Hüftgelenken, wenn sie richtig eingesetzt werden. Der Stock wird meist auf der gesunden Seite verwendet, um das kranke Gelenk zu stützen.

Krankengymnastik

Physiotherapie kann den Verlauf der Hüftarthrose positiv beeinflussen: Krankengymnastische Übungen verbessern die Beweglichkeit der Gelenke und helfen, die Muskeln rund um das Gelenk zu kräftigen und ihm damit mehr Schutz gegen Belastungen zu geben.
 Eine gute und regelmäßige Krankengymnastik kann im Frühstadium der Arthrose bereits ausreichend sein, um die Beschwerden zu lindern. Sofern sie richtig ausgeführt wird – weshalb Krankengymnastik auch unter Aufsicht geschulter Therapeuten erfolgen muss. Dabei lernen die Patienten auch, wie sie die Übungen zu Hause durchführen sollen.

Medikamente

  • NSAR: Die so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, können helfen, Gelenkschmerzen zu lindern. Typische NSAR sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Ketoprofen. Sie enthalten kein Kortison, daher ihr Name: Mit der Bezeichnung "nichtsteroidal" grenzt man sie von kortisonhaltigen Präparaten ab.
    Diese Medikamente verringern nicht nur die Schmerzen, sondern hemmen auch Entzündungen, indem sie die Produktion körpereigener Substanzen verringern, die im geschädigten Gewebe Schmerz- und Entzündungsreaktionen hervorrufen. Dazu blockieren sie ein Enzym namens Cyclooxygenase. Dieses bildet sogenannte Prostaglandine, die Entzündungen und Schmerzen verursachen.

    NSAR sollten nur kurzzeitig und in möglichst geringer Dosierung angewendet werden. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt! Denn die Palette der Nebenwirkungen von NSAR ist breit; besonders häufig sind Magenbeschwerden.
  • Andere Schmerzmittel: Im Unterschied zu den NSAR wirken manch andere Schmerzmittel nicht entzündungshemmend, sondern ausschließlich schmerzlindernd. So zum Beispiel die Opioide, die bei starken Gelenkschmerzen in Form von Tabletten, Tropfen oder Pflastern zur Therapie eingesetzt werden.
  • Kortisonpräparate: Kortikoide stellen als körpereigene Hormone wichtige Stoffe dar – so haben sie unter anderem die Eigenschaft, übermäßige Entzündungsreaktionen zu dämpfen. Die heute übliche Art der Anwendung in der Arthrosetherapie ist die Injektion: Dabei werden sogenannte Glukokortikoide, die dem körpereigenen Kortikoiden verwandt sind, direkt in das erkrankte Hüftgelenk gespritzt (teilweise in Kombination mit lokal betäubenden Mitteln).

    Das hat den Vorteil, dass die Stoffe gleich dort wirken, wo sie auch gebraucht werden. Solche Injektionen sind jedoch nur sinnvoll, wenn bei einer aktivierten Arthrose andere Maßnahmen nicht helfen. Selbst dann sollten sie jedoch nur über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt werden. Die Injektion muss unter sterilen Bedingungen stattfinden, damit es nicht zu einer Gelenkinfektion kommt.

Operative Methoden

Zur Anwendung kommen zwei Verfahren:

  • Osteotomie: Eine Umstellung der Knochen kann bei einer Fehlstellung (insbesondere bei der Hüftgelenksdysplasie) helfen, die Position der Gelenkflächen zu optimieren. Dieser Eingriff ist aber nur in frühen Stadien der Arthrose angezeigt.
  • Endoprothese: Eine der häufigsten in Deutschland durchgeführten operativen Eingriffe ist die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes. Die Operationsmethoden wie auch die Implantate haben sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert, so dass die Erfolgsaussichten inzwischen sehr gut sind. Nach wie vor existiert jedoch kein Material, das an die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des natürlichen Gelenks heranreicht. Die Erfahrung zeigt aber, dass Hüftgelenksprothesen durchschnittlich mehr als 15 Jahre halten.
    Die Auswahl an Prothesen für das Hüftgelenk ist groß – ob aus Keramik, Metall oder Plastik mit oder ohne Zement, zum teilweisen oder kompletten Ersatz. Welche Prothese und Operationsmethode am besten sind, lässt sich nicht so einfach sagen: Die Wahl ist abhängig vom Zustand des Knochen rund um das zu ersetzende Gelenk, vom Körpergewicht und weiteren individuell unterschiedlichen Faktoren.

    In den ersten Wochen und Monaten nach der Operation müssen geschwächte und verkürzte Muskeln wieder mittels Krankengymnastik aufgebaut werden. Ebenso sollte ein Koordinations- und Ausdauertraining durchgeführt werden. Empfehlenswerte Sportarten nach einem Hüftgelenksersatz sind Schwimmen, Wandern auf ebenem Gelände, Golf und Radfahren. Ungeeignet sind Sportarten mit häufigem Tempowechsel und ruckartigen Belastungen wie Fußball, Handball, Tennis und alpiner Skilauf. Beim Sport ist die Gelenkschwäche zu beachten.

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