Wirkung von Akupunktur nachweisbar

Mit Nadeln gegen Rückenschmerzen, Kniegelenkarthrose – und bald auch Heuschnupfen? Die fernöstliche Heilmethode ist beliebt und es gibt neue beachtliche Ergebnisse

von Christian Krumm, 22.10.2015

Akupunktur: Nadelstiche sollen Blockaden in Leitbahnen lösen


Die neueste Erfolgsmeldung vorneweg: Nadeln sind auch eine feine Waffe im Kampf gegen Heuschnupfen. Wissenschaftler der Jiaotong-Universität Shanghai (China) haben in einer Übersichtsarbeit 13 Studien ausgewertet. Das Fazit der Mediziner: Die Akupunktur kann für Pollenallergiker eine sichere und wirksame Therapieoption sein.

Dass die fernöstliche Heilmethode tatsächlich wirkt, davon ist Dr. Bettina Hauswald, Fachärztin für HNO und Allergologie an der Universitätsklinik Dresden, seit 30 Jahren überzeugt. "Zuerst muss aber eine gute fachgerechte Diagnostik erfolgen und die Ursache entsprechend behandelt werden", meint die Medizinerin.

Krankenkassen zahlen nur in bestimmten Fällen

Bislang zahlen Krankenkassen die Behandlungen mit den Nadeln aufgrund der guten Nachweise aber nur bei Rückenschmerzen und Kniegelenkarthrose. In der Schmerztherapie ist die Akupunktur eines der am besten untersuchten Verfahren, meint auch Dr. Dominik Irnich, Schmerzforscher an der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München: "Besonders in der Behandlung von myofaszialen Schmerzen, die häufig auch Ursache für Rückenschmerzen sind, haben wir mit Akupunktur sehr gute Erfahrungen gemacht." Unterstützend biete sich die Therapie aber bei vielen verschiedenen Schmerzerkrankungen an.

Um die Krankenkassen auch von der Wirkung bei anderen Leiden zu überzeugen, führt Bettina Hauswald mit ihrem Team derzeit mehrere Studien dazu durch. Die Dresdner Wissenschaftler möchten beispielsweise herausfinden, inwieweit Menschen mit einer Birken-, Gräser- oder Milbenkot-Allergie von der Methode profitieren oder wie gut die Nadeln Beschwerden wie etwa Zungenbrennen, Riechstörungen oder Schwindel mildern.

Mit Nadeln Reize auslösen

Warum die feinen Nadelstiche wirken, ist noch nicht umfassend erforscht. Die Akupunktur basiert auf der seit Jahrtausenden praktizierten chinesischen Medizin. Sie geht davon aus, dass energetische Leitbahnen (Meridiane) existieren, die sich durch den ganzen Körper ziehen. Entlang der Meridiane sollen Nadeln bestimmte sogenannte Triggerpunkte stimulieren und damit eine Blockade lösen: Die Lebensenergie Chi fließt wieder und aktiviert die Selbstheilungskräfte.

"386 Akupunkturpunkte sind bis heute nachgewiesen. Dort ist die Haut auch empfindlicher, der Patient spürt einen leichten dumpfen Druck", erklärt Expertin Hauswald. Weil die Meridiane aber nicht nachweisbar sind, ist dieses traditionelle Erklärungsmodell für Naturwissenschaftler kaum ausreichend.

Und trotzdem kennen Forscher inzwischen zahlreiche nachweisbare Effekte. Beim Setzen der Nadel erfolgt ein Reiz: "Durch das Drehen und Bewegen der Nadel an der Einstichstelle werden Bindegewebsfasern aktiviert. Der Reiz wird sofort weitergeleitet, was auch auf Rückenmarksebene zu messbaren Reaktionen und Gegenreaktionen des Körpers führt", erklärt Irnich. Sowohl Schmerzhemmung als auch -wahrnehmung würden beeinflusst. Radiologische Untersuchungen des Gehirns konnten das belegen. "Es gibt auch gute Hinweise, dass Akupunktur die Umbauprozesse, die der chronische Schmerz in der Großhirnrinde verursacht, rückgängig machen kann", so der Münchner Schmerzforscher.

Akupunktur als Zusatztheraphie

Und die nachweisbaren Effekte gehen noch weiter: So führen die Nadelstiche zu einer Ausschüttung von Botenstoffen, Endorphinen und Vorstufen von Kortisol. Selbst ein regulierender Einfluss auf das Hormonsystem konnte mittlerweile belegt werden.

"Und in der Hand eines geschulten Arztes ist die Akupunktur auch sicher", meint Bettina Hauswald. "Die einzige Nebenwirkung kann mal ein blauer Fleck sein." Allerdings müsse man, so Schmerzforscher Irnich, die Indikation immer genau überprüfen: "Manchmal sind Medikamente oder auch eine Physiotherapie sinnvoller."

Allergologin Hauswald sieht das genauso: "Bei Heuschnupfen kann Akupunktur durchaus hilfreich sein – aber erst dann, wenn eine moderne Immuntherapie erfolglos geblieben ist."

Alternative: Akupunktur mit Laser

Ängstliche Patienten und Kinder können von der Laserakupunktur profitieren. Manche Mediziner nutzen einen Softlaserstift, mit dem sie alle erforderlichen Triggerpunkte nacheinander behandeln. Viele Praxen und Kliniken setzen auch Geräte ein, mit denen bis zu zehn Punkte gleichzeitig gereizt werden können.

"Der Effekt ist etwa 30 Prozent schwächer als mit den Nadeln", meint Schmerzforscher Dominik Irnich. Wie gut die Laserakupunktur tatsächlich wirkt, will die Dresdner Expertin Bettina Hauswald im Rahmen einer weiteren Studie herausfinden.


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